Das Technoseum (bis Ende 2009: Landesmuseum für Technik und Arbeit) in der baden-württembergischen Stadt Mannheim ist ein Technikmuseum in Deutschland. Zahlreiche Exponate, tägliche Vorführungen sowie Mitmachstationen und Augmented Reality bieten Einblicke in über 200 Jahre Technik- und Sozialgeschichte des deutschen Südwestens von der Vergangenheit bis in die Gegenwart. Anhand von Experimentierstationen können Besucher naturwissenschaftliche und technische Zusammenhänge interaktiv und spielerisch erlernen und erfahren.

Geschichte des Museums mini|Lanz-Lokomobile am Zufahrtsbereich zum TechnoseumIm Jahr 1977 äußerte der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Hans Filbinger den Wunsch der Landesregierung nach einem technischen Museum in Baden-Württemberg.Der Brockhaus Mannheim. Mannheim/Leipzig 2006, S. 185. Bereits im Januar 1978 wurde ein Konzept für ein Museum „für Technik und Erfindungen“ im Ministerrat von Baden-Württemberg vorgestellt.

Anfang 1980 beschloss der baden-württembergische Landtag die Gründung des Landesmuseums für Technik und Arbeit in Mannheim.Hartwig Lüdtke: 25 Jahre TECHNOSEUM: Nichts ist spannender als Technik, S. 31. Das Grundstück für den Museumsneubau wurde von der Stadt Mannheim zur Verfügung gestellt, der Beschluss zum Standort erfolgte im Mannheimer Gemeinderat im September 1981 und bedeutete eine Verlegung des Maimarktgeländes, welches sich bis dahin am Ort des zukünftigen Landesmuseums für Technik und Arbeit befunden hatte.

Im Jahr 1980 wurde mit dem Aufbau des Sammlungsbestandes begonnen und parallel dazu über die Schwerpunktsetzung und die Konzeption des zukünftigen Museums diskutiert. 1982 legte der amtierende Leiter Michael Machleidt Skizzen zu Darstellungsinhalten vor.Michael Machleidt (Hrsg.): Skizzen zu Darstellungsinhalten. Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim. Müller, Karlsruhe 1982. ISBN 3-7880-9666-7. Das Museum wurde 1985 als Stiftung des öffentlichen Rechts in gemeinsamer Trägerschaft des Landes Baden-Württemberg und der Stadt Mannheim gegründet,Satzung der Stiftung vom 20. März 1985, siehe Baldenhofen, S. 378–381. womit die organisatorischen und verwaltungstechnischen Grundlagen für eine spätere Museumsarbeit gelegt wurden.

Das Museumsgebäude wurde nach Plänen der Berliner Architektin Ingeborg Kuhler gebaut, die zuvor einen 1982 ausgeschriebenen Architekturwettbewerb gewonnen hatte.Ingeborg Kuhler: Zur Architektur – Prozeß und Konzept. In: Finanzministerium Baden-Württemberg (Hrsg.): Landesmuseum für Technik und Arbeit. Ein Projekt der Staatlichen Hochbauverwaltung. Staatliches Hochbauamt, Mannheim 1990, S. 32–45.Architektur. Homepage des Technoseums, technoseum.de, abgerufen am 4. April 2018.

In seiner 9. Wahlperiode befasste sich der Landtag von Baden-Württemberg ausführlich mit der Konzeption für das Museum.Landtag von Baden Württemberg, Drucksache 09/1433. Online PDFLandtag von Baden Württemberg, Drucksache 09/1805. Online PDF Im September 1985 wurde ein unter Federführung von Lothar Suhling erarbeitetes Ausstellungskonzept durch den baden-württembergischen Landtag abgesegnet.Lothar Suhling: Entstehung, Konzept und Gestaltung eines Museums für Technik und Arbeit. In: Finanzministerium Baden-Württemberg (Hrsg.): Landesmuseum für Technik und Arbeit. Ein Projekt der Staatlichen Hochbauverwaltung. Staatliches Hochbauamt, Mannheim 1990, S. 18–22.

Die Grundsteinlegung des Museumsgebäudes erfolgte 1985, das Richtfest wurde im November 1987 gefeiert.Hartwig Lüdtke: 25 Jahre TECHNOSEUM: Nichts ist spannender als Technik, S. 31. Am 28. September 1990 konnte das damalige Landesmuseum für Technik und Arbeit nach fast fünfjähriger Bauzeit vom baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth und dem damaligen Mannheimer Oberbürgermeister Gerhard Widder eröffnet werden.Hartwig Lüdtke: 25 Jahre TECHNOSEUM: Nichts ist spannender als Technik, S. 22.

Aufgrund der Konzeption des Museums, eine Verbindung zu schaffen, die historische Bezüge und Interaktivität erlaubt, wurde das Landesmuseum für Technik und Arbeit 1992 mit dem europäischen Museumspreis als Museum des Jahres ausgezeichnet.Hartwig Lüdtke: 25 Jahre TECHNOSEUM: Nichts ist spannender als Technik, S. 38.

Vom 30. Oktober 1997 bis 1. März 1998 fand die europaweit erste Körperwelten-Ausstellung des Anatomen Gunther von Hagens im Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim statt, die sich eine dreiviertel Million Besucher ansahen.Hartwig Lüdtke: 25 Jahre TECHNOSEUM: Nichts ist spannender als Technik, S. 138.

2004 wurde mit einer konzeptionellen Überarbeitung der Dauerausstellung des Landesmuseums für Technik und Arbeit begonnen. Im Mai 2004 eröffnete auf Ebene A die Mitmach-Ausstellung Elementa 1, in der mittels Experimenten Erfindungen um 1800 veranschaulicht werden. Es folgte die Elementa 2 auf Ebene D, welche den Schwerpunkt der Experimente auf die Zeit um 1900 legt. Im Jahr 2009 wurde auf Ebene D eine neue Sonderausstellungsfläche eingerichtet, die mit rund 900 Quadratmetern etwa doppelt so groß ist wie die bisher genutzte Fläche für Sonderausstellungen. Nach der umfassenden Renovierung des Museums, zu der auch eine Renovierung der Fassade gehörte, erfolgte 2010 die Umbenennung des Landesmuseums für Technik und Arbeit in Technoseum.

Im Mai 2011 eröffnete auf Ebene F die Elementa 3, in der Zukunftstechnologien durch Experimente erfahr- und begreifbar gemacht werden.Technoseum: Elementa 3

2015 stellte der Rechnungshof Baden-Württemberg in seiner Denkschrift 2015 zur Haushaltsrechnung 2013 die Frage nach einem angemessenen Verhältnis von Kosten und Nutzen und betonte: „Das Museum muss durch Einsparungen Mittel für eine kontinuierliche Erneuerung der Dauerausstellung, für Marketingmaßnahmen und die Erschließung neuer Besucher- und Sponsorenpotenziale generieren.“Landtag von Baden-Württemberg, 15. Wahlperiode, Drucksache 15 / 7022. Online PDF

2017 eröffnete ebenfalls auf Ebene F eine Ausstellung zur Geschichte des Automobilbaus. 2018 wurde ein neuer Teilabschnitt der Dauerausstellung zum Thema Geschichte der Medien eröffnet, gezeigt werden Radios, Kameras und Aufnahmegeräte. Am 16. Juni 2020 eröffnete auf Ebene F ein weiterer Teilabschnitt der Dauerausstellung zum Thema Energie, in der gezeigt wird, wie Energie die Lebensweise und die Arbeitswelt der Menschen veränderte und beeinflusste. Themen der Ausstellung sind die beginnende Elektrifizierung im 19. Jahrhundert, die Energiewende hin zu nachhaltigen Energiesystemen sowie der Umweltschutz und Smart Home.

Das Technoseum soll in den kommenden Jahren bis 2030 umfassend modernisiert werden, die bisherige Dauerausstellung soll dabei „entrümpelt“ und komplett überarbeitet werden. Die Dauerausstellung wird nicht mehr chronologisch, sondern nach Themenbereichen gegliedert. Die zukünftigen Themenbereiche werden Mobilität, Kommunikation, Medien und Medizintechnik sein.

Direktoren 1984–2002: Lothar Suhling 2002–2003: Jakob Messerli 2003–2006: Gerhard Selmayr 2006–2022: Hartwig Lüdtke 2023–2025: Andreas Gundelwein

Museumsgebäude mini|Das Technoseum in Mannheim Mit seiner außergewöhnlichen Architektur war das heutige Technoseum wegweisend für den modernen Museumsbau. Das Gebäude wurde von der Berliner Architektin Ingeborg Kuhler entworfen und gehört heute zu den städtebaulichen Wahrzeichen von Mannheim. Die Planungsphase für das Museumsgebäude begann 1980, die Grundsteinlegung erfolgte 1985.

Von außen betrachtet erwecken die schiefen Ebenen des komplett in weiß gehaltenen Gebäudes den Eindruck von Bewegung. Die äußere Struktur des Gebäudes spiegelt dabei die innere Struktur wider. Dahinter steht das Konzept eines „arbeitenden“ Museums. Das Gebäude soll somit als eine Einladung an die Besucher wirken, in einer abwärts verlaufenden „Raum-Zeit-Spirale“ durch die Sozial- und Industriegeschichte des deutschen Südwestens zu wandern. Die Ausstellungseinheiten verteilen sich auf insgesamt sechs Hauptebenen, die in einer Abfolge vom obersten zum untersten Stockwerk verteilt und über Rampen miteinander verbunden sind.Der Brockhaus Mannheim. Mannheim/Leipzig 2006, S. 186.mini|Technoseum MannheimDas Museumsgebäude zeigt wie ein veredelter Rohbau in großen Teilen sein Tragwerk. Das gilt allerdings nicht für den Kopfbau im Westen. Der Hauptteil des Gebäudes besteht aus einer Stahlskelett-Verbund-Konstruktion mit ausbetonierten Doppel-T-Stützen und -Trägern, die trotz schwerer Lasten und großer Spannweiten die erforderliche Tragfähigkeit und Steifheit des Gebäudes gewährleisten.

An den Museumsbau des Technoseums ist das Fernseh- und Hörfunkstudio des SWR als seitlicher Anbau angeschlossen. Das Gesamtkonzept wird durch einen Museumspark abgerundet, der nach Plänen des Berliner Gartenarchitekten Jürgen Dirk Zilling angelegt wurdeDer Brockhaus Mannheim. Mannheim/Leipzig 2006, S. 186.. Nach der Verlegung des Fernseh- und Hörfunkstudios des SWR an einen neuen Standort am Neckarufer 2024 sollen die leerstehenden Räumlichkeiten des SWR-Studios zukünftig vom Technoseum genutzt werden.

Das Museumsgebäude und das vorgelagerte Studiogebäude des SWR sowie der von Jürgen Dirk Zilling entworfene und projektierte Museumspark wurden im Januar 2020 vom Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart als schützenswerte Bauzeugnisse der 1980er Jahre anerkannt und in das Verzeichnis der Bau- und Kunstdenkmale aufgenommen.

Zum Museum gehören auch eine Bibliothek (Ebene B), ein Archiv und ein Auditorium (Ebene A) sowie Seminarräume, Werkstätten und mehrere Depots.Der Brockhaus Mannheim. Mannheim/Leipzig 2006, S. 186. Ein ursprünglich geplanter zweiter Bauabschnitt des Museums konnte aufgrund zunehmender Finanzknappheit der öffentlichen Kassen nicht realisiert werden.

Daten und Zahlen Das Gebäude umfasst eine Bruttogrundrissfläche von etwa 26.000 m² mit einer Hauptnutzungsfläche von etwa 14.000 m².Hartwig Lüdtke: 25 Jahre TECHNOSEUM: Nichts ist spannender als Technik, S. 62. Die Ausstellungsfläche erstreckt sich über 6 Stockwerke und beträgt insgesamt 8000 m², davon stehen seit 2009 rund 900 m² für Sonderausstellungen zur Verfügung. Im Jahr 2013 besuchten 183.691 Personen das Museum. Der Etat des Museums betrug 2014 11,1 Millionen Euro, davon kamen 3,4 Millionen von der Stadt und 6,8 Millionen vom Land.

Die reinen Baukosten betrugen circa 135 Mio. DM, nicht darin enthalten waren die Kosten für die Einrichtung der Dauerausstellung.

Museumskonzept Das Technoseum versteht sich zum einen als ein historisches Museum, in dem mithilfe von Exponaten historische Entwicklungen dargestellt werden, zum anderen als ein arbeitendes Museum, in dem Besucher Experimente selbst durchführen können.Der Brockhaus Mannheim. Mannheim/Leipzig 2006, S. 186. Die Besucher bewegen sich über die verschiedenen Stockwerke und Rampen der Dauerausstellung, einer abwärts verlaufenden Raum-Zeit-Spirale gleich, durch die Sozial- und Industriegeschichte des deutschen Südwestens. Dies vermittelt den Eindruck einer Reise durch Zeit und Raum. In die Dauerausstellung sind viele Vorführstationen integriert, anhand derer die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen in vergangenen Zeiten nachvollzogen und erlebt werden können. Von Vorführtechnikern und Scouts werden an verschiedene Stationen Maschinen vorgeführt und technische Details und Produktionsabläufe erläutert.

Dauerausstellung mini|Dampfmaschine von 1909 im Technoseum