Die Railjets der ersten Generation sind Wendezüge der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), gehören zu den schnellsten lokbespannten Zügen der Welt und werden seit Fahrplanwechsel 2008/2009 auf einem stetig größer werdenden Netz der Zuggattungen Railjet (RJ) und Railjet Xpress (RJX) in und um Österreich eingesetzt. Die Garnituren werden mit Wagen aus der Fahrzeugfamilie Siemens Viaggio Comfort gebildet, welche auf den Modularwagen von SGP basieren.
Geschichte mini|ÖBB Taurus I in railjet-Versuchslackierung mini|Probefahrt der ersten ČD-Railjet-Garnitur bei Wampersdorf
Die Lieferung der Züge wurde 2005 ausgeschrieben. Um den Auftrag bewarben sich Siemens, Bombardier und CAF. In seiner Sitzung vom 9. Februar 2006 genehmigte der Aufsichtsrat der ÖBB-Holding die Beschaffung von 23 Garnituren im Wert von 245 Millionen Euro. Eine Option sah die Lieferung weiterer 40 Garnituren bis 2015 vor.ÖBB investieren in neue Fahrzeuge für den Reisezugverkehr. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 4/2006, , S. 176 f. Der Gesamtpreis für die von Siemens Mobility hergestellten 23 Züge belief sich auf 244 Millionen Euro. Gesamtkonzeption, Konstruktion der Wagenkästen und die Inneneinrichtung erfolgten an den Siemens-Standorten Graz und Wien. Dort begann im November 2006 der Bau der Wagen. Der erste Rohbauwagenkasten war im August 2007 fertig und am 21. April 2008 rollte die erste, noch verkürzte Garnitur aus dem Werk in Wien. Bis Dezember 2009 waren die ersten 23 Einheiten im Einsatz.
Eine darüber hinaus reichende Option zum Kauf weiterer Einheiten wurde vom ÖBB-Aufsichtsrat wahrgenommen – es wurden im Oktober 2007 insgesamt 44 weitere Züge im Gesamtwert von 540 Millionen Euro bestellt. Später wurde allerdings nur ein Teil dieser Railjet-Garnitur auch tatsächlich von den ÖBB abgenommen.
Am 12. Juli 2008 fuhr eine vierteilige Railjet-Garnitur mit 275 km/h zwischen St. Valentin und Amstetten einen neuen Geschwindigkeitsrekord für einen österreichischen Zug in Österreich.
Die Wagenzüge wurden zunächst nur mit Bistrowagen ausgeliefert. Weil sich zu viele Reisende darüber beschwerten, wurden seit Juli 2011 – beginnend mit der Garnitur 38 – die Railjet-Einheiten mit vollwertigen Restaurants anstatt des Bar-Bistros ausgeliefert und die vorhandenen Bistro- in Speisewagen umgebaut. Der Umbau der Zuggarnituren erfolgte überwiegend zusammen mit dem Einbau von ETCS-Fahrzeuggeräten. Sie wurden notwendig, da seit Dezember 2012 auf der Westbahnstrecke nur noch ETCS-taugliche Garnituren eingesetzt werden dürfen. Weiters wurde im ersten Halbjahr 2012 damit begonnen, die Garnituren mit WLAN auszustatten. Vorgesehen war, dass zu Ende 2012 die gesamte Flotte über kabellosen Internetzugang und einen Speisewagen verfügt.
Im September 2011 interessierten sich die tschechischen České dráhy (ČD) ursprünglich für die ÖBB Vertragsoption von 16 Railjet-Garnituren. Die siebenteiligen Züge sollten zwischen Brünn und Prag sowie im grenzüberschreitenden Fernverkehr nach Österreich, Deutschland, Ungarn und der Slowakei eingesetzt werden. Nach einem zwischenzeitlichen Desinteresse bestellten die ČD im August 2012 sieben Railjet-Garnituren fest. Die Lieferungen aus der Order im Wert von etwa 100 Millionen Euro sollten ab 2014 erfolgen. Es bestand zudem eine Option für weitere acht achtteilige Züge,https://www.wallstreet-online.de/nachricht/4989722-siemens-auftrag-tschechischer-staatsbahn die jedoch im September 2013 fallengelassen wurde.Tschechien: CD ordert keine weiteren Railjet. eurailpress.de, 13. September 2013
Der Ersteinsatz auf der Südbahn erfolgte am 12. Oktober 2011 mit einem Zugpaar auf der Relation Wien – Graz, ab 7. November 2011 folgte ein weiteres Zugpaar auf der Relation Wien – Villach. Die Garnitur 49 wurde 2012 für das Jubiläum „175 Jahre Eisenbahn in Österreich“ komplett foliert, die Garnitur 50 sollte zumindest für ein Jahr mit der „Polizei“-Werbelok 1116.250 verkehren, ehe sie entklebt wird. (PDF; 53 kB), Presseinformation vom 25. August 2012 Im Juli 2012 wurde die letzte RJ-Garnitur Nummer 51 für die ÖBB im Werk Simmering übergeben. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2012 verkehren Railjet-Einheiten auch in Österreich planmäßig mit 230 km/h. Derzeit ist diese Geschwindigkeit auf den Abschnitten Wien – St. Pölten, St. Valentin – Linz und Lambach – Breitenschützing möglich. Auf der Neubaustrecke im Unterinntal werden 220 km/h gefahren. Die Umstellung auf ETCS Level 2 im Winter führte anfangs zu erheblichen Störungen, die sich erst im Laufe des Winters normalisierten. Häufigste Ursache waren Zwangsbremsungen und reduzierte Geschwindigkeit aufgrund von Odometrie-Störungen nach Schotterflug und Eisbildung. Zudem gab es mindestens einmal einen Zwischenfall mit einer durch die Druckwelle aufgeschlagenen Tür beim ÖBB-Konkurrenten Westbahn. Eine Railjet-Einheit verlor ebenfalls eine Tür, jedoch nicht auf der Schnellfahrstrecke.
Da die Semmering-Nordrampe stärkere Neigungen und engere Bogenradien als die Südrampe aufweist, ergaben sich im Schiebebetrieb unzulässige sicherheitsrelevante Betriebszustände,Semmering setzt Railjet zu, NÖN-Online, 7. Oktober 2012 die sich auf den Fahrgastkomfort negativ auswirkten und zu stärkerem Radsatz- und Schienenverschleiß führten. Daher wurden die Zugeinheiten nach einer dringlichen Aufforderung durch den Hersteller Siemens für den Betrieb über den Semmering gedreht. Seit Anfang April 2014 verkehren alle Railjet-Einheiten von Wien-Meidling Richtung Süden mit der Lok voraus über den Semmering. Aus Gründen der einfacheren Betriebsführung wurden die Railjet-Einheiten in ihrem gesamten Streckenverlauf entsprechend neu ausgerichtet.
Ab Dezember 2014 wurde mit den sieben ČD- sowie drei ÖBB-Garnituren ein klassischer Kooperationsverkehr Graz–Wien–Prag im Zweistundentakt eingerichtet. Die von den ČD gekauften Wagenzüge verfügen ebenfalls über elektronische Reservierungsanzeigen und ein Fahrgastinformationssystem. Nachdem die ČD rechtzeitig keine geeigneten Triebfahrzeuge auftreiben konnten, werden die Garnituren mit angemieteten ÖBB-Taurus-3-Lokomotiven bespannt.Tschechische Bahn (ČD) findet keine Lokomotiven für ihre Railjets. Auf Prag aktuell vom 19. August 2014, abgerufen am 11. Dezember 2014 Sie bestehen aus je fünf Wagen der zweiten Klasse, einem Speisewagen wie im ÖBB-Railjet und dem Steuerwagen mit Business- und erster Klasse. mini|ČD-RJ als EC 73 bei Guntramsdorf
Seit Anfang Februar 2014 wurden mit einem Steuer- und vier Mittelwagen der ersten ČD-Garnitur Probefahrten durchgeführt. Später wurden auch die fehlenden Mittelwagen eingereiht, um eine vollständige Garnitur zu haben. Am 24. April 2014 wurde die erste Garnitur mit der Lokomotive 1216 233 an die ČD übergeben. Seither wurde sie in Tschechien für Test- und Schulungsfahrten verwendet.
Am 6. Mai 2014 wurde der erste ČD-Railjet in Prag der Öffentlichkeit präsentiert. Bei den Feierlichkeiten wurde symbolisch der Schlüssel für den ersten Railjet an ČD-Generaldirektor Daniel Kurucz übergeben, ehe die Garnitur als IC 571 von Prag nach Břeclav zum ersten Mal im Fahrgasteinsatz stand. Danach wurden die beiden bereits gelieferten Garnituren für IC-Züge zwischen Prag und Břeclav sowie Břeclav und Bohumín verwendet. Ab Mitte Juni ersetzten sie schrittweise die herkömmlichen EC-Garnituren zwischen Wiener Neustadt Hbf und Praha hl.n. Mit der Fahrplanumstellung Dezember 2014 wurde der Kurs des ČD-Railjet nach Graz verlängert., oebb.at, abgerufen am 10. Dezember 2014
Anfang August 2014 wurde die Bestellung weiterer neun Railjet-Garnituren durch die ÖBB bekannt. Die Garnituren im Gesamtwert von 145 Millionen Euro wurden bis Dezember 2016 geliefert und auf der Westbahn zwischen Wien und Salzburg eingesetzt. Sie wurden zusätzlich für den Verkehr nach Italien ausgerüstet und verkehren via Tarvisio bis nach Venedig und Triest bzw. über Innsbruck bis nach Bozen.Siemens AG (Hrsg.): ÖBB ordern weitere neun Railjet-Garnituren. Presseinformation vom 1. August 2014 mini|Verstellbare Sitze mini|Fußablage Das Angebot in der Economy Class wurde mit verstellbaren Sitzen und Fußrasten verbessert. mini|Neues Fahrradabteil Zusätzlich verfügen die neuen Züge bereits standardmäßig über ein Fahrradabteil. Der Einbau eines Fahrradabteils in die 51 bestehenden Railjet-Garnituren war bis 2016 abgeschlossen. Alle Railjets sind mit Bordrestaurants und WLAN ausgestattet, das auch in Tschechien funktioniert.
Mitte Februar 2015 wurde die erste ÖBB-Railjet-Garnitur mit Fahrradabteil (Garnitur 34) präsentiert.
Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2015 werden sämtliche Railjet-Verbindungen, die Wien berühren, über Wien Hauptbahnhof geführt und haben dabei als zweiten Halt Wien Meidling. Der Westbahnhof wird nicht mehr von Railjet-Zügen bedient. Auch verkehren seit Dezember 2015 halbstündlich alternierend IC- und Railjet-Züge der ÖBB von oder nach Flughafen Wien. Diese Verbindungen bedienen Destinationen in Österreich und verkehren ab Bahnhof Flughafen Wien von den Bahnsteigen 1 und 2, mit direktem Zugang vom/zum Terminal 3 des Flughafens Wien-Schwechat.
Die im Laufe des Jahres 2016 an die ÖBB gelieferten neun zusätzlichen Garnituren stehen seit dem 11. Oktober 2016 im Fahrgasteinsatz und ersetzen seither IC-Garnituren, die zwischen Wien und Salzburg verkehrten. Die Zugläufe bringen diese Garnituren dabei bis nach Flughafen Wien, Saalfelden und über die Tauernbahn bis nach Klagenfurt.
Seit dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2017 verkehren tägliche Railjet-Verbindungen von Wien Hbf nach Venezia Santa Lucia, weiters seit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2019 nach Bozen / Bolzano, sowie seit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2025 auch nach Trieste Centrale. Mit Bologna Centrale und Verona Porta Nuova fahren Railjet-Garnituren der 2. Generation weitere Zielbahnhöfe in Italien an.
Seit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2018 werden die schnelleren Railjets (ohne Halt in Vöcklabruck, Attnang-Puchheim, Wels Hbf, St. Valentin, Amstetten und Tullnerfeld) auf der Weststrecke als Railjet xpress (RJX) bezeichnet. Die Railjet-Verbindungen, die seit Oktober 2016 die Intercitys auf der Weststrecke ersetzen, sowie die Railjets auf anderen österreichischen Bahnstrecken verkehren weiterhin unter der Zuggattung Railjet (RJ).
Anfang 2022 werden alle Railjet-Garnituren nach und nach mit farblichen Markierungen von bestimmten Sitzen für Radfahrer im Wagen mit Fahrradabteil ausgerüstet.
Ab Frühjahr 2024 werden schrittweise Züge der ersten Generation modernisiert, siehe Design.
Konzept mini|Railjet Spirit of Salzburg am Grazer Ostbahnhof, 2008 mini|Restaurant mini|Altes Fahrgastinformationssystem (bis 2016; hier 2012 im RJ66 zwischen München und Augsburg) mini|Neues Fahrgastinformationssystem (seit 2016)
Die Züge bestehen aus einem jeweils 185 Meter langen Wendezug in Stahlbauweise, der aus einem Steuer- und sechs Zwischenwagen besteht. Die Züge werden mit Mehrsystemlokomotiven der Bauarten Taurus-2 oder Taurus-3 bespannt und sind für 230 km/h zugelassen. Inklusive Lok kommt der Zug auf eine Gesamtlänge von 205 Metern. Zur Kapazitätserhöhung können zwei Zugeinheiten zu einem 14-Wagen-Zug mit zwei Lokomotiven verbunden werden. Im Regelbetrieb bleiben Garnitur und Lokomotive stets gekuppelt. Die Wagen können über die Zugsammelschiene mit allen vier UIC-Spannungen versorgt werden (Wechselspannung 1000 V / 16,7 Hz oder 1500 V / 50 Hz sowie Gleichspannung 1500 oder 3000 V).
Die Railjet-Garnituren bestehen, ähnlich wie der deutsche Metropolitan Express Train, aus einzelnen Wagen, die untereinander mit Schalenmuffenkupplungen verbunden sind und an den Enden normale Schraubenkupplungen aufweisen. Dadurch können sie mit vorhandenen Lokomotiven bespannt werden. Dank der Steifkupplung zwischen den Wagen konnten sie mit breiten, druckdichten Wagenübergängen versehen werden. An den Wagenübergängen sind Brandschutztüren angebracht, die in der Regel offenstehen.