mini|Der Hofzwerg Johann Tramm d. J. am Markgrafenbrunnen in Bayreuth Johann Tramm (* 11. Dezember 1689 in Stammbach; † 1. Juli 1710 in Torgau) war der Hofzwerg von Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth (1671–1727) und wurde von Elias Räntz (1649–1732) am Markgrafenbrunnen in Bayreuth verewigt.

Leben Johann Tramm wurde am 11. Dezember 1689 in Stammbach geboren. Johann Ernst Teichmann (1694–1745), seit 1725 Pfarrer der Gemeinde, schrieb später in seinen Aufzeichnungen:

Sein Vater Johann Tramm d. Ä., ebenfalls kleinwüchsig, findet sich in einem 1694 angelegten Verzeichnis der vom Rat der Stadt neu aufgenommenen Bürger. Für den 5. Januar 1690 heißt es dort:

mini|Der Hofzwerg Johann Tramm d. J. (Detailaufnahme) Schon bald nach dem Jahr 1690 muss die Familie die Gemeinde Stammbach verlassen haben, denn das Johann Tramm d. Ä. zugewiesene Tropfhaus war seitdem anderweitig vergeben. Wahrscheinlich wurde die Familie an den markgräflichen Hof nach Bayreuth geholt, wo Vater Tramm als Saalmeister beschäftigt war.

Im Rahmen der Hochzeitsfeierlichkeiten zwischen Christiane Eberhardine, der ältesten Tochter des Markgrafen Christian Ernst (1644–1727), und Friedrich August (1670–1733) im Jahr 1693 in Bayreuth, wurde die Braut aufmerksam gemacht auf Vater und Sohn Tramm. Die über Jahrhunderte weitergegebene Anekdote, Johann Tramm d. J. sei beim Hochzeitsmahl in einer Riesenpastete verborgen mit den anderen Speisen zusammen aufgetragen worden und habe diese dann zum Erstaunen der Gäste verlassen, gilt heute, auch aufgrund des kindlichen Alters, als äußerst fraglich.

In der älteren Literatur ist außerdem kolportiert worden, dass Johann Tramm d. J. als „Hochzeitspräsent“ Christiane Eberhardine nach Dresden und später auf das Schloss in Pretzsch folgte. Auch das ist höchst unwahrscheinlich. Heute wird davon ausgegangen, dass der Markgraf Christian Ernst den Hofzwerg nach dem Tod seiner Ehefrau Sophie Luise (1642–1702) im Jahr 1702 seiner Tochter als „Geschenk“ vermachte. So steht es auch in der 1710 gedruckten Leichenpredigt von Gottfried Steinbrecher. Zusammen mit seinen Eltern und einer Magd lebte Johann Tramm d. J. seitdem in den Residenzen der sächsischen Kurfürstin in Torgau und Pretzsch. Über die Mutter sind keine weiteren Einzelheiten bekannt. Sie soll aber von normalem Wuchs gewesen sein und ihre Anwesenheit in Torgau ist für die Jahre von 1703 bis 1709 belegt.

1703 wird Johann Tramm d. J., er wurde wertschätzend als Marquis Sans Pareil (= Marquis Ohnegleichen) bezeichnet, das erste Mal in einer schriftlichen Quelle genannt. Bei einem Hoffest in Torgau erschien er als Kapuzinermönch verkleidet und trug ein humoristisches Loblied vor. Dieses wurde als so erinnerungswürdig erachtet, dass es noch im gleichen Jahr unter dem Titel Der bey Aller- Und Durchlauchtigsten Zusamenkunfft, Auf dem Schloß Hartenfelß zu Torgau Den 13. Decembris 1703. Unter der Capuciner-Cutte verkappete, Marqvis Sans Pareil gedruckt wurde. Die erste Strophe lautet:

Ein Mönch! Ein kleiner Mönch Von anderthalben Ellen Singt unvergleichlich froh In dulci Jubilo! Weil sogar überhohe grosse Gäste Zu einem Freudenfeste Die Mühe sich genommen Nach Torgau her zukommen.

Eva Seemann schreibt über diese Zusammenkunft in ihrem Werk Hofzwerge. Kleinwüchsige Menschen an deutschsprachigen Fürstenhöfen der Frühen Neuzeit folgendes:

Diese konfessionelle Auseinandersetzung führte zur endgültigen Zerrüttung der Ehe und Christiane Eberhardine lebte zunehmend zurückgezogen auf ihrem Schloss in Pretzsch an der Elbe. Zeitweise hielt sie sich auch auf Schloss Hartenfels in Torgau auf, wo 1705 Johann Tramm d. Ä. verstarb und am 30. Juni öffentlich beigesetzt wurde. In den kommenden Jahren wurde Johann Tramm d. J. für Christiane Eberhardine immer wichtiger.

Die Kurfürstin befand sich auf einer Badereise, als Johann Tramm d. J. völlig unerwartet mit 21 Jahren am 1. Juli 1710 auf Schloss Hartenfels an einem Schlaganfall verstarb. Beigesetzt wurde er auf dem Friedhof der Marienkirche. Welch hohes Ansehen er genoss, zeigte sich auch darin, dass Christiane Eberhardine ein aufwendiges Epitaph für ihn anfertigen ließ. Hinzu kam, dass er in Lebensgröße auf dem Markgrafenbrunnen in Bayreuth verewigt wurde. Im Besitz der Kurfürstin befanden sich außerdem zwei Ölgemälde des Marquis sans Pareil. Das eine zeigte ihn als Scaramunz und gilt heute als verschollen. Auf dem zweiten trägt er stolz die rote Uniform eines Grenadiers (Dieser Marquis noch einmal, in Grenadirer Habit, auf Leinwand voriger Größe). Es befindet sich heute im Besitz des Vemmetofte Klosters in Dänemark.

Leichenpredigt Die Beisetzung von Johann Tramm d. J. fand am 3. Juli 1710 in Torgau statt. Die später in den Druck gegebene Leichenpredigt hielt Gottfried Steinbrecher (1662–1732), der damalige Rektor der städtischen Lateinschule. Der Titel lautet:

Steinbrecher nahm in seiner Predigt auch Bezug darauf, wie Johann Tramm d. J. in den Besitz der Kurfürstin kam. Von einem „Hochzeitsgeschenk“ ist hier nicht die Rede:

Und auch auf den plötzlichen Tod und die Abwesenheit der Kurfürstin ging Steinbrecher in seiner Predigt ein:

Am Ende der gedruckten Predigt werden dem nunmehro seligen kleinen MARQUIS SANS PAREIL zum letzten Ehren und Andenken noch mehrere Grabschriften gewidmet, die sich vom Wortlaut her in der Inschrift des später angefertigten Epitaphs wiederfinden.

Epitaph Christiane Eberhardine ließ nach dem Tod Johann Tramms d. J. ein Epitaph für ihn anfertigen, das bis zur Zerstörung im Jahr 1810Warum und wie es zur Zerstörung des Grabmals kam, lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren. auf dem Friedhof der Marienkirche in Torgau stand. Es war aus Sandstein und hatte die Form eines kleinen, halb geöffneten Sarges, in dem die Figur des von ihr so geschätzten Hofzwergs abgebildet war. Die ausführliche und umlaufende Inschrift lautete:

Überliefert ist die Inschrift in der Chronik Annales der Stadt und der Parochie Pretzsch von 1540 bis 1840, nach sichern gedruckten und schriftlichen Nachrichten gefertigt und niedergeschrieben des Pfarrers von Pretzsch Johann Gottlieb Tepohl (1772–1844).

Quellen Der bey Aller- Und Durchlauchtigsten Zusamenkunfft, Auf dem Schloß Hartenfelß zu Torgau Den 13. Decembris 1703. Unter der Capuciner-Cutte verkappete, Marqvis Sans Pareil, o. O., 1703, Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Halle (Saale), 2012 Gottfried Steinbrecher: Das durch Gottes Wunder-Hand gebildete Meister-Stück der Natur, 6 Bl. (Predigt mit vier Grabschriften), Torgau 1710, Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Halle (Saale), 2012 Gottfried Steinbrecher: Das durch Gottes Wunder-Hand gebildete Meister-Stück der Natur, 3 Bl. (Predigt mit einer Grabschrift), Torgau 1710, Staatsbibliothek zu Berlin, 2022

Literatur Kurt Meyerding de Ahna: Die Neubürger von Stammbach in den Jahren 1659–1691. In: Archiv für Sippenforschung und alle verwandten Gebiete, Jg. 10, H. 2, Limburg 1933, S. 55 f. Karl Müssel: Ein echter Zwerg als Hochzeitsgeschenk. In: Der Heimatbote (Monatsbeilage „Nordbayerischer Kurier“), Jg. 26, H. 1, Bayreuth 1993, S. 1 f. Stephan Müller: Hochfürstliche Kammerzwerge. In: Oberfränkischer Heimatkalender, Jg. 222, Bayreuth 2001, S. 56. Hans-Joachim Böttcher: Christine Eberhardine. Prinzessin von Brandenburg-Bayreuth, Kurfürstin von Sachsen und Königin von Polen – Gemahlin August des Starken. 2. Aufl., Dresden 2011, S. 211, 226 ff., 300 f., ISBN 978-3-941757-25-7. Hans-Joachim Böttcher: Die Hofzwerge der Christiane Eberhardine. In: Torgauer Heimatkalender, Jg. 6, Torgau 2011, S. 64–69. Helmut Hennig: Johann Tramm – der „Marquis sanspareil.“ In: Archiv für Geschichte von Oberfranken, Bd. 92, Bayreuth 2012, S. 117–121. Helmut Hennig: Streifzüge durch die Geschichte Stammbachs. Bd. 2, Bayreuth 2014, S. 56 ff. Silke Herz: Königin Christiane Eberhardine – Pracht im Dienst der Staatsraison. Schriften zur Residenzkultur, Bd. 12, Berlin 2020, S. 124 f., 462, 572 f., ISBN 978-3-86732-333-8. Eva Seemann: Hofzwerge. Kleinwüchsige Menschen an deutschsprachigen Fürstenhöfen der Frühen Neuzeit. Frühneuzeit-Forschungen, Bd. 24, Göttingen 2023, S. 7 ff., 12, 84, 96 f., 101, 130, 223 f., 232, 242 ff., 249, 355, 384, 404, 516, ISBN 978-3-8353-5414-2.

Weblinks Tramm, Johann Datenblatt auf dem Portal der Deutschen Biographie Tramm, Johann (Hofnarr) Datenblatt auf dem Portal der Deutschen Digitalen Bibliothek Tramm, Johann Datenblatt auf dem Portal von CERL Die Geschichte der Bayreuther Markgrafentochter – mit Briefen fing es an Bayreuther Tagblatt vom 30. November 2019 Die Hofzwerge in Sachsen Artikel von Joachim Böttcher, veröffentlicht auf dem Portal Sachsen-Lese

Einzelnachweise

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