Die Geschichte der Juden in Leipzig geht bis ins 13. Jahrhundert zurück."Or Zarua" Isaac ben Mose aus Wien Leipzig, die größte Stadt in Sachsen, war historisch ein Zentrum auch für Juden. Diskriminierung wurde bereits 1349 dokumentiertDeutsch, G., & Porges, N., n.d. Jewish Encyclopedia Vol. 12. "Leipsic". und erreichte mit massenhaften Deportationen und erzwungener Emigration durch die Nationalsozialisten in den 1930er und 1940er Jahren auch in Leipzig einen Höhepunkt. Ab 1945 begann die jüdische Gemeinde in Leipzig wieder zu wachsen und wächst bis heute weiter.Records of the Leipzig Jewish Community 1422–1997

Jüdisches Leben in Leipzig (vor 1933) 13. Jahrhundert mini|hochkant=1.1|Leipziger Messe Die älteste Quelle der Existenz einer jüdischen Gemeinde in Leipzig findet sich in einer Responsen-Sammlung aus der Zeit zwischen 1250 und 1285, die von Rabbi Isaak ben Mose (1180–1260) in seinem Hauptwerk or sarua (Das aufgehende Licht) zusammengestellt wurde. In einer der Antworten fungiert Rabbi Isaak als Schiedsrichter in einem Streit zwischen seinem Schwiegersohn aus Leipzig und einem Juden aus einer anderen Stadt. Aus der Dokumentation seiner Antwort auf den Streit ging hervor, dass die Leipziger Juden zu diesem Zeitpunkt bereits eine Synagoge besaßen und ihre Haupteinnahmequelle offenbar in Finanzgeschäften bestand. Die Juden in Leipzig genossen zu dieser Zeit allgemeines Ansehen, vor allem aufgrund ihres Erfolgs im Handel. Im Jahr 1248 veröffentlichte Herzog Heinrich der Erlauchte eine Urkunde, in der er den Leipziger Juden für ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung Leipzigs dankte. Die zentrale Lage Leipzigs lockte jüdische Händler aus ganz Europa zur Leipziger Messe, die für die Pflege der Außenbeziehungen europäischer Nationen und als Treffpunkt für Politiker von Bedeutung war. Auch die Messeordnung von 1268 spiegelte die Wertschätzung jüdischer Kaufleute wider, weil ihnen die gleichen Rechte gewährt wurden wie christlichen Kaufleuten und der Markttag aus Respekt vor dem jüdischen Schabbat von Samstag auf Freitag geändert wurde. Die relativ lockeren Handelsbestimmungen machten die Leipziger Messen europaweit sehr beliebt.

14. Jahrhundert Bereits 1349 begannen die Leipziger Juden Diskriminierungsakten ausgesetzt zu sein. Im Februar 1349 vernichtete Markgraf Friedrich „der Ernste“ die gesamte jüdische Bevölkerung Leipzigs durch Brandstiftung. Ihre Wohnungen und andere Besitztümer wurden beschlagnahmt. Nach den Massenvertreibungen infolge der Pest (1348–1349) wurde den Juden schließlich die Rückkehr nach Leipzig gestattet. Für kurze Zeit erlebten die Juden viele Rechte und Privilegien wie vor 1349. Bis 1352 wurde in Leipzig eine Synagoge errichtet. Im Jahr 1359 werden in Urkunden eine Judengasse und ein jüdisches Viertel („Judenburg“) erwähnt. Die Judengasse erstreckte sich vor der Stadtmauer entlang dem Pleißemühlgraben (etwa in Höhe des Fleischerplatzes). Juden waren zu dieser Zeit in Leipzig relativ sicher und wurden geschützt, doch mit der Zeit verbreiteten sich immer strengere antijüdische Vorschriften.

15. Jahrhundert Zu Beginn des 15. Jahrhunderts waren Juden mit strengen Vorschriften konfrontiert, die darauf abzielten, ihre Kultur zu diskriminieren. Beginnend mit einem Verbot öffentlicher Gebete in Synagogen erreichten die Vorschriften im Jahr 1430 ihren radikalen Höhepunkt, als die Leipziger Juden aus Sachsen vertrieben und auch ihr Eigentum beschlagnahmt wurde. Die Juden wurden jedoch weiterhin als Kaufleute geschätzt, da sie weiterhin zur Messe nach Leipzig zugelassen wurden, allerdings mit vielen Einschränkungen. Außerhalb der Messetage war es ihnen nicht gestattet, sich zu jeder Zeit in Leipzig aufzuhalten, jeder Jude, der zur Leipziger Messe kam, musste Schutzgeld zahlen und von den Behörden ausgestellte Dokumente vorlegen, und es war ihnen verboten, auf den Hauptstraßen sowie an christlichen Feiertagen und Sonntagen zu verkaufen.

16., 17. und 18. Jahrhundert Da sich Juden zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert größtenteils nur für kurze Zeit in der Stadt aufhalten durften, gab es praktisch keine ständige jüdische Gemeinde. Die jüdische Präsenz in Leipzig bestand hauptsächlich aus Händlern und Kaufleuten, die nur für die Dauer der Leipziger Messe blieben. Zwischen 1668 und 1764 besuchten 82.000 Juden diese Messen und trugen maßgeblich zur Entwicklung Leipzigs als Handelszentrum bei. Aufgrund der überwältigenden Zahl von Juden, die sich während der Messezeiten vorübergehend in Leipzig aufhielten, richteten viele Kaufleute Betstuben ein. Im Bereich des Brühls wurde 1763 eine genehmigte Synagoge, die Brodyer Synagoge, eingerichtet, und an der Messe teilnehmende Juden blieben auf dem Brühl und den umliegenden Straßen und Gassen. Im Jahr 1713 erhielt Gerd Levi aus Hamburg, ein Münzmeister und Hoflieferant, als erster Jude seit den Ereignissen des Februar 1349 das Bürgerrecht in Leipzig. Dies war der erste der sogenannten „privilegierten“ jüdischen Haushalte, denen der Aufenthalt in Leipzig gestattet wurde. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts wuchs die Zahl der dauerhaften jüdischen Ansiedlungen auf sieben, und bis zum Ende des Jahrhunderts hatten sich in Leipzig knapp 50 jüdische Kaufleute mit ihren Haushalten eingerichtet.

19. Jahrhundert links|mini|hochkant|Adolf Jellinek, der erste Oberrabbiner von Leipzig mini|hochkant|Die alte Leipziger Synagoge, bevor sie während des Novemberpogroms vom NS-Staat zerstört wurde Der Beginn des 19. Jahrhunderts markierte eine Wiederbelebung der Leipziger jüdischen Gemeinde. Ab 1810 durften polnische Juden, die zum Handel nach Leipzig kamen, dort bleiben. Von da an expandierte die jüdische Gemeinde. Juden durften wieder öffentliche Gottesdienste abhalten, und 1815 stimmte der Stadtrat der Eröffnung des ersten jüdischen Friedhofs Leipzigs zu. Am 18. Mai 1837 erhielt die wachsende jüdische Gemeinde Leipzigs die Erlaubnis, eine Religionsgemeinschaft zu gründen, ihrem Antrag auf Erlaubnis zum Bau einer Synagoge wurde jedoch nicht stattgegeben. Am 16. August 1838 wurden ihnen die Bürgerrechte mit Ausnahme der kommunalen und der politischen Rechte verliehen. In dieser Zeit begannen Juden, eine aktivere Rolle in der Leipziger Akademikerschaft zu übernehmen. Im Jahr 1839 war Julius Fürst der erste Jude, der an der Universität Leipzig lehrte. Leipziger Juden bekleideten in dieser Zeit sogar prominente Richterämter, wie Martin Eduard Sigismund von Simson, der von 1879 bis 1891 Präsident des Reichsgerichts in Leipzig war. Für Ostjuden, die als ausländische Juden zählten, war es jedoch nahezu unmöglich, die sächsische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Dazu musste Juden in Leipzig geboren und 21 Jahre alt sein oder seit mindestens dreißig Jahren in Sachsen wohnhaft sein.Grubel, Fred and Mecklenburg, Frank. Leipzig: profile of a Jewish community during the first years of Nazi Germany Vol. 42. New York: Leo Baeck Institute, 1997. pp.159. Die Jüdische Gemeinde als offiziell staatlich anerkannte Organisation wurde erst 1847 gegründet und erst zu diesem Zeitpunkt durften sich Juden ohne Einschränkungen in Leipzig niederlassen. Die Reformbewegungen der Jahrhundertmitte führten schließlich 1855 zum Bau der Leipziger Synagoge, fast zwei Jahrzehnte nachdem der Antrag von Rabbi Zacharias Frankel, in Leipzig eine Synagoge zu gründen, abgelehnt wurde. Der erste Rabbiner, der der jüdischen Gemeinde in Leipzig diente, war Rabbi Adolf Jellinek, der von 1848 bis 1855 amtierte und der den Präzedenzfall für das Amt eines Oberrabbiners beim Zusammenschluss der jüdischen Gemeinde in Leipzig darstellte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann sich der Antisemitismus zu verstärken. Zu dieser Zeit erschienen mehrere antisemitische Zeitungen und die Häufigkeit gezielter Schikanen und Diskriminierungen gegen Juden nahm zu.

Anfang des 20. Jahrhunderts Als Oberrabbiner von Leipzig ist insbesondere Dr. Felix Goldmann, prominenter Vertreter des liberalen jüdischen Aktivismus in Deutschland, zu nennen. Er übernahm das Amt 1917, half bei der Gründung der „Jewish Agency for Israel“ und des „Keren Hayesod“ und war auch für seine wissenschaftliche Arbeit und Arbeiten zum Thema Antisemitismus bekannt. Die jüdische Gemeinde wuchs in dieser Zeit stetig weiter. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in Leipzig etwa 6.000 jüdische Einwohner. Im Jahr 1910 stieg diese Zahl auf 9.728, und 1925 hatte Leipzig mit 13.047 Juden offiziell die größte jüdische Gemeinde in Sachsen. Während dieses Höhepunkts der jüdischen Bevölkerungsentwicklung gehörten viele Leipziger Juden der oberen Mittelschicht an, zu der Geschäftsleute, Handwerker, Angestellte, Ärzte und Anwälte zählten. Die jüdische Gemeinde Leipzig legte mehrere Programme auf, um Bedürftigen zu helfen, und zu Beginn des Ersten Weltkriegs gab es 48 aktive Wohltätigkeitsorganisationen. In dieser Zeit wurden mehrere gemeinnützige Einrichtungen eröffnet, darunter das 1928 von Chaim Eitingon gegründete jüdische Krankenhaus, und etwa zur gleichen Zeit wurde von der Familie Ariowitsch ein jüdisches Altersheim gegründet. Das Krankenhaus trägt seit 1992 wieder den Namen Eitingon-Krankenhaus (Eitingonstraße 12) und untersteht der Verwaltung des Städtischen Klinikums St. Georg. In: ltm-leipzig.de Danach ging die jüdische Bevölkerung Leipzigs maßgeblich durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten zurück. In der Volkszählung des Deutschen Reiches vom 19. Mai 1939 wurde festgestellt, dass 0,5 % der Leipziger Bürger Juden waren, davon 4.470 Juden aufgrund ihrer Abstammung und 4.113 aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit.Blau, Bruno. The Jewish Population 1939–1945 Vol. 12 No. 2. Bloomington, Indiana: Indiana University Press 2018. pp. 164.

NS-Herrschaft und davor (1922–1945) Die NSDAP Die NSDAP gründete 1922 eine Leipziger Ortsgruppe, das ist eine vergleichsweise frühe NS-Präsenz in der Stadt.Gibas, D. M., Briel, D. C., Knoller, P., and Held, S., 2009. "Aryanization" in Leipzig Drive out. Robbed. Murdered. pp. 4. http://www.juedischesleipzig.de/arisierung_engl09.pdf Die NSDAP-Landesverwaltung war neben dem Hauptfinanzamt und der Staatspolizei für die Umsetzung der judenfeindlichen Politik zuständig. Im Herbst 1939 initiierte die NSDAP Judenhäuser, in denen jüdische Bewohner und nichtjüdische Ehegatten aus „Mischehen“ auf engstem Raum zusammenleben mussten.Gibas, D. M., Briel, D. C., Knoller, P., and Held, S., 2009. "Aryanization" in Leipzig Drive out. Robbed. Murdered. pp. 16. http://www.juedischesleipzig.de/arisierung_engl09.pdf Die 47 Judenhäuser lagen in ihrer Mehrzahl in der inneren Nord- und Westvorstadt, eingegrenzt von der Nord- und der Funkenburgstraße. Familien wurden zwischen den Judenhäusern ständig umverteilt, einige mussten sieben Mal im Jahr umziehen.Wahrman, Shlomo, Lest we forget: Growing up in Nazi Leipzig, 1933–1939. Brooklyn NY: Mesorah Publication, 1991. pp. 132.

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