mini|hochkant=1.2|Gebrauchte Pelze auf dem Londoner Portobello Road Market (2007) Secondhandpelze, Vintagepelze oder Gebrauchtpelze stellen, dank des hohen Wertes des Handelsartikels Pelz, bei entsprechender Nachfrage einen wesentlichen Anteil am Markt für getragene Kleidung. Gewerbliche oder gemeinnützige Kleidersammlungen forderten in der Vergangenheit auch zum Abgeben nicht mehr getragener Pelze auf.Thomas Schloz: Die Geste des Sammelns. Stuttgart 2000; zugleich Tübingen, Universitäts-Dissertation 2000, ISBN 3-8311-0671-1, S. 9; books.google.de Ein Pelz wird beim Tod des Besitzers zumeist nicht weggeworfen, sondern an die nächste Generation oder in deren Umkreis vererbt, wo er häufig durch eine Pelzumgestaltung dem neuen Träger angepasst, modisch aktualisiert oder sonst wie umgestaltet wird (Pelzinnenfutter, Pelzdecke usw.). Ein kleiner Teil gelangt in den Secondhandhandel, heute vor allem auch in Onlineauktionen oder sonstigen Internetverkauf.

Der Handel mit gebrauchten Pelzen wurde in der Vergangenheit in Deutschland in der Regel, wohl hauptsächlich aus Imagegründen, nicht von Kürschnern oder sonstigen Pelzeinzelhändlern wahrgenommen. Bei entsprechend großer Nachfrage gab es spezielle Anbieter für getragene Pelze, daneben wurden sie immer auch im Einzelhandel mit getragener Kleidung vertrieben.

Gebrauchtpelz mini|„Pelzankauf“. Zeitweiliger Pelz-Secondhand-Shop eines Kürschners in Düsseldorf (2016–2020) Pelze werden zwar durchschnittlich länger getragen als andere Kleidungsstücke, als Naturprodukt unterliegen sie jedoch der Alterung. Das bedeutet eventuell ein zunehmendes Verbleichen besonders der Haarfarben, ein spröder werden des Haares sowie das morscher werden des Leders, das sich im Auftreten von Rissen an den besonders beanspruchten Stellen zeigen kann. Umgestaltungen von über dreißig Jahre alten Pelzen sind, vielleicht dank neuer Zurichtungsmittel, inzwischen jedoch keine Seltenheit. Allerdings hieß es von ungarischen Schaffellmänteln bereits 1864 in Pierer’s Universal Lexikon: „Viele Weiber tragen noch alte Pelze, welche über hundert Jahre alt sind, auf Kindeskinder übergehen u. hoch geschätzt werden“. Das Fortschreiten der Alterung ist abhängig von der Art der Lagerung, der Häufigkeit des Gebrauchs und der Qualität der Pelzzurichtung, der Gerbung.

Der Marktwert des alten Pelzes richtet sich nach der Nachfrage, diese unter anderem nach dem Wert des Fellart, wie zum Beispiel dem hochpreisigen Zobel oder dem preiswerten Kaninchen. Sehr wesentlich ist auch das womöglich inzwischen unmodern gewordene Design. Zudem verliert der Pelz erheblich an Verkaufswert durch offensichtliche Gebrauchsschäden, wie abgetragene Ärmel- oder Vorderkanten. Der Marktwert entspricht dabei nicht zwangsläufig dem Zeitwert, wie er im Schadenfall für eine Versicherung benötigt wird, also dem, was der Besitzer einmal für das Teil bezahlt hat, abzüglich Abschlägen für Alter und Abnutzung.

Mit Stand 2024 wurde in den Tageszeitungen fast täglich für den gewerblichen Ankauf von gebrauchter Pelzkleidung geworben. Verschiedene der Aufkäufer von Pelz und Gold erklärten dabei selbst, dass man sich vor unseriösen Geschäftspraktiken in acht nehmen soll: „Es ist reiner Etikettenschwindel: Geworben wird mit "Pelzankauf", doch gewollt wird Gold und Schmuck. Die Pelzankauf-Masche: Warum diese Art von "Altgoldankauf" innerhalb der Wohnung fast immer Abzocke ist, […].“Die Pelzankauf-Masche: Vorsicht! Homepage gold.de; abgerufen am 29. Februar 2024.Pelzankauf NRW - Sie möchten Ihren Pelz verkaufen? Homepage Pelzankauf Frank Nies. Abgerufen am 29. Februar 2024. Bestätigt wird diese Warnung zum Beispiel in einer viertelseitigen Anzeige mit der Abbildung diverser Pelze und dem Text: „Letzte Chance zum Saisonschluss! Wir zahlen bis zu 3.000 € für ihren Pelz!“. Und klein, darunter mit Anmerkungssternchen: „Verbindung Pelz mit Gold“.Firmenname eines rheinischen Unternehmens. In: Rheinische Post, Düsseldorfer Ausgabe, 7. März 2024, S. C6. Die Verbraucherzentrale Hessen riet 2019: „Der Markt für Gebrauchtpelze ist schwierig, die Preise deshalb deutlich niedriger als viele hoffen. Wer sich vorstellen kann, die Pelze selbst zu nutzen, kann gut erhaltene Stücke in fachkundigen Handwerksbetrieben umarbeiten lassen.“Der Wert des Pelzes - Bei Pelzankauf.de kann es teuer werden - für den Eigentümer des Pelzes. Verbraucherzentrale Hessen, 22. November 2019; abgerufen am 29. Februar 2024.

Der Handel mit den Pelzen bestimmter, insbesondere vom Aussterben bedrohter Tierarten, ist aufgrund des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens und anderer Vorgaben seit den 1970er Jahren eingeschränkt oder verboten. Auskünfte erteilt in Deutschland die jeweils zuständige Landesbehörde, in Nordrhein-Westfalen beispielsweise bei der Untere Landschaftsbehörde. Hier erhält man auch für Pelze, die nachweislich vor Inkrafttreten der entsprechenden Gesetze und Verordnungen erworben wurden, gegen eine Gebühr eine einmalige Verkaufsgenehmigung.

Geschichte mini|Pelze in einer Berliner Pfandleihe während der Deutschen Inflation 1914 bis 1923 mini|Curt Fuchs, Pelzwaren, Leipzig kauft Ihre auch vermotteten Pelzwaren zu höchsten Preisen (Werbung auf einem Bierdeckel) Bereits im 13. Jahrhundert war der Handel mit Fellen und Fertigpelzen in Europa hochspezialisiert. Im für den Handel mit Pelzen früh bekannten Paris wurden die hier angelieferten Felle in 26 verschiedene Kategorien sortiert, die Secondhandpelze in weitere 8. In der Schweiz sollten unter Heinrich von Thun († 1238) „alte Pelze nicht mehr aufgeputzt und als neue Ware verkauft werden dürfen“.Traugott Geering: Handel und Industrie der Stadt Basel. Zunftwesen und Wirtschaftsgeschichte bis zum Ende des VII. Jahrhunderts. Verlag Felix Schneider (Adolf Geering), Basel 1886; books.google.de

Aus dem alten England ist einiges über den Handel mit alten und getragenen Pelzen überliefert. Der Kauf eines alten Pelzes geschah häufig und das Tragen alter Pelze stellte kein Stigma dar. Sogar Henry, Earl of Derby (1531–1593), kaufte von einem Londoner Kürschner einen gebrauchten Pelz, um ihn für eines seiner Gewänder verarbeiten zu lassen. Pelze wurden von einer Generation auf die nächste weitergegeben. Wurden sie für das Renommee des Trägers zu schäbig, gingen sie auf den Gebrauchtwarenmarkt, ebenso wie viele der pelzbesetzten Livreen, die vielleicht nur ein Jahr lang getragen worden waren. Thomas Leggy war einer der reichsten Kürschner seiner Generation. Er war von 1343 bis 1357 Stadtrat von London, Bürgermeister von 1347 bis 1348 und dreimal Parlamentsabgeordneter. Überlieferte Dokumente deuten darauf hin, dass er, entgegen einigen anderen der wohlhabenden Londoner Kürschnern, außer dem Pelzhandel keine weiteren Interessen hatte. Möglicherweise verdiente er sogar sein gesamtes Vermögen mit neuen und gebrauchten Pelzen. Durch die Inspeximus-Charta von Elizabeth I. des Jahres 1560, adressiert an „Unsere geliebten Männer der Stadt London, genannt Skinners“, war es keinem Skinner (Kürschner) oder Pelzhändler erlaubt alte Pelze zu verkaufen, außer denen, die von Gewändern genommen werden, wie sie in der Charta aufgeführt waren. Denn sowohl von den alten Pelzen und Kapuzengewändern könnten die Adligen und andere der oben genannten Gemeinschaft glauben, dass sie neu sind, obwohl sie alt sind, von denselben Pelzhändlern wären sie oft getäuscht worden. Keinem Kürschner oder Pelzhändler war es deshalb gestattet, alten Pelz zu verkaufen, es sei denn, er stammt von in der Charta genannten Gewändern, das heißt von Kragen und Futtern und alten Kapuzenmänteln mit Pelzbesatz („hoods“). Kein Kürschner oder Pelzhändler sollte irgendwelche Pelze, die nicht alt sind, aus der zuvor genannten Ursache auf den Straßen und Wegen oder dem Markt in der genannten Stadt und deren Umkreis in keiner Weise zum Verkauf herumtragen.James Foster Wadmore: Some Account of The Worshipful Company of Skinners of London, Being the Guild of Fraternity of Corpus Christi. Blades, East & Blades, London 1902, S. 13, dazu auch Appendix I, S. 277 (englisch). Das heute übliche Färben von Pelzen, das schon in der Antike und auch im Europa des 12. und 13. Jahrhunderts bekannt war, wurde von den Kürschnerzünften überall wegen der Gefahr des Betrugs missbilligt und als den Interessen des Gewerbes widersprechend angesehen. In England wurden damals möglicherweise jedoch gebrauchte Pelze so behandelt.

In Deutschland bezahlte der Nürnberger Großkaufmann Anton Tucher 1507 für eine schon getragene schwarze Schaube mit Marderfellfutter 35 fl.Eva Nienholdt: Pelz in der Mode des 16. Jahrhunderts, Kapitel IV der Beitragsfolge Pelz in der europäischen Kleidung. Vorgeschichtliche Zeit bis Gegenwart. In: Das Pelzgewerbe, Nr. 1, 1956, Hermelin Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin / Leipzig, S. 19.

Im Jahr 1772 wurden aus dem russischen/sibirischen Daurien unter anderem „schlechte Pelzereien und Felle, selbst getragene Pelze“ exportiert.Carl Ritter: Die Erdkunde im Verhältniss zur Natur und zur Geschichte des Menschen oder allgemeine vergleichende Geographie als sichere Grundlage des Studiums und Unterrichts in physicalischen und historischen Wissenschaften. Dritter Teil, 2. Buch, Band II, zweite stark vermehrte und umgearbeitete Ausgabe. G. Reimer, Berlin 1833, S. 308; . 1813 traten in Preußen vereinzelt Fälle von Krätze auf. Man nahm an, dass sie auch durch die Pelze der aus Russland zurückgekehrten Soldaten übertragen sein könnten. Das Bestehen eines indirekten Infektionswegs mittels Kleidung wird auch heute zwar angenommen, inzwischen ist jedoch bekannt, dass Krätzmilben außerhalb des menschlichen Körpers bei wohnungsüblichen Temperaturen ihre Ansteckungsfähigkeit binnen 48 Stunden verlieren und absterben. Unter Hinweis auf eine am 10. März des Jahres erlassene Verordnung hieß es damals:

Der Kastorhut ist ein aus Biberhaar gefertigter Filzhut. Der vom 17. Jahrhundert bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts von Männern und Frauen getragene Hut war ein Vorläufer des Zylinders. Zum Verfilzen eignete sich am besten die Sorte „Castor gras“, fette Biber. Das waren bereits verarbeitete Felle, die von den Indianern schon so lange getragen oder als Bettdecken benutzt waren, dass die Grannenhaare ausgefallen und das Wollhaar ganz verfettet war. Für sie wurde 4 ½ bis 5 Franc für das halbe Kilo bezahlt. Die nächste Qualität war „Castor demi gras“, noch nicht so lange getragene Biberpelze mit einem Preis von 3 ½ Franc und zuletzt frische Felle mit 2 ½ Franc.Emil Brass: Aus dem Reiche der Pelze, 2. verbesserte Auflage. Verlag der „Neuen Pelzwaren-Zeitung und Kürschner-Zeitung“, Berlin 1925, S. 43, 64. Laut einer Auflistung der während einer Epidemie von 1879 in Hessen an Menschenblattern (Pocken) Erkrankten, befanden sich einige Kranke im Kreis Groß-Gerau, von denen drei starben. Als mögliche Urheberin wurde eine 18-Jährige vermutet, die in einer Hasenhaarschneiderei arbeitete. Bekannt ist, das die Ansteckung mit Pocken durch Einatmen von Staub passieren kann, wie zum Beispiel beim Ausschütteln von Kleidung. Das Unternehmen bezog Ware aus Polen und Russland, unter der sich nicht selten getragene Pelze befanden.Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Grossherzogliche Centralstelle für Landesstatistik, G Jonhaus’sche Hofbuchhandlung, Darmstadt 1887, Band 28, Heft 1, S. 52; books.google.de Eine derart lange Überlebenszeit des außerhalb des Körpers recht langlebigen Virus ist allerdings eher nicht anzunehmen.

Während es über das Mittelalter hinaus orts- und zunftfremden Händlern in den Städten verboten war, Kürschnerware zu verkaufen, besagt Krünitz Enzyklopädie von 1792, dass es Juden und anderen Personen unverboten sei, „alte Pelze und getragenes Pelzwerk zu erhandeln und wieder zu verkaufen“.Johann Georg Krünitz: Oekonomisch – technologische Encyklopädie, 57. Teil. Jochim Pauli, Berlin 1792. Abgerufen am 11. Februar 2024.