Als Burgenweg werden aktuell (Stand 30. März 2024) 16 durch den Hegau und dessen Randbereiche im Süden Baden-Württembergs sowie im Norden der Schweiz verlaufende Themenwanderwege bezeichnet.
Geschichte Der durchgehend besiedelte Hegau ist eine uralte Kulturlandschaft. Zahlreiche archäologische Funde belegen, dass am Ende der Eiszeit Rentierjäger im Wasserburgertal, beim Petersfels sowie im Umfeld der Gnirshöhle siedelten. Relikte aus der Steinzeithöhle Petersfels bei Bittelbrunn zeigen, dass erste Menschen bereits in der Altsteinzeit (bis 10.000 v. Chr.) im Hegau gewesen sein müssen. In der Jungsteinzeit (5000–2000 v. Chr.) entstanden am Bodenseeufer die Pfahlbaudörfer, die bis in die Bronzezeit (2000–800 v. Chr.) bestanden.
Im 8. Jahrhundert wurde die Verwaltung des Landes mehreren Gaugrafen übertragen. In diesem Zusammenhang wurde die Grafschaft im Jahre 787 erstmals als „Hegau“ erwähnt. Einer der mächtigsten frühen Gaugrafen war Adalbert der Erlauchte, der auch den Thurgau und den Albgau verwaltete.Adalbert der Erlauchte bei „Genealogie Mittelalter“. 920 wurde unter Herzog Burkhard von Schwaben der Hegau erstmals ausdrücklich Grafschaft genannt: in pago Hegowe in eodem comitatu.
Gegen Ende des 12. Jahrhunderts setzte im Hegau eine rege Bautätigkeit ein. Die Bergkegel wurden mit Burganlagen befestigt, in deren Umgebung kleine Städte und Siedlungen entstanden. In der Folgezeit wechselten je nach Kriegslage die Herrschaften. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war die Burg Hohentwiel oftmals Schauplatz der großen Politik, während Singen als unscheinbares Dorf am Fuße der Festung höchstens Zeuge und oftmals Leidtragender der Machtkämpfe war. Es war die Stadt Schaffhausen, die den Hegau mit wichtigen Handelsgütern versorgte. Schaffhausens Adel hatte einen großen Einfluss auf die städtische Politik, sie war Zentrum des Salzhandels und größte Stadt in unmittelbarer Umgebung. Die engsten Berater König Sigismunds stammten aus dem Hegau: Graf Eberhard von Nellenburg (der seine Grafenrechte im Hegau um 1250 erhielt), Graf Hans von Lupfen auf Hohenhöwen, Kaspar von Klingenberg auf Hohentwiel, Hans Konrad von Bodman und Hans von Heudorf. Mit Beginn des 15. Jahrhunderts verfielen viele im Hegauer Ritterbund „Sankt Jörgenschild“ zusammengeschlossene Adelige einem Raubrittertum, woraufhin die verbündeten oberschwäbischen Städte einen Großteil der Hegauburgen zerstörten. Was noch stand oder wieder aufgebaut worden war, wurde im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) im Auftrag des württembergischen Kommandanten des Hohentwiels, Konrad Widerholt, zerstört. Als die Grafen von Nellenburg 1442 ausstarben, ging die Grafschaft an die von Tengen über. Diese verkauften 1465 die Landgrafschaft an Erzherzog Sigismund von Österreich.
Nach Ergebnissen einer im November 1999 begonnenen Inventarisierung ist bekannt, dass es im historischen Hegau, der auch Teile der Schweiz umfasst, mehr als 320 Burgen, Adelssitze, Schlösser und Festungen, Stadt- und Ortsbefestigungen, Wehrkirchen und -kirchhöfe sowie Ringwälle und Wallbefestigungen gab.„Der Hegau gehört zu den burgenreichsten Landschaften Europas“; abgerufen am 10. März 2024.
Verlauf Die Etappen, zwischen rund 8 und 25 Kilometer lang, führen durch den Naturraum Hegau. Aufgrund seines geologischen Ursprungs, der eine skurrile Topographie geprägt hat, ist der Hegau eine außergewöhnliche Region mit bizarren Vulkanformationen, Quellen und Flusslandschaften.
Wegzeichen rahmenlos|links|hochkant=0.26 Die Etappen des Burgenwegs sind auf ihrer jeweiligen gesamten Länge ausgeschildert – allerdings nur in eine Richtung; die Wegzeichen zeigen ein schwarzes Burgensymbol auf gelber Raute. Die größeren Zeichen weisen zusätzlich per Pfeil und dem Zusatz „Burgenweg“ + Ziffer den weiteren Verlauf.
Etappen Die Kilometerangaben in eckigen Klammern beziehen sich auf den jeweiligen Ausgangspunkt der beschriebenen Etappen. Ein Klick auf das 15px|link=|Ort-Symbol öffnet die entsprechende Kartenansicht.
1 – Tengen → Blumenfeld → Büßlingen → Tengen 10,2 Kilometer / 481 bis mini|Bergfried der Hinterburg links|rahmenlos|62px Am Parkplatz Festplatz in der im Jahre 877 erstmals in einem Brief als „Teingon“ genannten Stadt Tengen beginnt die erste Runde der Burgenwege. Durch die Unterführung der Bundesstraße 314 führt der Weg die Ludwig-Gerrer-Straße querend nach Osten in die Sandstraße mit dem höchstgelegenen Punkt der Strecke () bis zum ehemaligen Steinbruch Hutzeln [1,7] und weiter in den Ortsteil Blumenfeld [2,6]. Der Ort liegt auf einem Bergrücken, einem ehemaligen Umlaufberg der Biber, die unterhalb von Stein am Rhein in den Hochrhein mündet. Früher bildeten die Burg und der sie wie eine Stadtmauer umgebende Häuserring mit seiner wehrhaften Rückseite eine Einheit, die nur über einen einzigen Zugang mit Brücke und Tor zu erreichen war. Am rund sechs Meter hohen Blumenfelder Wasserfall vorbei verläuft der Weg Richtung Süden in den Tengener Ortsteil Büßlingen [5,3], wo der Wanderer in der Schaffhauser Straße den mit tiefsten Punkt der Route durchläuft. Nach Nordwesten, durch Teile des FFH-Gebiets „Hegaualb“ führt der Weg vorbei an der Hinterburg zurück zum Ausgangspunkt bei der Tengener Altstadt mit ihrem Stadttor und der ehemaligen Wehrkirche „St. Laurentius“. Am Weg und in der Nähe: Burghalde Tengen – Die Burg, auch Burk oder Burg Wannenberg genannt, wurde von den 1090 bis 1591 genannten Herren von Tengen als deren älteste Burg erbaut.Ortsteil Tengen bei leo-bw.de Von der ehemaligen Burganlage ist heute nichts mehr erhalten. Hinterburg – Die um 1150 errichteten Hinterburg in Tengen wurde im 16. Jahrhundert abgebrochen und seitdem bis um 1850 als Steinbruch genutzt. Von der ehemaligen Burganlage blieb einzig der ursprünglich 32 Meter, heute nur noch 20 Meter hohe Bergfried auf einer Grundfläche von 7 × 7 Meter erhalten. Schloss Blumenfeld – Ursprünglich stand an der Stelle des heutigen Schlosses eine Burg eines Familienmitglieds bzw. einer Seitenlinie der 1292 erwähnten Herren von Blumberg, bevor die Grundzüge der heutigen Anlage Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet wurden. Seit dem 19. Jahrhundert waren in Teilen des Gebäudes soziale Einrichtungen untergebracht – zuletzt ein Seniorenheim. Wehrkirche Büßlingen (St. Martin) – Kirche mit Kirchhofbefestigung und Wehrcharakter. Wehrkirche Tengen (St. Laurentius) – Die etwas erhöhte Lage der Kirche verweist auf ihre ehemalige Funktion als Wehrkirche. Der jetzige Bau ist im Kern frühgotisch (13. Jahrhundert), was an kleinen zugemauerten Spitzbogenfenstern an der Südwand zu erkennen ist.
2 – Worblingen → Kastenbühl → Schienen → Worblingen
Am Weg und in der Nähe: Burg Kastenbühl – Die Hangburg wurde vermutlich im 13. Jahrhundert auf einem 40 Meter langen Burgplateau erbaut. Von der ehemaligen Burganlage sind noch Reste des Walls, des Burggrabens und eines Rundturms erhalten. Burg Rosenegg – 1632 wurde die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaute Burg durch württembergische Truppen besetzt und 1639 von Hohentwieler Truppen zerstört. Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Burgruine abgebrochen. Heute sind von der ehemaligen Burganlage noch umfangreiche Mauerreste erhalten. Burg Worblingen – Die abgegangene Höhenburg war Sitz der im 13. Jahrhundert genannten Herren von Worblingen, die vermutlich bischöfliche Ministeriale waren. Von der ehemaligen Burganlage sind keine Reste erhalten.Worblingen bei leo-bw.de Frankenburg – Nach der Struktur der Anlage wäre eine Entstehung zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert möglich. Vermutlich handelte es sich um eine kleine Turmburg mit einer Fläche von 6 × 12 Meter. Ruine Schrotzburg – Von der ehemaligen auch als Diepoldsburg bezeichneten Spornburg mit Bergfried sind noch Mauerreste erhalten.
3 – Hohentwiel → Staufen → Hilzingen → Hohentwiel
mini|Festung Hohentwiel Am Weg und in der Nähe: Burg Altstatt – Von der ehemaligen Burganlage ist nur noch ein halbringförmiger Wall erhalten. Burg Gebsenstein – Die während der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaute Burg war wegen der Namensähnlichkeit möglicherweise der Sitz des im Jahr 1214 genannten Gebzio von Twiel. Ein sich nach der Burg benennendes Geschlecht ist mit den Herren von Gebsenstein zwischen 1253 und dem Anfang des 14. Jahrhunderts erwähnt worden. Ihnen gehörte ihr Stammsitz nur bis zu einem unbekannten Zeitpunkt vor dem Jahr 1275, denn in diesem Jahr verkaufte Graf Mangold von Nellenburg die Burg ze Gepsenstein an die Herren von Randegg. Zu welcher Zeit die Burg abgegangen ist, ist nicht bekannt.Hans-Wilhelm Heine: Studien zu Wehranlagen zwischen junger Donau und westlichem Bodensee Burg Hilzingen – Von der 1380 erstmals als „Turm“ erwähnten Kleinburg sind heute keine sichtbaren Reste erhalten, vermutlich wurde ein Teil des Burggeländes in den 1970er Jahren durch die Erweiterung der Schule überbaut.Quelle Geschichte: Michael Losse, Hans Noll: Burgen, Schlösser, Festungen im Hegau: Wehrbauten und Adelssitze im westlichen Bodenseegebiet , S. 87 Burgruine Staufen – Die Ruine der wohl im 13. Jahrhundert erbauten und während des Dreißigjährigen Krieges endgültig zerstörten Burg wurde von der Bevölkerung zur Gewinnung von Baumaterial genutzt. Heute nur noch größere Strecken der Ringmauer und einige einsturzgefährdete Gebäudereste erhalten. Festung Hohentwiel – Die Festung ist eine ehemalige Gipfelburg und Festung auf der vulkanischen Quellkuppe des Hohentwiels. Mit einer Fläche von neun Hektar stellt die für Besucher zugängliche Festung die größte Burgruine Deutschlands dar. Seit 1990 wird die Anlage jedes Jahr von über 80.000 Menschen besucht. Im Bereich der Festungsanlage findet jährlich das Hohentwiel-Festival statt. Ruine Heilsberg – Die Höhenburg wurde nach 1250 erbaut und 1303 erstmals erwähnt. Als Besitzer wurden 1310 die Herren von Randegg und 1518 die Herren von Schellenberg verbunden mit einem Wiederaufbau genannt. Nach Zerstörung 1525 im Bauernkrieg wurde die Burg 1635 im Dreißigjährigen Krieg von Konrad Widerholt endgültig zerstört und ist verfallen. Von der ehemaligen Burganlage, die über einen 7 × 12 Meter großen Wohnbau verfügte, sind noch baufällige Mauerzüge erhalten.
4 – Hohentwiel → Hohenkrähen → Mägdeberg → Mühlhausen
Am Weg und in der Nähe: Burg Hohenkrähen – 1634, während des Dreißigjährigen Krieges, wurde unter anderem die Burg Hohenkrähen vom Festungskommandanten des Hohentwiel, Konrad Widerholt, niedergebrannt. Seit diesem Zeitpunkt war die Burg Hohenkrähen eine Ruine und wurde nicht mehr genutzt. mini|Ruine der Burg Mägdeberg Burg Mägdeberg – Die Burganlage ist frei zugänglich. Das Steinquader-Mauerwerk ist rundum geschlossen und in gutem Zustand, so dass sich Form und Ausmaße der einstigen Burg weitestgehend erhalten haben. Die Reste weisen auf eine eindrucksvolle Verteidigungsanlage hin. Die Burg Mägdeberg wurde bis ins 17. Jahrhundert insgesamt dreimal zerstört. Nach ihrer Aufgabe Ende des 17. Jahrhunderts kam es zur Ausschlachtung der Burg und Nutzung als Steinbruch.Beschreibung der Burg Mägdeberg bei www.hegauritter.net; abgerufen am 6. März 2024. Burgruine Staufen – Die Ruine der wohl im 13. Jahrhundert erbauten und während des Dreißigjährigen Krieges endgültig zerstörten Burg wurde von der Bevölkerung zur Gewinnung von Baumaterial genutzt. Heute nur noch größere Strecken der Ringmauer und einige einsturzgefährdete Gebäudereste erhalten. Festung Hohentwiel – Die Festung ist eine ehemalige Gipfelburg und Festung auf der vulkanischen Quellkuppe des Hohentwiels. Mit einer Fläche von neun Hektar stellt die für Besucher zugängliche Festung die größte Burgruine Deutschlands dar. Seit 1990 wird die Anlage jedes Jahr von über 80.000 Menschen besucht. Im Bereich der Festungsanlage findet jährlich das Hohentwiel-Festival statt. Oberes Schloss – Der dreigeschossige annähernd quadratische Bau mit Mansarddach, auch Schloss Singen oder Enzenbergsches Schloss genannt, wurde 1809 bis 1810 von Franz Josef von Enzenberg erbaut.