Die Haltichellinae bilden eine Unterfamilie der Erzwespenfamilie Chalcididae. Die Haltichellinae gehen auf den US-amerikanischen Entomologen William Harris Ashmead zurück, der 1904 die Tribus Haltichellini einführte.
Merkmale Nach Cruard et al. (2020) lässt sich die Unterfamilie anhand folgender Apomorphien beschreiben. Die hinteren tentorialen Furchen sind kurz. Sie verbinden die hintere Fortsatzgrube mit der Tentoriumsbrücke. Die hypostomale Carina (Kiel) reicht über den postokkupitalen Seitenarm. Der postokkupitale Seitenarm berührt ventral die hypostomale Carina. Die Axilla weist einen abstehenden Zahn auf und befindet sich gegenüber der erhöhten Basis der Axillula. Die Axillula ist vorhanden und völlig abgegrenzt. Der Innenrand der Axillula bildet eine erhöhte Carina. Eine mesofurkale Grube befindet sich auf der mesotrochantinalen Platte. Zwischen den metakoxalen Foramina befindet sich eine mediane Furche. Die Innenseite der Metatibien weist eine Carina auf. Der Petiolus weist eine vollständige Lamina auf, ventral umgeben von petiolaren Foramen des Propodeum.
Die Belaspidiini weisen eine einzige Apomorphie auf: Abgrenzung des oberen Randes des Clypeus durch Veränderung der Skulptur sichtbar. Das Vorhandensein eines posteromedianen Fortsatzes auf dem Mesoscutellum könnte die Tribus ebenfalls definieren.
Die Haltichellini werden als Tribus nur durch eine Apomorphie unterstützt: die Verzierung des ventralen Gürtels des Prepectus, der einen scharfen medioventralen Zahn trägt. Mit den Tropimeridiini sind zwei homoplastische Eigenschaften gemein: Toruli, die durch weniger als ihren eigenen Durchmesser getrennt sind, oder bei Epitraninae: stark hervortretender, meist nicht gefurchter interantennaler Vorsprung (bei Neochalcis nicht vorhanden).
Die Hybothoracini werden als Gruppe durch folgenden Apomorphien gestützt: Prosternum mit vertikaler Lamina an der Grenze zwischen der ventralen und der hinteren Oberfläche. Vorhandensein eines Mittelfortsatzes (dentiform oder lamelliform) zwischen der Vorder- und Hinterfläche des Prosternums.
Die Notaspidiini weisen zwei charakteristische Apomorphien auf: ventraler Prepectusgürtel mit spitzem Mittelzahn. Seitenteil des Prepectus länger als hoch.
Die Tropimeridini weisen eine schwache Merkmalsausprägung auf. Das Propodeum ist mit kreisförmigem Spirakel, dessen Rand teilweise von einem Lappen verdeckt wird, der vom vorderen Ende der sublateralen Carina propodea gebildet wird.
Die Zavoyini weisen zwei charakteristische Merkmale auf: Das Vorhandensein von Stirnhörnern, was auch bei den Dirhininae beobachtet wird, aber möglicherweise nicht homolog ist. Die posteroventrale Verlängerung des Pronotums erstreckt sich ventral nicht über den Prepectus.
Verbreitung Die Unterfamilie besitzt eine kosmopolitische Verbreitung.
Lebensweise Die Haltichellinae sind Parasitoide. Zu den Wirten gehören hauptsächlich Schmetterlinge. Daneben werden Brackwespen und Schlupfwespen aus der Ordnung der Hautflügler parasitiert.
Innere Systematik Aufgrund molekularbiologischer Studien gliederten Cruard et al. (2020) die Haltichellinae in 6 Tribus. Im Rahmen der Studien wurden mehrere Synonymisierungen aufgehoben sowie mehrere noch unbeschriebene Gattungen erkannt.
Im Folgenden eine Auflistung der Tribus und Gattungen.
Belaspidiini Belaspidia , 1916 – 8 Arten, Iran, Nearktis, Westpaläarktis Haltichellini Allochalcis , 1905 – 6 Arten, Australien, Madagaskar Anachalcis , 1951 – 2 Arten, Europa, Kleinasien Antrocephalus , 1883 – 125 Arten, Afrotropis, Australien, Orientalis, Nearktis, Paläarktis Aphasganophora , 1952 – 3 Arten, Westpaläarktis Aspirrhina , 1883 – 7 Arten Chirocera , 1825 – 2 Arten Euchalcis , 1861 – 12 Arten Eurycentrus , 1907 – 2 Arten Haltichella , 1811 – 35 Arten Hastius , 1946 – 1 Art (H. ochraceus), Afrotropis Hockeria , 1834 – 98 Arten Kriechbaumerella , 1897 – 25 Arten Neochalcis , 1883 – 11 Arten Neostomatoceras , 1920 – 1 Art (N. chalcidiformis), Australien Oxycoryphe , 1894 – 16 Arten Rhynchochalcis , 1905 – 7 Arten Tanycoryphus , 1905 – 20 Arten Tanyotorthus , 1955 – 1 Art (T. giganteus), Afrotropis Trichoxenia , 1883 – 1 Art (T. cineraria), Australien Uga , 1930 – 8 Arten Xyphorachidia , 1951 – 2 Arten, Orientalis, Senegal Hybothoracini Bucekia , 1951 – 3 Arten Hybothorax , 1844 – 2 Arten Indoinvreia , 1984 – 2 Arten Invreia , 1929 – Irichohalticella , 1912 – 9 Arten Lasiochalcidia , 1929 – 23 Arten Nearretocera , 1913 – 1 Art (N. johnstoni), Australasien Neohybothorax , 1960 – 2 Arten Nipponochalcidia , 1976 – 3 Arten Notaspidiella , 1988 – 5 Arten Parinvreia , 1951 – Peltochalcidia , 1948 – Proconura , 1915 – 33 Arten Psilochalcis , 1905 – 58 Arten Schwarzella , 1904 – 1 Art (S. arizonensis), Nearktis Solenochalcidia , 1951 – 1 Art (S. insolita), Naher Osten, Nordafrika Xenarretocera , 1926 – 1 Art (X. superba), Australien Notaspidiini Notaspidium , 1897 – 18 Arten Steninvreia , 1988 – 5 Arten Tropimeridini Tropimeris , 1948 – 3 Arten, Indien, Senegal Zavoyini Zavoya , 1992 – 3 Arten, Neotropis
Weitere Gattungen, die den Haltichellinae zugeordnet werden, sind: Antrochalcis , 1910 – 1 Art (A. pictipennis), Afrotropis Chalcitiscus† , 1946 – 1 Art (C. debilis), Oligozän, Aix-en-Provence Ecuada , 1992 – 1 Art (E. producta), Neotropis Eniacomorpha , 1915 – Halsteadium , 1992 – 2 Arten, Neotropis Hayatiella , 1989 – 1 Art (H. aligarhensis), Indien Heydoniella , 2003 – 2 Arten, Orientalis Hontalia , 1884 – Neohaltichella , 1989 – 4 Arten, Indien, Philippinen Pareniaca , 1913 – Steffanisa , 1952 – 1 Art (S. rubrocincta), Algerien Sthulapada , 1989 – 3 Arten, Südostasien Tainaniella , 1929 – 2 Arten, Orientalis Thresiaella , 1989 – 2 Arten, Philippinen
Einzelnachweise
Kategorie:Erzwespen Kategorie:Chalcidoidea