mini|Königlich Preußisches Stadtschloss, 2024 mini|Blick vom Dach des Hauses Domplatz 11a auf das Stadtschloss, 2021 Das Königlich Preußische Stadtschloss ist ein denkmalgeschütztes Gebäude in Magdeburg in Sachsen-Anhalt. Es ist heute Sitz des Justizministeriums des Landes Sachsen-Anhalt.

Lage Das Schloss befindet sich auf der Ostseite des Domplatzes in der Magdeburger Altstadt an der Adresse Domplatz 2, 3. Südlich grenzen die Alte und Neue Möllenvogtei an, nördlich das Knautsche Palais. Östlich des Gebäudes liegt der Garten der Möllenvogtei. Auf dem Grundstück befindet sich das als eigenes Baudenkmal ausgewiesene Gartenhaus am Königlich Preußischen Stadtschloss.

Architektur und Geschichte Vorgängerbebauung Domplatz 2 Das Grundstück Domplatz Nummer 2 befand sich zwischen der südlich gelegenen Möllenvogtei und dem nördlich befindlichen erzbischöflichen Haus. Bebaut war es mit einem Haus, das jedoch nicht in der Flucht des heutigen Domplatzes stand, sondern deutlich weiter östlich, schon am Abhang, der zur Elbe hinunter führt. Es diente als Amtsschreiberei. Im Jahr 1411 teilte Erzbischof Günther den Hof neben dem Moßhause und dem Möllenhofe, die Schreiberei genannt, sowie den darunter befindlichen Garten, seinem Schreiber Hermann Quesitz sowie dessen Bruder Johann als Wohnsitz zu. Noch 1631 wurde das Haus als Schreiberei bezeichnet, in einem überlieferten Verzeichnis jedoch wohl fälschlich der Möllenvogtei zugerechnet. Bewohner des Hauses waren 1631 der Amtsschreiber und seine Ehefrau, Wernehr, der Copegiste und der Schreiberjunge. In der Zeit nach 1631 wurde die Schreiberei dann jedoch bald in ein weiter nördlich, im Bereich Domplatz 4, gelegenes Haus, verlegt. Das Häuschen Domplatz 2 wurde sodann vermutlich vermietet. In der Zeit um 1680 wurde der Aktuar Zierenberg als Bewohner genannt, der es vermutlich angemietet hatte.

Die in Magdeburg neugegründete reformierte Gemeinde nutzte die nahe gelegene Sankt-Gangolfi-Kapelle und bat darum, das Häuschen als Schulhaus und Wohnung für ihren Schulmeister zu erhalten. Tatsächlich genehmigte Kurfürst Friedrich III. am 25. Juni 1689 diesen Antrag, so dass eine Nutzung durch den Vorläufer der späteren Friedrichsschule erfolgte. 1692 wurde vom Töpfer Tobias Bürger für sieben Taler ein Ofen eingebaut.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Erster Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 73 Die Nutzung als Schule dauerte von 1689 bis 1696, dann erwiesen sich die Räume durch die steigende Schülerzahl als zu klein. Vom Presbyterium der Kirche wurde das Gebäude dann vermietet. Erster Mieter, für eine Jahresmiete von acht Talern, war der Möllenvogt Dr. Dürrfeld, der nebenan wohnte und das Haus zur Einrichtung von Beamtenwohnungen nutzte. Danach, die Gemeinde war mit Dürrfeld verstritten, wurde das Haus für zehn Taler jährlich an den Uhrmacher Heinrich Petersen vermietet. Im Mietvertrag wurde bereits darauf hingewiesen, das im Falle einer Erweiterung des Schlosses ein Abriss des Hauses drohen könnte.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Erster Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 53 f.

Aus dem Jahr 1715 ist eine Erwähnung als des Uhrmachers Haus überliefert. Mieter war für zwölf Taler jährlich die Königliche Kammer. Der Versuch der Gemeinde das Haus an die Kammer zu verkaufen, wurde vom König jedoch abgelehnt. Die Gemeinde veräußerte 1715 das Gebäude für 200 Taler an den Kammer- und Rentei-Sekretär Johann(es) Dreschhof. Die Genehmigung hierfür erteilte König Friedrich Wilhelm I. am 29. Mai 1715. Aus dem Nachlass Drechhofs erhielt das Haus 1728 der Chirurg bzw. Barbier Joh. Friedrich Heinrich. 1751 gelangte es an den Regierungssekretär Friedrich Schröter, der das Gebäude 1757 für 1350 Taler an den Holzschreiber Andreas Wiesel veräußerte. Von ihm erwarb es 1771 Böttchermeister Ernst Gottlieb Böltche für 1200 Taler. Im Jahr 1815 wurde der Kanzlist David Kaspar Harslaue als Eigentümer geführt. 1835 lebte Professor Sucro, Oberlehrer am Domgymnasium Magdeburg, im Haus.

Vorgängerbebauung Domplatz 3 – Bischofsresidenz Auf dem Gelände von Domplatz 3 wird der Standort des Herrenhauses des Wirtschaftshofes in karolingischer und ottonischer Zeit vermutet. Dann hätte Editha, Ehefrau Otto I., die den Hof als Morgengabe erhielt, hier möglicherweise ihren Wohnsitz gehabt. Im Jahr 937 schenkte Otto den Hof, nach dem Tod seiner Ehefrau, dem Moritzkloster. Mit der Gründung des Erzstifts Magdeburg kam der Meierhof ab 968 an den Erzbischof, der hier auch wohnte. Der Bischofshof befand sich jedoch wohl etwas weiter südlich des jetzigen Standorts. Im 12. Jahrhundert wurde der Bau abgerissen. In der Zeit um 1270 erfolgte unter Erzbischof Konrad von Sternberg ein teilweiser Neubau. Vom Portal des Hofes führte der Bischofsgang zum Dom. Im Mittelalter wurde der Hof häufig als Mußhaus oder Moßhaus bezeichnet. Der Name leitete sich von dem Umstand ab, dass die Zinspflichtigen ihre Getreideabgaben in das Muß- bzw. Vorratshaus der erzbischöflichen Pfalz abzuliefern hatten.

Östlich des Bischofshofes befand sich die an das Herrenhaus angebaute Kapelle St. Gangolfi. An die Bischofspfalz grenzte ein Platz, an den im Osten die Alte Möllenvogtei, im Süden der Dom, im Westen der Bischofsgang und im Norden der bischöfliche Hof grenzte. Hier fand das Halsgericht unter Königsbann statt. In der Zeit der Ottonen war der Kaiser zum Teil selbst Gerichtsherr, so auch Heinrich II. Er verurteilte hier Diebe zum Hängen. Im Übrigen hielt das peinliche Gericht der Erzbischof ab, der jedoch von seinem Oberrichter, dem Burggrafen vertreten wurde. Später entstand gegenüber der Gerichtsstätte die Paradiespforte des Magdeburger Doms, deren kluge und törichte Jungfrauen als Ausdruck der Unerbittlichkeit auch des weltlichen Gerichts verstanden werden können.Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg, Teil 2. Niemeyer Verlag Halle (Saale) 1956, Seite 33. Ein weiterer Gerichtsort am bischöflichen Hofe war der Bereich vor der roten Tür, wo der Möllenvogt als Unterrichter tagte. An der Mauer soll hier auch eine steinerne Gerichtsbank gestanden haben. mini|Erzbischöfliches Palais mit Bischofsgang auf einem Ausschnitt eines Holzschnitts von 1552 mini|Ruine des Bischofspalastes in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mini|Ruine des erzbischöflichen Hofs (links hinten) auf einer Zeichnung aus dem 17. Jahrhundert, Blick von Westen, (ganz links Gebäude der Dompropstei Magdeburg auf der Westseite des Domplatzes, rechts der Ruine: die Alte Möllenvogtei (Bildmitte)) Die konkrete Gestaltung des Bischofshofes ist nicht überliefert. 1270 wird er mit dergleichen nirgend stehet beschrieben, woraus auf einen Prachtbau geschlossen werden kann. Zum Hof gehörte neben einem Speisesaal auch ein Marstall und eine Aula als Fest- und Empfangssaal. Darüber hinaus gab es ein Hauptwohngebäude, in dem sich im Erdgeschoss die Hofstube befand, die verschiedensten Zwecken diente. Für den 8. Oktober 1524 ist überliefert, dass das Domkapitel die verfallene Hofstube reinigen ließ. Anlass war eine beabsichtigte Zusammenkunft aller Geistlichen der Stadt. Seit der Zeit von Erzbischof Ernst lebten die Erzbischöfe zumeist auf der Moritzburg bei Halle (Saale), so dass der Magdeburger Hof verfiel und wohl nur für Dienstwohnungen von Beamten genutzt wurde. Umgeben war der Bischofshof wohl von einer größeren Mauer. Am Eingang zum Hof befand sich ein Pförtnerhaus. Für den 12. Dezember 1609 ist eine Bewilligung des Administrators Markgraf Christian überliefert, in der er dem Domküster Martin Nolte und seiner Ehefrau ein lebenslanges Wohnrecht im Pförtnerhaus bewilligte, da sie beim Wiederaufbau des Pförtnerhauses große Mühe aufgewandt hatten. Zugleich waren jedoch die Pförtneraufgaben zu leisten.

Kurz vor der Zerstörung Magdeburgs im Jahr 1631 wurden fünf verschiedene Parteien als Bewohner des Objekts verzeichnet. Der Verfall war so weit fortgeschritten, dass Administrator Christian Wilhelm den Komplex zu einem großen Teil hatte abtragen lassen. Das Baumaterial diente während der Belagerung zur Verstärkung der städtischen Außenschanzen. Während der Zerstörung der Stadt blieben die Reste des Hofs vom Brand verschont. Zeitweise diente der Hof in der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs als Zeughaus.

An der Nordseite des Hofs befand sich ein Bergfried mit viereckigem Grundriss. Er ist auf einer Darstellung aus dem Jahr 1579 abgebildet. 1637 wurde er wegen Baufälligkeit auf Veranlassung von Generalfeldwachtmeister von Vitzthum abgerissen. Im Jahr 1698 wurde der erzbischöfliche Hof als Ruine beschrieben, von der nur noch das Mauerwerk stand. Nach der Zerstörung von 1631 waren auch für den Wiederaufbau anderer Gebäude Steine des Hofes genutzt worden.

Heutiges Gebäude mini|Blick von Süden auf das Dach des Stadtschlosses (rechts), 1880er Jahre mini|Blick von Südwesten, 2013 mini|Blick vom Fürstenwall auf die Ostseite des Schlosses 1699 besuchte Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg Magdeburg und bestimmte, dass an Stelle der Ruine ein kurfürstliches Schloss zu errichten sei. Domdechant von Arnstedt ließ daraufhin die Ruine abreißen und legte am 23. März 1700 den Grundstein für das Schloss. Der Bau des prächtigen aber schlicht gestalteten Gebäudes erstreckte sich wohl bis 1701. Aufgrund des sehr schnell ausgeführten Baus ergaben sich diverse Baumängel, die ab 1711 häufigen Reparaturbedarf nach sich zogen. Der mit Reparaturarbeiten beauftragte Baumeister Johann Christoph Memhardt beklagte sich darüber, dass Balken einfach in das Mauerwerk gesteckt worden seien, so dass sie faulen mussten.Alfred Hentzen, Magdeburger Barockarchitektur, Dessau 1927, Seite 30 f.

Der Architekt des barocken Hauses ist unbekannt, vermutet wird Giovanni SimonettiSabine Ullrich, Die Geschichte des Magdeburger Domplatzes, Stadtplanungsamt Magdeburg 2001, Seite 64.Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Band 14, Landeshauptstadt Magdeburg, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2009, ISBN 978-3-86568-531-5, Seite 169.. Ursprünglich war das Gebäude zweigeschossig mit Mezzanin ausgeführt. Die zum Domplatz ausgerichtete Westfassade wurde 15-achsig gestaltet. Auf einen Giebel, Risalite oder Fenstergruppierungen wurde verzichtet. Die Fenster besitzen eine einfache, etwas vorkragende Verdachung, wobei diese im Obergeschoss etwas flacher ausgeführt wurden und im Mezzaningeschoss fehlten. mini|Segmentgiebel des mittleren Fensters in der Beletage Lediglich das Fenster in der mittleren Achse des ersten Obergeschosses, der Beletage, wurde aufwändiger gestaltet. Es wird von einem Segmentgiebel überdacht, der mit einer Rollwerkkartusche verziert ist. Sie zeigt den preußischen Adler und eine Königskrone. Links und rechts hiervon befindet sich jeweils ein eine Posaune blasender Engel. Das mittig angeordnete Hauptportal verfügte über eine Vorfahrt mit weit vorspringender Überdachung, die von vier Säulen getragen wurde. Nach Norden und Süden wurde jeweils eine lange Rampe angelegt. Zum Domplatz hin entstand eine Freitreppe. Über einem kräftigen Hauptgesims wurde eine balusterförmige Attika angelegt. Bedeckt wurde der Bau von einem großen Walmdach mit stehenden Dachfenstern und Fledermausgauben.