Das Schlachtgeschwader 1 war ein Verband der Luftwaffe der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Es war mit Schlachtfliegern vom Typ Junkers Ju 87 und später Messerschmitt Bf 109E, Focke-Wulf Fw 190A, Henschel Hs 123 und Henschel Hs 129 ausgestattet und führte Luftangriffe mit Bomben und Bordwaffen unmittelbar zur Unterstützung der Bodentruppen durch. Das Geschwader, das in zwei organisatorisch völlig unabhängigen Formationen aufgestellt wurde, war während der gesamten Zeit seines Bestehens im Deutsch-Sowjetischen Krieg eingesetzt. Nur die 5. Staffel war kurzzeitig im Tunesienfeldzug eingesetzt. Es wurde am 8. Mai 1945, nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht, aufgelöst.

Aufstellung 1. Formation Der Geschwaderstab und die I. Gruppe des Schlachtgeschwaders 1 entstand am 13. Januar 1942 in WerlHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 687, abgerufen am 26. März 2024. und DuginoHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45, Russia (incl. Ukraine, Belarus & Bessarabia) S. 167, abgerufen am 26. März 2024., durch Umbenennung des Gruppenstabes und der 4. bis 6. Staffel des Lehrgeschwaders 2. Zur gleichen Zeit entstand in LippstadtHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 401, abgerufen am 26. März 2024. eine II. Gruppe. Zusätzlich wurden noch in Dugino die 4. und 8. Staffel aufgestellt, die dem Geschwaderstab direkt unterstellt waren. Diese 1. Formation war mit der Messerschmitt Bf 109 in der Schlachtfliegerausführung E-7, der Focke-Wulf Fw 190 in der Variante A-5 und F-3, der Henschel Hs 123 und der Henschel Hs 129 ausgestattet. Die Geschwaderkennung war A5.Georg Tessin, S. 329

Am 18. Oktober 1943 erhielt die 1. Formation des Schlachtgeschwaders 1 neue Bezeichnungen. Der Geschwaderstab wurde in den Gruppenstab der IV. Gruppe des Schlachtgeschwaders 9 umgewandelt und die I. Gruppe in die II. Gruppe des Schlachtgeschwaders 77 umbenannt. Währenddessen erhielt die II. Gruppe die neue Bezeichnung II. Gruppe des Schlachtgeschwaders 2. Die 4. und 8. Staffel gingen als 10. und 11. Staffel zum Schlachtgeschwader 9.H.L. de Zeng, D.G. Stankey, E.J. Creek: Dive-Bomber and Ground-Attack Units of the Luftwaffe, 1933–1945, A Reference Source, Vol. 1, Ian Allan Publishing, ISBN 978-1-906537-08-1, S. 188, 195

2. Formation Die 2. Formation des Schlachtgeschwaders 1 entstand am 18. Oktober 1943 durch Umbenennung des Sturzkampfgeschwaders 1 im vom Deutschen Reich besetzten Teil der Sowjetunion. Der Geschwaderstab lag in PolozkHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45, Russia (incl. Ukraine, Belarus & Bessarabia) S. 532, abgerufen am 26. März 2024., die I. und die III. Gruppe in BobruiskHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45, Russia (incl. Ukraine, Belarus & Bessarabia) S. 86, abgerufen am 26. März 2024. und die II. Gruppe in Orscha.Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45, Russia (incl. Ukraine, Belarus & Bessarabia) S. 500, abgerufen am 26. März 2024. Die 2. Formation flog mit der Junkers Ju 87 in den Versionen D-3, D-5 und G-2 und der Focke-Wulf Fw 190 in den Varianten F-8 und G-8.Georg Tessin, S. 328

Gliederung 1. Formation Die 1. Formation war am 5. Juli 1943 in einen Geschwaderstab, die I. und II. Gruppe und die dem Geschwaderstab direkt unterstellten 4. und 8. Staffel unterteilt. Den beiden Gruppen unterstanden die 1. bis 3. Staffel und die 5. bis 7. Staffel. Jede Staffel geführt durch ein Staffelkapitän, war in drei Schwärme mit je vier Flugzeugen unterteilt. Daraus ergab sich eine Sollstärke der Schlachtfliegergruppe von 36 Flugzeugen in den drei Staffeln und 6 Flugzeugen für die Gruppenstabsstaffel mit dem Gruppenkommandeur. Dies ergab bei zwei Schlachtfliegergruppen eine Sollstärke von 84 Flugzeugen und 6 Flugzeugen für die Geschwaderstabsstaffel mit dem Geschwaderkommodore. Dazu kamen jeweils 12 Flugzeuge der 4. und 8. Staffel. Daraus ergibt sich eine Sollstärke von 114 Flugzeugen zu diesem Zeitpunkt.Karl-Heinz Frieser, Klaus Schmider, Klaus Schönherr: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 8: Die Ostfront 1943/44 – Der Krieg im Osten und an den Nebenfronten. Hrsg.: Militärgeschichtliches Forschungsamt. DVA, München 2007, ISBN 978-3-421-06235-2, S. 90

2. Formation Die 2. Formation hatte am 10. Januar 1945 einen Geschwaderstab und die I. bis III. Gruppe, die wiederum in Staffeln unterteilt waren. Die 1. bis 3. Staffel gehörte der I. Gruppe, die 4. bis 6. Staffel der II. Gruppe und die 7. bis 9. Staffel der III. Gruppe an. Die Sollstärken der Staffeln war zu 1943 gleich geblieben. Daraus ergibt sich eine Sollstärke von 132 Flugzeugen zu dieser Zeit.Horst Boog, Richard Lakowski, Werner Rahn, Manfred Zeidler, John Zimmermann: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 10/1, Der Zusammenbruch des Deutschen Reiches, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2008, ISBN 978-3-421-06237-6, S. 882–884

Geschichte 1. Formation 1942 Anfang Mai 1942 verlegte das Geschwader mit der I. und II. Gruppe sowie der selbstständigen 4. Staffel in den Süden der Sowjetunion. Dort war es dem VIII. Fliegerkorps der Luftflotte 4 unterstellt.Bernd Wegner: Der Krieg gegen die Sowjetunion 1942/43. In: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 6, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1990, S. 841. Vom Fliegerhorst KonstantinowkaHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45, Russia (incl. Ukraine, Belarus & Bessarabia) S. 297, abgerufen am 1. Mai 2024. aus, flog es die ersten Einsätze. Dem Geschwaderstab standen zu dieser Zeit 6 und der I. Gruppe 59 Messerschmitt Bf 109E-7/U1 zur Verfügung, während in der II. Gruppe 43 Henschel Hs 129B-2 und 14 Henschel Hs 123 bereitstanden. Die zur Verfügung stehende Messerschmitt Bf 109 in der Variante E-7 war als Jagdflugzeug oder Jagdbomber nutzbar. Der DB-601-A-1-Motor mit 990 PS Startleistung ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von 570 km/h, bei einer Bewaffnung von zwei 7,92-mm-MG 17 über dem Motor (je 1000 Schuss) und zwei 20-mm-Maschinenkanonen MG FF in den Tragflächen. (je 60 Schuss) Optional konnten ein 300-l-Zusatztank oder bis zu 250 kg Bomben mitgeführt werden. Die zweimotorige Hs 129B-2 hatte zwei Gnôme et Rhône-Motoren die 700 PS leisteten und die Maschine auf eine Höchstgeschwindigkeit von 407 km/h brachte. Bewaffnet mit zwei 20-mm-MG 151/20, zwei 7,92-mm-MG 17, und eine 30-mm-MK 103 konnten noch bis zu 250 kg Bomben mitgeführt werden. Die Henschel Hs 123A-1, ein einmotoriger Doppeldecker mit offener Kanzel, verfügte über einen BMW 132 Dc Sternmotor mit 880 PS, der die Maschine auf bis zu 340 km/h beschleunigte. Das alte aber sehr robuste Schlachtflugzeug hatte 2 × 7,92-mm-MG 17 und konnte maximal 450 kg Bomben, alternativ maximal 200 kg Bomben und einen Zusatztank mitführen. mini|Die Henschel Hs 129B-1 diente in der II. Gruppe und der 4. und 8. Panzerjagd-Staffel des Geschwaders. Ab dem 8. Mai 1942 beteiligte sich das Geschwader am Unternehmen Trappenjagd, einer Offensivaktion der 11. Armee der Heeresgruppe Süd auf der Halbinsel Kertsch auf der Ostseite der Krim. Die Aufgabe des Geschwaders war es, feindliche Schützen- und Artilleriestellungen, sowie Nachschubkolonnen anzugreifen und so den Angriff der eigenen Bodentruppen zu unterstützen.H.L. de Zeng, D.G. Stankey, E.J. Creek: Dive-Bomber and Ground-Attack Units of the Luftwaffe, 1933–1945, A Reference Source, Vol. 1, Ian Allan Publishing, ISBN 978-1-906537-08-1, S. 184 Die selbstständige 4. und 8. Panzerjagd-Staffel griffen am 9. Mai den Militärflugplatz Marfovka an und zerstörten dort abgestellte Jagdflugzeuge des 743. Jagdfliegerregiments der sowjetischen Luftwaffe, bevor sie in den folgenden Tagen die Bodentruppen unterstützten.H.L. de Zeng, D.G. Stankey, E.J. Creek: Dive-Bomber and Ground-Attack Units of the Luftwaffe, 1933–1945, A Reference Source, Vol. 1, Ian Allan Publishing, ISBN 978-1-906537-08-1, S. 187 Bis zum 19. Mai konnte die Offensivaktion erfolgreich abgeschlossen werden. mini|Die Henschel Hs 123A-1 befand sich mit einigen Exemplaren in der 7. Staffel der II. Gruppe. Anschließend wendete sich das Geschwader dem Raum um Charkow zu, wo die sowjetische Südwestfront und Teile der Südfront mit ihrer Frühjahrsoffensive in Richtung Charkow die deutsche 6. Armee in Bedrängnis brachten. Die beiden Gruppen waren dem IV. Fliegerkorps der Luftflotte 4 zugeteilt und griffen mehrfach direkt die gepanzerten Verbände des sowjetischen Angriffskeil an und konnten so den Vormarsch im Zusammenwirken mit den Bodentruppen stoppen. Als dann am 17. Mai die deutsche Gegenoffensive unter Mitwirkung der 1. Panzerarmee und der 17. Armee begann, unterstützte das Geschwader den deutschen Angriffskeil der durch das III. Panzerkorps gebildet wurde, so das am 23. Mai Teile der sowjetischen Truppen eingeschlossen werden konnten. Das Geschwader flog in dieser Zeit 1467 Einsätze.H.L. de Zeng, D.G. Stankey, E.J. Creek: Dive-Bomber and Ground-Attack Units of the Luftwaffe, 1933–1945, A Reference Source, Vol. 1, Ian Allan Publishing, ISBN 978-1-906537-08-1, S. 180 Am 29. Mai attackierten drei Iljuschin Il-2 des sowjetischen 7. Schlachtfliegerregiments die Basis in Konstantinowka. Sie warfen zwölf Bomben ab, die eine Junkers Ju 87 zerstörten und weitere beschädigten.Christer Bergström: Stalingrad – The Air Battle: 1942 through January 1943, Midland Publishing, ISBN 978-1-85780-276-4, S. 40

Bei Beginn der deutschen Sommeroffensive im Bereich der südlichen Ostfront lag der Geschwaderstab, die I. und die II. Gruppe, sowie die 4. und die 8. Panzerjagd-Staffel auf dem Fliegerhorst Charkow-Rogan.Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45, Russia (incl. Ukraine, Belarus & Bessarabia) S. 127, abgerufen am 3. Mai 2024. Dem VIII. Fliegerkorps unterstehend, unterstützte das Geschwader das XXXXVIII. Panzerkorps der 4. Panzerarmee, dass mit der 24. Panzer-Division und der Division Großdeutschland auf Woronesch am Don vorging. Währenddessen griffen Teile des Geschwaders den sowjetischen Militärflugplatz Kamesnk an und zerstörten mehrere Pe-2 und eine Su-2 des 270. Bombenfliegerregiments.Christer Bergström: Stalingrad – The Air Battle: 1942 through January 1943, Midland Publishing, ISBN 978-1-85780-276-4, S. 56 Am 20. Juli verfügte das gesamte Geschwader noch über 36 einsatzbereite Maschinen.Christer Bergström: Stalingrad – The Air Battle: 1942 through January 1943, Midland Publishing, ISBN 978-1-85780-276-4, S. 57 Nachdem die 4. Panzerarmee den Don bei Woronesch erreichte, ging sie entlang des Dons nach Süden und erreichte den Donbogen, der Stalingrad vorgelagert ist. Das Geschwader machte diese Bewegung mit und bezog im August den Fliegerhorst Tusow, einen Feldflughafen 81 km von Stalingrad entfernt.Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45, Russia (incl. Ukraine, Belarus & Bessarabia) S. 755, abgerufen am 4. Mai 2024. Von hier aus griffen die Schlachtflugzeuge des Geschwaders zugunsten der deutschen 6. Armee in die Kesselschlacht bei Kalatsch ein und kämpften in den nächsten Monaten in der Schlacht um Stalingrad.H.L. de Zeng, D.G. Stankey, E.J. Creek: Dive-Bomber and Ground-Attack Units of the Luftwaffe, 1933–1945, A Reference Source, Vol. 1, Ian Allan Publishing, ISBN 978-1-906537-08-1, S. 184, 186, 189 Als am 13. September die 6. Armee zum Großangriff auf das Stalingrader Stadtzentrum antrat, flog das Geschwader, zusammen mit den Sturzkampfgeschwadern 2 und 77, Luftangriffe auf Artillerie- und Infanteriestellungen.Christer Bergström: Stalingrad – The Air Battle: 1942 through January 1943, Midland Publishing, ISBN 978-1-85780-276-4, S. 79