mini Lothar Schenck von Trapp (eigentlich Lothar Carl Wilhelm Joseph Schenck; * 20. August 1889 in Wiesbaden; † 8. Juni 1950 in Berlin) war ein deutscher Bühnenbildner und Ausstattungsleiter.

Leben Lothar Schencks Eltern waren der Kunst- und Handelsgärtner Lothar Schenck (* 1845 in Wehen; † 1911 in Wiesbaden) und Amalie Schenck, geb. von Trapp (* 1845 Wiesbaden; † 1897 ebendort).Standesamt Wiesbaden, Geburtsurkunde Nr. 994 vom 22. August 1889 Er wuchs in seiner Heimatstadt auf und erhielt u. a. bei Friedrich Lütkemeyer in Coburg eine Ausbildung zum Bühnenmaler. 1913 nahm er eine Anstellung als Theatermaler am Hoftheater Darmstadt an, wo ihn der dortige Bühnenbildner Kurt Kempin beeinflusste. Nach Kriegseinsatz kehrte er nicht mehr nach Darmstadt zurück, sondern ging – jetzt unter Hinzufügung des Geburtsnamens der Mutter als Lothar Schenck von Trapp – kurzzeitig an das Stadttheater nach Mainz (1919–1920) und dann an das Staatstheater Wiesbaden (1920–1924). Dort brachte er es durch seine vom Jugendstil beeinflussten, stilisierten Bühnenbilder zu einigem Ruhm.Pons (2023), S. 13–37. Gastspiele führten ihn u. a. auch nach Zürich. Wegen eines Theaterskandals, in den er verwickelt war,Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Best. 428 Nr. 3380. musste er das Wiesbadener Haus verlassen und wurde vom Darmstädter Intendanten Ernst Legal an das Hessische Landestheater berufen.

In Darmstadt bestimmte er als Bühnenbildner und Ausstattungsleiter maßgeblich den Inszenierungsstil des Theaters, das in den 1920er Jahren weit über die regionalen Grenzen als avantgardistische Bühne bekannt war. Seine farbenfrohen Bühnengestaltungen ließen seine Produktionen oft zu Publikumsmagneten werden, gerieten aber wegen ihres extravaganten und fantasiereichen Stils immer wieder in den Fokus der Kritik. Auch in der Ära des Intendanten Carl Ebert blieb Schenck von Trapp eine feste Größe in der Darmstädter Theateravantgarde. Zu nennen ist insbesondere die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Regisseur Renato Mordo. Gastspiele führten ihn bald auch nach Berlin, auf Ausstellungen zur modernen Theaterkunst wurden seine Entwürfe gezeigt.Zur Tätigkeit in Darmstadt vgl. Pons (2023), S. 38–131.

1929 wechselte Schenck von Trapp vor den Darmstädter Sparzwängen nach Kassel, blieb dem Hessischen Landestheater in Darmstadt aber als Gastbühnenbildner erhalten,Pons (2023), S. 132–156. wo er u. a. die Bühnenbilder der bekannten Inszenierung von Alban Bergs Wozzeck (1930) schuf. Zum 1. Mai 1933 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.368.964),Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/37131049 im selben Jahr ging er nach Wiesbaden.Pons (2023), S. 156–169. In der Wiesbadener Zeit zeigten die Bühnenbilder – nicht zuletzt der NS-Kunstideologie verpflichtet – kaum noch die Kreativität und Experimentierfreude wie in Darmstadt. Wegen vorgeworfener Homosexualität wurde er Anfang 1936 zusammen mit dem ebenfalls in Wiesbaden tätigen Tenor Boris Greverus verhaftet.Deutschland-Bericht der Sopade (Sozialdemokratischen Partei Deutschlands). Prag, 3. Jg. Nr. 2 vom Februar 1936, S. A 79 Wegen eines Sexualdelikts 1943 entlassen,Hessisches Hauptstaatsarchiv, Best. 428 Nr. 3380 siedelte Schenck von Trapp nach Berlin um und heiratete dort im gleichen Jahr die Kostümbildnerin Aenne Pfusch (eigentlich Anna Pfusch, * 1902 in Wiesbaden; † 1968 in Berlin).Standesamt Berlin-Schmargendorf, Sterbeurkunde Nr. 1459 vom 31. Mai 1968 (Landesarchiv Berlin).

Nach dem Zweiten Weltkrieg war er der meistbeschäftigte und bedeutendste Bühnenbildner Berlins mit zahlreichen Inszenierungen an der Staatsoper Unter den Linden (September 1945 bis April 1950) – wo er aber unter Formalismusverdacht geriet – und an der Städtischen Oper (Februar 1946 bis Juni 1950).Dazu kommen die Bühnenbilder für zwei Operetten am Metropol-Theater (1946) und ein Schauspiel an der Tribüne (1949), s. 25 Jahre Theater in Berlin: Theaterpremieren 1945–1970. Spitzing, Berlin 1972. Während er sich um eine Rückkehr nach Wiesbaden bemühte, verstarb er überraschend an einer Lungenentzündung, die einem Schlaganfall gefolgt war.Pons (2023), S. 170–179Nachruf in Deutsches Bühnenjahrbuch, 59. Jahrgang 1951, S. 89.

Archivalien Hessisches Staatsarchiv Darmstadt Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

Literatur Rouven Pons: Bühnenbild: Lothar Schenck von Trapp. Idee und Wirklichkeit der Darmstädter Theatermoderne (= Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 194). Darmstadt/Marburg 2023. ISBN 978-3-88443-349-2. Rouven Pons: Ein Lebensbild in mehreren Akten. Der Bühnenbildner Lothar Schenck von Trapp (1889–1950) im Hessischen Landesarchiv. In: Archivnachrichten aus Hessen. 21/2 (2021), S. 42–45. Sascha Förster: Spielzeuge: Theater-Raum-Objekte von Schlemmer, Ahlfeld-Heymann & Schenck von Trapp (= Theater-Erkundungen #3). Wienand, Köln 2017, ISBN 978-3-86832-207-1.

Weblinks Schenck von Trapp, Lothar im Stadtlexikon Darmstadt Abbildungen der Bühnenbilder für Maß für Maß (Shakespeare), Darmstadt 1929 und Angelina (Rossini), Darmstadt 1930 .

Einzelnachweise

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