Die The Wall Tour war eine Konzerttournee der britischen Rockgruppe Pink Floyd, bei der sie ihr Konzept-Doppelalbum The Wall (1979) in voller Länge aufführte. Es war gleichzeitig die letzte Tournee von Pink Floyd mit Bassist und Gründungsmitglied Roger Waters, der die Band Ende 1985 verließ.

Hintergrund

Die Tour war im Vergleich zu früheren Tourneen der Band relativ kurz und umfasste nur 31 Shows an vier Veranstaltungsorten in England, den USA und Deutschland. Die Tour zeichnete sich durch den umfangreichen Einsatz von Bühnentheatralik aus, insbesondere durch eine riesige Mauer aus quaderförmigen Papp-Ziegelsteinen, die sich quer über die Bühne erstreckte, um das Gefühl der Entfremdung zu vermitteln, das sowohl auf dem Album präsent ist, als auch Roger Waters‘ persönliche Beziehung zu den Fans der Gruppe zu dieser Zeit beeinflusste.

Der Kostenaufwand der Tournee belief sich schätzungsweise bereits vor der Uraufführung auf 1,5 Millionen US-Dollar. Nach Erinnerung von Andy Bown sagte Manager Steve O’Rourke vor den Konzerten in Los Angeles dagegen, man habe bereits 2,8 Millionen Dollar ausgegeben.James McNair: Der letzte Ziegelstein. In: Classic Rock, Nr. 153, Oktober 2026, S. 43. Aus diesem Grund wurde die Show insgesamt nur 31 Mal in weltweit vier Städten aufgeführt: Los Angeles (7 Shows), Uniondale (5 Shows), Dortmund (8 Shows) und London (11 Shows). David Gilmour und Nick Mason versuchten Waters davon zu überzeugen, die Show für eine lukrativere, groß angelegte Stadiontournee auszuweiten, doch aufgrund des Hauptthemas des The Wall-Albums (die Distanz zwischen einem Künstler und seinem Publikum) lehnte Waters dies ab. Ende Februar 1980 bot der Promoter Larry Magid eine Million Dollar für eine Aufführung im JFK Stadium in Philadelphia, das rund 102.000 Plätze hatte. Waters lehnte ab, weil die Show für Hallen konzipiert sei. Nach seiner Darstellung erwogen die übrigen Mitglieder, das Konzert ohne ihn zu spielen, wobei Andy Bown seine Parts übernehmen sollte. Gilmour bezeichnete das später als nie ernsthaft erwogenes Gedankenspiel.James McNair: Der letzte Ziegelstein. In: Classic Rock, Nr. 153, Oktober 2026, S. 45.

Geprobt wurde ab Januar 1980 drei Wochen lang auf dem Filmgelände von MGM in Culver City.James McNair: Der letzte Ziegelstein. In: Classic Rock, Nr. 153, Oktober 2026, S. 39. Für die Londoner Konzerte folgten Proben in den Shepperton Studios mit einem 80-köpfigen Produktionsteam.

Die Beziehungen zwischen Gilmour, Mason, Waters und Richard Wright waren während dieser Konzerte auf einem neuen historischen Tiefpunkt: so benutzte Waters sein eigenes Auto, um zu jedem Veranstaltungsort zu gelangen, und übernachtete in anderen Hotels als Gilmour, Mason und Wright. Waters beschrieb die Atmosphäre hinter der Bühne später als „sehr separatistisch“, mit getrennten Wohnwagen und kleinen Lagern. Die Bedeutung der Show habe für ihn jedoch alles überlagert. Obwohl Wright die Band nach Fertigstellung des Albums verlassen hatte, stimmte er zu, die Tour als angestellter Musiker zu absolvieren, und war somit das einzige Mitglied der Gruppe, das mit dem Unternehmen Geld verdiente. Er erhielt 5.000 Dollar pro Konzert und musste sich nicht an den Verlusten der Tournee beteiligen, die laut Waters rund 600.000 Dollar betrugen.James McNair: Der letzte Ziegelstein. In: Classic Rock, Nr. 153, Oktober 2026, S. 44. Er sagte später: „Ich wollte diese großartige Sache, an der ich gearbeitet hatte, nicht einfach aufgeben. Ich habe einfach beschlossen, rauszugehen und mein Bestes zu geben, möglicherweise in der Hoffnung, dass Roger seine Entscheidung, mich aus der Band zu werfen, überdenken würde, was er jedoch nicht tat.“ Gegenüber dem Journalisten Phil Sutcliffe sagte Wright 1995, die Band sei die Hälfte der Zeit versteckt gewesen, und das Ganze habe sich sehr unpersönlich angefühlt. Auf der Bühne habe es aber keine Feindseligkeiten gegeben. Gilmour hatte nach eigener Aussage seinen Spaß, fühlte sich durch die durchchoreografierte Show mit der Zeit jedoch eingeschränkt.

Die Konzerte begannen mit einer Introduktion eines Zeremonienmeisters und eines Discjockeys, die die Zuschauer begrüßten und den Beginn der Show ankündigten. Waters hatte den Moderatoren die Aufgabe gegeben, das Publikum zu provozieren. Gary Yudman, der Moderator in Uniondale, erinnerte sich an ein Drehbuch, nach dem er die Zuschauer wütend machen sollte. Daraufhin begann das erste Lied, das jedoch nicht von Pink Floyd selbst, sondern von ihren Tourmusikern gespielt wurde. Diese trugen Latexmasken mit den Gesichtern von Waters, Gilmour, Wright und Mason.James McNair: Der letzte Ziegelstein. In: Classic Rock, Nr. 153, Oktober 2026, S. 42. Das Stück endete mit dem Absturz einer Flugzeug-Attrappe, des Modells eines Stuka-Bombers, auf die Bühne. Die Ersatzband erstarrte, und die eigentlichen Musiker wurden sichtbar. Ab dem zweiten Stück spielten auch die Pink Floyd-Mitglieder mit und während des weiteren Ablaufs der Show erschienen regelmäßig einige riesige Puppen (die des Lehrers in Another Brick in the Wall, Part 2, die der Mutter in Mother und die der Frau in Don't Leave Me Now) und Zeichentrickfilme mit animierten Blumenkopulatoren (Empty Spaces, What Shall We Do Now?) und einer Armee marschierender Hämmer (Waiting for the Worms) wurden auf eine freie weiße Fläche auf der Bühne projiziert. Weiteres Filmmaterial enthielt Kriegsaufnahmen und Aufnahmen von Vera Lynn (Vera, Bring the Boys Back Home). In der Zwischenzeit wurde die Mauer nach und nach weiter aufgebaut, bis sie während Goodbye Cruel World fertiggestellt wurde.

Der zweite Teil der Konzerte begann dann mit der fertiggestellten Mauer, von der aus sich eine Tür öffnete und den Blick auf ein Hotelzimmer in Nobody Home freigab. Einer der Höhepunkte der Show war Comfortably Numb, bei dem Gilmour sein Gitarrensolo von der Mauer herab spielte. Dabei stand er auf einem Flightcase, das sein Gitarrentechniker Phil Taylor auf einer hydraulischen Hebebühne in Position hielt. Wegen des Sicherheitsgeländers nannte die Crew die Plattform „Daves Kanzel“. Gilmour erinnerte sich an das hörbare Staunen des Publikums an jedem Abend. Gegen Ende der Show kam es zum Prozess (The Trial), der mit dem Einsturz der Mauer endete. Beim letzten Stück erschienen Pink Floyd und ihre Begleitmusiker auf der Bühne, um sich endgültig zu verabschieden (im gesamten zweiten Teil der Show spielten sie überwiegend hinter der gebauten Mauer und waren so für die Zuschauer nicht sichtbar.) Zugaben schloss Waters aus. Gerald Scarfe erklärte das damit, dass Waters die Konzerte als eine Art Oper mit klarem Anfang und Ende gesehen habe.James McNair: Der letzte Ziegelstein. In: Classic Rock, Nr. 153, Oktober 2026, S. 40. Es gab während der Tour keine größeren Zwischenfälle, außer während des Eröffnungskonzerts, bei dem einige Vorhänge Feuer fingen und die Show unterbrochen werden musste, um das Feuer zu löschen.

Liveaufnahmen und mögliches Filmmaterial Die Auftritte im Earls Court Exhibition Centre in London vom 7. bis 9. August 1980 und vom 13. bis 17. Juni 1981 wurden aufgezeichnet und im Jahr 2000 auf dem Live-Album Is There Anybody Out There? The Wall Live 1980–81 veröffentlicht.

Gleichzeitig entstand während dieser Konzerte auch Filmmaterial der Show, zunächst mit der Absicht, es dem Film Pink Floyd – The Wall von Alan Parker hinzuzufügen, der 1982 in die Kinos kam. Nach Darstellung von Classic Rock wurden zu diesem Zweck die Londoner Konzerte im Juni 1981 aufgezeichnet. Das Material sei schließlich als ungeeignet befunden und verworfen worden.James McNair: Der letzte Ziegelstein. In: Classic Rock, Nr. 153, Oktober 2026, S. 46. Die Idee wurde jedoch vor dem Ende der Tour verworfen. Lange Zeit ging man im Pink Floyd-Umfeld zudem davon aus, dass alle gedrehten Filme von schlechter Qualität seien, da man glaubte, dass der falsche Filmtyp verwendet worden sei und die Aufnahmen dadurch zu dunkel geworden seien. Im Jahr 2000 zeigte der britische Fernsehsender Channel 4 jedoch den Dokumentarfilm Behind the Wall, in dem einige Minuten Konzertmaterial von guter Qualität zu sehen waren. Im Jahr 2009, behauptete Roger Waters, eine große Menge neuen Filmmaterials der Shows entdeckt zu haben, und es digital bearbeiten zu wollen. Er erklärte, dass die Kameraleute offensichtlich viel mehr gefilmt hätten, als von ihnen verlangt worden sei. Eine offizielle und vollständige Veröffentlichung der Show als Film oder Video erfolgte jedoch bis heute nicht.

Setlist Bei den Konzerten der Tour wurde das Album The Wall in voller Länge aufgeführt. Zusätzlich gespielt wurden die Songs What Shall We Do Now? und The Last Few Bricks, die ebenfalls während der Sessions zu The Wall entstanden, jedoch nicht mit auf das Album genommen wurden.

Setlist Part 1 In the Flesh? The Thin Ice Another Brick in the Wall, Part 1 The Happiest Days of Our Lives Another Brick in the Wall, Part 2 Mother Goodbye Blue Sky Empty Spaces What Shall We Do Now? Young Lust One of My Turns Don’t Leave Me Now Another Brick in the Wall, Part 3 The Last Few Bricks Goodbye Cruel World Part 2 Hey You Is There Anybody Out There Nobody Home Vera Bring the Boys Back Home Comfortably Numb The Show Must Go On In the Flesh Run Like Hell Waiting for the Worms Stop The Trial Outside the Wall

Tourdaten Nr.DatumStadtLandVeranstaltungsortgeschätzte BesucherzahlLeg 1 – Nordamerika17. Februar 1980Los AngelesMemorial Sports Arena74.90028. Februar 198039. Februar 1980410. Februar 1980511. Februar 1980612. Februar 1980713. Februar 1980Leg 2 – Nordamerika824. Februar 1980UniondaleNassau Veterans Memorial Coliseum72.500925. Februar 19801026. Februar 19801127. Februar 19801228. Februar 1980Leg 3 – Europa134. August 1980LondonEarls Court120.000145. August 1980156. August 1980167. August 1980178. August 1980189. August 1980Leg 4 – Europa1913. Februar 1981DortmundWestfalenhalle132.0002014. Februar 19812115. Februar 19812216. Februar 19812317. Februar 19812418. Februar 19812519. Februar 19812620. Februar 1981Leg 5 – Europa2713. Juni 1981LondonEarls Court100.0002814. Juni 19812915. Juni 19813016. Juni 19813117. Juni 1981

Band David Gilmour: Gitarre, Gesang, Mandoline bei Outside the Wall Nick Mason: Schlagzeug, Percussion, akustische Gitarre bei Outside the Wall Roger Waters: Bass, Gesang, akustische Gitarre bei Mother, Klarinette bei Outside the Wall Richard Wright: Keyboards, Akkordeon bei Outside the Wall Andy Bown: Bass, akustische Gitarre bei Outside the Wall Snowy White: Gitarre (nur 1980) Andy Roberts: Gitarre (nur 1981) Willie Wilson: Schlagzeug, Percussion (nicht am 13. und 14. Juni 1981) Clive Brooks: Schlagzeug, Percussion (am 13. und 14. Juni 1981) Peter Wood: Keyboards, akustische Gitarre bei Outside the Wall Joe Chemay: Hintergrundgesang Stan Farber: Hintergrundgesang Jim Haas: Hintergrundgesang Jon Joyce: Hintergrundgesang Gary Yudman: Zeremonienmeister in Uniondale und London Cynthia Fox: Zeremonienmeisterin in Los Angeles Jim Ladd: Zeremonienmeister in Los Angeles Ace Young: Zeremonienmeister in Los Angeles Willi Thomczyk: Zeremonienmeister in Dortmund

Weblinks The Wall Tour 1980 auf www.pulse-and-spirit.com The Wall Tour 1981 auf www.pulse-and-spirit.com

Einzelnachweise

Kategorie:Musiktournee 1980 Kategorie:Musiktournee 1981 Kategorie:Pink Floyd