mini|Jaak Kangilaski, 2006 Jaak Kangilaski (* 10. Dezember 1939 in Viljandi; † 30. August 2022 in Tallinn) war ein estnischer Kunsthistoriker.
Leben und Werk Jaak Kangilaski machte 1958 in Tallinn das Abitur und studierte anschließend an der Universität Tartu Geschichte und Kunstgeschichte. Nach seinem 1963 erfolgten Abschluss leistete er seinen Militärdienst ab und trat im Herbst 1964 seine Aspirantur an, die er zur Hälfte der Zeit in der Eremitage in Leningrad verbrachte, wo er die Bibliothek und die dortigen Kunstsammlungen intensiv studierte. Die andere Zeit verbrachte er in Tartu,Jaak Kangilaski: Minu elud. Tänapäev, Tallinn 2023, S. 137. wo er 1969 auch seine Kandidatendissertation über „Die Rolle der Les Nabis in der französischen Malerei des späten 19. und frühen 20. Jahrhundert“ verteidigte.Eesti kunsti ja arhitektuuri biograafiline leksikon. Eesti Entsüklopeediakirjastus, Tallinn 1996, ISBN 5-89900-049-X, S. 159. Bereits seit 1967 war er Dozent an der Universität Tartu. 1971 nahm er seine Arbeit am Staatlichen Kunstinstitut der ESSR auf, dem Vorläufer der heutigen Estnische Kunstakademie, wo er bis 1995 verschiedene lehrende und leitende Funktionen ausübte. 1995 wurde er zum Professor für Kunstgeschichte an der Universität Tartu berufen, wo er bis 2006 tätig war.
Kangilaskis Forschungsinteresse konzentrierte sich auf die Kunst Westeuropas im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, wozu er zahlreiche Publikationen vorlegte. Außerdem befasste er sich mit Kunsttheorie und schrieb Kunstkritiken. Zu Studienzwecken hielt er sich in Norwegen (1980–1981) und den Vereinigten Staaten (1994) auf, wo er auch Gastvorlesungen gab. Von 1975 bis 1988 war er stellvertretender Vorsitzender des Estnischen Künstlerverbandes.Eesti teaduse biograafiline leksikon. 1. köide A–Ki. Eesti Entsüklopeediakirjastus, Tallinn 2000, ISBN 9985-70-063-5, S. 551.
Sein Vater war der Theaterkünstler und Maler Juhan Kangilaski (1904–1981), sein Onkel der Karikaturist und Grafiker Ott Kangilaski (1911–1975).
Trivia Während seiner Studienzeit wurde Kangilaski vom sowjetischen Militärgeheimdienst GRU angeworben, nachdem der Tartuer Professor Paul Ariste vom Kriegskommissariat aufgefordert worden war, begabte junge Männer anzugeben.Jaak Kangilaski: Minu elud. Tänapäev, Tallinn 2023, S. 212–214. Seit 1962 führte Kangilaski ein Doppelleben als Kunsthistoriker und Geheimagent, der seine Tätigkeit auch nach der Wiederherstellung der estnischen Unabhängigkeit (1991) fortsetzte. Zudem war er seit 1981 auch für den schwedischen Geheimdienst tätig, also ein Doppelagent. Die nach seinem Tod veröffentlichte Autobiografie trägt dementsprechend den Titel „Meine Leben“: Der erste Teil (S. 5–204) trägt den Titel „Mein Leben“, der zweite Teil (S. 207–377) ist überschrieben mit „Mein verborgenes Leben“. Sie endet mit dem Satz: „Unabhängig von den Resultaten kann ich darüber zufrieden sein, dass es mir gelungen ist, mindestens seit 1981 einen der mächtigsten Geheimdienste der Welt an der Nase herumgeführt zu haben und am Leben geblieben zu sein.“
Auszeichnungen 1978 Verdienter Kulturschaffender der ESSR 1998 Orden des Staatswappens (IV. Klasse) 2016 Kristjan-Raud-Preis 2016 Preis des Kulturkapitals für das Lebenswerk
Bibliografie (Auswahl) Üldine kunstiajalugu. Kunst, Tallinn 1997, ISBN 5-89920-146-0. (gemeinsam mit Sirje Helme) Lühike eesti kunsti ajalugu. Kunst, Tallinn 1999, ISBN 5-89920-222-X. Norra. Maa, rahvas, kunst. Koolibri, Tallinn 2000, ISBN 9985-0-0911-8 (erstmals 1985) Kunstist, Eestist ja eesti kunstist. Ilmamaa, Tartu 2000, ISBN 9985-878-88-4. Minu elud. Tänapäev, Tallinn 2023, ISBN 978-9916-17-391-6.
Weblinks
Jaak Kangilaski auf der Homepage des estnischen Wissenschaftsportals ETIS (incl. Schriftenverzeichnis)
Einzelnachweise
Kategorie:Kunsthistoriker Kategorie:Träger des Ordens des Staatswappens (IV. Klasse) Kategorie:Absolvent der Universität Tartu Kategorie:Hochschullehrer (Universität Tartu) Kategorie:Hochschullehrer (Estnische Kunstakademie) Kategorie:Autor Kategorie:Doppelagent Kategorie:Este Kategorie:Geboren 1939 Kategorie:Gestorben 2022 Kategorie:Mann