Mehmet Esat Bülkat (geb. 18. Oktober 1862 in Ioannina, Osmanisches Reich; gest. 2. November 1952 in Istanbul) war ein türkischer General und Politiker, zuletzt im Rang eines Paschas. Daher ist er auch als (Mehmed) Esad Pascha bekannt. Familiennamen wurden erst nach Ende seiner Laufbahn 1935 in der Türkei eingeführt, als er sich schon im vorgerückten Alter befand. In der Türkei ist er auch unter den Namen Yanyalı Esad Paşa (Esad Pascha von Ioannina) und Yanya Müdafii (Verteidiger von Ioannina) bekannt,Levent Ünal: Esat (Bülkat) Paşa In: Çanakkale Savaşları Ansiklopedisi (Link) was nicht auf seine Herkunft, sondern auf seine Rolle im Ersten Balkankrieg bei der Verteidigung der Stadt Bezug nimmt.

mini|Mehmed Esad Pascha

Leben und Familie Bülkats Familie stammte aus dem Epirus und gehörte der Oberschicht seiner Heimatstadt an. Den Angaben in seiner Autobiografie zufolge war Stammvater der Familie der aus Taschkent stammende Mehmet Kaçı, der bei der Übergabe von Ioannina zu Zeiten des Sultans Murad II. eine Rolle gespielt habe und sich 1456 in Saloniki niederließ. Esats Vater, Mehmet Emin Efendi, war 1892/1893Yüksel Nizamoğlu: Çanakkale Savaşları Komutanlarından Esat Paşa’nın (Bülkat) Balkan Savaşları Sonuna Kadar Olan Hayatı. In: Çanakkale Araştırmaları Türk Yıllığı.12, Nr. 16 2014, S. 1–34, 3 Online Bürgermeister (Belediye Reisi) von Ioannina. Seine Mutter, Fatma Zehra Hanım, war die Tochter eines lokalen Notabeln. Über sie Familie ist über das hinaus, was die Söhne und der Enkel Mehmet Emins bekundeten, nur wenig bekannt.Yüksel Nizamoğlu: Çanakkale Savaşları Komutanlarından Esat Paşa’nın (Bülkat) Balkan Savaşları Sonuna Kadar Olan Hayatı. In: Çanakkale Araştırmaları Türk Yıllığı.12, Nr. 16 2014, S. 1–34, 4 Online Mehmet Emin Efendi siedelte 1902 mit seiner Familie nach Istanbul über.

Mehmet Esat hatte zwei jüngere Brüder, denen der Vater ebenfalls den ersten Vornamen Mehmet gab, Mehmet Vehip und Mehmet Nakıyüddin. Die beiden älteren Brüder Esat und Vehip schlugen die Offizierslaufbahn ein und gelangten in den Rang eines Paschas, der jüngste Bruder Nakıyüddin wählte eine Karriere in der Justiz und betätigte sich eine Zeitlang im Handel. Bei der Einführung der Familiennamen wählten die drei Brüder bzw. ihre Nachkommen unterschiedliche Familiennamen. Mehmet Esat wählte den Namen Bülkat, Mehmet Vehip nannte sich Kaçı und Mehmet Nakıyüddins Sohn Arif Kazım wählte als Familiennamen Taşkent.

Am 2. November 1952 verstarb Mehmet Esat Bülkat in Istanbul. Er wurde auf dem Karacaahmet-Friedhof beigesetzt.

Mehmet Esat war mit Esma Asime Hanım (verstorben 1967) verheiratet. Aus der Ehe ging eine Tochter mit dem Namen Nesibe Fatma hervor.

Ausbildung und militärische Karriere Nach seiner Schulausbildung in Janina wechselte Mehmet Esat 1879 an die Askerî İdadi (eine Militärschule) in Manastır und ein Jahr später an das Kuleli Askerî Lisesi in Istanbul. 1887 beendete er die Ausbildung an der späteren Kara Harp Okulu und 1890 als Jahrgangsbester im Range eines Leutnants (mülâzım) die an der späteren Kara Harp Akademisi. Im Anschluss daran wurde er 1890–1894 zur weiteren Ausbildung nach Deutschland geschickt. Während dieser Zeit wurde er zum Kolağası (ein Rang zwischen Hauptmann und Major) befördert und absolvierte die Preußische Kriegsakademie. Nach seiner Rückkehr wurde er zum Major (binbaşı) befördert und zu einer Direktion im Generalstab versetzt. 1895 ging er als Lehrer an die Kriegsakademie, wo er mit einer Unterbrechung bis 1907 blieb.Mesut Uyar: Pasha, Esat, in: International Encyclopedia of the First World War, Version vom 13. September 2016; online In dieser Zeit wurde er in rascher Folge befördert: 1895 zum Oberstleutnant (Kaymakam), 1897 zum Obersten (Miralay), 1901 zum Brigadegeneral (Mirliva) und 1906 zum Generalmajor (Ferik).

Nach einer Teilnahme in Stabsfunktion am Türkisch-Griechischen Krieg kehrte er an die Kriegsakademie zurück, wo er 1899 Direktor für das Unterrichtswesen (ders nazırı, auch als Dekan wiedergegeben) wurde. Mehmet Esat reformierte die Lehrpläne und die Organisation der Akademie und holte Lehrer aus Deutschland, Frankreich und Belgien an die Schule.

1907 wurde er als kommandierender Feldmarschall (müşir vekili, wörtlich: „Marschallsvertreter“) der Dritten Armee nach Saloniki versetzt. Der Posten war eine Eigenheit des Verwaltungssystems Sultan Abdülhamids II., der seinen Offizieren und Soldaten zutiefst misstraute. Die Dritte Armee war in Manastır stationiert, Ihr Hauptquartier mit der Dienststelle des kommandierenden Marschalls dieser Armee befand sich aber im entfernten Saloniki. Seine Stellung war weiter erschwert dadurch, dass die Kommandeure der ihm unterstellten Divisionen in Üsküp (Skopje) und Serres als Feldmarschälle (müşir) dienstgradmäßig zwei Stufen über ihm standen.

Zu seinen Aufgaben gehörte auch die Verfolgung der Umtriebe des Komitees für Einheit und Fortschritt, dem viele seiner Schüler und auch sein eigener Bruder Vehip angehörten. Hier zeigte er einigen Eifer, aber keinen ausreichenden Erfolg, weshalb er im Folgejahr nach Istanbul abberufen wurde. Vor der zu erwartenden Aburteilung rettete ihn die Jungtürkische Revolution. In der Folge wurden durch ein Gesetz viele der unter der absolutistischen Herrschaft Abdülhamids II. erfolgten Beförderungen rückgängig gemacht und auch Mehmet Esat wurde zum Mirliva zurückgestuft. In der Folgezeit bekleidete er diverse Posten, bis er 1911 als Kommandeur in seine Heimatstadt Ioannina beordert wurde.

Im Ersten Balkankrieg (1912–1913) wurde Mehmet Esat als Verteidiger seiner Heimatstadt Ioannina bekannt. Er konnte, anders als andere osmanische Befehlshaber, einige Zeit das Vilâyet Ioannina gegen die griechische Epirusarmee verteidigen, bevor er sich nach Ioannina zurückziehen musste. Durch die albanischen Unabhängigkeitsbestrebungen war er am Rückzug nach Albanien gehindert. Nachdem die Epirusarmee durch Kontingente aus der Thessalienarmee, die ohne nennenswerten Widerstand Saloniki besetzen konnte, verstärkt worden war, wurden die Streitkräfte Mehmet Esats, unter dem auch sein Bruder Mehmet Vehip diente, in Ioannina eingeschlossen und verteidigten die Stadt gegen eine etwa zweifache Übermacht und heftiges Artilleriefeuer bis Vorräte und Munition fast aufgebraucht und ein großer Teil der osmanischen Truppen durch Verwundung kampfunfähig war. Zuvor hatte er eine Aufforderung zur Kapitulation des griechischen Oberbefehlshabers Kronprinz Konstantin vom 30. Januar 1913 zurückgewiesen, mit dem er seit der gemeinsamen Zeit an der preußischen Kriegsakademie befreundet war. Am 6. März 1913 kapitulierte Mehmet Esat und ging bis Ende des Krieges in Kriegsgefangenschaft.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs war Mehmet Esat Kommandeur der 9. Division des III. Korps. Er nahm an der Schlacht von Gallipoli (1915–1916) teil und war einer der Befehlshaber der türkischen Truppen in der ANZAC-Bucht. Esats Division leistete den alliierten Streitkräften erbitterten Widerstand. Die ANZAC-Landung am 25. April 1915 wurde zu einem blutigen Gemetzel, und die alliierten Truppen konnten nur mit Mühe an den Stränden Fuß fassen. Anders als viele andere türkische Offiziere hatte Mehmet Esat ein gutes Verhältnis zu dem deutschen Oberbefehlshaber der Fünften Armee Otto Liman von Sanders und wirkte als Puffer zwischen diesen Kontrahenten. Mehmet Esat wurde für seine Verdienste in der Schlacht von Gallipoli wieder zum Generalmajor befördert.

Im Anschluss daran erhielt er aber kein Frontkommando, sondern wurde als Nachfolger von Colmar von der Goltz, der das Kommando auf dem mesopotamischen Kriegsschauplatz übernahm, Kommandeur der Ersten Armee in Istanbul, wo er mit Ausbildungs- und Trainingsaufgaben, sowie protokollarischen Verpflichtungen betraut war. In dieser Eigenschaft wurde er beim Staatsbesuch Kaiser Wilhelms II 1917 in Istanbul zu dessen Begleiter bestimmt.

Im Februar 1918 wurde er als Nachfolger Liman von Sanders Befehlshaber der Fünften Armee und nach der Beförderung zum Generalleutnant (birinci ferik) im Juni desselben Jahres als Nachfolger seines Bruders Vehip Kommandeur der Dritten Armee, deren Hauptquartier sich inzwischen in Ostanatolien befand.

Nach dem Waffenstillstand von Mudros war er Inspekteur der Zweiten Armee und der Militärschulen. Die Position war aber bedeutungslos geworden.

Am 22. November 1919 trat Esat Pascha in den Ruhestand.

Nach Beendigung der militärischen Laufbahn Nach dem Ersten Weltkrieg war Mehmet Esats militärische Karriere in der Türkei beendet. Weder im Türkischen Befreiungskrieg, noch im Militär und der Politik der neuen Republik Türkei spielte er eine Rolle. In den Türkischen Befreiungskrieg war er aber insoweit involviert, als die prominenten Führer des Befreiungskriegs Fevzi Çakmak, İsmet İnönü und Mustafa Kemal Atatürk, sowie Ali Fuat Cebesoy, Refet Bele, Kâzım Karabekir und Yakup Şevki Subaşı in der Zeit an der Kaiserlichen Kriegsakademie ausgebildet wurden, als Mehmet Esat dort als Lehrer und Organisator wirkte.Yüksel Nizamoğlu: Çanakkale Savaşları Komutanlarından Esat Paşa’nın (Bülkat) Balkan Savaşları Sonuna Kadar Olan Hayatı. In: Çanakkale Araştırmaları Türk Yıllığı.12, Nr. 16 2014, S. 1–34, 8 Online 1920 war er kurzzeitig Marineminister im Kabinett des Großwesirs Hulusi Salih Pascha. Dieses Kabinett amtierte aber weniger als einen Monat lang und über eine nennenswerte Marine verfügte das Osmanische Reich zu dieser Zeit nicht mehr. Ansonsten befasste er sich mit der Niederschrift seiner unveröffentlichten Memoiren und war Mitglied in den Vorständen diverser öffentlicher und privater Firmen und Institutionen wie de Istanbul-Versicherung (İstanbul Sigorta), der Straßenbahngesellschaft und war Mitglied in der Kommission für den Bevölkerungsaustausch (Mübadele Komisyonu).

Vermächtnis Mehmet Esat Bülkat gilt als einer der fähigsten osmanischen Militärkommandeure seiner Zeit. Er war für seine Tapferkeit, seine strategischen Fähigkeiten und seine Führungsqualitäten bekannt.

Bülkats Rolle in der Schlacht von Gallipoli trug dazu bei, die osmanische Armee gegen die alliierten Streitkräfte zu verteidigen und den Sieg zu erringen. Er gilt als Nationalheld der Türkei und sein Name ist bis heute in Erinnerung.

Quellen Archive Osmanlı Harp Arşivi (Osmanisches Kriegsarchiv) Türkiye Cumhuriyeti Milli Savunma Bakanlığı Arşivi (Archiv des türkischen Ministeriums für Nationale Verteidigung)

Weblinks

Levent Ünal: Esat (Bülkat) Paşa In: Çanakkale Savaşları Ansiklopedisi (Link), im Druck erschienen unter: Levent Ünal: Esad (BÜLKAT) Paşa In: Murat Karataş (Herausgeber): Çanakkale Savaşları Ansiklopedisi, Çanakkale Savaşları Enstitüsü Yayınları, İstanbul 2022, ISBN 978-605-80897-7-8, Artikel auch als PDF unter veröffentlicht Mesut Uyar: Pasha, Esat, in: International Encyclopedia of the First World War, Version vom 13. September 2016

Einzelnachweise

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