Das auf dem Fliegerhorst Wittmundhafen stationierte Taktische Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“ der Luftwaffe wurde am 6. Juni 1959 als Jagdgeschwader 71 auf dem Fliegerhorst Ahlhorn in Dienst gestellt und ab dem 15. März 1963 nach Wittmund verlegt.

Von 1959 bis 1966 war die Canadair Sabre Mk.6 das Hauptwaffensystem des Geschwaders. Ab April 1963 erfolgte die Umrüstung des Geschwaders auf den F-104G Starfighter. Weil die NATO-Assignierung als Tagjäger weiterhin zu erfüllen war, wurde die Sabre parallel zum Starfighter weiter geflogen. Dazu wurde temporär eine dritte Staffel aufgestellt, die aus Oldenburg operierte. Die Einsatzbereitschaft mit dem Starfighter in der Tagjäger-Rolle war Ende September 1964 hergestellt und die Sabres wurden abgegeben. Im Jahre 1973 begann die Umrüstung des Geschwaders auf die F-4F Phantom. Mit deren NATO-Assignierung am 1. April 1975 endete in Wittmund die Starfighter-Ära. Die Phantom wurde in Wittmund bis zu deren Außerdienststellung im Herbst 2013 geflogen, zuletzt nur noch mit einem Bestand von 12 Flugzeugen. Seit Mitte 2013 wird in Wittmund der Eurofighter Typhoon geflogen.

Neben den jeweiligen Hauptwaffensystemen verfügte das Geschwader über eine begrenzte Anzahl weiterer Flugzeuge beispielsweise der Typen T-33A (bis 1975) und Do-28 D-2, die zur Inübunghaltung von Piloten, beziehungsweise als Verbindungsflugzeuge und zum Transport von Material und Personal für den Verband eingesetzt waren.

Im Rahmen des Geschwaderflugbetriebs ereignete sich eine Anzahl von Zwischenfällen mit Flugzeugen. Die nachfolgende chronologische Liste enthält Kurzbeschreibungen von Flugunfällen und Bodenunfällen, bei denen Personen schwer oder tödlich verletzt oder Luftfahrzeuge schwer beschädigt oder zerstört wurden. Seit 1999 fliegt das Geschwader unfallfrei.

16. Juli 1959 – Beim Start einer T-33A (Luftfahrzeugkennzeichen JA+395) des Jagdgeschwaders 71 vom Fliegerhorst Ahlhorn gab das Triebwerk nach dem Abheben nicht genügend Leistung ab, um eine sichere Fluggeschwindigkeit zu halten. Beim Versuch einer Bauchlandung auf der verbleibenden Startbahn rutschte das Luftfahrzeug über das Startbahnende hinaus in unbefestigtes Gelände und durchbrach die Umzäunung des Fliegerhorstes. Nachdem das Flugzeug zum Stillstand gekommen war, stiegen beide Piloten unverletzt aus und brachten sich in Sicherheit. Eine Reparatur des Flugzeugs war in Anbetracht es Schadenumfangs unwirtschaftlich, es wurde ausgemustert.

12. Juni 1960 – Auf dem Rückflug von einem Flugtag auf dem Fliegerhorst Husum zum Heimatflugplatz Ahlhorn trat ein Problem mit dem Schubhebel auf, so dass sich das Triebwerk einer Canadair Sabre Mk. 6 des Jagdgeschwaders 71 (JA+121) nicht mehr regeln ließ. Ein Rettungsausstieg mit dem Schleudersitz misslang, da der Sitz vor dem Start nicht vollständig entsichert worden war. Der Versuch des Piloten mit dem Fallschirm abzuspringen war nicht erfolgreich, er erlitt dabei tödliche Verletzungen. Das Flugzeug stürzte bei Büsum in die Eidermündung und wurde zerstört.

7. Dezember 1960 – In 30.000 Fuß Flughöhe fiel das Triebwerk einer Canadair Sabre Mk.6 des Jagdgeschwaders 71 (JA+239) aus. Der Pilot, ein Fluglehrer der britischen Luftwaffe, rettete sich mit dem Schleudersitz. Das Flugzeug stürzte in der Nähe des Ortsteils Spreda der Gemeinde Langförden ab und wurde zerstört.

12. Januar 1961 – Beim Luftkampftraining kollidierten zwei Canadair Sabre Mk.6 des Jagdgeschwaders 71 in 30.000 ft Flughöhe und wurden zerstört. Der Pilot der JD+240 wurde dabei tödlich verletzt. Der Pilot der JD+249 konnte sich mit dem Schleudersitz retten, wurde jedoch schwer verletzt. Die Luftfahrzeuge schlugen nordöstlich von Nordhorn, die JD-240 bei Hohenkörben, die JD+249 bei Klausheide auf.

9. August 1961 – Bei einem Sinkflug nach Sicht kollidierte eine Canadair Sabre Mk.6 des Jagdgeschwaders 71 „Richthofen“ (JA+121) in 16.000 Fuß Flughöhe mit einer Canadair Sabre Mk. 5 der Waffenschule der Luftwaffe 10 (BB+133), die sich im Instrumentenanflug auf den Militärflugplatz Oldenburg befand. Der Pilot des Jagdflugzeuges wurde bei der Kollision aus seinem Flugzeug geschleudert. Weil dabei Leinen seines Fallschirms rissen, überlebte er nicht. Der Pilot der Waffenschule wurde aus seinem Cockpit geschleudert, konnte jedoch seinen Fallschirm nutzen und überlebte. Beide Luftfahrzeuge stürzten beim Dorf Hölingen südlich von Wildeshausen ab und wurden zerstört.

15. Mai 1962 – Bei einer Canadair Sabre Mk.6 des Jagdgeschwaders 71 „Richthofen“ (JA+373) fiel das Triebwerk in ca. 6.000 Fuß Höhe über der Nordsee aus. Das Flugzeug stürzte ca. 22 Kilometer nördlich der Insel Wangerooge ins Meer und wurde zerstört. Es erfolgte kein Rettungsausstieg, der Pilot wurde tödlich verletzt.

13. Juni 1962 – In 26.000 Fuß Flughöhe über der Nordsee ging die Nummer 2 einer Formation von vier Canadair Sabre Mk.6 des Jagdgeschwaders 71 „Richthofen“ (JA+231) in einen steilen Sinkflug über. Das Flugzeug stürzte 12 nautische Meilen nordöstlich der Insel Helgoland ins Wasser und wurde zerstört. Der Pilot wurde getötet.

7. August 1963 – Eine Canadair Sabre Mk. 6 des Jagdgeschwaders 71 Richthofen (JA+344) flog zur Zieldarstellung für Richt- und Zielübungen einer Flugabwehrkanoneneinheit simulierte Angriffe auf deren Stellung auf dem Standortübungsplatz Brockzetel. Bei einem Anflug kollidierte das Flugzeug nahe der Stellung mit dem Boden und wurde zerstört, der Pilot getötet. Fünf Soldaten des Luftwaffenflugabwehrbataillons 44 wurden durch Flugzeugteile tödlich verletzt. Weitere Soldaten erlitten zum Teil schwere Verletzungen.

28. April 1964 – Nach dem Start vom Fliegerhorst Oldenburg fiel das Triebwerk einer T-33A des Jagdgeschwaders 71 „Richthofen“ (JA+384) in ca. 10.000 Fuß Flughöhe aus. Beide Piloten retteten sich mit ihren Schleudersitzen. Das Flugzeug stürzte bei Sendenhorst im Südosten von Münster ab und wurde zerstört.

2. Mai 1964 – Bei einer Flugvorführung im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung der US-Streitkräfte in Bremerhaven berührte ein F-104G Starfighter des Jagdgeschwaders 71 „Richthofen“ (JA-106) den Boden und wurde zerstört. Der Pilot, ein amerikanischer Fluglehrer, betätigte den Schleudersitz zu spät und wurde tödlich verletzt.

11. Mai 1964 – Bei einem zu tiefen Landeanflug auf den Militärflugplatz Wittmundhafen kollidierte ein F-104G Starfighter des Jagdgeschwaders 71 „Richthofen“ (JA+232) mit der Anflugbefeuerung. Das Flugzeug wurde zerstört und der Pilot getötet.

18. Juni 1964 – Nach einer Abfangübung war ein Touch-and-Go auf dem Militärflugplatz Oldenburg geplant, auf dem zu der Zeit die mit Canadair Sabre Mk.6 ausgerüstete 3. Staffel des Jagdgeschwaders 71 „Richthofen“ stationiert war. Nach dem Aufsetzen platzte der Reifen des rechten Hauptfahrwerks der JA+338. Der Pilot entschied sich dazu, das Durchstarten abzubrechen. Das Flugzeug rollte nach rechts versetzt in die Netzfanganlage am Startbahnende ein, wurde herumgerissen, zerbrach und geriet in Brand. Die Pistenbereitschaft der Fliegerhorstfeuerwehr rettete den Piloten aus dem brennenden Wrack. Er überlebte mit schwersten Brandverletzungen.

7. Juli 1964 – Das Fahrwerk einer Canadair Sabre Mk. 6 des Jagdgeschwaders 71 „Richthofen“ (JA+336) ließ sich nach dem Ausfall einer Hydraulikanlage nicht vollständig ausfahren und auch nicht mehr einfahren. Der Pilot entschied sich das Flugzeug aufzugeben und rettete sich mit dem Schleudersitz. Die führerlose Sabre flog noch ca. 10 km weiter und stürzte bei der Bauerschaft Reitland der ehemaligen Gemeinde Seefeld südwestlich von Nordenham ab.

18. März 1965 – Bei einem Startabbruch bei hoher Geschwindigkeit versagte der Bremsschirm eines F-104G Starfighters des Jagdgeschwaders „Richthofen“ (JA+107). Das Seil der Fanganlage riss durch und das Flugzeug rollte mit hoher Geschwindigkeit über das Ende der Startbahn hinaus. Dabei riss das Fahrwerk ab. Der Pilot blieb unversehrt. Der Schaden am Starfighter war so groß, dass er ausgesondert wurde.

11. Juni 1965 – Beim Tiefflug flog ein F-104G Starfighter des Jagdgeschwaders 71 „Richthofen“ (JA+235) in niedrige Wolken ein. Vermutlich auf Grund räumlicher Desorientierung des Piloten kollidierte der Starfighter bei Eisbergen südlich von Bückeburg mit dem bewaldeten Hang des Wesergebirges. Der Pilot wurde tödlich verletzt, das Flugzeug zerstört.

14. Oktober 1965 – Beim Hochziehen aus dem Tiefflug brach die Zelle einer T-33A des Jagdgeschwaders 71 „Richthofen“ (JA+396). Das Flugzeug stürzte ca. 9 km südlich Wittmund ab. Beide Piloten starben.

20. Januar 1966 – Nach Triebwerksproblemen und Schubverlust bei einem Nachprüfflug gab der Pilot eines F-104G Starfighters des Jagdgeschwaders 71 „Richthofen“ der Luftwaffe (JA+123) das Flugzeug auf. Der Starfighter schlug bei Buttforde nordwestlich von Wittmund auf und wurde zerstört. Der Pilot verließ das Flugzeug mit dem Schleudersitz, wurde jedoch bei der Landung mit dem Fallschirm bei starkem Wind über den gefrorenen Boden und durch Hindernisse geschleift und dabei tödlich verletzt.

18. Juli 1966 – Beim Luft-/Luftschießen auf ein Schleppziel im Schießgebiet nördlich der Insel Helgoland verlor der Pilot eines F-104G Starfighter des Jagdgeschwaders 71 „Richthofen“ (JA+254) die Kontrolle über das Flugzeug. Zwar konnte er den Starfighter mit dem Schleudersitz verlassen, er ertrank jedoch nach seiner Fallschirmlandung in der Nordsee.

15. August 1967 – Bei einer Landung bei Nacht und schlechter Sicht auf Grund starken Regens kam ein F-104G Starfighter des Jagdgeschwaders 71 „Richthofen“ (JA+240) kurz nach dem Aufsetzen auf dem Militärflugplatz Wittmundhafen seitlich von der Landebahn ab, überschlug sich und blieb auf dem Rücken liegen. Die Fliegerhorstfeuerwehr befreite den Piloten aus dem zerstörten Flugzeug.

20. Juni 1968 – Beim Formationsflug in der Platzrunde des Militärflugplatzes Wittmundhafen flog der Pilot eines F-104G Starfighters des Jagdgeschwaders „Richthofen“ (20+09) eine Fassrolle, um seine Position in einer Formation zu wechseln. Dabei verlor er die Kontrolle über das Flugzeug, welches nahe Dornum abstürzte. Er selbst rettete sich mit dem Schleudersitz.

24. September 1968 – Beim Luftkampftraining verlor der Pilot eines F-104G Starfighters des Jagdgeschwaders 71 „Richthofen“ (25+77) auf Grund einer defekten Aufbäumregleranlage die Kontrolle über das Luftfahrzeug. Dieses geriet ins Trudeln und stürzte in der Nähe von Leerhafe bei Wittmund ab. Der Pilot rettete sich mit dem Schleudersitz.

15. April 1969 – Bei einem Nachprüfflug mit einem doppelsitzigen TG-104G Starfighter des Jagdgeschwaders 71 „Richthofen“ (27+32) ereignete sich ein Strömungsabriss im Verdichter auf Grund eines Fremdkörperschadens. Das Flugzeug stürzte ca. 5 km nordwestlich des Militärflugplatzes Wittmundhafen ab und wurde zerstört. Ein Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten, der Rettungsausstieg des anderen Piloten erfolgte zu spät, er erlitt tödliche Verletzungen.

15. September 1969 – Bei einem Nachtflug erlitt der Pilot eines F-104G Starfighters des Jagdgeschwaders 71 „Richthofen“ (23+80) eine räumliche Desorientierung. Das Flugzeug stürzte bei Petkum nahe Emden ab. Der Pilot erlitt tödliche Verletzungen.

21. April 1970 – Wegen schlechtem Wetter am Heimatplatz Wittmundhafen wurde ein F-104G Starfighter (25+60) beim Nachtflugbetrieb des Jagdgeschwaders 71 „Richthofen“ zum Ausweichflugplatz Wildenrath umgeleitet. Beim Anflug auf Wildenrath war nur noch eine geringe Restmenge Kraftstoff vorhanden. Die Landung erfolgte mit hoher Geschwindigkeit. Nachdem das Flugzeug die Netzfanganlage am Ende der Landebahn durchbrach, rettete sich der Pilot mit dem Schleudersitz. Das Flugzeug kam mit irreparablen Beschädigungen auf einer Obstwiese außerhalb des Flugplatzes zum Stehen.