Peter Biro (* 31. Dezember 1956 in Oradea/Nagyvárad/Grosswardein, Rumänien) ist ein Schweizer Schriftsteller satirischer Kurzgeschichten. Bis zu seiner Pensionierung Ende 2021 war er Arzt, klinischer Forscher und Titularprofessor für Anästhesiologie am Universitätsspital Zürich und Entwickler von medizinaltechnischen Instrumenten (s. unten Beiträge in Fachzeitschriften).
Leben Peter Biro verbrachte seine ersten 13 Lebensjahre in seiner Heimatstadt Oradea im damals sozialistischen Rumänien. Im Frühjahr 1970 emigrierte die Familie nach Deutschland, nachdem die geplante Übersiedlung nach Australien nicht zustande gekommen war. Nach Einbürgerung in die Bundesrepublik, Abitur an der Bettinaschule in Frankfurt am Main (1970–1976) und Studium der Humanmedizin an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main (1977–1983) spezialisierte sich Biro im Fach Anästhesiologie und Intensivmedizin.
Biro spricht Deutsch, Englisch, Ungarisch und Rumänisch fliessend. Seit seiner Pensionierung lebt er abwechselnd in Meilen (Schweiz) und an der Costa Blanca (Spanien).
Beruflich-wissenschaftliche Entwicklung Die ersten vier Jahre als Assistenzarzt absolvierte Biro am Markus-Krankenhaus in Frankfurt am Main (1983–1987), währenddessen er das Facharztdiplom für Anästhesiologie erwarb. Im Herbst 1987 wechselte er an das Institut für Anästhesiologie am Universitätsspital Zürich. Während seiner Tätigkeit in Zürich (1987–2021) widmete sich Biro den Problemen des anästhesiologischen Atemwegsmanagements und insbesondere der schwierigen Intubation, was über mehr als drei Jahrzehnte eine Reihe von themenbezogenen Fortbildungsveranstaltungen und Fachartikeln mit sich brachte. Ein mit einem kleinen Spiegel ausgestatteter Laryngoskop-Spatel war ein Vorläufer aller späteren Apparaturen unterschiedlichster Provenienz, die mittels Glasfasern und später via Miniaturkamera die Visualisierung des Kehlkopfeingangs für die tracheale Intubation zum Ziel hatten. Biro entwickelte in den neunziger Jahren die Anwendung der Hochfrequenz-Jetventilation weiter, die ursprünglich in den siebziger Jahren in Pittsburgh (USA) eingeführt worden war, aber mit verschiedenen technischen Unzulänglichkeiten zu kämpfen hatte. Biro passte diese Beatmungstechnik den Erfordernissen und Möglichkeiten der neunziger Jahre an und erzeugte damit eine verstärkte Beachtung und Anwendung dieser Methode. Hierbei war er massgeblich an der Entwicklung der Acutronic-Monsoon-Jetventilator-Reihe beteiligt sowie an einem laserlichtresistenten Katheter für die infraglottische Jet-Beatmung, der seinen Namen trägt. Biro erarbeitete Formeln zur Berechnung des Sauerstoffverbrauchs und der Aufnahme volatiler Anästhetika aus der resultierenden Gasmischung im Beatmungssystem. Er leitete ausserdem die Berechnungsgrundlage zur Kategorisierung der individuellen Fähigkeit zur Kohlendioxid-Elimination unter Jetventilation her. Ferner schlug er ein einfach zu erhebendes Punktesystem zur Klassifizierung der Invasivität und Stressbelastung des Patienten durch den chirurgischen Eingriff vor. Eine weitere von ihm erdachte Formel diente der vereinfachten Quantifizierung und Dokumentation von Schweregrad und Ursächlichkeit einer vorgenommenen Intubation.
Nach einer kurzen Instruktion am Children’s Hospital in Philadelphia (USA) führte Biro das anästhesiologische Vorgehen bei intrauterinen Korrektur-Operationen von Feten mit offenem Rücken am Universitätsspital Zürich ein. Damit wurde es das erste Zentrum in Europa, in der diese Art Eingriffe durchgeführt wurde. Die Besonderheit bei diesem Eingriff ist, dass Mutter und ihr Ungeborenes gleichzeitig in Narkose versetzt werden, ein Verfahren, welches u. a. mit erheblichen Risiken einhergeht, darunter die einer Fehlgeburt. Dies zu verhindern, ist in enger Abstimmung mit Geburtshelfern und Kinderchirurgen ein wichtiger Aspekt der verabfolgten Anästhesie.
Ein halbjähriger Aufenthalt an der Thorax-Klinik Heidelberg (1989) verschaffte Biro wichtige Erfahrungen in der Anwendung der Jetventilation in Pulmonologie und Thoraxchirurgie und resultierte in Publikationen, die seine Habilitation und spätere Beförderung zum Titularprofessor für Anästhesiologie an der Universität Zürich ermöglichten. Das halbstarre, manuell steuerbare SensaScope wurde von Biro entwickelt, und in Zusammenarbeit mit Ingenieuren aus der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich konzipierte er die mit Bilderkennung und künstlicher Intelligenz ausgestattete LarynGuide und die roboterassistierten Intubationshilfen Realiti und IntuBot.
Insgesamt publizierte Biro zwischen 1990 und 2021 rund einhundert Beiträge in Fachzeitschriften, über ein Dutzend Buchkapitel und hielt Fachvorträge an in- und ausländischen Kliniken, Symposien und Kongressen sowie Vorlesungen an der Universität Zürich. Unter anderem gab er ab 1996 das deutschsprachige Standardwerk für Anästhesie bei seltenen Erkrankungen heraus. Er erforschte die evolutionsbiologische Entwicklung der Atmungsorgane bei Amphibien, Reptilien, Vögeln und Säugetieren und kam zu dem Ergebnis, dass die Notwendigkeit der Sicherung der Atemwege in Anästhesie und Rettungsmedizin im engen Zusammenhang mit der in der Urzeit von vor ca. 400 Millionen Jahren erfolgten Entwicklung des Atmungsapparats kurz vor der Erschliessung von landbasierten Lebensbereichen steht. Biro beschrieb in seiner darwinistisch hergeleiteten Argumentation, warum und wie es im frühen Devon zu dieser anatomischen und funktionellen Gestaltung bei den damaligen Lungenfischen gekommen war und welche Folgen für die Möglichkeit der Erzeugung von Geräuschen und akustischer Kommunikation die Entwicklung eines schützenden Schliessmechanismus auf der Ebene des Kehlkopfs im gesamten Tierreich hatte.
Belletristisches Schaffen Ab 2017 und vermehrt nach seiner Pensionierung 2022 begann Biro, kulturgeschichtliche Artikel und humoristische Beiträge in diversen Online-Magazinen zu veröffentlichen, die teilweise auch im Druck erschienen sind. Erste Kurzgeschichten fanden ihren Weg über Schreibwettbewerbe in Anthologien. Einige seiner Beiträge wurden prämiert, namentlich mit dem Anerkennungspreis der Sächsischen Landeszentrale für Politische Bildung für Hurra, ich werde älter (2021), dem 1. Preis der @Schreibkommune für Lösung der Schreibblockade mit Qwertz (2021) sowie dem 2. Preis beim Literaturwettbewerb der Schreibwerkstatt W. J. Marko für Fatale Entgleisung im Terra-Biolabor (2022).
Insgesamt publizierte Biro ca. 200 Artikel. Bevorzugte Medien waren auf Deutsch das Glarean-Magazin und die Hermannstädter Zeitung, auf Rumänisch die Revista Baabel, auf Ungarisch das Erport Érdes Erdély und auf Englisch die Times of Israel Blogs.
Biros erste Buchveröffentlichung kam auf dem Höhepunkt der Covid-Pandemie zustande. In einer satirisch überhöhten und dem Ernst der Sache teilweise widersprechenden humoristischen Sprache breitete er seine Ansichten in 14 Kurzgeschichten unter dem Titel Zwerchfell unter Virenangriff. Die humorvolle Abrechnung eines Arztes mit der Corona-Pandemie (CarpeGusta 2021) aus. Darin verarbeitete er eigene Erlebnisse sowie allgemein gesundheitspolitische Ereignisse um die Pandemie. Ebenfalls ausgehend von seinen beruflichen Erfahrungen, publizierte er die heitere und gleichzeitig kritische Kurzgeschichte Die Liebe zu den drei Organen (Glarean-Magazin, 25. Oktober 2019), in der er die überzogenen Ambitionen und Eitelkeiten sowie das Duckmäusertum im universitären Spitalbetrieb karikierte und sie mit Anspielungen auf Prokofjews Oper Die Liebe zu den drei Orangen anreicherte. Die erkennbare sprachspielerische Neigung der assoziativen Umformung, Verballhornung oder Umdeutung von Wörtern wurde seitdem ein fester Bestandteil von Biros belletristischem Werk.
Auf Anregung der Bonner Skandinavistin Astrid van Nahl, die seine bedeutendste kritisch-konstruktive Förderin wurde, legte Biro eine Sammlung von parodistischen und satirischen Arbeiten an, die in unterschiedlicher Kombination zu Buchmanuskripten sortiert und zusammengefasst wurden. Daraus entstanden das 2022 erschienene Auf zum fröhlichen Weltuntergang (Blitz-Verlag, Windeck 2022) sowie Alles außer Rand und Band – Fünfzig Kurzgeschichten von skurril bis absurd (KaMeRu Verlag, 2023). Ende 2025 erschien sein Band mit 159 literarischen Parodien auf ein Kochrezept Tarator - 159 literarische Variationen einer kalten Gurkensuppe. Sein erster Roman aus dem Genre des sog. „magischen Realismus“ Die Faszination gepolsterter Rückenlehnen befindet sich zurzeit (2026) beim ars remata Verlag in der Produktion.
In seinem bisher umfangreichsten Werk, Vom Taumeln zwischen den Kulturen (Werd & Weber, 2021), blickt Biro auf seine Kindheit im sozialistischen Rumänien zurück.Klaus Philippi: Die Existenz im sozialistischen Rumänien als eine dadaistische Tragikomödie. In: Allgemeine Deutsche Zeitung. Hermannstadt 16. Juni 2022 (Buchbesprechung). Darin verwebt er in seiner zwischen nachdenklich und heiter changierenden Sprache seine Familiengeschichte samt autobiographischen Erinnerungen mit den gesellschaftlichen Verhältnissen in der damals repressiven, poststalinistischen Gesellschaft. Der beschriebene Zeitraum erstreckt sich von den Anfängen der tradierten Historie jener «geschichtsverschlissenen» Gegend bis zur improvisierten Auswanderung der Kleinfamilie und Biros erstaunlich schnelle und nahtlose Integration in die Lebenswelt der Bundesrepublik der frühen siebziger Jahre.
Publikationen (Auszug) Belletristik
Auf zum fröhlichen Weltuntergang. Blitz-Verlag (epub), Windeck 2022, ISBN 978-3-95719-325-4. Alles außer Rand und Band – Fünfzig Kurzgeschichten von skurril bis absurd. KaMeRu Verlag, 2023, ISBN 978-3-906082-96-7. Tarator – 158 literarische Variationen einer kalten Gurkensuppe. KaMeRu Verlag, Zürich, Dezember 2025, ISBN 978-3-907327-05-0 Die Faszination gepolsterter Rückenlehnen (Roman). ars remata Baden, Juni 2026 (in Vorbereitung), ISBN 978-3-9526200-8-3 Dramen Overboard – Eine himmlische Tragikomödie, Lustspiel in 2 Akten Stillleben mit Huhn und Schreibmaschine. Einakter mit zwei Darstellern Beide Dramen erschienen in rumänischer Übersetzung in Dincolo de ordinea obișnuită -- Două piese la marginea realității. Editura Integral, București 2026, ISBN 978-606-992-806-6.
Buchkapitel Operative Anwendung der Jet Ventilation – Möglichkeiten und Grenzen. In: Joachim Eckart, Karsten Jaeger, Thomas Möllhoff: Anästhesiologie. Ecomed, Heidelberg 2015, ISBN 978-3-609-71361-8. Jet Ventilation – How to Adequately Handle This Exotic Ventilation Technique and Earn the Admiration of Your Spectators. In: Avoiding Common Anesthesia Errors. Catherine Marcucci, Brian T. Gierl, Jeffrey R. Kirsch. 2. Aufl. Wolter Kluwer, Philadelphia, ISBN 978-1-4511-9519-4. mit Vladimir Nekhendzy: Chapter 38: Airway management in head and neck surgery. In: Carin A. Hagberg, Carlos A. Artime, Michael F. Aziz: Hagberg and Benumof’s Airway Management. 4. Ausg. Elsevier, Philadelphia PA, ISBN 978-0-323-42881-1, S. 668–691. mit Marc Van de Velde: Obstetric analgesia and anaesthesia. In: Oxford Textbook of Anaesthesia («the Work»). Hrsg. Jonathan Hardman, Philip Hopkins, Michel Struys. S. 1139–1160. mit Emanuela Keller: Basisversorgung des Patienten. Sicherung der Atemwege. In: Stefan Schwab, Peter Schellinger, Christian Werner, Andreas Unterberg, Werner Hacke: NeuroIntensiv. 2. Aufl. Springer, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-642-16910-6. Jet ventilation settings and setting changes. In: Joint Papers on Jet Ventilation. Hrsg. Gerhard A. Baer. Tampere University Press, Tampere 2011, ISBN 978-951-44-8488-9, S. 18–22. mit Eli Alon: Anästhesie für den Kaiserschnitt. In: Michael Stark: Der Kaiserschnitt. Urban & Fischer, Heidelberg 2008, ISBN 3-437-24310-1.