mini|250x250px|Standorte der diplomatischen Vertretungen Saudi-Arabiens Die Außenpolitik Saudi-Arabiens ist von der islamisch-wahhabitischen Orientierung des Landes und seiner engen Sicherheitsallianz mit den Vereinigten Staaten geprägt. Bedeutung in der internationalen Politik hat das Land vorwiegend durch seine globale Bedeutung als Erdöllieferant und seine führende Rolle in der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC). Das Land spielt auch eine wichtige Rolle innerhalb der Arabischen Liga und der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC). Innerhalb des Großraums Mittlerer Osten konkurriert Saudi-Arabien mit anderen Mächten um Einfluss, insbesondere mit dem schiitischen Iran, dem ärgsten geopolitischen Rivalen der Golfmonarchie. Innerhalb der Staaten des Golf-Kooperationsrats, einer Organisation wohlhabender Monarchien am Persischen Golf, versteht Saudi-Arabien sich als Führungsmacht.

Als Hauptziel der saudischen Außenpolitik gelten die Sicherung der wirtschaftlichen und militärischen Sicherheit des Landes, was auch die Bewahrung der Herrschaft des absolutistisch regierenden Königshauses Al Saud mit einschließt. Eine weitere Priorität ist die Förderung islamischer Werte weltweit, wobei Saudi-Arabien für die Propagierung seiner wahhabitischen Staatsideologie im Ausland Milliarden an US-Dollar ausgegeben hat. Nach dem Arabischen Frühling 2011 und dem Beginn von Mohammed bin Salmans De-facto-Herrschaft ab 2015 hat sich die Außenpolitik des Landes gewandelt. So wurde die vorher bestehende Zurückhaltung aufgegeben und eine deutlich aktivere und aggressivere Außenpolitik betrieben, was in einer Militärintervention im Nachbarland Jemen ab 2015 und der vierjährigen Blockade von Katar von 2017 bis 2021 zum Ausdruck kam. In den Amtszeiten von Barack Obama und später Joe Biden ab 2021 erfolgte zudem eine Distanzierung von der langjährigen Schutzmacht USA. Infolgedessen etablierte Saudi-Arabien engere Beziehungen zu aufstrebenden Mächten wie der Volksrepublik China und Indien.

Von westlichen Staaten wurden Saudi-Arabien wiederholt schwere Menschenrechtsverletzungen bei der Intervention im Jemen und die Förderung des Terrorismus bzw. extremistischer Ideologie vorgeworfen. Nach der Ermordung des saudischen Dissidenten Jamal Khashoggi 2018 im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul verabschiedeten verschiedene Staaten Waffenembargos gegen Saudi-Arabien, darunter Finnland, Dänemark und Deutschland.

Geschichte Die große geopolitische Bedeutung Saudi-Arabiens geht auf den Fund von Erdöl auf dem Staatsgebiet der Monarchie in den 1930er Jahren zurück. Bei der Entdeckung und späteren Förderung des „schwarzen Goldes“ waren US-amerikanische Ölgesellschaften führend, was dazu führte, dass die Amerikaner die Monarchie während des Zweiten Weltkriegs militärisch schützten. Die enge Sicherheitsallianz beider Staaten für die Nachkriegszeit wurde 1945 bei einem Treffen von Staatsgründer Ibn Saud mit Präsident Franklin D. Roosevelt auf der Quincy im Jahre 1945 vereinbart, wobei eine Sicherheitsgarantie für die Nachkriegszeit im Gegenzug für den Zugriff auf die Ölvorkommen vereinbart wurde. Infolge schützten die Amerikaner die Saudis vor der Sowjetunion und weiteren Bedrohungen, während die Saudis im Gegenzug eine pro-westliche Außenpolitik betrieben. In den 1970er Jahren konnte Saudi-Arabien durch die Gründung der OPEC eine größere Kontrolle über den weltweiten Ölpreis gewinnen, was das Land als Druckmittel nutzen konnte. Es behielt sich eine unabhängige Linie gegenüber dem Westen im Israelisch-palästinensischen Konflikt vor und verabschiedete 1973 gemeinsam mit anderen arabischen Staaten ein Ölembargo gegen den Westen, der zu einer Ölpreiskrise führte.

Der säkulare republikanische und panarabische Nasserismus und Baathismus wurde von den Saudis abgelehnt, was zu angespannten Beziehungen mit Ägypten unter Gamal Abdel Nasser und dem Irak unter Saddam Hussein führte. Zur Absicherung gegen die von revolutionären Bewegungen ausgehende Gefahr wurde 1981 der Golf-Kooperationsrat als eine Allianz der konservativen Golfmonarchien gegründet. Auch die Islamische Revolution im Iran 1979 war eine große Herausforderung, da die Islamische Republik Iran zum Sturz der Saudi-Monarchie aufrief und pro-schiitische Gruppen aufbaute und finanzierte, womit sie die Vorherrschaft der Saudis in der Region infrage stellte. Im selben Jahr wurde die Große Moschee in Mekka von Extremisten besetzt, wobei bis zu 1000 Menschen starben. Die Saudis mussten zur Befreiung der Moschee auf französische Söldner zurückgreifen. Diese Herausforderungen führte zu einer stärkeren Betonung konservativer sunnitisch-islamischer Werte in der Innen- und Außenpolitik. mini|König Fahd von Saudi-Arabien mit US-Präsident Ronald Reagan und dem Immobilienmagnaten und späteren Präsidenten Donald Trump im Jahr 1985 Saudi-Arabien und seine Ölpolitik waren wichtige Faktoren in den Stellvertreterkriegen des Kalten Krieges vor dem Untergang des Sowjetkommunismus in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren. Saudi-Arabien half nicht nur bei der Finanzierung der afghanischen Mudschaheddin, sondern auch bei der Finanzierung nicht-muslimischer Antikommunisten. Es schadete auch der Sowjetunion, indem es die Ölpreise „während der 1980er Jahre stabilisierte, gerade als die Russen verzweifelt Öl verkaufen mussten, um mit den enormen Steigerungen der amerikanischen Militärausgaben Schritt zu halten.“ Im Jahr 1990 waren die Saudis nach der Invasion Kuwaits durch den Irak auf die Unterstützung einer internationalen Staatenkoalition unter Führung der USA angewiesen, um ihr eigenes Staatsgebiet verteidigen zu können. Amerikanische Truppen wurden auf saudischem Staatsgebiet stationiert, was die Konservativen im Land bestürzte und islamischen Extremismus befeuerte.

Nach dem Schlaganfall von König Fahd im Jahr 1995 übernahm Abdullah, der damalige Kronprinz, die Verantwortung für die Außenpolitik. Die Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien änderten sich, als Abdullah versuchte, seine Politik von der unpopulären pro-westlichen Politik König Fahds abzugrenzen. Abdullah verfolgte eine von den USA unabhängigere Linie und konzentrierte sich auf die Verbesserung der regionalen Beziehungen, insbesondere zum Iran. Mehrere seit langem bestehende Grenzstreitigkeiten wurden beigelegt und die saudische Grenze zum Jemen erheblich verändert. Der neue Ansatz führte zu zunehmend angespannten Beziehungen zu den USA. Die Beziehungen zu den USA und anderen westlichen Ländern wurden durch die Tatsache, dass Osama bin Laden und 15 der 19 Attentäter vom 11. September saudische Staatsangehörige waren, zusätzlich auf die Probe gestellt. Die Beziehungen zum Westen zu zerstören war auch eines der Motive von Al-Qaida für die Anschläge gewesen. Nach den Anschlägen weigerte sich König Abdullah, die Amerikaner im Irakkrieg öffentlich zu unterstützen, ermögliche ihnen allerdings insgeheim die Nutzung saudischer Luftwaffenstützpunkte.

Im Laufe der 2000er Jahre brachte die Furcht vor der wachsenden Macht des Irans in der Region Amerikaner und Saudis wieder enger zusammen. Während des Arabischen Frühlings gewährte Saudi-Arabien dem langjährigen tunesischen Diktator Zine el-Abidine Ben Ali Asyl im eigenen Land und marschierte in Bahrain ein, um die dortige sunnitische prosaudische Monarchie zu retten. In Syrien unterstützen die Saudis den Aufstand gegen Baschar al-Assad, der als Verbündeter des Irans gilt. Im Verhältnis mit den USA sorgte die Annäherung der Obama-Regierung an den Iran und dessen Atomabkommen mit dem Iran 2015 für Frustrationen in Riad. Als Reaktion rüstete Saudi-Arabien sein Militär auf und intervenierte in den Bürgerkrieg im Jemen. Eine Wiederannäherung an die USA erfolgte schließlich mit dem Amtsantritt von Donald Trump 2017, der Saudi-Arabien neue Waffenlieferungen in Höhe von 350 Milliarden US-Dollar zusagte und das Atomabkommen mit dem Iran aufkündigte. Unter Trumps Nachfolger Joe Biden entfremdete sich Saudi-Arabien erneut von den USA. Nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine 2022 weigerte sich Saudi-Arabien seine Ölproduktion zu erhöhen, um die Märkte zu stabilisieren, was die USA brüskierte. Stattdessen wurden die Beziehungen zu China und Russland intensiviert.

Förderung islamischer Werte mini|Von Saudi-Arabien finanzierte Faisal-Moschee in Pakistan Nach Angaben des Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam an der Goethe-Universität Frankfurt ist die wahhabitische Ideologie von Saudi-Arabien weltweit verbreitet worden. Organisationen, die der saudi-arabischen Regierung nahe stehen, wie die Islamische Weltliga (WML) und der Weltverband der muslimischen Jugend, waren aktiv daran beteiligt. Der Wahhabismus ist eine besonders konservative Form des sunnistischen Islams, welcher in Saudi-Arabien in einer engen Beziehung mit dem Königshaus steht. Zwischen Mitte der 1970er Jahre und 2002 hat Saudi-Arabien über 70 Milliarden Dollar für „Entwicklungshilfe“ ausgegeben. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass der größte Teil davon tatsächlich für die Verbreitung und Ausweitung des Einflusses des Wahhabismus auf Kosten anderer Formen des Islam ausgegeben wurde.David J. Jonsson (2006). Islamic Economics and the Final Jihad. Xulon Press. S. 249–250. ISBN 978-1-59781-980-0. So finanziert Saudi-Arabien tausende islamische Zentren, Moscheen und Religionsschulen im Ausland. Auch durch die zahlreichen Gastarbeiter in Saudi-Arabien, die später wieder in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind, hat der saudische Islam an Einfluss gewinnen können. Er hat so in verschiedenen Gebieten der islamischen Welt lokale Glaubensformen der Region verdrängen und schwächen können und den religiösen Konservatismus (Salafismus) gestärkt. Zahlreiche von der saudischen Regierung geförderte Projekte wurden auch in nicht-muslimischen Ländern in Europa, Nord- und Südamerika, Afrika, Australien und Asien durchgeführt. So hat das Haus Saud in Europa über 1300 Moscheen eingeweiht. Das Land hat auch gezielt den politischen Islam gefördert, so z. B. die Mudschahid in Afghanistan oder die Muslimbrüder in Ägypten, um dort ein Gegengewicht zum Nasserismus aufzubauen. Später wendeten die Saudis sich allerdings von den Muslimbrüdern ab, als diese soziale Reformen in der arabischen Welt forderten.

Unter Kronprinz Mohammed bin Salman wurde 2017 eine Rückkehr zum „moderaten Islam“ verkündet. Der Einfluss des Wahhabismus wurde infolgedessen eingeschränkt und die Betonung der nationalen Identität und Interessen verstärkt.

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