mini|Wappen derer von Hoven in Siebmachers Wappenbuch mini|Wappen derer von Hoven in Tyroffs Wappenbuch

von Hoven (von Hofen) Das bestehende Geschlecht von Hoven, später überwiegend in der Schreibweise von Hofen geführt, zählt zu den alten, seit der frühen Neuzeit im württembergischen Raumnachweisbaren Familiengeschlechtern. Der Schwerpunkt der Familie lag über Jahrhunderte hinweg in der ehemaligen Ganerbenstadt Bönnigheim, wo Angehörige der Familie seit dem frühen 16. Jahrhundert urkundlich belegt sind. Das Geschlecht nannte sich im 13. und 14. Jahrhundert nach seinem Besitz in Hoffenheim „von Hoven“. Nach genealogischer Überlieferung handelt es sich um einen im Spätmittelalter entstandenen Seitenzweig der Herren von Gemmingen, eines bedeutenden Kraichgauer Rittergeschlechts.

Geschichte Herkunft und frühe Überlieferung Der Nürnberger Arzt Friedrich Wilhelm von Hoven (1759–1838) sah sich in seiner posthum erschienenen Autobiografie als Abkömmling einer protestantischen Adelsfamilie aus den Niederlanden, die zur Zeit Philipps II. (1527–1598) nach Württemberg gekommen sei.F.W. von Hofen: Biographie des Doctor Friedrich Wilhelm von Hoven, Nürnberg 1840, S. 3. Der Stuttgarter Stadtoberamtmann Paul Nägele, dessen Urgroßmutter aus der Familie von Hoven stammte, sah die Familie allerdings als Nachkommen des Gemminger Familienzweigs und erarbeitete vor dem Zweiten Weltkrieg eine Stammliste. Während Nägeles gesammelte Unterlagen im Krieg verbrannten, hat sich eine Abschrift des Stammbaums erhalten, die späteren Forschern als Quelle diente.Geßner 1976, S. 94.

Ausgehend von Wendel von Hoven († 1570) blieb die Familie über viele Generationen hinweg eng mit Bönnigheim verbunden. Bönnigheim war vor 1785 in Ganerbenbesitz der Familien Neipperg, Sachsenheim, Gemmingen und Liebenstein. Während Bönnigheim erst 1785 württembergisch wurde, war der Nachbarort und heutige Stadtteil Hofen hingegen schon ab 1584 württembergisch. Angehörige des Geschlechts bekleideten verschiedentlich kommunale Ämter und gehörten über lange Zeit zu den angesehenen Bürgerfamilien der Stadt. Wendels Enkel Bastian von Hoven († 1576) war Torwart am unteren Tor in Bönnigheim.Geßner 1976, S. 95. Sein Sohn Kaspar von Hoven (1570–1636) war Gürtler.Geßner 1976, S. 95. Dessen Vetter Christoph (Steffel) von Hoven (1564–1635) war Bürgermeister in Bönnigheim.Geßner 1976, S. 96. Ein anderer Kaspar von Hoven (1610–1680) war Mesner und Mägdeleinschulmeister.Geßner 1976, S. 97. Weitere Angehörige der Familie waren Chirurg, Glaser, Bauer, Seiler, Amtsdiener und Kupferschmied in Bönnigheim. Sie waren häufig Ratsverwandte. Ab dem 18. Jahrhundert waren Nachkommen der Familie auch in anderen Orten ansässig. Ein Johann Nikolaus von Hoven (1700–1772) war Bürger in Heilbronn,Geßner 1976, S. 100. ein Johann Jakob von Hoven (1739–1800) Bauer und Weingärtner in Cleebronn,Geßner 1976, S. 103. ein Johann Gottfried von Hoven (1744–1794) war Weingärtner in Frauenzimmern. Weitere Angehörige lebten in Erligheim, wo dieselben Ganerbenverhältnisse wie in Bönnigheim herrscht. Ein Eugen Wilhelm von Hofen (1909–1961) war in Ebergassing, Österreich ansässig.

Militärische und gesellschaftliche Bedeutung Im späten 18. Jahrhundert strebten einige Nachkommen der Familie militärische Laufbahnen an. Christof Daniel von Hoven (1732–1823), Metzgersohn aus Bönnigheim, war Regimentsoberst in Stuttgart, sein Bruder Samuel Friedrich von Hoven (* 1738) war Leutnant. Christof Daniel von Hoven erhielt 1771 von Herzog Karl Eugen von Württemberg die Genehmigung, sich seines Beiworts von als Adelsprädikat zu bedienen.Geßner 1976, S. 1, Anm. 2. Seine beiden Söhne Friedrich Wilhelm (1759–1838) und Christoph August (1761–1780), beide Schüler der Hohen Karlsschule, galten anfangs nicht als adelig, wurden auf eine Beschwerde des Vaters beim Herzog von diesem jedoch auch berechtigt, sich des Adels zu „praevelieren“.Geßner 1976, S. 94. Friedrich Wilhelm war enger Jugendfreund und Studienkollege Friedrich Schillers. Er heiratete eine Apothekertochter aus Ludwigsburg, wo er auch als Arzt praktizierte, wandte sich bald jedoch nach Franken, wo er sich insbesondere um das Gesundheitswesen in Nürnberg verdient machte. Er war sicher der bedeutendste Vertreter der Familie in jüngerer Zeit. Er wurde 1813 in die bayrische Adelsmatrikel immatrikuliert.Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Abt. 1, Adelsmatrikel H96, Nr. 2792. Allerdings änderten in jener Zeit um 1800 die meisten Zweige der Familie, die Schreibweise ihres Namens in von Hofen, einige auch in Vonhofen. Ein Wilhelm von Hofen (1851–1910) war Bildhauer in Heilbronn, weitere Nachkommen der Familie im 19. und 20. Jahrhundert waren Kaufleute oder Vertreter. Bis in das 21. Jahrhundert führte ein Friedrich Karl von Hofen (1924–2009) ein bekanntes Stuttgarter Juweliergeschäft „Von Hofen“. Seine Nachkommen führen dieses Familienerbe bis Heute fort. So wie auch Freiherr Samuel Noah von Hofen (2001), dessen Vorfahre in der 12. Generation jener Wendel von Hoven († 1570) aus Bönnigheim war.

Stammfolge Nach der überlieferten Familiengenealogie und den erhaltenen Stammtafeln lässt sich die direkte Ahnenreihe der Familie von Hoven beziehungsweise von Hofen über mehr als fünf Jahrhunderte hinweg bis in die frühe Neuzeit zurückverfolgen, wobei erwähnt werden muss, dass es mehrere Linien gibt.

Die überlieferte Stammfolge lautet: Wendel von Hoven (um 1490; † 1570) Caspar von Hoven (1537–1597) Christoph von Hoven (1564–1635), Bürgermeister von Bönnigheim Caspar von Hoven (1610–1680), Mesner und Schulmeister Christoph von Hofen († 1653) Johann Niclas von Hofen († 1700) Freiherr Johann Jakob von Hofen Freiherr Johann Georg von Hofen (1802–1865) Freiherr Johann Michael von Hofen (1833–?) Freiherr Adolf Friedrich von Hofen (1865–1934) Freiherr Friedrich Karl von Hofen (1924–2009), Stuttgarter Juwelier Freiherr Michael Adolf von Hofen (* 1956) Freiherr Samuel Noah von Hofen (* 2001)

Die genealogische Überlieferung der Familie reicht damit bis in das ausgehende 15. Jahrhundert zurück und dokumentiert die bemerkenswerte Kontinuität eines altwürttembergischen Geschlechts.

Wappen Blasonierung: In Blau ein gekrönter silberner Löwe. Auf dem blau-silbern bewulsteten Helm mit blau-silbernen Helmdecken derselbe Löwe vor gekrönter roter, oben mit drei grünen Blättern besteckter Spitzsäule.Seyler (1911), S. 171.

Literatur Jürgen Geßner: Versuch einer Stammtafel von Hoven aus Bönnigheim, in ders.: Der Beitrag des Arztes Wilhelm von Hoven (1760–1838) zum Gesundheitswesen von Nürnberg (Genealogie und Landesgeschichte Bd. 27), Neustadt/Aisch 1976, S. 93–118. Gustav Adelbert Seyler: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 6 (Abgestorbene, erloschene Geschlechter), 2. Abt.: Abgestorbener Württemberger Adel, Nürnberg 1911, S. 171 (uni-goettingen.de) und Tfl. 92 (uni-goettingen.de).

Einzelnachweise

Kategorie:Bayerisches Adelsgeschlecht Kategorie:Bönnigheim