Die Fallschirmjäger-Kaserne ist eine Garnison der deutschen Bundeswehr in der niedersächsischen Gemeinde Seedorf bei Zeven. Sie entstand 1957/58 auf dem Gelände eines im Zweiten Weltkrieg durch die Kriegsmarine genutzten Barackenlagers. 1959 bezog die Bundeswehr die Truppenunterkunft und belegte sie mit Einheiten der Panzergrenadierbrigade 7. Die Kaserne wurde zwischen 1963 und 2006 von den Streitkräften der Niederlande im Rahmen eines Abkommens mit der Bundesrepublik Deutschland weitergenutzt und war Heimat der 41. niederländischen Brigade. Seit 2006 beherbergt sie Fallschirmjägertruppen der Bundeswehr und ist seit 2014 Heimat des Fallschirmjägerregiments 31.
Bau- und Stationierungsgeschichte Von 1938 bis 1945 1938 besichtigte eine Kommission des deutschen NS-Staates das spätere Kasernengelände der Gemarkungen Godenstedt und Seedorf zur Errichtung eines Lagers für den Reichsarbeitsdienst. Sie beschlagnahmte sodann große Flächen. Der Grunderwerb durch den Reichsfiskus fand erst später statt, belegt ist unter anderem 1940 für die Luftwaffe. Für die Bauern stellte die Landabgabe, die meist nicht durch Ersatzflächen kompensiert wurde, eine schwere Belastung dar. Es sollte ein Flugplatz für die Luftwaffe gebaut werden. Bereits 1939 begannen die Arbeiten, die zügig vorankamen. Doch die schnellen Erfolge nach dem Überfall auf Polen und im Westfeldzug führten dazu, dass der militärische Bedarf an diesem Flugplatz nicht mehr bestand. In die errichteten 215 Einheitsbaracken sowie Wirtschafts- und Stabsgebäude zog 1941 die Kriegsmarine ein. Die Anlage wurde nun als Lager Godenstedt bezeichnet. An die Stelle der Luftwaffe trat spätestens ab 1942 in den Kaufverträgen des Reichsfiskus die Kriegsmarine. Die am 26. August 1939 in Wilhelmshaven aufgestellte 2. Ersatz-Marine-Artillerie-Abteilung kam nach einer Zwischenstationierung in Varrelbusch im Oktober 1941 in das Lager, verließ es jedoch im September 1943 nach Esens. Die im April 1941 in Neustadt in Holstein aufgestellte 2. Unterseebootsausbildungsabteilung verlegte kurz darauf in die Truppenunterkunft nach Godenstedt. Ab April 1944 befand sich die 10. Marine-Ersatz-Abteilung, die am 1. Januar 1944 in Esens aus der 2. Ersatz-Marine-Artillerie-Abteilung hervorgegangen war, in der Kaserne. Damit waren bis zu 3500 Soldaten hier stationiert. Der Ausbildungsbetrieb für die U-Boot-Besatzungen wurde im März 1945 eingestellt. Das Heer nutzte noch bis kurz vor Eintreffen der britischen Truppen im April 1945 das Lager als Sammelstelle.Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Zweiter Band, Die Landstreitkräfte 1–5, bearbeitet auf Grund der Unterlagen des Bundesarchiv-Militärarchivs, hrsg. mit Unterstützung des Bundesarchivs und des Arbeitskreises Wehrforschung, Verlag E. S. Mittler & Sohn GmbH, Frankfurt am Main o. J., S. 130 und 132Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Dritter Band, Die Landstreitkräfte 6–14, bearbeitet auf Grund der Unterlagen des Bundesarchivs-Militärarchiv, hrsg. mit Unterstützung des Bundesarchivs und des Arbeitskreises Wehrforschung, Verlag E. S. Mittler & Sohn GmbH, Frankfurt am Main o. J., S. 184Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Sechzehnter Band, Verzeichnis der Friedensgarnisonen 1932–1939 und Stationierungen im Kriege 1939–1945, bearbeitet von Christian Zweng. Teil 2 Wehrkreise VII–XIII. Biblio Verlag, Osnabrück 1996, S. 211
Nutzung zwischen 1945 und 1956 mini|DP-Baltic Camp Seedorf Nach einem kurzen Leerstand nach dem Abzug der deutschen Wehrmacht übernahm die britische Militärverwaltung das Lager. 1500 ehemalige sowjetische Kriegsgefangene aus dem Lager in Sandbostel erhielten hier eine Bleibe, bevor sie bis Juli 1945 in ihre Heimat zurückgebracht wurden. Am 1. Juli 1945 ging das Lager an die UNRRA über. Geführt wurde es vom UNRRA-Team 295 der Britischen Rheinarmee. Hauptaufgabe war die Unterbringung von Displaced Persons, zu denen vor allem auch Zwangsarbeiter gehörten, bis zu ihrer Weiterreise in aufnehmende Staaten, Rückkehr in ihre Heimatländer oder ihrem endgültigen Verbleib innerhalb Deutschlands. Den Sowjetsoldaten folgten zunächst etwa 10.000 Polen. Ab März 1946 wurde das Lager mit 2.100 Litauern, 1700 Letten und 200 Esten belegt. Im Lager organisierten sich die Balten und förderten ihre Kultur, Bildung und Religion. Seit Anfang 1948 verließen auswanderungswillige Menschen das Lager in andere Länder, darunter Großbritannien, Australien und Neuseeland. Am 1. Juli 1950 wurde das Lager unter deutsche Verwaltung gestellt. Obwohl immer mehr Menschen die Einrichtung verließen, befanden sich Mitte der 1950er Jahre noch ca. 650 Personen hier. Mit der Reduzierung der Lagerbewohner wurden bereits einige Baracken abgerissen. Im Herbst 1957 wurde das Lager aufgelöst und nahezu sämtliche Bauten abgebrochen.
Bau der Kaserne und Nutzung durch die Bundeswehr 1959 bis 1963 Für den Aufbau der 1955 gegründeten Bundeswehr benötigte das Bundesverteidigungsministerium neue Truppenunterkünfte. Dabei fiel die Entscheidung zum Bau von zwei Bataillonskasernen für den Standort Seedorf und es wurde 1956 ein erster Teilbetrag von 6 Millionen DM für die Errichtung der Anlage bewilligt. Das Vorhaben führte dazu, dass Landwirte ihre auf dem Gelände von Standortübungsplatz und Kasernenareal gelegenen Felder verloren. Nur in einigen wenigen Fällen wurden geringfügige Grundstücksänderungen zugunsten der zivilen Nutzungen vorgenommen. Zwischen Ende 1957 und Anfang 1959 entstanden die Kasernenbauten. Die ersten Soldaten zogen am 18. März 1959 ein.
Folgende Einheiten, Verbände, Dienststellen und Stäbe waren zwischen 1959 und 1963 hier stationiert:
Einheit Stationierung ab Herkunft Stationierung bis Verbleib Standortverwaltung Seedorf16. Februar 1959neu aufgestellt30. Juni 2003zur Standortverwaltung Rotenburg mit Außenstelle Seedorf zusammengeführtPanzergrenadierbataillon 731. April 1959neu aufgestellt13. September 1962verlegt nach Hamburg, Röttiger-Kaserne; dort am 31. März 1971 aufgelöstPanzerbataillon 741. April 1959neu aufgestellt30. Juli 1963verlegt nach Cuxhaven-Altenwalde, Hinrich-Wilhelm-Kopf-Kaserne; dort am 31. Dezember 2003 aufgelöstPanzergrenadierbataillon 711. Juni 1959verlegt nach Aufstellung am 1. April 1959 in Dörverden, Niedersachsen-Kaserne1. August 1963verlegt nach Cuxhaven-Altenwalde, Hinrich-Wilhelm-Kopf-Kaserne; umbenannt am 1. Oktober 1980 in Panzergrenadierbataillon 733./Versorgungsbataillon 76Februar 1960verlegt nach Aufstellung im Mai 1959 in Hamburg-Fischbek, Röttiger-Kasernezwischenstationiert in Bremervörde, heutige Elbe-Weser-Kaserne; schließlich ab April 1963 am Endstandort Stade, Von-Goeben-Kaserne mit anderen Kompanien des BataillonsUdo Brandes/Michael Neumann: „Die Dritte“ 1956–1994, Bremen o. J. (1994), S. 48Feldartilleriebataillon 7527. September 1961verlegt nach Aufstellung am 1. Juli 1959 in Achim, Steuben-Kaserne15. Juli 1963verlegt nach Hamburg, Röttiger-Kaserne; dort umgegliedert am 30. April 1966 zum Panzerartilleriebataillon 75Ausbildungskompanie 12/31. Januar 1962neu aufgestelltJuli 1963verlegt nach Stade, Von-Goeben-Kaserne; dort am 1. Oktober 1968 aufgelöst
Darüber hinaus waren in der Kaserne in Seedorf zwei weitere Ausbildungskompanien und eine schwere Instandsetzungskompanie stationiert. 2500 Soldaten versahen zu jener Zeit hier ihren Dienst.
Nutzung durch Niederländische Truppen 1963–2006 mini|Besuch des deutschen Bundespräsidenten Heinrich Lübke bei den niederländischen Truppen in der Kaserne Seedorf am 21. Juli 1967 mini|Niederländische Soldaten in der Kasernenkantine Seedorf Mit der Zuspitzung des Kalten Krieges, der Konfrontation von Warschauer Pakt und NATO sowie dem Bau der Berliner Mauer ab 13. August 1961 sah die Abschreckungs- und Verteidigungsstrategie die unmittelbare Beteiligung niederländischer Truppen vor. Die Vorneverteidigung erforderte eine Präsenz niederländischer Einheiten auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Dementsprechend suchten die Niederlande für die Stationierung einer Brigade eine eigene Garnison in Westdeutschland. Anfang 1962 entstand daher der Vorschlag eines Kasernentauschs zwischen den beiden Streitkräften. Während die niederländische Seite am 9. März 1962 den Legerplaats Budel anbot, schlägt das Bundeswehr-Streitkräfteamt am 25. September 1962 die Kaserne in Seedorf an. Am 17. Januar 1963 wurde das Budel-Seedorf-Abkommen zwischen der Bundesrepublik und den Niederlanden geschlossen, wonach die Bundeswehr die Kaserne Seedorf zur Stationierung der niederländischen 41. Panzerbrigade räumt und im Gegenzug den Legerplaats Budel zur Nutzung durch das Luftwaffenausbildungsregiment 2 erhält. Am 15. Mai 1963 nahm der niederländische Brigadestab der 41. Panzerbrigade (vorher: Leichte Brigade) seine Arbeit in Seedorf auf. Zwischen dem 20. Mai 1963 und dem 1. Juli 1963 verlegte das Luftwaffenausbildungsregiment 2 aus seinen bisherigen Standorten in der Kaserne in Altenwalde bei Cuxhaven und der Kaserne in Stade nach Budel in die Niederlande. Die in Seedorf stationierten Einheiten wurden im Juli und August in die frei gewordenen Unterkünfte in Altenwalde und in teilweise neu errichtete Gebäude der Röttiger-Kaserne nach Hamburg-Fischbek verlegt. Andere Einheiten zogen in die Stader Von-Goeben-Kaserne, um in der Röttiger-Kaserne Platz für Soldaten aus Seedorf zu schaffen. Noch im August 1963 kam als erste Einheit der Niederländer das 103. Verkenningsbataljon (Aufklärungsbataillon) in die Kaserne nach Seedorf. Feierlicher Einzug war am 2. September 1963.
Neben einem Stab und einer Stabskompanie bestand die 41. Panzerbrigade 1963 aus dem 42. Panzergrenadierbataillon, dem 41. Panzerbataillon (in Bergen-Hohne), der 41. Aufklärungsstaffel, der 41. Panzerpionierkompanie (in Bergen-Hohne), der 41. Sanitätskompanie, der 41. Instandsetzungskompanie und der 41. Nachschubkompanie. Darüber hinaus wurde ein niederländisches Truppenkommando (Commando Nederlandse Troepen) geschaffen. Dieses umfasste neben den Kasernenkommandos Seedorf und Hohne auch das 41. Pionier- und 103. Aufklärungsbataillon. Am 26. September 1963 war mit dem Einmarsch des 42. Panzergrenadierbataillon der Umzug in die Kaserne nach Seedorf abgeschlossen.
Die Bundeswehr übergab zudem 54 Wohnungen in Zeven an die niederländische Armee. 1964 kamen weitere 130 Wohneinheiten hinzu. 1965 öffnete die Prins Willem Alexanderschool.
1965 wurden die Sanitätskompanie, die Instandsetzungskompanie und die Versorgungskompanie zum 41. Nachschubbataillon zusammengelegt. 1966 kam die 41. Feldartillerieabteilung zur Brigade.
1973 erhielt die Brigade das 43. Panzerbataillon, das die Kaserne Langemannshof (Heidekreis, Niedersachsen) bezog. Entsprechend wurde unter dem niederländischen Truppenkommando eine weitere Kasernenkompanie in Langemannshof gebildet. Der Flugplatz Seedorf und die Schwimmhalle werden 1974 fertiggestellt. 1978 bekam die Brigade noch eine 41. Panzerflugabwehrbatterie (in Langemannshof). Der Verband wuchs damit zur stärksten niederländischen Brigade auf. Anfang 1983 gehörten zur Brigade der Stab und die Stabskompanie, das 42. Panzergrenadierbataillon, das 41. Panzerbataillon (in Bergen-Hohne), 43. Panzerbataillon (in Langemannshof), die 41. Feldartillerieabteilung, die 41. Aufklärungsstaffel, die 41. Panzerflugabwehrbatterie (in Langemannshof), die 41. Panzerpionierkompanie (in Bergen-Hohne) und das 41. Nachschubbataillon. Das niederländische Truppenkommando bestand zur selben Zeit aus dem 103. Aufklärungsbataillon, dem 41. Pionierbataillon sowie den Kasernenkompanien Seedorf, Hohne und Langemannshof.