Der Giro d’Italia 2024 war die 107. Austragung der italienischen Grand Tour. Das Straßenradrennen startete am 4. Mai 2024 in Turin und ging am 26. Mai 2024 in Rom zu Ende. Die Rundfahrt führte über 21 Etappen und beinhaltete zwei Ruhetage. Der Giro d’Italia war auch im Jahr 2024 ein Teil der UCI WorldTour.

Gesamtsieger wurde der Slowene Tadej Pogačar (UAE Team Emirates), der das Maglia Rosa auf der 2. Etappe übernahm und sechs Etappen gewinnen konnte. Er gewann die bislang schnellste Austragung des Giro d’Italia mit einem Vorsprung von neun Minuten und 56 Sekunden, dem größten Zeitunterschied seit dem Jahr 1965. Platz zwei ging an den Kolumbianer Daniel Felipe Martínez (Bora-hansgrohe), dessen Vorsprung 28 Sekunden auf den Gesamtdritten Geraint Thomas (Ineos Grenadiers) betrug.

Weiterhin gewann Tadej Pogačar auch die Bergwertung, während Jonathan Milan (Lidl-Trek) zum zweiten Mal in Folge die Punktewertung für sich entschied. In der Nachwuchswertung setzte sich der Italiener Antonio Tiberi (Bahrain Victorious) durch, der als Gesamtfünfter einen Rückstand von zwölf Minuten und 49 Sekunden auf Tadej Pogačar aufwies. Die Mannschaftswertung gewann das französische Decathlon AG2R La Mondiale Team.

Teilnehmende Mannschaften und Fahrer

Nach dem Reglement der Union Cycliste Internationale waren die 18 UCI WorldTeams zum Start berechtigt und verpflichtet. Zudem qualifizierten sich automatisch die zwei in der UCI-Weltrangliste des Vorjahres bestplatzierten UCI ProTeams Lotto Dstny und Israel-Premier Tech. Da die belgische Lotto Dtsny Mannschaft auf ihr Startrecht verzichtete, konnte der Veranstalter drei Wildcards vergeben. Diese erhielten die UCI Pro Teams VF Group-Bardiani CSF-Faizanè, Polti-Kometa und das Tudor Pro Cycling Team. Für jedes Team sind acht Fahrer startberechtigt. Am 2. Mai 2024 – zwei Tage vor Beginn der Rundfahrt – wurden die Fahrer im Rahmen einer Teampräsentation am Castello del Valentino in Turin vorgestellt.

Gesamtklassement

Als Top-Favorit galt der Slowene Tadej Pogačar (UAE Team Emirates), der in den Jahren 2020 und 2021 die Tour de France gewann und im Jahr 2024 das Double aus Giro d’Italia und Tour de France anpeilt, was zuletzt Marco Pantani im Jahr 1998 gelungen war. Mit der Katalonien-Rundfahrt bestritt Tadej Pogačar in der laufenden Saison bislang nur ein Etappenrennen, bei dem er sich jedoch vier der sieben Etappen sicherte und so die Gesamtwertung, Punktewertung und Bergwertung gewann. Weiters siegte er bei der Strade Bianche und dem Monument Lüttich–Bastogne–Lüttich, wo er sich nach langen Solofahrten durchsetzte. Sein einziges weiteres Rennen im Vorfeld des Giro d’Italia war Mailand–Sanremo, wo er als Dritter ebenfalls auf dem Podium stand. Auf den Bergetappen erhielt Tadej Pogačar Unterstützung von Rafał Majka und Felix Großschartner, während ihm auf den flacheren Etappen in erster Linie Domen Novak, Mikkel Bjerg und Vegard Stake Laengen zur Verfügung standen.

Neben Tadej Pogačar starteten mit Geraint Thomas (Ineos Grenadiers) und Nairo Quintana (Movistar Team) zwei weitere Grand-Tour-Sieger bei der Rundfahrt. Wie bereits im Vorjahr konnte Geraint Thomas in seiner Vorbereitung auf die Italien-Rundfahrt keine Top-Resultate einfahren. Mit der Algarve-Rundfahrt, Katalonien-Rundfahrt und der Tour of the Alps absolvierte er zuvor drei Etappenrennen, wobei er Letztere auf dem 13. Gesamtrang beendete. Mit Thymen Arensman, der den Giro d’Italia des Vorjahres als Gesamtsechster beendete, Tobias Foss, Magnus Sheffield, Jhonatan Narváez und Filippo Ganna, konnte der 37-jährige Brite auf ein starkes Team bauen. Nairo Quintana bestritt nach seiner einjährigen Abwesenheit von der UCI WorldTour den Giro d’Italia zum dritten Mal. Im Vorfeld des Giro d’Italia konnte der Gesamtsieger des Jahres 2014 jedoch nicht mit seinen Leistungen überzeugen. Im Jahr 2024 bestritt er die Tour Colombia und die Katalonien-Rundfahrt, wobei er Letztere nicht zu Ende fuhr. Unterstützung erhielt Nairo Quintana von seinem jüngeren Landsmann Einer Rubio, der im Vorjahr eine Bergankunft des Giro d’Italia gewann und Elfter der Gesamtwertung wurde.

Weitere bekannte Gesamtklassement-Fahrer waren Cian Uijtdebroeks (Team Visma-Lease a Bike), Ben O’Connor (Decathlon AG2R La Mondiale Team), Daniel Felipe Martínez (Bora-hansgrohe), Romain Bardet (Team dsm-firmenich PostNL), Eddie Dunbar, Lucas Plapp (beide Team Jayco AlUla), Damiano Caruso (Bahrain Victorious) und Alexei Luzenko (Astana Qazaqstan Team). Neben Cian Uijtdebroeks, Thymen Arensman und Lucas Plapp galten auch Antonio Tiberi (Bahrain Victorious) und Florian Lipowitz (Bora-hansgrohe), der zuvor mit dem dritten Gesamtrang bei der Tour de Romandie aufzeigte, als potentielle Siegesanwärter in der Nachwuchswertung.

Punkte- und Bergwertung

Mit Tim Merlier (Soudal Quick-Step), Fabio Jakobsen (Team dsm-firmenich PostNL), Caleb Ewan (Team Jayco AlUla), Jonathan Milan (Lidl-Trek), Olav Kooij (Team Visma-Leasa a Bike), Kaden Groves (Alpecin-Deceuninck), Fernando Gaviria (Movistar Team), Danny van Poppel (Bora-hansgrohe), Sebastián Molano (UAE Team Emirates), Phil Bauhaus (Bahrain Victorious), Ethan Vernon (Israel-Premier Tech), Alberto Dainese (Tudor Pro Cycling Team) und Max Kanter (Astana Qazaqstan Team) gingen etliche Top-Sprinter bei der 107. Austragung an den Start. Hinzu kamen mit Biniam Girmay (Intermarché-Wanty), Christophe Laporte (Team Visma-Leasa a Bike), Laurence Pithie (Groupama-FDJ), Matteo Trentin (Tudor Pro Cycling Team), Quinten Hermans (Alpecin-Deceuninck) und Luke Lamperti (Soudal Quick-Step) weitere endschnelle Fahrer, die auch mit hügeligem Terrain gut zurechtkamen.

Für die Bergwertung waren Fahrer wie Michael Woods (Israel-Premier Tech), Juan Pedro López (Lidl-Trek), Mauri Vansevenant (Soudal Quick-Step), Filippo Zana (Team Jayco AlUla), Michael Storer (Tudor Pro Cycling Team), Lorenzo Fortunato (Astana Qazaqstan Team), Esteban Chaves, Jefferson Cepeda (beide EF Education-EasyPost), Simon Geschke (Cofidis) und Domenico Pozzovivo (VF Group-Bardiani CSF-Faizanè) zu nennen, die voraussichtlich auf Etappensiege fahren durften und sich nicht in die Dienste eines Kapitäns stellen mussten.

Zeitfahren

In den beiden Einzelzeitfahren galten in erster Linie Tadej Pogačar (UAE Team Emirates) und Filippo Ganna (Ineos Grenadiers) als Favoriten, wobei dem erstgenannten der hüglige Kurs der 7. Etappe entgegenkam. Weitere Fahrer mit Zeitfahr-Qualitäten waren Geraint Thomas, Magnus Sheffield, Thymen Arensman, Tobias Foss (alle Ineos Grenadiers) und Mikkel Bjerg (UAE Team Emirates).

Strecke Insgesamt mussten auf den 21 Etappen 3317,2 Kilometer und 44.650 Höhenmeter zurückgelegt werden, was einem Tagesschnitt von 157,9 Kilometern entspricht. Im Jahr 2024 fand der Giro d’Italia ausschließlich in Italien statt. Auf dem Programm standen: sechs flache, fünf hüglige und acht Bergetappen, von denen sechs mit einer Bergankunft endeten. Zudem wurden zwei Etappen als Einzelzeitfahren ausgetragen, die insgesamt 71,8 Kilometer der Gesamtdistanz ausmachten. Im Vergleich zum Vorjahr blieb die Zahl der Zeitfahrkilometer konstant, während die Anzahl der Anstiege, die über 2000 Meter führen, deutlich abnahm. Der höchste Punkt der Rundfahrt (Cima Coppi) wurde auf der 17. Etappe mit dem 2218 Meter hohen Sellajoch erreicht, da das Stilfser Joch wegen Lawinengefahr aus dem Programm genommen werden musste und der Umbrailpass wetterbedingt nicht befahren wurde. Eine Besonderheit stellten die Schotter-Sektoren der 6. Etappe dar, die jedoch nur 11,6 Kilometer der Strecke ausmachten.

Etappenliste Die folgende Tabelle zeigt die Etappen mit Datum, Start- und Zielort, Kategorisierung und Etappenlänge. Außerdem sind der Etappensieger und der jeweils Führende in der Gesamtwertung nach der Etappe angegeben. In der ersten Spalte sind die Einzelartikel zu jeder Etappe mit detaillierten Angaben zu Platzierung und Rennverlauf angegeben.

Grande Partenza im Piemont mini|Das Schloss Venaria Reale Nach 1961, 2011 und zuletzt 2021 fand der Auftakt des Giro d’Italia bereits zum vierten Mal in Turin statt. Als Startort der 1. Etappe diente wie schon 2011 das Schloss Venaria Reale, das im Norden der Stadt liegt. Auf dem ersten Abschnitt mussten mehrere Anstiege, wie die Auffahrt zur Superga und der Colle della Maddelena überquert werden, ehe sich das Ziel neben der Chiesa della Gran Madre di Dio befand. Die 2. Etappe ging mit der ersten Bergankunft bei der Wallfahrtskirche von Oropa zu Ende, die am Ende einer 11,8 Kilometer langen Steigung auf einer Höhe von 1142 Metern liegt. Die Auffahrt nach Oropa stand zuletzt im Jahr 2017 im Programm der Italien-Rundfahrt und zählt zu den bekanntesten Anstiegen des Rennens. Tags drauf wurde der erste flache Abschnitt zwischen Novara und Fossano ausgetragen. Auch die 4. Etappe wurde im Piemont gestartet, ehe die Strecke an die Ligurische Küste führte und in Andora endete. Die letzten 60 Kilometer der Streckenführung wurden auf jenen Straßen absolviert, die jährlich einen Abschnitt des Klassikers Mailand–Sanremo bilden.

Erste Woche: Über den Apennin in den Süden mini|Blick auf Perugia, dem Zielort des ersten Einzelzeitfahrens Die 5. Etappe des Giro d’Italia führte von Genua aus ins südliche Lucca. Die 6. Etappe wurde zur Gänze in der Toskana ausgetragen und beinhaltete die durch die Strade Bianche bekannten Schotter-Sektoren der Region. Die drei unbefestigten Abschnitte machten jedoch nur 11,6 Kilometer der Streckendistanz aus, ehe das Ziel in Rapolano Terme erreicht wurde. Auf der 7. Etappe stand das erste Einzelzeitfahren auf dem Programm, das auf einer Länge von 38,5 Kilometern die beiden Städte Foligno und Perugia verband. Die letzten 6,5 Kilometer der großteils flachen Streckenführung wurden auf einem Anstieg zurückgelegt, der die Fahrer ins Zentrum von Perugia leitete. Im Zuge der 8. Etappe führte die Strecke in den Apennin, wo die zweite Bergankunft der Rundfahrt stattfand. Der Schlussanstieg von Prati di Tivo (1450 m) wies dabei auf einer Länge von 14,6 Kilometer eine Durchschnittssteigung von 7 % auf. Zum Abschluss der ersten Woche wurde wie bei den letzten beiden Austragungen eine Zielankunft in Neapel abgehalten, wobei das Streckenprofil im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren deutlich flacher war.

Zweite Woche: Entlang der Adria in den Norden mini|Blick auf Livigno, den Zielort der Königsetappe Nach dem ersten Ruhetag wurde die Rundfahrt am 11. Mai in Pompei fortgesetzt, ehe die 10. Etappe mit einer Bergankunft im Tourismus Resort Bocca della Selva unweit des Monte Mutria endete. Die 20,9 Kilometer lange Auffahrt von Cusano Mutri wies auf einer Länge von 20,9 Kilometern eine durchschnittliche Steigung von 4,6 % auf, wobei die letzten sieben Kilometer mit rund 7 % zum Ziel führten. Im Zuge der 11. Etappe erreichten die Fahrer die adriatische Küste, der sie tags drauf in Richtung Norden folgten. Dieser 12. Abschnitt beinhaltete zahlreiche, kurze Anstieg die im Hinterland absolviert werden mussten. Als Zielorte der beiden Etappen dienten Francavilla al Mare und Fano. Die 13. Etappe führte die Strecke auf flachen Straßen ins Landesinnere der Emilia-Romagna und endete in Cento. Das zweite Einzelzeitfahren fand am 14. Etappentag statt und wurde zwischen Castiglione delle Stiviere und Desenzano del Garda ausgetragen. Die 31,2 Kilometer lange Strecke verlief dabei ausschließlich auf flachem Terrain. Die 15. Etappe stellte mit einer Länge von 220 Kilometern die Königsetappe dar. Sie führte vom Gardasee nach Livigno, wo sich das Ziel nahe des Passo d’Eira auf einer Höhe von 2385 Metern befand. Zuvor musste mit dem Passo del Mortirolo (1854 m) einer der bekanntesten Anstiege der Italien-Rundfahrt überquert werden.

Dritte Woche: Entscheidung in den Alpen mini|Der Monte Grappa muss auf der vorletzten Etappe zwei Mal überquert werden