mini|St. Jodokus in Strümpfelbach Die evangelische Pfarrkirche St. Jodokus steht in Strümpfelbach, einem Stadtteil der Großen Kreisstadt Weinstadt im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Waiblingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Geschichte und Architektur mini|Blick zum Chor Die spätgotische Saalkirche wurde im 14. Jahrhundert erbaut. Am Turmuntergeschoss des Chorturmes sind noch Brandspuren sichtbar, die vermutlich von Bränden aus den Jahren 1349 und 1449 stammen. Der Innenraum des Chors, also das Erdgeschoss des Chorturms, ist mit einem Kreuzrippengewölbe überspannt. Ein Fresko an der Decke des Langhauses entstand um 1470.

Seit 1335 bestand in Strümpfelbach eine Frühmesserei mit einem Kaplan aus Waiblingen. Von 1495 ist eine Bittschrift an das Bistum Konstanz wegen der Erhebung zu einer eigenen Pfarrei überliefert, die am 24. Januar 1495 genehmigt wurde. Die Kirche wird dem Patrozinium des Heiligen Jodok unterstellt.

1534 wurde die Kirche mit der württembergischen Reformation evangelisch.

1784 wurde das Langhaus um ca. 3,5 Meter nach Nordosten erweitert, sodass der Kirchenraum mit der Süd- und Westempore und der neuen Nordempore die Innenraumgestalt einer Querkirche mit Ausrichtung auf die Kanzel am nördlichen Chorbogen erhielt.Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche. Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Ubstadt 2025, S. 255, 319 – ISBN 978-3-95505-592-9. Seitdem befindet sich der Chorbogen nicht mehr in der Längsachse des Bauwerks. Der Chorturm wurde mit einem Geschoss aus Holzfachwerk aufgestockt, das die 1756 erneuerte Turmuhr und den Glockenstuhl mit vier Kirchenglocken beherbergt, und mit einem Pyramidendach bedeckt.

1878 wurden die Fenster im Schiff verändert. mini|Innenraum vor 1971 1970/71 fand eine grundlegende Innenrenovierung und Restaurierung statt, bei der die Südempore entfernt (Außenaufgang noch heute sichtbar), die neue Kanzel als Kanzelambo an der südlichen Chorbogenwand errichtet, die Chor-Orgelempore abgebaut und die Orgel tiefer gesetzt, die Kirchenbänke durch Einzelstühle ersetzt sowie die Wandgemälde freigelegt und restauriert wurden. Die Pfarrertafel wurde von der nördlichen Chorwand abgenommen und in die Sakristei verbracht. Durch diese Umgestaltung des Kirchenraums entfiel der Charakter einer Querkirche.

2000 mussten wegen Sicherheitsauflagen Sturzgitter vor den Emporenfenstern angebracht und die Emporengeländer erhöht werden.

Ausstattung Wandmalerei Bei der Renovierung 1970/1971 wurden wertvolle Wandmalereien im Schiff und Chor freigelegt und restauriert, auch spätgotische Deckengemälde im kreuzrippengewölbtem Chor.Katalog der Wandmalereien in den Kirchen und Kapellen Baden-Württemberg’s von der ottonischen Zeit bis zur Renaissance, von Dipl.-Ing. Klaus Klünder und Christa Regina Klünder .

Im Schiff Aus dem Jahre 1470 sind im Schiff unterhalb der Decke Reste einer umlaufenden Malerei erhalten: Von oben kommt ein Ungeheuer, der Kopf eines weiteren Ungeheuers „eine aufrecht stehende Hirschstange“. An der Südwand Reste von illusionistischer Malerei (1470/1480). Die Säulchen eines Scheingebälks werden von kleinen Tragfiguren gestützt. Zwischen Mittel- und Ostfenster der Südwand wurde 1495 ein großes Sammelbild, bestehend aus zwölf Medaillons, gemalt. Die beiden ersten Bilder stellen Gottvater mit den Gesetzestafeln und den anbetenden Moses dar. Ihnen folgt die Wiedergabe von Übertretungen der zehn Gebote.

Im Chor In den Gewölbekappen des Chores sind paarweise die vier Evangelistensymbole und die Kirchenväter dargestellt. Von den Malereien der Schildwände und unteren Wandfelder sind in Teilen erhalten: Im östlichen Bogenfeld Christus als Weltenrichter zwischen Maria und Johannes dem Täufer; links der Apostel Petrus, der die Seligen zum Himmelstor führt, rechts die Verdammten im Höllenrachen. Im nördlichen Bogenfeld folgt aus den Jahren 1470/1480 die Darstellung Christi in der Kelter. Ein Engel dreht die Spindel der Kelter, darüber die Halbfigur Gottes. Seitlich sind eucharistische Darstellungen. In Fragmenten sind zu sehen: links die Opferung Isaaks, darunter Moses(?), rechts Melchisedek, darunter die Bewirtung der Engel durch Abraham und Sarah. Im südlichen Bogenfeld sind nur die Reste eines Bildes erkennbar. Über dem Chorbogen sind Fragmente des heiligen Martin zu Pferde erhalten.

Lutherbild mini|Lutherbild von Georg Friedrich List Von Georg Friedrich List wurde 1698 im Auftrag des Schultheißen und Richters von Strümpfelbach, Chirurgus Knauß, der als Stifter des Bildes gilt, ein Wandbild von Martin Luther mit einem Schwan geschaffen. Das Bildprogramm entwickelte der damalige Pfarrer Magister Georg Ludwig Schmidlin. Der über dem Reformator schwebende Engel mit Ring und Buch deutet auf das unter himmlischem Schutz stehende Werk Luthers. Die links neben Luther stehende Säule mit dem Christusmonogramm gilt als Symbol für den rechten Glauben und die Beständigkeit Luthers. Links hinter ihm „singt“ ein kräftiger Schwan. Dieses Motiv geht darauf zurück, dass der böhmische Reformator Jan Hus vor seinem Tode auf dem Scheiterhaufen 1415 in Konstanz beim Konstanzer Konzil gesagt habe: „Eine Gans (Hus heißt ‚Gans‘) könnt ihr braten, aber über hundert Jahren kommt ein Schwan, den werdet ihr nicht braten.“ Dass Luther diese Worte bekannt waren und auf sich selbst als Schwan bezogen hatte, kann man Äußerungen aus seinen Tischreden von 1531, 1533 und 1541 entnehmen.

Vergleichbare und vor allem hundert Jahre ältere Bildmotive Luthers mit dem Schwan sind als Fresken allein in Württemberg mindestens in Brettach, Neckargartach und Weissach bekannt, in anderen Landeskirchen weit verbreitet, auch beispielsweise aus Lenzen und Rostock sowie aus der Hauptkirche St. Petri in Hamburg.

Hauptportal Das Hauptportal hat der Strümpfelbacher Künstler Karl Ulrich Nuss in den Jahren 1974 und 1975 geschaffen und der Kirchengemeinde gestiftet.

Die Grundidee zum Entwurf dieses Bronzeportals war die Gegenüberstellung von menschlichem Ungeist (linker Türflügel) und Gottes gutem Geist (rechter Türflügel). Daraus entwickelt sich der Bildaufbau der beiden Türflügel, den man links von unten nach oben, anschließend rechts von oben nach unten wie auch in der konkreten parallelen Gegenüberstellung von alt- und neutestamentlicher Geschichte betrachten kann.

Der linke Türflügel zeigt als Beispiele des menschlichen Ungeistes (von unten nach oben) den Sündenfall und Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies , die Ermordung Abels durch seinen Bruder Kain und den Turmbau zu Babel .

Der rechte Türflügel zeigt das Wirken von Gottes Geist (von oben nach unten) beim Pfingstwunder , im Gleichnis vom Barmherzigen Samariter und im Gleichnis von der Heimkehr des Verlorenen Sohnes .

Kruzifix, Altarkreuz und Taufsteindeckel Das Kruzifix stammt aus dem 16. Jahrhundert. Es wurde 1971 im Chorbogen an Ketten über dem neuen Altar aufgehängt. Die Bronzearbeiten des Standkreuzes auf dem Altar und des Taufsteins stammen – wie das Hauptportal – vom örtlichen Künstler Karl Ulrich Nuss.

Glocken Die älteste Glocke stammt aus dem Jahr 1502 und wurde von Pantlion Sydler in Esslingen am Neckar gegossen.

Die zweitälteste Glocke wurde 1659 gegossen und 1942 abgenommen, um als Metallspende des deutschen Volkes eingeschmolzen zu werden. Sie wurde jedoch 1948 auf einem Glockenfriedhof in Hamburg wiederaufgefunden und konnte am 21. Mai 1948 wieder aufgehängt werden.

Eine dritte Glocke von 1661 wurde im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen. 1936 wurde eine Ersatzglocke gegossen, die aber im Zweiten Weltkrieg wieder eingeschmolzen wurde.

1948 wurden als Ersatz zwei neue Glocken gegossen, für die Fritz Nuss die Reliefs schuf.

Der Glockenstuhl ist aus massiver Eiche und wird auf das 16./17. Jahrhundert datiert. Die 1948 angebrachten Eisenjoche wurden im Rahmen der Glockensanierung im September 2006 wieder durch Eichenjoche ersetzt. GlockeGlockengießerGussortGussjahrSchlagtonDurchmesserHöheInschriftI.Pantlion SydlerEsslingen1502ges'121 cm97 cmin dem name(n) unsser(e)s herre(n) Jesu Christ und maria seiner mutter san(k)t lux marx iohannes un(d) s(t). matheus es gos mich pantlio sidler vo(n) esslinge(n) im xv c un(d) zway iarSchahl, S. 1405.II.Hans Georg von HeroldEsslingen1659b'88 cm69 cmSOLI DEO GLORIA ME FECIT HANNS GEORG HEROLDT IN ESSLINGEN ANNO 1659 STIFFD DARZV MARDIN BENTZ SCHVLDHEIS IN STREMPFELBA(CH) 30 GVLDENSchahl, S. 1406.III.Glockengießerei Heinrich KurtzStuttgart1948as'103 cm? -IV.Glockengießerei Heinrich KurtzStuttgart1948des''77 cm? -

Literatur Adolf Schahl: Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises. Band 2. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 1983, ISBN 3-422-00560-9, S. 1389f.

Weblinks

Baugeschichtlicher Überblick auf der Website der Kirchengemeinde Kirchbaudatenblatt auf kirchbau.de

Einzelnachweise

Kategorie:Kirchengebäude im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Kulturdenkmal in Weinstadt St Jodokus Kategorie:Kirche in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Kategorie:Saalkirche in Baden-Württemberg Kategorie:Chorturmkirche Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Jodokuskirche Kategorie:Gotische Kirche Kategorie:Gotisches Bauwerk im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Geläut