Otto Adam (* 26. November 1901 in Konstanz; † 3. April 1973 ebenda) war ein deutscher Maler.

Er gehörte bereits zu Lebzeiten zu den „von Publikum und Presse geschätzten“Walter Mangold: Künstler und Kunsterzieher. Zum Tod des Konstanzer Malers Otto Adam. In: Südkurier Konstanz vom 7. April 1973. Kunstschaffenden in der Region Bodensee, deren Kunstszene er in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts wesentlich mitprägte.Statt aller: Amelie-Claire von Platen: Der Maler Otto Adam (1901–1973). Leben und Werk (Monographie). Konstanz 2011, S. 19, 131. Adam war Mitglied der Sezession Oberschwaben-Bodensee (SOB)Die SOB wurde 1947 zunächst als Oberschwäbische Sezession gegründet und infolge des Beitritts von Künstlern vom Untersee des Bodensees in Sezession Oberschwaben-Bodensee umbenannt. Sie vertrat keine spezifische künstlerische Richtung und diente ausschließlich dazu, über gemeinsame Ausstellungen den Bekanntheitsgrad der Mitglieder zu vergrößern. Adam war seit 1953 Mitglied. Von Platen: Der Maler Otto Adam (1901–1973). Leben und Werk. 2011, S. 46 ff. und Gründungsmitglied der Künstlervereinigung Der kleine Kreis.Von Platen: Der Maler Otto Adam (1901–1973). Leben und Werk. 2011. S. 44, 455.Die Gründung erfolgte 1962, die Gruppe nannte sich zunächst: „Künstler-Gruppe Konstanz“; so Andreas Gabelmann: Die gemäßigte Moderne. In: Südkurier Konstanz vom 4. Dezember 2012. Zwar war er kein Mitglied der Badischen Secession, konnte sich aber an deren letzter Ausstellung 1951 als Gast-Künstler präsentieren. Adams Werke waren regelmäßig in Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen, auch überregional und im Ausland (Schweiz, Österreich und USA). Hauptberuflich arbeitete er fast vierzig Jahre lang als Lehrer für Kunst und Deutsch in verschiedenen badischen Städten. Seit seiner Frühpensionierung wegen der Folgen eines Schlaganfalls konzentrierte sich Adam auf seine Arbeit als freischaffender Künstler in KonstanzElmar L. Kuhn (Hrsg.): Gruppenbild vor Landschaft: Die Sezession Oberschwaben-Bodensee 1947–1985. Katalog zu den Ausstellungen der Städte Meersburg, Ochsenhausen, Ravensburg und des Bodenseekreises. Friedrichshafen 1997, S. 181. und erreichte den Höhepunkt seines Kunstschaffens.Von Platen: Der Maler Otto Adam (1901–1973). Leben und Werk. 2011, S. 51. Viele seiner Werke befinden sich heute in Privatbesitz; einzelne gehören zum Bestand von Museen. Eine Monographie mit Werkverzeichnis erstellte Amelie-Claire von Platen 2011.Von Platen: Der Maler Otto Adam (1901–1973). Leben und Werk. 2011, S. 153–451.

Stilistisch lässt sich Adam keiner spezifischen Richtung zuordnen.Amelie-Claire von Platen: Der Maler Otto Adam (1901–1973). Zum 110. Geburtstag des Konstanzer Künstlers. In: Stadt Konstanz (Hrsg.): Konstanzer Almanach, 57. Jg., 2011 (2010), S. 60–62, hier: S. 61. Adams Gesamtwerk zeigt sich in erster Linie geprägt von einer Reduktion der Form,Edgar Bruker: Vorwort. In: Wessenberg-Gemäldegalerie Konstanz (Hrsg.): Otto Adam 1901–1973 (anlässl. des 80. Geburtstags). Begleitpublikation anlässlich der gleichnamigen Ausstellung in der Wessenberg-Gemäldegalerie Konstanz vom 5. April bis 2. Mai 1981. Konstanz 1981, ohne Seite. Edgar Bruker war von 1975 bis 1991 Konservator der Wessenberg-Gemäldegalerie (seit 1991 Städtische Wessenberg-Galerie) in Konstanz. wie Paul Cézanne, den Adam sehr schätzteVon Platen: Der Maler Otto Adam (1901–1973). Leben und Werk. 2011, S. 104, 117., sie entwickelt hatte. Sein Werk blieb (neben vereinzelten Experimenten mit Gegenstandslosigkeit in der mittleren Schaffensphase) gegenständlich, löste sich aber von der mimetischen Darstellung. Farbe und Form folgen bildimmanenten Kompositionsnotwendigkeiten.Hans Dürr (Oberstudienrat und Konservator der Wessenberg-Gemäldegalerie): Adam, Otto. In: Bernd Ottnad (Hrsg.): Badische Biographien. Neue Folge, Band I. Stuttgart 1982, S. 9–11, hier: S. 10. Auch in der Zeit nach 1945 blieb Adam – entgegen der damals aktuellen Tendenzen zum Ungegenständlichen – dem Gegenständlichen verpflichtet. Hans Dürr bringt die Darstellungsform Adams mit dem Begriff der „Zwischenwelt zwischen Wirklichkeit und Abstraktion“ auf den Punkt.Dürr zitiert in: Südkurier (unter Kürzel „do“): Otto Adam = ein Vermittler des Schönen. Kunstverein zeigt zum 65. Geburtstag des Malers Arbeiten der letzten 20 Jahre. In: Südkurier Konstanz vom 25. Oktober 1966;Sowie zitiert in: Dora Werner: Otto Adam zum 65. Geburtstag. In: Volksbühne (Hrsg.): Die Kultur der Gemeinde. Monatsblätter der Volksbühne. 8. Jahrgang/Heft 3, November 1966, S. 15. Adams Farbpalette ist tonig und wirkt gedeckt. Daher hat er zum deutschen Expressionismus „nur wenig Beziehung“.

Stillleben, Landschaft und Figurenbilder sind Adams bevorzugte Gattungen, daneben schuf er auch Genrebilder und Porträts. Sujets sind neben Menschen, Stühlen, Obst und Gemüse, Stadt- und Dorfansichten auch Tiere. Adam bezog sich bei der Auswahl häufig auf seine Heimat am Bodensee, so dass sich in seinen Werken vielfach Fische, Möwen, Tauben, Schiffe und Hafendarstellungen finden.Südkurier (unter Kürzel „ee“): Malerei zwischen Wirklichkeit und Abstraktion (anlässl. der Ausstellung in der Galerie Stuckert). In: Südkurier Konstanz vom 13. August 1969. Edgar Bruker nannte diese wiederkehrenden Elemente einmal „poetische Zitate bzw. Leitmotive“Edgar Bruker: Vorwort. In: Wessenberg-Gemäldegalerie Konstanz (Hrsg.): Otto Adam 1901–1973 (anlässl. des 80. Geburtstags). Begleitpublikation anlässlich der gleichnamigen Ausstellung in der Wessenberg-Gemäldegalerie Konstanz vom 5. April bis 2. Mai 1981. Konstanz 1981, ohne Seite.. Einen technischen Schwerpunkt im Werk bilden Ölmalerei, Aquarell und Gouache sowie Zeichnungen mit verschiedenen Materialien. Vereinzelt befasste sich Adam auch mit Drucktechniken und Collage, sowie, sehr selten, mit Malerei auf Keramik.

Leben

Kindheit und Jugend Otto Adam wurde als Sohn des Buchdruckers Hermann Adam und dessen Gattin Josephine, geb. Bruker, geboren.Adam, Otto. Webseite LEO-BW des Landesarchivs Baden-Württemberg. Abgerufen am 9. März 2024 [Internettext bezieht sich auf: Hans Dürr: Adam, Otto. In: Bernd Ottnad (Hrsg.): Badische Biographien. Neue Folge, Band I. Stuttgart 1982, S. 9–11]. Nach eigenen Angaben zeichnete und aquarellierte Adam an Sonntagnachmittagen in der Natur gemeinsam mit seinem Vater, der auf diese Weise sein Talent förderte.Otto Adam: Gedenken und Dank. In: Kunstverein Konstanz (Hrsg.): Otto Adam. Aus Anlass seines 65. Geburtstages. Begleitpublikation anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Kunstverein Konstanz im Wessenberghaus in Konstanz vom 23. Oktober bis 20. November 1966, ohne Seite. Die Vorfahren der Mutter, so Adam, hatten generationenlang als Steinmetze und Maurer an der Münsterbauhütte in Freiburg gearbeitet. Adams Grundschullehrer, Ludwig Friedrich Göbelbecker,Göbelbecker erhielt einen Eintrag auf der Webseite LEO-BW des Landesarchivs Baden-Württemberg: Göbelbecker, Ludwig Friedrich. Webseite LEO-BW des Landesarchivs Baden-Württemberg. Abgerufen am 22. März 2024. sammelte die Zeichnungen seines talentierten Schülers und verfolgte dessen künstlerischen Werdegang. Von Platen hält fest, dass bereits die Arbeiten des jungen Adam sich als Darstellungen eigener Eindrücke zeigen, da sie wenig Übereinstimmung mit dem Naturvorbild aufweisen, sondern als in sich stimmige Kompositionen angelegt sind, die Empfindungen von Licht und Farbe ins Bild setzen.Von Platen: Der Maler Otto Adam (1901–1973). Leben und Werk. 2011, S. 54.

Studium in Karlsruhe und Freiburg Nach dem Abitur in Konstanz 1920 studierte Adam von 1921 bis 1926Von Platen weist darauf hin, dass die Angaben zur Studiendauer variieren. Adam selbst habe als Ende seiner Studienzeit 1928 angegeben, möglicherweise da er seine Referendariatszeit hinzugerechnet habe. Von Platen: Der Maler Otto Adam (1901–1973). Leben und Werk. 2011, S. 25 f.Vermutlich gibt deshalb auch Bruker als Studienende 1928 an: Edgar Bruker: Vorwort. In: Wessenberg-Gemäldegalerie Konstanz (Hrsg.): Otto Adam 1901–1973 (anlässl. des 80. Geburtstags). Begleitpublikation anlässlich der gleichnamigen Ausstellung in der Wessenberg-Gemäldegalerie Konstanz vom 5. April bis 2. Mai 1981, Konstanz 1981, ohne Seite. Malerei an der Badischen Landeskunstschule Karlsruhe (heute: Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe) und Germanistik in Freiburg (als zweites Lehramtsfach neben Kunst). Sein Staatsexamen als Kunsterzieher und Deutschlehrer für höhere Schulen absolvierte er bereits 1925, in Karlsruhe blieb er bis 1926. Die Akademie in Karlsruhe strebte zu dieser Zeit eine Verbindung von freier und angewandter Kunst anVon Platen: Der Maler Otto Adam (1901–1973). Leben und Werk. 2011, S. 56. und war als dreistufiges Modell konzipiert: ein Jahr Vorbereitungsklasse, zwei Jahre Zeichen- und Malklasse, zwei Jahre Meisterklasse.Von Platen: Der Maler Otto Adam (1901–1973). Leben und Werk. 2011, S. 26. Die Vorbereitungsklasse besuchte Adam bei dem Bildhauer Peter Paul Gilles,Gilles wird in der Datenbank des Deutschen Zentrums für Kulturgutverluste geführt: Gilles, Peter Paul. Webseite der Forschungsdatenbank Proveana der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste. Letzte Aktualisierung am 31. Mai 2022. Abgerufen am 10. März 2024. die Malklasse bei dem Maler und dortigen Professor August Babberger.Babberger wird heute zu den Spätexpressionisten des deutschen Südwestens gezählt und war von 1923 bis 1929 Direktor der Badischen Landeskunstschule: Babberger, August. Webseite LEO-BW des Landesarchivs Baden-Württemberg. Abgerufen am 10. März 2024.Herbert Karl Kraft und Gisela Linder: SOB. Maler und Bildhauer in einer Landschaft 1947–1977. Friedrichshafen 1977, S. 133. Letzterer stellte die maßgeblichen Weichen für Adam, indem er für die Bildkomposition – ganz im Sinne der Moderne – lehrte, den Bildgrund nicht mehr zu einem dreidimensionalen Illusionsraum werden zu lassen, sondern ihn als plane, zweidimensionale Fläche zu sehen, wie dies dem Bildträger Leinwand entspricht. Diese Fläche sollte dann mit nicht-figurativen Elementen rhythmisiert werden. Adam schrieb über seinen Lehrer: „Während meines Studiums hatten [sic] nachdrücklichen Einfluss auf mein Werden der Maler Babberger, ein Vertreter anaturalistischer Malerei, im damaligen Karlsruhe der modernste und beunruhigenste [sic] Künstler.“Otto Adam: Gedenken und Dank, in: Kunstverein Konstanz (Hrsg.): Otto Adam. Aus Anlass seines 65. Geburtstages. Begleitpublikation anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Kunstverein Konstanz im Wessenberghaus in Konstanz vom 23. Oktober bis 20. November 1966, ohne Seite. Von 1924 bis 1926 war Adam zunächst Meisterschüler von Albert Haueisen und nach dessen Ausscheiden von Hermann Goebel,Von Platen: Der Maler Otto Adam (1901–1973). Leben und Werk. 2011, S. 56. die beide nachimpressionistisch malten.

Anfänge als Lehrer, NS-Zeit und Zweiter Weltkrieg