Pauline Wunderlich (* 8. November 1825 in Weida; † nach 1853) war eine sächsische Barrikadenkämpferin des Dresdner Maiaufstands von 1849. Sie war Mitglied vogtländischer Freischaren und wurde als „Heldenmädchen“ sowie durch das unverhältnismäßig hohe Strafmaß ihrer Verurteilung bekannt.
Leben Pauline Wunderlich war das 3. Kind des Bürgers und Zimmermanns Johann Gottlieb Wunderlich und der Christiane Friederika, geb. Wurlitzer aus Weida im VogtlandTaufbuch Weida 1813-1827, fol.187, getauft am 13. November 1825 als Pauline Wilhelmie Wunderlich. Im Jahr 1849 war sie angeblich „30 und einige Jahre alt“ und Dienstmädchen. Ihr Geliebter soll am ersten Tag des Maiaufstands beim Sturm auf das Dresdner Zeughaus gefallen sein. Wunderlich kam mit einem der Freischarenzüge aus ZschopauDiese wurden von Pfarrer Würkert und Kantor Geißler angeführt. nach Dresden. Sie war „eine der wenigen Frauen auf den Barrikaden“ während des Maiaufstands. Wunderlich trat in der „Kleidung eines Turners“ aufBuntes. In: Epheuranken. Belletristische Beilage zum Würzburger Abendblatte. No. 29, 22. Juli 1849. S. 116. und soll am achten Mai auf der Barrikade am Ende der Wilsdruffer Gasse gekämpft haben. Am folgenden Morgen wurde sie verwundet,B. H. Brandt: 1849 oder Schauplatz der großen Ereignisse dieses Jahres. J. Breyer, Löbau 1849. S. 95. nach der Darstellung von Stadtrat Meisel, habe sie den Tod gesucht.
Nach der Niederschlagung des Aufstands durch sächsische und preußische Truppen versuchte Wunderlich über Freiberg und Chemnitz zu entkommen. Sie wurde jedoch gefasst und nach Augustusburg ins Gefängnis gebracht. Mitte März 1850 gaben die Zeitungen bekannt, dass die am „Aufstande lebhaft betheiligt gewesene Turnerin“ zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt sei. In derselben Nachricht wurde die Begnadigung „sämtlicher aktiver Militärs und Kriegsreservisten“, die wegen der Teilnahme am Aufstand zum Tode verurteilt worden waren, zu „20jährigem Zuchthause und darunter“ mitgeteilt.Dresden, 9. März. In: Neue Passauer Zeitung. No. 75. 16. März 1850. S. 299. Das hohe Strafmaß Wunderlichs erregte in den Staaten des Deutschen Bunds Aufsehen.Daniel Morat: Frauen in der Revolution von 1848/49. dhm.de, abgerufen am 2. April 2024. Anfang Mai 1850 folgte die Meldung: „Dem Barrikadenmädchen Pauline Wunderlich durch erstes Erkenntniß zu lebenslänglichem Zuchthause verurtheilt, ist durch Urtheil zweiter Instanz diese Strafe auf 10 Jahre Zuchthaus ersten Grades herabgesetzt worden.“Dresden, 1. Mai. In: Bamberger Zeitung. Nro. 124. 4. Mai 1850. S. 27. Einen Teil ihrer Strafe verbüßte sie in der Hubertusburg. Sie stand „in Diensten des Gefangenenaufsehers“ und verriet „ununterbrochenen Mut“.Pauline Wunderlich. wiki.frauenstadtarchiv.de, abgerufen am 2. April 2024.
Im Juni 1852 wurde Wunderlich, „die aus dem Jahr 1849 bekannte Barrikadenkämpferin“, „aus der Strafanstalt zu Hubertusburg entlassen und sofort in ihre Vaterstadt Weida, im Großherzogthum Weimar, gebracht“.K. Sachsen, Reichenbach 15. Juli. In: Allgemeine Zeitung. Nro. 205. 23. Juli 1852. S. 3268. Danach wanderte sie nach Nordamerika aus.
Zeitgenössische Rezeption In der zeitgenössischen Berichterstattung wurde Wunderlich unter anderem als „Heldenmädchen“, „Amazone“ oder „Mannweib“Mannigfaltigkeiten. In: Erheiterungen. No. 103, 30. Juni 1849. S. 412. dargestellt. Friedrich Konrad Müller veröffentlichte 1850 als Müller von der Werra in Biel das Gedicht Pauline Wunderlich. Eine deutsche Turnerin im Kerker der Tyrannei und verlegte darin den Ort ihrer Haft auf die Festung Königstein.Friedrich Konrad Müller: Der Freiheit Wunderhorn oder Rothe Rosen und Schwerterklang. Benz, Biel 1850. S. 63–66. Sie soll das Vorbild für eine „Barrikadenscene“ der Bilderzeitung Dresdens erste Maitage, 1849 (Ludwig Schmidt, Dresden 1849) gewesen sein. Auf dieser Darstellung steht eine Frau mit einem Gewehr in der Hand hinter einer schwarz-rot-goldenen Fahne.
Ähnliche allegorische Darstellungen gab es von Mathilde Hitzfeld und Lisette Hatzfeld, die jeweils mit einer schwarz-rot-goldenen Banner auf den Barrikaden von Kirchheimbolanden und Mannheim gestanden haben sollen. Eine Anklage Hitzfelds wegen Hochverratsverdachts ist nicht belegt, Hatzfeld wurde wegen „Theilnahme am Aufruhr“ zu einer achtwöchigen Gefängnisstrafe verurteilt.Lisette-Hatzfeld-Platz. marchivum.de, abgerufen am 2. April 2024.
Literatur Gerlinde Hummel-Haasis: Schwestern zerreißt eure Ketten. Zeugnisse der Frauen in der Revolution von 1848/49. München 1982. ISBN 978-3-423-02930-8. S. 136. Bernd Kramer: „Laßt uns die Schwerter ziehen, damit die Kette bricht …“ Michael Bakunin, Richard Wagner und andere während der Dresdner Mai-Revolution 1849. Karin Kramer, Berlin 1999. ISBN 978-3-87956-201-5. S. 131.
Weblinks Pauline Wunderlich. klischeefreie-zone-ffm.de Daniel Morat: Frauen in der Revolution von 1848/49. dhm.de
Fußnoten
Kategorie:Teilnehmer am Dresdner Maiaufstand Kategorie:Geboren im 19. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 19. oder 20. Jahrhundert Kategorie:Frau Kategorie:Verurteilte Person Kategorie:Deutscher Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:Person (Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach)