Die British Army spielte eine entscheidende Rolle im Zweiten Weltkrieg. Als eine der wichtigsten alliierten Streitkräfte kämpfte sie in verschiedenen Kriegsschauplätzen gegen die Achsenmächte. Zu Beginn des Krieges im Jahr 1939 war die British Army im Vergleich zur deutschen Wehrmacht noch relativ klein und wenig modernisiert. Im Verlauf des Konflikts führte Großbritannien jedoch eine umfangreiche Aufrüstung durch und mobilisierte eine beträchtliche Anzahl von Truppen.

Geschichte 1939 Nach der Kriegserklärung am 3. September 1939 entsandten die Briten die British Expeditionary Force (BEF) nach Nordfrankreich. Trotz der Verwundbarkeit ihres kleinen Landes und der offensichtlichen strategischen Bedeutung, einen feindlichen Angriff in den Niederlanden aufzuhalten, blieben die Belgier weiterhin neutral und weigerten sich, französische und britische Truppen ihre Grenzen passieren zu lassen. Der Winter 1939 verlief für das BEF, das nun mehr als 394.000 Mann zählte, ruhig. Die Moral der Truppe war relativ gut, trotz einiger Unzulänglichkeiten bei der Ausrüstung und der mangelnden Unterstützung und Ausbildung, die vor allem bei den eilig mobilisierten Einheiten auftraten. Die Zeit wurde mit Ausbildung, Patrouillen und dem Graben von Verteidigungsanlagen verbracht.Chappell Brayley: The British Army, 1939–1945. Osprey Publishing, Oxford 2001, S. 4 f. links|mini|„Felduniformen des britischen Heeres“; deutsches Merkblatt der Abteilung Fremde Heere West, 1940

1940 Um die für Deutschland so wichtigen Erzvorkommen in Norwegen zu sichern und die verzweigte Küste als weitere Ausgangsbasis für die Kriegsmarine zu nutzen, begann das deutsche OKW am 9. April mit der Invasion Norwegens. Um dem zu begegnen, landeten am 15. April britische Truppen bei Narvik. Trotz zahlloser Schwierigkeiten gelang es den britischen Streitkräften, vorübergehend einige Erfolge zu erzielen. Sie eroberten die strategisch wichtige Stadt Narvik und besetzten weitere Küstenabschnitte. Allerdings waren die britischen Truppen in Norwegen letztendlich nicht in der Lage, ihre Ziele zu erreichen. Bis Mitte Juni 1940 waren die Briten gezwungen, sich aus Norwegen zurückzuziehen. Auch in Frankreich war das Britische Expeditionskorps auf dem Rückzug. Zwar wurden die britischen Truppen in Dünkirchen eingeschlossen, aber dank dem Einsatz der Royal Navy konnten über 300.000 Soldaten im Rahmen der Operation Dynamo gerettet werden. Zur gleichen Zeit konnten die Briten mit der Operation Forck eine mögliche deutsche Invasion von Island verhindern. Im Juni war Italien auf der Seite Deutschlands in den Krieg eingetreten. Im Juli stießen die Italiener in Ostafrika nach Britisch-Somaliland vor. Die stationierten Streitkräfte der British Army waren den Italienern 1:5 unterlegen und mussten sich schließlich zurückziehen; am 19. August wurde Berbera, die Hauptstadt von Britisch-Somaliland, von Italien besetzt. Im September folgte der Vormarsch nach Ägypten. Die Italiener konnten bis nach Sidi Barrani vorstoßen und sich dort eingraben. Im Dezember begannen die Briten mit der Operation Compass und konnten den Italienern in der Schlacht von Sidi Barrani einen schweren Schlag versetzen.Bittner: The lion and the white falcon. Archon Books, Hamden, 1983, S. 47.Hart, Basil: History of the Second World War. Papermac, London, 1992, S. 54., S. 86., S. 120f., S. 129.

1941 Während die Briten in Nordafrika die Italiener in der Schlacht von Bardia besiegten, begannen sie ebenfalls im Januar eine von zwei Seiten geführte Offensive gegen Kenia und Italienisch-Somaliland im Süden und im Norden gegen den Sudan und Eritrea, die im Mai 1941 mit der Kapitulation aller italienischen Streitkräfte in Ostafrika endete. Am 22. Januar eroberten die Briten Tobruk und am 6. Februar Benghazi. Verstärkt durch weitere Truppen aus Deutschland begann am 30. März die deutsche und italienische Gegenoffensive. Die Briten besiegten die Deutschen bei Tobruk, aber die beiden Operationen Brevity im Mai und Battleaxe Mitte Juni scheiterten beide, woraufhin sich die Briten hinter die ägyptische Grenze zurückzogen. Auch in Griechenland waren die Briten nach dem Beginn von Unternehmen Marita und Merkur auf dem Rückzug. Bis zum Winter konnten die Briten lediglich im Irak in Syrien und Iran Erfolge erzielen. Mit Beginn von Operation Crusader am 18. November gingen die Briten auch in Nordafrika wieder in die Offensive. Unter schweren Verlusten konnte die British Army die Deutschen bis zum Ende des Jahres nach El Agheila, zurückdrängen.D´este: The Army and the Challenge of War 1939–1945 in The Oxford history of the British Army. Oxford University Press, Oxford, 1996, S. 275f.Chronology and index of the Second World War. 1938–1945. Meckler, Westport, 1990, S. 56., S. 58., S. 60., S. 68., S. 74.Hart, Basil: 1992, S. 206f.

1942

Anfang des Jahres plante die British Army ihren Vorstoß in die Kyrenaika fortzusetzen, wurde aber von einer weiteren Deutschen Offensive überrascht, die sie zwang, sich erneut aus Benghazi zurückzuziehen. Etwa zur gleichen Zeit begannen die Briten mit der Invasion von Madagaskar, die im November mit einem Sieg der Briten endete. In Nordafrika entwickelte sich die Situation immer schlechter für die British Army. Ende Mai hatten die Deutschen Unternehmen Theseus begonnen das mit einer verheerenden Niederlage der Briten und dem Rückzug an die ägyptische Grenze endete. Ein weiteres Vordringen nach Ägypten konnte die British Army in der ersten Schlacht von El Alamein verhindern. Mit dem Sieg in der Schlacht von Alam Halfa ging die Offensive endgültig auf die Briten über und endete mit dem Rückzug der Deutschen nach der zweiten Schlacht von El Alamein. Nach der Landung weiterer Verstärkung im November erreichten die Briten am 16. Dezember den Durchbruch bei El Agheila. Fünf Tage später am 21. Dezember erreichten die Briten Sirte, wo der Vormarsch bis zum Ende des Jahres stoppte.Hart, Basil: 1992, S. 277ff., S. 294., S. 305., S. 313.Salmaggi: 2194 days of war. Gallery Books, New York, 1988, S. 209., S. 240., S. 262., S. 282.

1943 Nachdem die Deutschen ebenfalls Verstärkung erhalten hatten, versuchten sie den gegnerischen Vormarsch zu stoppen. Bis zum 26. Februar konnten die Deutschen die Briten bis hinter Medjez und Béja zurückdrängen. Anschließend starteten sie einen weiteren Angriff, um den Vorstoß der Briten zu verzögern. Der Angriff konnte schnell abgewehrt werden. Ende März gingen die Briten in Tunesien zur Offensive über. Am 7. Mai eroberten die Briten Tunis und Bizerta. Mit der Kapitulation der Italiener und Deutschen am 13. Mai endete für die British Army der Krieg in Nordafrika. Im Sommer verlagerte sich das Einsatzgebiet der British Army mit Beginn der Operation Husky in Sizilien im Juli nach Europa. Nach der erfolgreichen Eroberung von Sizilien (Italien) und der Invasion auf dem Festland Italiens konnten die Briten zusammen mit den US-Truppen die in Italien stationierte Wehrmacht bis hinter Neapel zurückdrängen. Nach der zunächst erfolgreichen Besetzung der Italienischen Ägäis-Inseln im September waren die Briten jedoch im November wieder gezwungen, sich auf Grund überlegener deutscher Kräfte zurückzuziehen.Chronology and index of the Second World War. 1990, S. 169., S. 171ff., S. 182.Hart, Basil: 1992, S. 430–451.

1944 Der Vorstoß der Briten in Italien setzte sich im Januar 1944 mit der Landung bei Anzio und dem Beginn der Schlacht von Monte Cassino fort. Ende Februar wehrten die Briten einen letzten Deutschen Gegenangriff bei Anzio ab und konnten zusammen mit den Amerikanern im Mai Monte Cassino und im Juni Rom von den Deutschen befreien. Zwei Tage nach der Befreiung von Rom begann die Landung der Alliierten in der Normandie. Die Briten landeten an den Abschnitten Gold, Sword und Juno und konnten die Deutschen bis September bis hinter Brüssel zurückdrängen. Auch in Italien kamen die Briten schnell vorwärts; bis Dezember hatten die Briten Ravenna erreicht. Anfang Oktober waren die Briten auf dem griechischen Festland gelandet und hatten am 5. Dezember Athen erreicht.Chronology and index of the Second World War. 1990, S. 266., S. 313.Ambrose: D-Day, June 6, 1944. Pocket Books, London, 2002, S. 77.

1945 Mit dem Beginn des Jahres 1945 war die British Army Teil der alliierten Streitkräfte, die in Westeuropa operierten. Im Januar 1945 führte die British Army die Operation Blackcock durch. Das Ziel dieser Operation war es, deutsche Streitkräfte aus dem Rur-Dreieck in den Niederlanden zu vertreiben. Die Truppen der British Army kämpften erfolgreich gegen die deutschen Verteidigungslinien und eroberten wichtige Städte wie Sittard und Roermond. Durch diese Offensive wurde der Weg für den weiteren Vormarsch der Alliierten nach Deutschland geebnet. Im März überquerten die Briten den Rhein und waren trotz massivem deutschem Widerstand in der Lage, einen Brückenkopf bei Wesel zu errichten. Die Briten setzten im April ihren Vormarsch auf deutschem Boden mit der Eroberung von Hamburg und Bremen fort. Bis zur deutschen Kapitulation war die British Army bis nach Wismar vorgedrungen.Salmaggi: 1988, S. 662., S. 697. mini|Alan Brooke Chefs des Imperialen Generalstabes

Führung, Kontrolle und Organisation Zu Beginn des Krieges lag das Oberkommando für alle drei Teilstreitkräfte Heer, Marine und Luftwaffe beim Kriegskabinett. Als Churchill im Mai 1940 zum Premierminister gewählt wurde, bildete er ein zusätzliches Inneres Kriegskabinett, in dem er direkt mit den militärischen Befehlshabern agieren konnte, die zusammen das Chief of Staffs Committee bildeten. Das Oberkommando über die britische Armee lag beim Army Council. Es setzte sich aus folgenden Mitgliedern zusammen:

Secretary of State for War Parliamentary Under-secretary of State for War Chief of the Imperial General Staff Adjutant-General to the Forces Quarter-Master-General to the Forces Vice-Chief of the Imperial General Staff Deputy Chief of Imperial the General Staff Parliamentary under-secretary of State for War Financial Secretary of the War Office Director-General of Army Requirements Permanent Under-Secretary of State for WarHandbook on the British Army: 1942, S. 9.

Zwar wurden alle Befehle im Namen des Army Council und nicht von einer einzelnen Person erteilt; der Kriegsminister war jedoch dem Kriegskabinett gegenüber für alle Armeeangelegenheiten allein verantwortlich. 1939 bestand das Britische Heer aus der Regulären Armee der Territorial Army und zahlreichen Reservekräften. Diese wiederum waren in die Home Forces, AA-Command, die Britischen Streitkräfte im Nahen Osten, und die Britischen Streitkräfte in Indien unterteilt. Die gesamte Armee war in 47 Divisionen unterteilt: 11 Panzer-, 34 Infanterie- und 2 Luftlandedivisionen.Handbook on the British Army. United States Printing Office, Washington D.C., 1942, S. 7.Während des Kriegs bestanden die britischen Landstreitkräfte aus sieben Armeen: 1st, 2nd, 8th, 9th, 10th, 12th und 14th. In der Stärke von 1944 umfasste eine typische Armee vier Korps, wobei jedes Korps über zwei Infanteriedivisionen, eine Panzerdivision und angeschlossene Korpsverbände verfügte. Auf jeder höheren Kommandoebene (Armee und Korps) konnten die angegliederten Truppen unabhängige Brigaden der Infanterie und Panzerverbände der Feld-, mittleren und schweren Artillerie sowie der Flugabwehr- und Panzerabwehr umfassen; außerdem Pionier- und Fernmeldetruppen sowie Transport-, Nachschub-, Werkstatt- und Sanitätseinheiten. Diese konnten alle zur Unterstützung der unteren Formationen und Einheiten nach Bedarf eingesetzt werden.

Division und Brigade