miniatur|Internationales Bachfest 1975 in Leipzig Das Bachfest ist ein Musikfestival, das jährlich in einer anderen Stadt durchgeführt wird. Initiator ist die Neue Bachgesellschaft.

Geschichte Das Bachfest wurde erstmals 1901 in Berlin durchgeführt.Gerald Felber: Kampf des Cembalos gegen zwei Flügel. Eine Ausstellung über die Geschichte der Bachfeste im Eisenacher Bachhaus. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Juni 2026, S. 11. Der Initiator war Hermann Kretzschmar, ein Gründungsmitglied der Neuen Bachgesellschaft. Diese Bachfeste sollten zur Verbreitung von Bachs Werken und gleichzeitig zum gegenseitigen Austausch dienen. Vorbilder waren die mehrtägigen Veranstaltungen bei der Einweihung des Bachdenkmals in Eisenach 1884 und das Bachfest in London 1895.Hermann Kretzschmar: Die Bach-Gesellschaft. Bericht im Auftrage des Directoriums. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1899, S. 46: „Heute liegt das weitere Schicksal eines grossen Theils Bach’scher Kunst bei der Einsicht und bei dem Eifer ihrer speciellen Freunde (...) . Da bietet sich nun als die beste Form (...) die Einrichtung regelmässiger Bachfeste. Solche Feste zeigt die bisherige Geschichte der Bach’schen Werke selbst beim zweihundertjährigen Geburtstag des Meisters nur als Ausnahmen und in bescheidener Anlage. In grösserem Stil sind sie nur in London (1895) und bei der Einweihung des Bachdenkmals in Eisenach (1884) versucht worden. (…) Eisenach, die Vaterstadt Bach’s, Leipzig, wo er gewirkt, Berlin, Frankfurt, Breslau, wo die Bachbewegung ihren Ausgang genommen hat, wären die Orte für solche Feste.“

Die Bachfeste fanden in verschiedenen deutschen Städten statt, darunter auch in solchen ohne biographischen Bezug zu Bach, wie Chemnitz, Duisburg, Breslau und Essen. Sie wurden zunächst in drei- oder zweijährigen Abständen durchgeführt, seit 1910 jährlich, unterbrochen zwischen 1915 und 1919 durch den Ersten Weltkrieg (mit einer kleinen Ausnahme 1917).

Seitdem kamen dort bekannte und unbekannte Werke Bachs zur Aufführung, dazu gab es Symposien und weitere Möglichkeiten des Austauschs, auch zu offenen Fragen zu dessen Werk und Aufführungspraxis. Die Bachfeste sollten ein „Mittel- und Sammelpunkt für alle Verehrer Bachs“ sein.Rudolf Eller: Die Neue Bachgesellschaft – Kontinuität und Wandlungen. In: Rudolf Eller (Hrsg.): 100 Jahre Neue Bachgesellschaft. S. 9–47, hier S. 11–12, zur Entstehungsgeschichte

Ein Höhepunkt war das Bachfest 1935 in Leipzig zu dessen 250. Geburtstag, als Teil des Reichsbachfestes, das das ganze Jahr in verschiedenen deutschen Städten durchgeführt wurde. Durch Radioübertragungen erreichten die Konzerte noch mehr zu Zuhörer und trugen zur Bekanntheits und Popularisierung Bachs bei.Rudolf Eller: Die Neue Bachgesellschaft – Kontinuität und Wandlungen. In: Rudolf Eller (Hrsg.): 100 Jahre Neue Bachgesellschaft. S. 9–47, hier S. 22–23 Zwischen 1940 und 1949 gab es keine Bachfeste.

miniatur|Bachfest Lübeck 1952 An 1950 fanden die Bachfeste abwechselnd in der DDR und in der Bundesrepublik statt, da die Neue Bachgesellschaft als gesamtdeutsche Organisation bestehen blieb. 1950 kam der Komponist Dmitri Schostakowitsch mit einer sowjetischen Delegation nach Leipzig.Christiane Gojowoj, Detlef Gojowoj: Šostakovič und das Bachfest 1950 Leipzig, in Die Musikforschung, 1/2002, S. 32–50 Informationen Seit 1979 gab es auch einige Bachfeste in ausländischen Städten wie Bratislava (1979), Graz (1983), Prag (1987) und Strasbourg (1988). Auch nach der deutschen Einheit 1990 wurde das Festival jährlich wechselnd in verschiedenen deutschen Städten ausgetragen, dazu einmal in Salzburg (2008).

In der Gegenwart wird das Bachfest von regionalen Veranstaltern organisiert, die Neue Bachgesellschaft bietet nur noch einen beratenden Rahmen. So wurden die Bachfeste 2000, 2005, 2010, 2015 und 2022 in Leipzig als Bachfest des dortigen Bach-Archivs durchgeführt.

Bachfeste Es gab bisher diese Bachfeste:Bachfeste Neue Bachgesellschaft, mit allen bisherigen Bachfesten

1901–1939

1. 21.–23. März 1901 Berlin 2. 1.–3. Oktober 1904 Leipzig 3. 26.–28. Mai 1907 Eisenach 4. 3.–5. Oktober 1908 Chemnitz 5. 4.–7. Juni 1910 Duisburg 23.–24. September 1911 Eisenach, kleines Bachfest 6. 15.–17. Juni 1912 Breslau 27.–28. September Eisenach, kleines Nachfest 7. 9.–11. Mai 1914 Wien 29.–30. September 1917 Eisenach, kleines Bachfest 8. 19.–21. Juni 1920 Leipzig 9. 3.–7. Juni 1921 Hamburg 10. 7.–9. Oktober 1922 Breslau 11. 23.–25. Juni 1923 Leipzig 12. 12.–14. Juli 1924 Stuttgart 13. 11.–13. Juli 1925 Essen 26.–27. September 1925 Köthen, kleines Bachfest 14. 30. September – 3. Oktober 1926 Berlin 15. 28.–31. Mai 1927 München 16. 20.–23. September 1928 Kassel 17. 8.–10. Juni 1929 Leipzig 18. 4.–6. Oktober 1930 Kiel 19. 3.–5. Juni 1932 Heidelberg 20. 7.–9. Oktober 1933 Köln 21. 6.–8. Oktober 1934 Bremen 22. 21.–24. Juni 1935 Leipzig 23. 10.–12. Oktober 1936 Königsberg (Preußen) 24. 26.–28. Juni 1937 Magdeburg 25. 22.–26. April 1938 Leipzig 26. 10.–12. Juni 1939 Bremen

1950–1990 27. 26.–30. Juli 1950 Leipzig (DDR) 28. 7.–10. September 1951 Bremen (D) 29. 5.–8. September 1952 Lübeck (D) 30. 3.–6. Juli 1953 Leipzig (DDR) 31. 26.–28. Juli 1954 Ansbach (D), zusammen mit den Bachtagen Ansbach 32. 1955 Leipzig (DDR) 33. 1956 Lüneburg (D) 34. 1957 Eisenach (DDR) 35. 1958 Stuttgart (D) 36. 1959 Mühlhausen (DDR) 37. 1961 Essen (D) 38. 1962 Leipzig (DDR) 39. 1964 Weimar (DDR) 40. 1965 Hamburg (D) 41. 1966 Leipzig (DDR) 42. 1967 Wuppertal (D) 43. 1968 Dresden (DDR) 44. 1969 Heidelberg (D) 45. 1970 Leipzig (DDR), als 2. Internationales Bachfest 46. 1971 Bremen (D) 47. 1972 Leipzig (DDR) 48. 1973 Nürnberg (D) 49. 1974 Frankfurt (Oder) (DDR) 50. 1975 Leipzig (DDR), als III. Internationales Bachfest der DDR 51. 1976 Berlin (West) 52. 1977 Schwerin (DDR) 53. 1978 Marburg (D) 54. 1979 Bratislava (ČSSR) 55. 1980 Mainz (D) 56. 1981 Leipzig (DDR), als IV. Internationales Bachfest der DDR 57. 1982 Würzburg (D) 58. 1983 Graz (Österreich) 59. 1984 Kassel (D) 60. 1985 Leipzig (DDR), als V. Internationales Bachfest der DDR und Teil der Bach-Händel-Schütz-Ehrungen 61. 1986 Duisburg (D) 62. 1987 Prag (ČSSR) 63. 1988 Strasbourg (Frankreich) 64. 1989 Leipzig (DDR), als VI. Internationales Bachfest der DDR 65. 1990 München (D)

Seit 1991 66. 1991 Berlin 67. 1992 Braunschweig 68. 1993 Bremen 69. 1994 Leipzig 70. 1995 Rostock 71. 1996 Freiburg im Breisgau 72. 1997 Frankfurt am Main 73. 1998 Köthen 74. 1999 Köln 75. 2000 Leipzig 76. 2001 Eisenach 77. 2002 Greifswald 78. 2003 Frankfurt (Oder) 79. 2004 Hamburg 80. 2005 Leipzig 81. 2006 Aschaffenburg 82. 2007 Freiberg (Sachsen) 83. 2008 Salzburg 84. 2009 Mühlhausen (Thüringen) 85. 2010 Leipzig 86. 2011 Wetzlar 87. 2012 Görlitz 88. 2013 Detmold 89. 2014 Weimar 90. 2015 Leipzig 91. 2016 Dresden 92. 2017 Ansbach 93. 2018 Tübingen 94. 2019 Rostock 95. 2021 Ohrdruf und Gotha 96. 2022 Leipzig 97. 2023 Eutin/Plön 98. 2024 Münster 99. 2025 MünchenBachfeste Neue Bachgesellschaft, zu den letzten Bachfesten

Regionale Bachfestivals Seit 1949 gibt es weitere regionale Bachfeste, die in einzelnen Jahren auch mit dem Bachfest der Neuen Bachgesellschaft kooperieren. Dazu gehören Bachwoche Ansbach, seit 1947 Würzburger Bachtage, seit 1969 Bachfest Leipzig, seit 1999, jährlich Bachfest Eisenach, seit 2017 jährlich

Literatur Rudolf Eller: Die Neue Bachgesellschaft – Kontinuität und Wandlungen. In: Rudolf Eller (Hrsg.): 100 Jahre Neue Bachgesellschaft. S. 9–47, besonders S. 11–36, zur Geschichte der Bachfeste

Weblinks

Bachfeste Neue Bachgesellschaft

Einzelnachweise

Kategorie:Festival der klassischen Musik in Deutschland Kategorie:Erstveranstaltung 1901 Kategorie:Johann Sebastian Bach als Namensgeber