Die S-Bahn Rhein-Ruhr ist ein multizentrisches S-Bahn-Netz des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) im westlichen Nordrhein-Westfalen und, an der Länge des Streckennetzes gemessen, das zweitgrößte Deutschlands. Es umfasst das gesamte Ruhrgebiet und verbindet verschiedene Ruhrmetropolen mit insgesamt 10 durchgehend verkehrenden Linien. Die S-Bahn Rhein-Ruhr unterscheidet sich wesentlich von typischen S-Bahn-Netzen durch ihren Umfang, ihre Struktur und Fahrzeuge. Zusammen mit der S-Bahn Rheinland, mit der sie sich Trassen und Fahrzeuge teilt, ist sie ein wichtiger Bestandteil des nordrhein-westfälischen Mobilitätsangebotes.
Zum Einsatz kommen je nach S-Bahn-Linie verschiedene Fahrzeuge. Hauptsächlich wird mit Elektrotriebwagen der Baureihe 422 sowie seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 mit Fahrzeugen des Typs Stadler Flirt 3XL gefahren, seit Dezember 2014 werden auf den Linien S 5 und S 8 Triebzüge des Typs Alstom Coradia Continental (Baureihe 1440.3) eingesetzt. Auf den nicht elektrifizierten Linien verkehren LINT- (Baureihe 1648, S 7, RheinRuhrBahn) oder Integral-Triebzüge (Baureihe 609.1, S 28, Regiobahn)
Im Januar 2024 kam es bei der S 6 zu einem Erdrutsch im Trassenabschnitt zwischen dem Bahnhof Hösel und Haltepunkt Kettwig Stausee, dessen Beseitigung sowie Wiederherstellung des Betriebes bis Dezember 2025 dauerte.
Geschichte
Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg war mit dem Ruhrschnellverkehr ein System beschleunigter Nahverkehrszüge eingeführt worden, das bereits einen großen Teil des heutigen S-Bahn-Netzes im Ruhrgebiet umfasste. Stellenweise gab es sogar eigengenutzte Gleiskörper, so wie es derzeit größtenteils der Fall ist.
Ab 1948 wurde dieses System unter dem Namen Nahschnellverkehr, später Bezirksschnellverkehr, wieder aufgenommen. Neben den bereits früher eingesetzten Dampflokomotiven der Baureihe 78 kamen nun auch die speziell für diesen Zweck entwickelten Lokomotiven der Baureihe 65 zum Einsatz.
Das S-Bahn-Netz wurde 1967 mit Elektrolokomotiven auf der Strecke von Ratingen Ost nach Düsseldorf-Garath eingeweiht und war damit das erste mit konventionellem Bahnstrom betriebene S-Bahn-Netz in Deutschland. Im nächsten Jahr wurde die S 6 vorläufig fertiggestellt:
Am 26. Mai 1968 verlängerte man die S 6 von Ratingen Ost bis Essen Hauptbahnhof. Zum 12. Dezember 1968 wurde im Süden Langenfeld (Rheinland) von der S 6 erreicht.
Am 26. Mai 1974 wurden dann zwei neue S-Bahn-Linien in Betrieb genommen. Dies waren die S 1 von Duisburg-Großenbaum bis Bochum Hauptbahnhof und die S 3, beinahe auf ihrer heutigen Ausdehnung, von Oberhausen Hauptbahnhof bis Hattingen (Ruhr). Die Strecke zum Terminal des Düsseldorfer Flughafens kam am 27. Oktober 1975 hinzu und wurde von der S 7 von Düsseldorf Hauptbahnhof aus bedient. Der Lückenschluss zwischen Duisburg-Großenbaum und Düsseldorf von der S 1 folgte am 25. September 1977, und am 28. September 1980 wurde die S 7 bis zum damaligen Bahnhof Solingen-Ohligs (heute: Solingen Hauptbahnhof) verlängert. Ebenfalls wurde am 1. Januar 1980 der VRR-Tarif eingeführt.
1983 erhielt Dortmund seine erste S-Bahn, als am 25. September die S 1 von Bochum dorthin verlängert wurde. Dies beinhaltete auch eine Neubaustrecke, die die Universität Dortmund anschließt. Am 3. Juni 1984 folgte die S-Bahn-Linie S 4 von Dortmund-Germania nach Unna. Zur besseren Erschließung der Hattinger Innenstadt wurde die S 3 am 3. Juli 1987 um eine Station bis Hattingen (Ruhr) Mitte erweitert. Am 29. Mai 1988 wurde die längste S-Bahn-Linie in Deutschland – die S 8, auch Ost-West-S-Bahn genannt – auf gesamter Länge von Hagen Hauptbahnhof bis Mönchengladbach Hauptbahnhof in Betrieb genommen. Bei dieser Gelegenheit konnte auch die seit dem 1. Juni 1975 existierende Kölner S 11 von Bergisch Gladbach nach Köln-Chorweiler, die zuvor bereits nach Köln-Chorweiler Nord und später nach Neuss Hauptbahnhof verlängert wurde, bis Düsseldorf-Gerresheim verlängert werden, sodass nunmehr die vormaligen Teilnetze Ruhrgebiet und Köln erstmals verbunden wurden.
Am 27. Mai 1990 kam es zu weiteren Änderungen: Die S 21 – eine Alternative zu der S 1 mit Halt am Bahnhof Düsseldorf Flughafen (Terminal) – wurde eingeführt, zudem bekamen die S-Bahnen in Köln eigene Gleise, die spätere Stammstrecke mit dem neuen Haltepunkt Köln Hansaring wurde eröffnet. Ab dem 2. Juni 1991 wurde diese auch von den Zügen der bis Köln verlängerten S 6 bedient. Am 2. Juni 1991 wurde außerdem die S 2 von Dortmund über Gelsenkirchen, Herne, Altenessen und Oberhausen nach Duisburg eingeführt, die am 29. September 1991 einen Streckenast nach Essen und am 24. Mai 1998 einen nach Recklinghausen erhielt. Dortmund-Lütgendortmund erhielt am 23. Mai 1993 mit der Verlängerung der S 4 zum Bahnhof Dortmund-Lütgendortmund den S-Bahn-Anschluss. Als faktische Verlängerung der S 8 wurde am 29. Mai 1994 die S 5 von Hagen über Wetter (Ruhr) und Witten nach Dortmund eröffnet. Die nächste neue Linie kam am 24. Mai 1998 hinzu, als die S 9 von Haltern nach Essen-Steele ihren Betrieb aufnahm. Am 26. September 1999 wurden dann die vorherigen Regionalbahn-Verbindungen von Kaarst nach Neuss und von Düsseldorf nach Mettmann von der Regiobahn übernommen und neu als S-Bahn-Linie S 28 bezeichnet.
Der VRR hatte Anfang Juli 2013 bekannt gegeben, dass die Regionalbahn-Linie RB 47 (Der Müngstener) von Solingen Hauptbahnhof über Remscheid Hauptbahnhof nach Wuppertal Hauptbahnhof ab Dezember 2013 als Linie S 7 verkehren sollte. Zu diesem Zeitpunkt übernahm Abellio Rail NRW diese Linie von DB Regio.
Am 11. September 2020 erfolgte die Betriebsaufnahme für den Linienast der S 9 zwischen Gladbeck West und Recklinghausen Hbf. Gut zwei Jahre später wurde am 11. Dezember 2022 der Haltepunkt Herten (Westf) in Betrieb genommen. Die Inbetriebnahme der zusätzlichen vorgesehenen Haltepunkte auf dieser Strecke – Gelsenkirchen-Buer Nord und Herten-Westerholt – sollten ursprünglich zum Fahrplanwechsel im Dezember 2024 geschehen, wurde allerdings im Oktober wegen „Probleme[n] bei der Bauausführung“ auf unbestimmte Zeit verschoben. VRR-Vorstandsprecher Oliver Wittke kritisierte daraufhin das Kommunikationsmanagement der DB:
Im Frühjahr 2023 ging ein überarbeiteter Internetauftritt unter dem Namen s-bahn-rhein-ruhr.de online.Neugestaltete Internetseite informiert über S-Bahn Rhein-Ruhr auf vrr.de, abgerufen am 24. April 2023.
Tarife
In den S-Bahnen gelten die Tarife des Verkehrsverbundes VRR. Auf einem Teil ihrer Streckenverläufe gilt auf den Linien S 6 und S 11 das Tarifsystem des Verkehrsverbundes VRS. Innerhalb Unnas (S 4) gilt seit August 2017 der Westfalentarif.
Linien
Im 19. Jahrhundert konkurrierten drei bedeutende Eisenbahngesellschaften im Rheinland und im Ruhrgebiet, daher wurden diese Gebiete durch eine Vielzahl von teilweise parallelen Eisenbahnstrecken erschlossen. Bereits mit Einführung des Ruhrschnellverkehrs fasste man diese durch Ausbauten und neue Verbindungsstrecken zu neuen Verkehrswegen zusammen. Diese Praxis wurde beim Ausbau des S-Bahn-Netzes weiter verfolgt, sodass die heutigen S-Bahn-Linien bisweilen ein halbes Dutzend verschiedener Bahnstrecken befahren.
Unter der Bezeichnung S-Bahn Rhein Ruhr verkehren folgende Linien:
Linie Linienverlauf Bahnstrecken KBS Länge Eröffnung der ersten Teilstrecke Erste Teilstrecke Dortmund – Bochum – Essen – Mülheim – Duisburg – Düsseldorf – Hilden – Solingen Dortmund–Duisburg, Duisburg–Düsseldorf, Düsseldorf–Solingen 450.1 97 km 26.05.1974 Bochum – Duisburg-Großenbaum Dortmund – Dortmund-Dorstfeld – Dortmund-Mengede – Herne – Wanne-Eickel – Gelsenkirchen – Gelsenkirchen-Rotthausen – Essen-Kray Nord – Essen Dortmund – Dortmund-Dorstfeld – Dortmund-Mengede – Herne – Recklinghausen Dortmund–Dortmund-Dorstfeld, Dortmund-Dorstfeld–Dortmund-Mengede, Dortmund-Mengede–Herne/Gelsenkirchen/Duisburg, Gelsenkirchen–Essen bzw. Herne–Recklinghausen 450.2 42 km33 km 02.06.1991 Dortmund – Duisburg Oberhausen – Mülheim an der Ruhr – Essen – Essen-Steele – , , 450.3 33 km 26.05.1974 Oberhausen – Hattingen Dortmund-Lütgendortmund – Dortmund-Dorstfeld – Unna-Königsborn – Unna Dortmund-Lütgendortmund–Dortmund Süd, Dortmund Süd–Unna-Königsborn, Unna-Königsborn–Unna 450.4 30 km 03.06.1984 Dortmund-Germania – Unna Dortmund – Witten – Wetter – Hagen Dortmund–Hagen 450.5 31 km 29.05.1994 Gesamtstrecke (seit 2023 S-Bahn Rheinland) Essen – Düsseldorf – Langenfeld – Köln – Köln-Nippes Köln-Worringen)nur während der Hauptverkehrszeit Essen–Essen-Werden, Essen-Werden–Düsseldorf, Düsseldorf–Köln, Köln–Köln-Worringen 450.6 78 km 28.09.1967 Ratingen Ost – Düsseldorf-Garath Wuppertal – Remscheid – Solingen Wuppertal–Wuppertal-Oberbarmen, Wuppertal-Oberbarmen–Remscheid-Lennep, Remscheid-Lennep–Remscheid, Remscheid–Solingen 450.7 41 km 15.12.2013 Gesamtstrecke Hagen – Wuppertal – Wuppertal-Vohwinkel – Düsseldorf – Neuss – Mönchengladbach Hagen–Gevelsberg West, Gevelsberg West–Schwelm, Schwelm–Wuppertal, Wuppertal–Düsseldorf, Düsseldorf–Mönchengladbach 450.8 82 km 29.05.1988 Recklinghausen / Gladbeck West – Bottrop – Essen Hauptbahnhof – Essen-Steele – Velbert-Langenberg – Wuppertal-Vohwinkel – Wuppertal – Hagen Recklinghausen–Blumenthal / Haltern am See–Marl-Lippe, Marl-Lippe–Gelsenkirchen-Buer Nord, Blumenthal–Gelsenkirchen-Buer Nord–Essen-Dellwig Ost, Essen-Dellwig Ost–Essen West, Essen West–Essen-Steele, Essen-Steele–Wuppertal-Vohwinkel, Wuppertal-Vohwinkel–Wuppertal, Wuppertal–Schwelm, Schwelm–Gevelsberg West, Gevelsberg West–Hagen 450.9 116 km 24.05.1998 Haltern – Essen-Steele (S-Bahn Rheinland) Bergisch-Gladbach – Köln – Dormagen – Neuss – Düsseldorf – Düsseldorf Flughafen Terminal Düsseldorf–Köln, Düsseldorf–Mönchengladbach, Neuss–Köln, Köln-Mülheim–Bergisch-Gladbach 450.11 67 km 01.06.1975 Bergisch-Gladbach – Köln-Chorweiler Wuppertal – Düsseldorf – Neuss – Kaarster See Mettmann Stadtwald–Düsseldorf, Düsseldorf–Neuss, Neuss–Kaarster See 450.28 34 km 26.09.1999 Mettmann-Stadtwald – Kaarster See (seit 2023 Linie der S-Bahn Rheinland) Wuppertal-Vohwinkel – Düsseldorf – Langenfeld (Rheinland) Wuppertal–Düsseldorf, Düsseldorf–Langenfeld(Rheinland) 450.68 39 km 13.12.2009 Gesamtstrecke
Die Linien S 6 und S 11 der S-Bahn Rheinland befahren nur einen Teil des Streckennetzes der S-Bahn Rhein-Ruhr.
Ehemalige Linien und abweichende Laufwege
Seit 1990 verkehrte die Linie S 21 parallel zur Linie S 1 mit dem Unterschied, dass diese in Düsseldorf-Unterrath nach Düsseldorf Flughafen Terminal abbog, dort wendete und über ein Verbindungsgleis zum Bahnhofsteil Düsseldorf-Unterrath Karthäuser Weg wieder auf die Strecke der S 1 Richtung Norden fuhr. Die Linie S 21 wurde zum 24. Mai 1998 eingestellt und die Linie S 1 übernahm bis zur Eröffnung des Flughafen-Fernbahnhofs am 27. Mai 2000 auch diesen abzweigenden Streckenabschnitt zum Flughafen-Terminal.
Im Rahmen der Netzanpassung 2009 wurde mit der S 7 erstmals eine Stammlinie der S-Bahn Rhein-Ruhr durch die Verlängerungen von S 1 und S 11 ersetzt. Seit 2013 verkehrt die im Vorlaufbetrieb betriebene Linie RB 47 als S 7.
Bei der nächsten großen Netzanpassung im Dezember 2019 wurde der Ast der S 2 von Dortmund nach Duisburg eingestellt und durch die RB 32 ersetzt, die zwischen Dortmund Hbf und Mengede die alte Strecke benutzt. Die Äste der S 2 nach Essen und Recklinghausen bestehen weiterhin.