Zürichdeutsch (Eigenbezeichnung: Züritüütsch) bezeichnet den hochalemannischen Dialekt, der hauptsächlich im Schweizer Kanton Zürich gesprochen wird.

Verbreitungsgebiet Das Verbreitungsgebiet des Zürichdeutschen ist primär der Kanton Zürich. Davon ausgenommen ist im Norden der grössere Teil des Weinlands und das Rafzerfeld sowie im Osten ein schmales Grenzgebiet bei Frauenfeld, welches die Gemeinden Ellikon und Hagenbuch einschliesst. Diese drei Gebiete werden dem schaffhausisch-thurgauischen Dialekt zugerechnet.Albert Weber: Zürichdeutsche Grammatik. Ein Wegweiser zur guten Mundart. Unter Mitwirkung von Eugen Dieth. Schweizer Spiegel Verlag, Zürich 1948. Anders als gegen Norden und Osten, wo ein klares Isoglossenbündel das Zürichdeutsch begrenzt, sind die Übergänge gegen Süden und Westen fliessender. So ist beispielsweise die in Rapperswil-Jona im Kanton St. Gallen gesprochene Mundart mit der zürcherischen weitgehend identisch, wogegen die Sprache im Knonaueramt schon gewisse Züge der westlichen und südlichen Nachbardialekte aufweist.Vgl. insbesondere die Clusterkarten auf Schweizerdeutsche Dialektometrie.

An der Bevölkerungszahl des Kantons Zürich (1,5 Millionen) gemessen, ist die Zürcher Mundart der am meisten gesprochene alemannische Dialekt in der Schweiz.Viktor Schobinger: Züritüütsch. Zürcher Kantonalbank, Zürich 1979.

Merkmale Zürichdeutsch ist ein hochalemannischer Dialekt und weist alle typischen Merkmale des Alemannischen auf. Es besitzt seinen eigenen, von vielen als rau empfundenen Klang. Das charakteristische «ch» sowie «k» («kch» ()) werden – wie in fast allen Deutschschweizer Mundarten – besonders kehlig ausgesprochen, aber ebenso die Vokale, insbesondere das «a», das zwar sehr tief lautet, im Gegensatz zu den anderen nordschweizerischen Dialekten aber nicht bis zum offenen «o» verdumpft wird.Sprachatlas der deutschen Schweiz, Band I, Karten 61–94.

Das Zürichdeutsche ist im Gegensatz zu anderen Regionalmundarten seit jeher recht homogen; die Einzelmundarten der verschiedenen Zürcher Landschaften unterscheiden sich in Lautung und Wortschatz nur in Einzelheiten. Anders als etwa im Kanton Bern, wo wichtige Isoglossen gleich in der Nähe der Hauptstadt verlaufen, strahlte der Sprachgebrauch der Stadt Zürich schon im Spätmittelalter weit in die Landschaft hinaus.Vgl. hierzu die Karten des Sprachatlasses der deutschen Schweiz. Besonders deutlich wird diese Ausstrahlung in der sog. Rücksenkung von langem offenem òò /ɔː/, das seinerseits aus mittelhochdeutsch /aː/ verdumpft worden war und ab der frühen Neuzeit wieder zu /ɑː/ gesenkt wurde – worin sich das Zürichdeutsche von allen anderen Nordschweizer Dialekten abgrenzen lässt (im Zürcher Oberland wurde /ɔː/ im gleichen Zug zu /oː/ geschlossen).Vgl. hierzu Walter Haas: Sprachwandel und Sprachgeographie. Untersuchungen zur Struktur der Dialektverschiedenheit am Beispiel der schweizerdeutschen Vokalsysteme (= Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik. Beihefte NF 30). Steiner, Wiesbaden 1978, S. 204–212. Erhalten geblieben ist jedoch der zu verdumpftem /ɔː/ gebildete Umlaut, vergleiche raate ‘raten’ gegenüber röötle ‘räteln’; Basis für Letzteres ist einstiges *ròòte .

Heute gilt Zürichdeutsch bei vielen Schweizern als ein verhältnismässig «unspezifischer» Dialekt. Es handelt sich dabei um eine Sicht, die dialektologisch keineswegs zutreffend ist, aber insofern nicht unberechtigt ist, als im Kanton Zürich im Laufe des 20. Jahrhunderts ein durchgreifender Mundartwandel stattgefunden hat.Vgl. hierfür Christoph Landolt: Dialektale Morphologie und Morphonologie im Wandel – Beispiel Zürichdeutsch. (PDF; 449 kB). In: Helen Christen, Sibylle Germann, Walter Haas, Nadia Montefiori, Hans Ruef (Hrsg.): Alemannische Dialektologie: Wege in die Zukunft. Beiträge zur 16. Tagung für alemannische Dialektologie in Freiburg/Fribourg vom 07.–10.09.2008. Stuttgart 2010, S. 97–113 (ZDL-Beiheft 141); Heinz Wolfensberger: Mundartwandel im 20. Jahrhundert. Dargestellt an Ausschnitten aus dem Sprachleben der Gemeinde Stäfa. Huber, Frauenfeld 1967 (Beiträge zur schweizerdeutschen Mundartforschung 14). Die Gründe hierfür sind darin zu suchen, dass die Stadt zum nationalen und internationalen Wirtschaftszentrum und die Landschaft zu dessen Agglomeration avanciert sind.

Charakteristika der regionalen Formen mini|Mundarten innerhalb des Zürichdeutschen mini|Isoglossen im Kanton Zürich In der Literatur wird die in der Stadt und am See gesprochene Form als Normalform angenommen.Albert Weber, Jacques M. Bächtold: Zürichdeutsches Wörterbuch. Zürich (= Grammatiken und Wörterbücher des Schweizerdeutschen in allgemeinverständlicher Darstellung. Bd. III).Vgl. auch bto: Speckgrenze. Lokale Sprachgrenzen halten sich zäh. In: Neue Zürcher Zeitung. 29. Oktober 2002 (abgerufen am 16. September 2016).

Weinland Nördlich von Thur und Rhein wird ein Dialekt gesprochen, der in sprachwissenschaftlicher Sicht nicht mehr dem Zürichdeutschen, sondern dem schaffhausisch-thurgauischen Dialektraum zugehört, wenngleich diese Elemente heute teilweise von zürichdeutschen zurückgedrängt werden. Klassisch weinländerisch sind folglich das Fehlen des zürichdeutschen überoffenen ä [æ], an dessen Stelle offenes è [ɛ] tritt, z. B. lèse für zürichdeutsch läse, oder Lautungen wie braat für zürichdeutsch bräit, üüs für zürichdeutsch öis, ois oder er siet /siət/ für zürichdeutsch er gseet (er sieht).Siehe Sprachatlas der deutschen Schweiz. Bände I–VIII. Bern/Basel 1962–1997. Im Weinland heisst der unbestimmte neutrale Artikel sodann wie in der Nordostschweiz e, z. B. e Chind (sonst es Chind; um Winterthur und im Unterland stehen e und es nebeneinander).

Winterthur Allbekannt ist die (auch in Schaffhausen und dem Nordwestthurgau geltende) Lautung nid, niid (sonst nöd, nööd) für ‘nicht’. Charakteristisch für den Bezirk Winterthur und das Weinland ist auch das geschlossene /e/ in den beiden Wörtern Nescht (sonst Näscht) und Bese (sonst Bäse); Letzteres gilt auch für das Unterland, wogegen das übrige Zürichdeutsch überoffenes /æ/ hat. Eine weitere Eigenheit des Raumes Winterthur und Weinland sowie angrenzender Teile des Unter- und des Oberlandes (und der angrenzenden Ostschweiz) sind sodann die geschlossen ausgesprochenen kurzen Hochvokale /i u y ø/. Einen Gegensatz zwischen den Städten Winterthur und Zürich bildete früher auch die Aussprache der Tiefzungenvokale /a/ und /æ/ in offener Silbe: Während diese in der Hauptstadt wie in der gesamten Südhälfte des Kantons bis ins 20. Jahrhundert hinein lang gesprochen wurden (etwa baade, lääse), kennt Winterthur wie die gesamte Nordhälfte des Kantons seit alters Kürze (also bade, läse). Als Winterthurer Schibboleth gilt die Verwendung des Wortes Pünt für den Schrebergarten.Siehe etwa Püntenwesen auf stadt.winterthur.ch. Im übrigen Zürichdeutsch und weithin im Schweizerdeutschen überhaupt hat Bünt, Pünt, Bünte die Bedeutung «Pflanzland, Wiese, Baumgarten in der Nähe von Wohnungen», siehe Schweizerisches Idiotikon, Band IV, Spalte 1401, Artikel Bünt, Bedeutungen 2 und 3. (idiotikon.ch, Digitalisat). Vgl. überdies Hans Bickel, Christoph Landolt: Schweizerhochdeutsch. Wörterbuch der Standardsprache in der deutschen Schweiz. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2018, S. 65. Weitere für den Winterthurer Dialekt typische Wörter sind Elggermaa für den Grittibänz und Buggele für den Löwenzahn.«Wer nid seit isch gschiid». In: WNTI. 29. Januar 2026, abgerufen gleichentags.

Unterland Gleich wie um Winterthur und im Weinland gilt hier die geschlossene Aussprache des /e/ im Wort Bese (nicht aber in Näscht), und auch der unbestimmte neutrale Artikel kann hier (muss aber nicht) e lauten (e[s] Chind). Typisch für Teile des Unterlandes ist sodann die Aussprache nüd (‘nicht’), während am See und im Limmattal nöd, in Winterthur und im Weinland nid gilt. Im nördlichen und westlichen Unterland heisst es sodann wie im Weinland und im Amt Tüne (sonst Wèèe ‘Wähe’). Im Übrigen schliesst sich der Unterländer Dialekt weitgehend der Seemundart an, hat allerdings die dort bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts geltende Dehnung der Tiefzungenvokale nie mitgemacht.

Oberland Das Hauptcharakteristikum der Zürcher Oberländer Mundart ist das lange geschlossene (und nicht wie in der angrenzenden Nordostschweiz offene) oo anstelle des normalzürcherischen (und althochdeutschen) langen aa: Strooss (sonst Straass), spoot (sonst spaat), Broote (sonst Braate), schlooffe (sonst schlaaffe), Spitool (sonst Spitaal). Dass das übrige Zürichdeutsch diese Verdumpfung vor langer Zeit auch einmal hatte, wird darin deutlich, dass in umgelauteten Fällen wie Ströössli, spööter, schlööffele die Verdumpfung gemeinzürichdeutsch ist. Typisch für das Oberland ist überdies, dass (wie im anschliessenden Kanton St. Gallen) ii, uu und üü vor einem t gekürzt werden: Zit (sonst Ziit), Fritig (sonst Friitig), Züritütsch (sonst Züritüütsch), Chrüz (sonst Chrüüz). In den übrigen Bereichen unterscheidet sich das Oberländerische aber nur wenig von der Seemundart.

Seeregion Die Seemundart, zu der auch der Dialekt der Stadt Zürich gehört, bildet das eigentliche Zentrum vieler Erscheinungen des Zürichdeutschen. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war die Seeregion zum Beispiel ein Zentrum der Dehnung der Tiefzungenvokale in offener Silbe, zum Beispiel baade (‘baden’), lääse (‘lesen’), sowie der einsilbigen (apokopierten) Feminina, zum Beispiel Naas (‘Nase’), Flüüg (‘Fliege’). Beide Phänomene sind mittlerweile verschwunden und lauten – wie schon früher in den meisten Nachbarmundarten sowie seit Alters im nördlichen Zürichdeutsch – bade, läse, Nase, Flüüge.Vgl. hierzu Heinz Wolfensberger: Mundartwandel im 20. Jahrhundert. Dargestellt an Ausschnitten aus dem Sprachleben der Gemeinde Stäfa. Huber. Frauenfeld 1967 (Beiträge zur schweizerdeutschen Mundartforschung; 14).Ein Wort, das es schweizweit nur im Raum Stadt Zürich / Zürichsee / mittleres Glatttal gibt, ist Chrottepösche für den ‘Löwenzahn’; andere Zürcher Regionen kennen hierfür Wörter wie Chettebluem(e), Griggele, Buggele, Söistock, Milchlig(stock) oder Ringelbluem.

Knonaueramt Die Mundart im Süden und Südwesten des Kantons Zürich stellt einen Übergangsdialekt zu den Mundarten des südöstlichen Aargaus und Luzerns dar. Wie im angrenzenden Freiamt und Zugerland und überhaupt wie in den meisten schweizerdeutschen Mundarten werden die Sonanten lang gesprochen (ll, mm, nn), die im übrigen Zürichdeutschen lenisiert worden sind (l, m, n). Es heisst hier also: gfalle (sonst in Zürich gfale), schwümme (sonst schwüme). Einen weiteren innerschweizerischen Zug weist die Ämtler Mundart bei der verbalen Pluralendung auf, die hier mir/ir/si machid, im übrigen Zürichdeutsch aber mir/ir/si mached lautet. Die Albiskette ist sodann die Grenze zwischen östlichem überoffenem ä und westlichem neutralem è in den Fällen hochdeutsch «hast, hat, denn, wenn». Das Knonaueramt geht also in diesem Fall schon wie das westliche Schweizerdeutsch: du hèsch (sonst in Zürich häsch), er hèd (sonst hät), dènn (sonst dänn), wènn (sonst wänn). Ganz für sich steht das Knonaueramt mit der Verdumpfung von a vor l plus Konsonant, etwa in olt (sonst alt), cholt (sonst chalt), Olbis (sonst Albis).Albert Weber: Zürichdeutsche Grammatik. S. 28, Fussnote 2.

Beispiele Wortschatz