Das Musée des Beaux-Arts de Brest ist das wichtigste Kunstmuseum der Stadt Brest in der Bretagne. Das Museum und seine Sammlung wurden nach dem Zweiten Weltkrieg neu aufgebaut. Das Museum wurde genauso wie der größte Teil der Stadt infolge des Bombardements der Alliierten zerstört. Mit bemerkenswerter Mühe konnte eine Sammlung alter Gemälde zusammengeführt werden. Es war die größte Sammlungsgründung in Frankreich seit 1945. Die Sammlung bietet ein Überblick über die französische und italienische Malerei über Jahrhunderte hinweg. Moderne Malerei ist gleichermaßen vertreten. Dies auch obwohl das Museum sich auf die Schaffung einer Sammlung alter Kunst als Zeuge vergangener Zeit für eine Stadt, die ihr Kulturerbe aufgrund der Bombardierung verlor, konzentrierte. Das Museum ist in einem 1968 vollendeten Gebäude untergebracht. Es ist typisch für die funktionelle Architektur der Nachkriegszeit in Brest.
Geschichte Von einem Kornspeicher… Im Jahr 1812 entschied die Gemeinde, einen Kornspeicher (grenier d'abondance) oder eine Markthalle für Korn (halle aux blés) zu errichten, um den Preis des Korns und damit des Brotes zu senken. Der Bericht des Architekten Voyer schätzt die Kosten dieser Konstruktion auf 250 000 Francs.AMBB 4M430, Bericht des Architekten Voyer, 21. März 1825.
Das Gebäude wurde zum Teil im alten Garten des Karmeliterordens, Eigentum des Armenhauses gekauft von der Stadt im Jahr 1820Delourmel, Histoire anecdotique de Brest, S. 284. sowie auf einem Privatgrundstück auf dem Platz der Halle aux Blés, heute der Platz Sadi-Carnot gebaut. Es war eine imposante Architektur mit 40 Metern Länge und 30 Metern Höhe. Das pyramidale Dach dominierte die Stadt. 1828 wurde der Grundstein durch Admiral Duperré gelegt. Fünf Jahre später am 15. September 1833 öffnete die Halle für die Öffentlichkeit zum Verkauf und zur Einlage von Weizen. Das Gebäude war komplett gepflastert mit 1600 Quadratmetern überdachter Fläche. In der ersten Etage wurde Tuch und andere Waren (Trockene Lebensmittel, Flachs, Fasern, Leder, Glaswaren) ausgelegt. mini|Erster Architekturplan der Halle aux Blés von 1826.
Zu einem multifunktionalen Ort Schrittweise öffnete sich der Kornspeicher auch anderen Funktionen. Im Jahr 1842 wurde das zentrale Schiff als Ballsaal anlässlich des Besuchs des Herzogs und der Herzogin von Nemours genutzt. Im August 1858 empfing die Gemeinde dort Kaiser Napoleon und Kaiserin Eugénie. Im Jahr 1853 wurde die erste Etage zur Bibliothek mit 35000 Bänden sowie Archiv der Stadt. Vorher befanden sich diese auf dem Dachboden des Rathauses. Der Verein Brestoise nutzte einen Teil des Erdgeschosses bis 1940 für diverse sportliche Aktivitäten (Fechten, Revolverschießen, Gymnastik etc.). Infolge des großen Feuers im Grand Théâtre, Place du Champ de Bataille (heute: Place Wilson) im Jahr 1866 wurde der Festsaal wieder in die Halle verlegt.
Die Idee von einem Museum in Brest ist seit den 1850er Jahren in den Köpfen und seit dieser Zeit werden dem Rathaus und der Société Académique de Brest (SAB) für das Museum angeboten. Darunter auch das Erbe des Uhrmachers Éléouët aus Landernau, der 1856 starb. Seine Münzsammlung bestehend aus 1200 bis 1300 Münzen, die er in 20 Jahren zusammengesammelt hatte, sollte für 4000 Francs den Besitzer wechseln. Sie deckte alle Epochen ab, von den Galliern bis ins 19. Jahrhundert.AM Brest, 2R40: Schenkungen und Depot (an XIII-1967). mini|Alfred Guesdon - Blick auf die Reede von Brest um 1850.
Gründung des Musée des Beaux-Arts de Brest Im Jahr 1868 schlug der Maler und Autor aus Brest Henri Hombron vor, ein Museum auf Grundlage eigener Bestände zu gründenAM Brest, 2 R 42: Korrespondenz (1875–1965), Brief vom 30. März 1868.. Er war außerdem Autor des Museumskataloges von Quimper im Jahr 1873 und von diversen Artikeln und künstlerischen Monographien. Er bekam nach einem Beschluss der Gemeinde ein Budget zur Errichtung des Museums. Der Präsident der SAB bat beim Kunstministerium darum, dass der Staat das Museum erweitert. Unterstützt wurde er dabei von dem Bürgermeister Auguste Salaün-Penquer. Die ministerielle Antwort fiel günstig aus, aber die Zuteilung der Kunstwerke konnte nicht stattfinden, außer während der offiziellen Öffnung des Museums. Der Krieg von 1870 unterbrach das Projekt.
Nach dem Krieg nahm Henri Hombron sein Projekt wieder auf. Er bat die Gemeinde um Zustimmung für Subventionen in der Sektion Kunst des SAB, um eine jährliche Malerei- und Zeichnungsausstellung zu veranstalten. Die SAB unterstützte die Kunstproduktion, in dem sie Preise und Belohnungen verteilte. Mit der Hilfe von zwei Konservatoren des Musée du Louvre, die in Brest während des Krieges 1870 Zuflucht fanden, restaurierten sie Bilder, die im Rathaus zwischengelagert waren.
Die Anfänge des Museums Der Bürgermeister Salaün-Penquer, der Gründungsmitglied der SAB war, hatte die Idee zu einer künstlerischen Ausstellung zugunsten der Armen im Inneren des Kornspeichers mithilfe von geliehenen Kunstwerken: mehr als 800 Bilder, Malereien, Druckgraphiken, Pastellen, Photographien, Aquarelle, Radierungen, Miniaturen, Kohlezeichnungen kamen zusammen. Die Ausstellung unter der Patronage der Gemeinde eröffnete am 3. Mai 1875 und es ergaben sich zahlreiche Schenkungen von Bildern und Objekten. Die Ausstellung wurde von mehr als 13000 Besuchern innerhalb 15 Tagen besucht.Louis Delourmel, Histoire anecdotique de Brest à travers les rues, Paris, 1923, pp, 288-289.Jean Foucher et Georges-Michel Thomas, La vie à Brest de 1848 à 1948, Les événements, Brest, 1975, pp. 68-70.
Am Ende dieser Ausstellung wurde das Museum gegründet und fand in der Galerie der Getreidehalle Platz. Das Gebäude hatte seine Rolle als Kornspeicher wegen der Entwicklung des Getreidehandels verloren. Nach Umbaumaßnahmen öffnete das Museum am 9. September 1877 seine Türen. Ausgestellt wurden 50 Bilder und 65 Zeichnungen oder Druckgraphiken sowie Naturobjekte, die von seefahrenden Marineoffizieren eingebracht wurden. Außerdem kam eine komplette Sammlung Mineralien und Steine des Departements, die M. Barillé schenkte, in drei Sälen hinzu.
Die Frau des Bürgermeisters Léocadie Salaün-Penquer, eine Dichterin, genannt die Brester Muse, unterhielt einen literarischen Salon Rue du Château, wo sie Dichter wie Victor Hugo, Leconte de Lisle oder José-Maria de Heredia empfing, hatte sicherlich eine wesentliche Wirkung auf die Entstehung des Museums.
Henri Hombron wurde durch den gemeindlichen Beschluss vom 27. Oktober 1875 bestätigt durch den präfektorialen Beschluss vom 9. August 1884 der erste Konservator des Museums. Er stattete in der ersten Etage zwei Galerien mit 500 Bildern, 65 Zeichnungen und Druckgraphiken aus. Der Ausstellungssaal wurde also erweitert und nahm Platz der kommunalen Bibliothek und des Zeichensaales ein. In einigen Jahren hatte sich die Sammlung vervierfacht dank des bewilligten Budgets durch den Gemeinderat und von großzügigen Spendern.
Dank der Gründung des Museums wurde Brest in die Liste derjenigen Städte aufgenommen, die von dem Kunstministerium jährlich ein Bild geschenkt bekamen.mini|Erstes Ausstellungsplakat des Musée des Beaux-Arts de Brest - 1877. mini|alt=|Medaillon mit Léocadie Salaün-Penquer.
Umbau der Säle Der Konservator verfolgte die Vergrößerungsumbauten der Museumsräume. Diese Umbaumaßnahmen wurden 1873 bis 1880 realisiert. Das Museum setzte sich aus drei großen Sälen von fünf Metern, zwei Räume maßen 20 Meter Länge und dem mittleren Raum von 25 Metern. Sie werden von einem Kabinett mit 5 m² abgrenzt. Der kleinere Raum war für Statuen, Zeichnungen und Druckgraphiken reserviert. In anderen Vitrinen wurden Kunstobjekte, Kuriositäten, Münzen, Medaillen sowie eine Mineralien- und Fossiliensammlung gezeigt.
In den Jahren 1893–1894 wurden erneut Umbauten begonnen, um einen großen Festsaal und eine große Ehrentreppe anzubauen. Hier sollte der Präsident Sadi-Carnot würdig empfangen werden. Dieser kam aus gesundheitlichen Gründen schlussendlich nicht.Pascal Le Meur, « La halle-aux-blés à Brest », Les Cahiers de l'Iroise, n° 165, janvier 1995, p.77 Das Museum eröffnete 1894 erneut seine Türen mit acht Ausstellungsräumen im Erdgeschoss.mini|Ausstellungsraum im Erdgeschoss.
Am 22. April 1896 wurde der Platz zur Getreidehalle in Platz Sadi-Carnot zu Ehren des verstorbenen Präsidenten umbenannt.
Die mit Kunstwerken bedeckten Wände und die vollen Vitrinen stellten ein zusammengewürfeltes Ensemble dar. Die Bilder waren ohne Klassifikation nach Epoche oder Schule gehängt. Bis zu seinem Tod 1917 akkumulierte der Konservator Hombron zahlreiche Stücke.
Auf Initiative von M. Léonard, Konservator des Museums wurden am 1907 städtische Kunstkurse angeboten. Sie fanden in der Grundschule des Petit-Couvent (heute Place Wilson) oder im Museum statt.
Infolge einer Erbschaft des Marinekommissars Danguillecourt und seines Schwiegervaters des Vizeadmirals Cécille im Jahr 1920 bildeten 500 asiatische Objekte das Brester Erbe. 13 Vitrinen waren den Objekten des Fernen Ostens gewidmet.
Das Museum veranstaltete zudem temporäre Ausstellungen zur Malerei. Im Jahr 1923 wurde eine Ausstellung durch die Gesellschaft der Freunde der Kunst zugunsten der Katastrophen der Region von Tokyo veranstaltet, die Opfer eines Erdbebens wurden. Infolge dieser Ausstellung wurden chinesische und japanische Objekte in das Museum in Brest von der Marineabteilung des Louvre, ehemaliges Marinemuseum in Paris verlegt. Der Konservator Jean Lachaud wollte in den 1930er Jahren das Museum in Fragen des Fischfangs mit Booten und des Aquariums spezialisieren. mini|Saal im ersten Obergeschoss. Zerstörung des Museums Am 20. September 1938 lud der Generaldirektor der Künste im nationalen Bildungsministerium in Paris den Konservator Jean Lachaud ein, eine Liste von Objekten und Werken, die im Kriegsfall geschützt werden mussten, zu verfassen.
Ab September 1939 wurde ein Teil der Sammlung, darunter die Sammlung Danguillecourt und Rodellec du Portzic sowie einige wertvolle Werke (95 Objekte) durch die Gemeinde in das Château de Penmarch nahe Lesneven, Eigentum der Stadt Brest evakuiert.
Als sich der Konfliktherd näherte, wurde entschieden, dass per Eisenbahn die 27 Kisten von Penmarch in das Château Plessis-Macé nahe Angers dann in das Château de la Lorie gebracht werden sollte.
Eine zweite Evakuierung mit den restlichen Werken war vorgesehen. Die Leinwände wurden aus ihren Rahmen gelöst, aufgerollt und in Kisten verpackt. Der Mangel an Arbeitskräften und der Mangel an Transportmöglichkeiten erlaubte es nicht, sie an einen sicheren Ort zu bringen. Am 30. und 31. März 1941 wurden einige Werke nach dreistündigem Bombardement durch die RAF auf schweren Kreuzern im Hafen von Brest beschädigt.
Die allgemeine Evakuierung des Museums war für den 9. Juli vorgesehen. In der Nacht aber vom 4. auf den 5. Juli wurde das Museum komplett beim Großbrand infolge des britischen Luftangriffs von drei deutschen Kreuzern zerstört. In der Folge kam es zu Plünderungen in den Trümmern und die Dépêche de Brest forderte die Bewohner auf, die gestohlenen Objekte in die Reste des Museums zurückzubringen. Es folgte die Räumung, doch nur wenige Sachen konnten wiedergefunden werden: Spielmünzen, Eisenwaffen, ein bronzener Lauf. Die öffentliche Bibliothek suchte Zuflucht im Erdgeschoss in der Mädchenberufsschule (Rue Danton), dann wurde sie in zwei Klassen der Vorschule Bugeaud errichtet.
Wiederaufbau Am 27. Juni 1947 wurde das provisorische Museum in der Avenue Foch, nahe der städtischen Bibliothek und des Konservatoriums offiziell mit einer Wanderausstellung („Die französische Landschaft von Poussin bis heute“) mit 57 Zeichnungen und Aquarellen aus dem Louvre und aus dem Palais de Compiègne eröffnet. In dieser Zeit versuchte der Konservator die Sammlung hinsichtlich der Kriegsschäden und mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde wieder aufzubauen.