Die Panzerbrigade 45 „Litauen“ (PzBrig 45) ist eine Brigade des Heeres der Bundeswehr, die dauerhaft in Litauen stationiert und der 10. Panzerdivision unterstellt ist. Sie wurde am 1. April 2025 formal in Dienst gestellt, der Aufstellungsappell fand am 22. Mai 2025 in Vilnius statt. Die Brigade soll bis Ende 2027 einsatzbereit sein. Die Brigade wird häufig in den Medien schlicht Litauen-Brigade genannt.

Auftrag Auftrag der Panzerbrigade 45 ist die Bündnisverteidigung des Baltikums an der Ostflanke der NATO als Reaktion auf die zunehmende Bedrohung durch Russland seit dem Russischen Überfall auf die Ukraine 2022. Sollte der Fall der Bündnisverteidigung eintreten, wäre es Auftrag der Brigade, die Suwałki-Lücke offen zu halten.

Die Brigade ist der erste Großverband, den die Bundeswehr dauerhaft im Ausland stationiert. Bislang war das Jägerbataillon 291 als einziger Kampftruppen-Verband des Heeres im Ausland (hier: Frankreich) stationiert. Daneben existieren jedoch auch diverse weitere Dienststellen im Ausland für Ausbildungs- und Verbindungszwecke oder im Rahmen multinationaler Verbände.

Gliederung Aktuelle Gliederung Die Brigade gliedert sich zurzeit in: Stab 20px|Internes Verbandsabzeichen Stabs- und Unterstützungskompanie Panzerbrigade 45, Nemenčinė (seit 2025) 20px|Internes Verbandsabzeichen Fernmeldekompanie Panzerbrigade 45, Rokantiškės (seit 2026) 26x26px|Internes Verbandsabzeichen Panzerbataillon 203, Augustdorf (seit 29. Januar 2026) 25x25px|Internes Verbandsabzeichen Panzergrenadierbataillon 122, Oberviechtach (seit 29. Januar 2026) 20px|Verbandsabzeichen NATO Multinational Battlegroup Lithuania, Rukla (seit 4. Februar 2026 Thomas Wiegold: Deutsche Brigade in Litauen: Verstärkung mit – vorhandener – NATO-Battlegroup. Augengeradeaus.net, 4. Februar 2026, abgerufen am 4. Februar 2026) Hinzu kommt seit 2025 ein Sanitätszentrum der Bundeswehr in Rokantiškės.Deutscher Bundeswehrverband: Bundeswehr-Brigade in Litauen formal in Dienst gestellt, 1. April 2025, abgerufen am 8. April 2025

Geplante Gliederung Neben den bis Anfang 2026 neu aufgestellten bzw. der Brigade unterstellten Truppenteilen (siehe Aktuelle Gliederung) wird ihr weiterer Aufwuchs bis 2027 fortgesetzt. Die beiden bisher in Augustdorf und Oberviechtach stationierten Bataillone sollen von ihren bisherigen Standorten nach Litauen verlegt werden. Zudem werden für die Brigade das Panzerartilleriebataillon 455, das Versorgungsbataillon 456, die selbständige Aufklärungskompanie 450 und die selbständige Panzerpionierkompanie 450 zunächst in Deutschland neu aufgestellt und schrittweise nach Litauen verlegt.

Als Ausgleich der Verlegung des Panzerbataillons 203 wurde das Artilleriebataillon 215 2025 in Augustdorf wieder aufgestellt. In Oberviechtach soll als Ersatz für das Panzergrenadierbataillon 122 das Artilleriebataillon 131 aus Weiden in der Oberpfalz stationiert werden.Clemens Speer: Artilleriebataillon 215 in Augustdorf aufgestellt, suv-report, 7. Oktober 2025, abgerufen am 7. Oktober 2025 Das Panzerartilleriebataillon 455 soll mit 18 Panzerhaubitzen 2000 A4 ausgestattet werden und entspricht der Gliederung und Ausrüstung der Brigadeartilleriebataillone der 10. Panzerdivision.

Die Brigade soll 4800 Soldaten sowie 200 zivile Angehörige der Bundeswehr umfassen. Hinzu kommen noch die Beschäftigten der Bundeswehr-Inhouse-Gesellschaften HIL Heeresinstandsetzungslogistik, BwFuhrparkService, Bw Bekleidungsmanagement und BWI GmbH. Als mit Kettenfahrzeugen ausgerüstete Panzerbrigade zählt sie zu den schweren Kräften.Boris Pistorius, Carsten Breuer: Tagesbefehl zur Brigade in Litauen (PDF, 49 kB). dbwv.de, 6. November 2023, abgerufen am 19. April 2026.

Dislozierung Als Stationierungsorte sind neben der Kaserne in Rukla am Rande des Truppenübungsplatz Gaižiūnai, im Nordosten der zweitgrößten Stadt Litauens Kaunas, eine neu zu errichtende Kaserne am Rande des Truppenübungsplatz Rūdninkai südlich der litauischen Hauptstadt Vilnius vorgesehen. Daneben wird auch das bereits durch die NATO-Battlegroup genutzte Camp Adrian Rohn am Rande des Truppenübungsplatz Pabradė weitergenutzt. Hinzu kommen zwei Depots, „Storage Area A“ in Ukmergė und „Storage Area B“ in Zapalskiai (in unmittelbarer Nähe des Flughafens Šiauliai). In Rūdninkai und Rukla werden Wohnheimunterkünfte errichtet werden; Einrichtungen für die Kinderbetreuung und schulische Versorgung sind in Kaunas und Vilnius geplant. Übergangsweise sollen bestehende militärische Liegenschaften in Nemenčinė und Rokantiškės genutzt werden.

Ausrüstung Folgende Ausrüstung ist u. a. innerhalb der Brigade geplant:

44 Kampfpanzer Leopard 2A8 (PzBtl 203) 44 Schützenpanzer Puma S1 (PzGrenBtl 122) 18 Panzerhaubitzen 2000 A4 (PzArtBtl 455) 65 leicht gepanzerte Patrouillenfahrzeuge ATF Dingo 2 A4.1 Aufklärungs- und Wirkverbund, mit Aufklärungsdrohnen FALKE (Vector-Drohe von Quantum-Systems), Loitering Munition HX-2 von Helsing, OWE-V Virtus von Stark Defence und FV-014 von Rheinmetall sowie der KI-gestützten Führungssoftware Command & Control Unmanned Management System Bundeswehr (C2-UMS Bw) (PzArtBtl 455Artillerielehrbataillon 325, bundeswehr.de, abgerufen am 18. Juli 2026.)

Geschichte

Vorgeschichte (2023–2024) Ende Juni 2023 kündigte der Bundesminister der Verteidigung Boris Pistorius die Neuaufstellung und dauerhafte Stationierung einer Kampfbrigade in Litauen als Leuchtturmprojekt der „Zeitenwende“ an. Am 6. November 2023 gab das Bundesministerium der Verteidigung bekannt, die Brigade solle den Namen Panzerbrigade 42 erhalten. Am 18. Dezember 2023 unterzeichneten der deutsche und der litauische Verteidigungsminister die Roadmap Brigade Lithuania. Anfang 2024 entschied der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, jedoch, für die Litauenbrigade die bisher nicht verwendete Bezeichnung Panzerbrigade 45 zu vergeben, um den neuen Auftrag des Großverbandes zu unterstreichen.

Am 8. April 2024 flog ein Vorkommando bestehend aus 21 Soldaten nach Litauen und richtete im Piromontas-Viertel im Stadtteil Šnipiškės von Vilnius ein Büro ein.Peter Carstens: Bäume fällen für die Soldatenheimat. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. Mai 2024, S. 2. Es wurde von Oberst André Hastenrath geführt und auf dem Weg nach Litauen von Alfons Mais begleitet.tagesschau.de: Start der Brigade ist „herausragendes Ereignis“, 8. April 2024. Auch eine Bundeswehrverwaltungsstelle ist seit diesem Datum mit einer Anfangsbefähigung vor Ort. Zur Aufnahme der Brigade wird seit 2024 der Truppenübungsplatz Rūdninkai hergerichtet.

Am 23. September 2024 traf Brigadegeneral Christoph Huber in Vilnius ein. Damit wurde das Vorauskommando offiziell zum Aufstellungsstab mit 150 Personen. Huber führte ihn bis zur Indienststellung der Brigade 2025 und ist seitdem der erste Kommandeur der Panzerbrigade 45. Ein am 13. September 2024 mit Litauen geschlossenes Abkommen zur Stationierung wurde am 31. Januar 2025 im Deutschen Bundestag als Gesetz verabschiedet. Das Abkommen basiert auf dem NATO-Truppenstatut und bildet den rechtlichen Rahmen für die Stationierung der Brigade und den Aufenthalt deutscher Soldaten in Litauen.Zeichnung: Abkommen zur Stationierung der deutschen Brigade in Litauen, bmvg.de, 13. September 2024, abgerufen am 19. April 2026.

Aufbau (seit 2025) Am 1. April 2025 wurde die Brigade formal in Dienst gestellt und umfasste zu diesem Zeitpunkt den Stab, eine Stabsunterstützungs- und eine Fernmeldekompanie, außerdem wurde ihr die Führungsverantwortung für den deutschen Anteil der bereits bestehenden NATO-Battlegroup übertragen. Der feierliche Aufstellungsappell mit Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesminister der Verteidigung Boris Pistorius fand am 22. Mai 2025 auf dem Kathedralenplatz in Vilnius statt, dabei erhielt die Brigade offiziell den Beinamen „Litauen“.

Am 29. Januar 2026 wurden das Panzergrenadierbataillon 122 und das Panzerbataillon 203 im Rahmen eines feierlichen Appells offiziell der Panzerbrigade 45 unterstellt, sind jedoch bis zur Fertigstellung der notwendigen Infrastruktur weiterhin in Deutschland stationiert. Die Multinational Battlegroup Lithuania wurde am 4. Februar 2026 in ihrer Gesamtheit der Brigade unterstellt. Die Brigade erreichte damit eine Stärke von rund 2.800 Soldaten, von denen zu dem Zeitpunkt rund 1.800 in Litauen stationiert waren. 500 Soldaten der Battlegroup gehören den Streitkräften anderer NATO-Staaten an.

Die Brigade soll im Jahr 2027 Full Operational Capability erreichen. Dann ist eine Stärke von 4.800 Soldaten und 200 zivilen Bundeswehrangehörigen vorgesehen, von denen 3.000 auf dem Truppenübungsplatz Rūdninkai stationiert sein sollen und der Rest in Rukla.

Wappen und Marsch Das Wappen der Panzerbrigade 45 vereint die beiden Länder Deutschland und Litauen. Auf der linken Seite (heraldisch „rechts“) befindet sich ein Stauferlöwe in schwarz und rot auf gelbem Grund. Der Löwe symbolisiert die Zugehörigkeit zur 10. Panzerdivision und deren Verteidigungsbereitschaft. Auf der rechten Seite (heraldisch „links“) ist der achteckige Gediminas-Turm in rot auf grünem Grund abgebildet, ein Wahrzeichen der litauischen Hauptstadt Vilnius und der einzige verbliebene Turm der Oberen Burg der Stadt. Er soll ein Symbol für die dauerhafte Stationierung in Litauen sein sowie die enge Verbindung mit den litauischen Streitkräften zum Ausdruck bringen. Die beiden Seiten werden durch ein gerades, nach unten gerichtetes Schwert mit Jagiellonenkreuz voneinander getrennt.

„Das Wappen enthält die Nationalfarben der Bundesrepublik Deutschland sowie die Farben der Republik Litauen – Gold, Grün, Schwarz, Rot. Dies ist ein Ausdruck für die enge Bindung der Brigade Litauen zu ihrer Gastnation, mit deren Schutz sie vom deutschen Volk beauftragt wurde.“

Der Marsch der Panzerbrigade 45 ist Schild der Freiheit.

Kommandeure Nr. Name Kommandeur von Kommandeur bis 1.Brigadegeneral Christoph Huber 1. April 2025

Siehe auch Liste der Bundeswehrstandorte im Ausland Deutsch-litauische Beziehungen

Weblinks

Panzerbrigade 45 auf der Website der Bundeswehr

Einzelnachweise

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