Dieser Artikel befasst sich mit Islamistischem Terrorismus im deutschsprachigen Raum (D-A-CH). Mit dem Begriff Islamistischer Terrorismus (seltener auch islamischer Terrorismus) wird Terrorismus bezeichnet, der durch Islamismus motiviert ist. Islamistische Terroristen bezeichnen ihre Aktivitäten selbst jedoch als Dschihad und berufen sich zur Rechtfertigung ihrer Aktionen auf ihre Interpretationen des Islam, insbesondere des Korans und der Sunna, die jeweils dem Zweck entsprechend interpretiert werden.

Deutschland

Wertung durch Politik und Verfassungsschutz Nach Erkenntnissen des Bundesamts für Verfassungsschutz waren mit Stand 2012 beinahe alle islamistischen Terroraktivitäten in Deutschland dem fundamentalistischen Salafismus zuzurechnen.Salafistische Bestrebungen, abgerufen am 17. August 2012. 2013 waren Salafisten die am raschesten wachsende islamistische Gruppe in Deutschland.

Infolge der Anschlagserie durch Mohamed Merah in Südfrankreich 2012 ist auch in Deutschland die Sorge vor inländischen Einzeltätern gewachsen, die ihre Tat individuell planen und ausführen. Diese sogenannten „einsamen Wölfe“ würden, so das Bundesamt für Verfassungsschutz, eine mitunter plötzliche Selbstradikalisierung durchlaufen – oft beschleunigt durch extremistisches Propagandamaterial im Internet – und seien ohne direkte Verbindung zu bekannten islamistischen Terrornetzwerken für die Sicherheitsbehörden im Vorfeld kaum aufspürbar. Anders als beim herkömmlichen, von Gruppen organisierten Terrorismus gehe dem Anschlag nicht unbedingt eine Ausbildung im Terrorcamp im muslimischen Ausland voraus, sondern der Radikalisierungsprozess der Attentäter vollziehe sich inmitten der deutschen Gesellschaft. Die Ausführung des Anschlags könne spontan oder erst nach akribischer Vorbereitung erfolgen. Im April 2012 galten Bundesinnenminister Friedrich (CSU) zufolge etwa 130 Islamisten in Deutschland als „Gefährder“, potentielle Attentäter auf dem Bundesgebiet. Um junge Muslime vom gewaltbereiten Extremismus fernzuhalten, fordert die Islamismus-Expertin Claudia Dantschke ihre umfassende Einbindung im engen persönlichen Umfeld, namentlich in Familie und Schule sowie Moscheegemeinde und Einwandererorganisation.Florian Flade: Der gefährliche Trend zum islamistischen Amoklauf. In: Die Welt, 3. April 2012.

+ Syrien-Dschihadisten aus Deutschland Datum Anzahl Juni 2013 60Deutscher Bundestag, 17. Wahlperiode: Reisebewegungen und Radikalisierungen syrischer Kämpfer (PDF; 195 kB) Antwort der Bundesregierung auf Kleine Anfrage, Drucksache 17/14391, S. 1, 17. Juli 2013, abgerufen am 15. März 2014 August 2013 120Bürgerkrieg: 120 Dschihadisten aus Deutschland sind nach Syrien gezogen, Der Spiegel, 7. August 2013, abgerufen am 15. März 2014 Oktober 2013 200 Dezember 2013 240Mehr deutsche Dschihad-Kämpfer in Syrien, Neue Osnabrücker Zeitung, 21. Dezember 2013, abgerufen am 15. März 2014 Januar 2014 270Verfassungsschutz: 270 Islamisten sind von Deutschland nach Syrien gereist, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Januar 2014, abgerufen am 15. März 2014 Februar 2014 300, Stern, 26. Februar 2014, abgerufen am 15. März 2014 August 2014 400Der Schrecken kommt aus Dinslaken, jungle-world.com vom 25. September 2014 September 2014 450Brauchen wir schärfere Gesetze?, Tagesschau.de vom 21. August 2014 Dezember 2014 550Politiker warnen vor IS-Rückkehrern, 28. Dezember 2014 Januar 2015 600Diese Terroristen bedrohen Deutschland, stern.de vom 29. Januar 2015 Mai 2015 700Solingen statt Syrien, sueddeutsche.de vom 4. Mai 2015

Im Juni 2013 warnte das Bundesamt für Verfassungsschutz vor einer erhöhten Anschlagsgefahr durch dschihadistische Krieger, die aus dem syrischen Bürgerkrieg „emotionalisiert“ und möglicherweise mit „direktem Kampfauftrag“ nach Deutschland zurückgekehrt seien.Kampfbereite Islamisten kehren aus Syrien zurück. In: Die Welt. 24. Juni 2013, abgerufen am 24. Juni 2013 Im Oktober 2013 schätzte die Behörde die Zahl der Dschihadisten aus Deutschland, die sich im syrischen Kriegsgebiet aufhalten oder auf der Reise dorthin befinden, auf zweihundert Personen, von denen die Mehrheit einen deutschen Pass besitzt.Verfassungsschutz-Geheimbericht: 200 Islamisten aus Deutschland ziehen in syrischen Krieg. In: Der Spiegel. 20. Oktober 2013, abgerufen am 19. November 2013; 200 deutsche Islamisten wollen im syrischen Krieg kämpfen. In: Die Zeit. 21. Oktober 2013, abgerufen am 19. November 2013 Deutschsprachige Islamisten bildeten damit das größte Truppenkontingent der zu diesem Zeitpunkt geschätzten eintausend Freiwilligen aus Europa. In einem „German Camp“, das als Sammlungspunkt dient, bereiteten die Männer sich auf den militärischen Einsatz aufseiten der islamistischen Opposition vor. Bis 2013 seien acht Freischärler aus Deutschland nach Erkenntnissen des Nachrichtendienstes in dem Konflikt umgekommen. Neben steigenden Ausreisezahlen registrierte die Behörde verstärkte Bemühungen um den Aufbau einer Propagandastruktur, mit deren Hilfe weitere deutschsprachige Kämpfer für den Dschihad in Syrien angeworben werden sollen. Im Februar 2014 gaben deutsche Behörden an, mindestens 20 Dschihadisten aus Deutschland seien in Syrien getötet worden.Der Schrecken kommt aus Dinslaken 21. August 2014. Bis März 2014 war die Zahl der nach Syrien ausgereisten Dschihadisten, laut Verfassungsschutz, auf 300 angewachsen – darunter zwanzig Frauen, die unterstützend tätig sind und mit Kämpfern sogenannte Dschihad-Ehen eingehen.Syrien-Krieg. Traum deutscher Mädchen von der „Dschihad-Ehe“, Die Welt, 28. Februar 2014, abgerufen am 14. März 2014 Im August 2014 nannte der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz im WDR 400.Der Schrecken kommt aus Dinslaken, jungle-world.com vom 21. August 2014

Im Dezember 2014 gingen deutsche Sicherheitsbehörden von mehr als 550 Islamisten aus, die aus Deutschland Richtung Syrien ausgereist sein sollen,Politiker warnen vor IS-Rückkehrern, 28. Dezember 2014 im Mai 2015 bereits von fast 700.Solingen statt Syrien, sueddeutsche.de vom 4. Mai 2015 100 Fälle seien bekannt, in denen die Kämpfer aus Deutschland in Syrien und im Irak getötet wurden., tagesschau.de vom 23. August 2015 Zusätzlich würden mindestens 15 Kämpfer für die Al-Shabaab in Somalia kämpfen.15 deutsche Dschihadisten kämpfen in Somalia. In: Die Zeit, 16. Mai 2015. Für die EU quantifizierte der Terrorismusforscher Sam Mullins die Rolle von Asylsuchenden bei Anschlägen: In Deutschland waren es insgesamt 13 Terrorakte im Zeitraum von 2012 bis 2020, verübt von 14 Attentätern, darunter sieben (50 %) Asylbewerber.

Islamistischer Terror und islam. Terrorgefahr in Deutschland (Chronik) Siehe auch: Liste von Terroranschlägen in Deutschland seit 1945 und Islamischer Staat#Situation in Deutschland

1999

Ein Algerier, welcher Mitglied der Groupe Islamique Armé war und Kontakte zu al-Qaida hegte, schoss am 29. Juni 1999 während einer Verkehrskontrolle auf Polizisten. Mehrere Personen wurden verletzt. Der Täter wurde später zu 14 Jahren Haft verurteilt. Die Verfahren gegen seine Komplizen wurden eingestellt. Das BKA ordnete die Tat später dem islamistischen Terrorismus zu und hält die Täter für „mutmaßliche Anhänger der GIA“."Al-Qaida und ihr Umfeld in Deutschland" bits.de, September 2008

2001

Drei der vier Selbstmordpiloten der Anschläge vom 11. September 2001 hatten zuvor eine Terrorzelle in Hamburg geformt, wo sie die Anschläge vorbereiteten und regelmäßig gemeinsam die Al-Quds-Moschee besuchten.National Commission on Terrorist Attacks upon the United States Al Qaeda aims at the American Homeland. 5.3 The Hamburg Contingent, 21. August 2004, abgerufen am 25. August 2011

2002

Im April 2002 wurde die Terrorgruppe al-Tawhid ausgehoben, welche Anschläge auf das Jüdische Museum Berlin plante.

2006

Im Juli 2006 schlug ein Bombenanschlag von libanesischen Islamisten auf zwei Nahverkehrszüge in Westdeutschland fehl.

2007

2007 wurde die Sauerland-Gruppe, eine vierköpfige Terrorzelle der Islamischen Dschihad-Union aus deutschen Konvertiten und Deutschtürken, ausgehoben. Die Gruppe hatte den Einsatz von Autobomben gegen amerikanische Militäreinrichtungen und zivile Ziele auf deutschem Boden geplant.

2008

Im September 2008 misslang ein Mordanschlag dreier Minderjähriger auf eine Kölner Polizeistreife, die in einen Hinterhalt gelockt worden war. Sie gaben an, Waffen erbeuten zu wollen, um in einen heiligen Krieg zu ziehen und Amerikaner töten zu wollen. Zwei von ihnen, inzwischen volljährig, reisten im Frühjahr 2013 nach Syrien aus., Kölnische Rundschau, 20. Februar 2014, abgerufen am 14. März 2014; Ausreise aus Deutschland. Dschihadisten-Mutter kommt mit Waffen-Magazin und Zielfernrohr durch Kontrolle, Focus, 8. März 2014, abgerufen am 14. März 2014

2010

Vermutlich im April 2010 kam der Islamist Eric Breininger in der Nähe von Mir Ali, im von Pakistan verwalteten Stammesgebiet, bei Gefechten ums Leben.

Im Oktober 2010 wurde eine aus dem Jemen versandte Paketbombe entdeckt, die auf ihrem Transportweg über das Frachtzentrum des Paketdienstes UPS am Flughafen Köln/Bonn umgeladen worden war. Der in einer Druckerpatrone versteckte Sprengsatz mit etwa 400 Gramm PETN sollte während des Fluges an Bord eines Frachtflugzeugs detonieren. Ein Warnhinweis aus Saudi-Arabien erreichte die deutschen Behörden erst, nachdem die Sendung Deutschland bereits verlassen hatte; sie wurde schließlich auf dem Flughafen East Midlands entschärft, während ein weiteres Paket mit Sprengstoff in Dubai abgefangen wurde. Als mutmaßlicher Drahtzieher galt der saudische Extremist Ibrahim Hassan al-Asiri aus dem Umfeld von Al-Qaida; Zieladressen waren jüdische Einrichtungen in Chicago.USA nehmen saudischen Extremisten ins Visier" spiegel.de, 31. Oktober 2010Paketbombe war drei Stunden in Deutschland" welt.de, 2. November 2010

2011

Im März 2011 erschoss der islamistische Kosovo-Albaner Arid Uka zwei US-Soldaten und verletzte zwei weitere schwer, die sich auf dem Weg nach Afghanistan befanden (Mordanschlag am Frankfurter Flughafen am 2. März 2011).

Im April 2011 wurden die vier Mitglieder der Düsseldorfer Zelle verhaftet, die laut Anklage einen Sprengstoffanschlag auf eine große Menschenmenge vorbereiteten.

2012

Am 5. Mai 2012 kam es am Rande einer Demonstration der Partei Pro NRW in Bonn zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, bei denen mehrere Hundert Salafisten auf die Demonstranten losgingen, so dass diese von der Polizei geschützt werden mussten. Dabei wurden 29 Beamte verletzt, zwei davon erlitten durch Messerstiche schwere Verletzungen.zeit.de: Nordrhein-Westfalen kündigt nach Salafisten-Gewalt Konsequenzen an, 6. Mai 2012, abgerufen am 20. Juni 2015

Im Dezember 2012 kam es zu einem versuchten Bombenanschlag am Bonner Hauptbahnhof, für den der deutsche Konvertit Marco G. aus der dortigen Salafisten-Szene verdächtigt wird.Versuchter Bombenanschlag am Bonner Hauptbahnhof. Verdacht gegen Marco G. erhärtet sich, General-Anzeiger, vom 18. Oktober 2013, abgerufen am 19. November 2013; Anklage nach versuchtem Bombenanschlag in Bonn, Die Welt, 14. März 2014, abgerufen am 15. März 2014

2013

Im März 2013 verhinderte die Polizei ein Attentat auf den Parteivorsitzenden von Pro NRW, Markus Beisicht.Salafisten planten Mordanschlag auf Pro-NRW-Chef Markus Beisicht, Focus, 13. März 2013, abgerufen am 19. November 2013 Der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof erhob in diesem Zusammenhang Anklage gegen Marco G. und weitere Salafisten.Anklage nach versuchtem Bombenanschlag in Bonn, Die Welt, 14. März 2014, abgerufen am 15. März 2014 Im Oktober 2013 zog der Tod des salafistischen, ehemaligen Fußball-Jugendnationalspielers Burak Karan in Syrien mediale Aufmerksamkeit auf sich.Toter Islamist Burak Karan: Vom deutschen Nationalspieler zum Dschihadisten, Der Spiegel, 18. November 2013, abgerufen am 19. November 2013

2014