Die Energiewirtschaft der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) stützte sich hauptsächlich auf (Braun)-Kohle, Erdgas und Mineralöl, die etwa 90 % der Energie lieferten, sowie geringe Mengen von Kernenergie, Steinkohle und weitere Energieträger wie Wasserkraft. Mit Abstand wichtigster Primärenergieträger war die heimische Braunkohle, die etwa siebzig Prozent des Primärenergieverbrauchs ausmachte.
Zur Wende hatte die DDR mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 7,8 Tonnen Steinkohleeinheiten einen 20 % höheren Primärenergieverbrauch pro Kopf als die Bundesrepublik bei erheblich geringerem Lebensstandard. Nur in Kanada und den USA lag der Wert noch höher. Eine veraltete und energieaufwendige Produktionstechnologie, ein geringer Wirkungsgrad der Kraftwerke, hohe Netzverluste, mangelnde Sparanreize sowie das Übergewicht der energetisch minderwertigen Braunkohle führten zu einem übermäßig hohem Energieverbrauch bei gleichzeitig geringem Produktionsaufkommen.
Energiequellen und geographische Verteilung
Um ihren Energiebedarf zu decken, nutzte die DDR hauptsächlich Braunkohle, die 70 % ihrer Primärenergie lieferte. Daneben wurden Erdgas, Erdöl sowie kleinere Mengen Steinkohle, Kernenergie und weitere Energiequellen wie Wasserkraft eingesetzt. Der Anteil der Braunkohle war im Vergleich zur Bundesrepublik Deutschland deutlich höher, die vor allem auf Mineralöl (40 % ihres Energiebedarfs) setzte. Während der Braunkohleanteil in der Bundesrepublik stark zurückging (von 70 % in den Jahren 1973/74 auf 8 % im Jahr 1988), blieb er in der DDR bedeutend.
Die umfangreiche Braunkohleförderung führte zur Umwandlung von Landschaften in riesige Tagebauflächen, was zu ökologischer Verwüstung und dem Verlust natürlicher Lebensräume, wie beispielsweise im Umland von Leipzig, führte. Diese intensive Ausbeutung erschöpfte viele Regionen und veränderte ihre ursprüngliche Form unwiederbringlich.
Bedingt durch das hauptsächliche Vorkommen von Braunkohle im Mitteldeutschen und im Lausitzer Braunkohlerevier befand sich auch der Hauptteil der Kraftwerkskapazität der DDR in den Tagebaurandgebieten dieser Regionen. Besonders in den Bezirken Cottbus und Leipzig befanden sich viele Braunkohlekraftwerke, während in den nördlichen Bezirken der DDR nur sehr wenige größere Kraftwerke standen. Obgleich der Norden der Republik aufgrund seiner weniger dichten Besiedlung auch nur einen vergleichsweise niedrigen Energieverbrauch hatte, mussten sich die Verbrauchszentren in diesen Regionen hauptsächlich auf die Übertragungsnetze zur Deckung ihres elektrischen Energiebedarfs verlassen. Lediglich das Kernkraftwerk Greifswald als eines der leistungsstärksten Kraftwerke der Republik stellte ein Zentrum der Stromproduktion im Norden der DDR dar, lag aber selbst abseits größerer Verbrauchszentren. Die Übertragungsverluste im Verbundnetz beliefen sich Anfang bis Mitte der 1970er Jahre auf 3,1 % bis 3,8 %.
Organisatorisch wurde die Stromproduktion hauptsächlich durch die Betriebe des Kombinats Braunkohlekraftwerke Jänschwalde gewährleistet, die über rund zwei Drittel der installierten Kraftwerksleistung der DDR verfügten. Das Kombinat Kombinat Kernkraftwerke Greifswald betrieb das Kernkraftwerk Greifswald sowie das bedeutend kleinere und ältere Kernkraftwerk Rheinsberg. Kleinere Kraftwerke, insbesondere Heizkraftwerke inklusive solcher mit Kraft-Wärme-Kopplung, wurden hauptsächlich durch die Energiekombinate der Bezirke betrieben. Diese übernahmen zudem den Betrieb von Stromverteilnetzen sowie Gas- und Fernwärmenetzen. Hinzu kamen einige Industriekraftwerke. Das überregionale Stromübertragungsnetz wurde durch das Kombinat Verbundnetze Energie Berlin betrieben. Alle Organisationseinheiten unterstanden letztlich dem Ministerium für Kohle und Energie als zuständigem Energieministerium.
Ein weiterer systemkritischer Betrieb innerhalb der DDR-Energiewirtschaft war der VEB Gaskombinat Schwarze Pumpe. Durch das Gaskombinat wurde der nationale Bedarf an Stadtgas gedeckt. Die Produktion des weitverbreiteten Stadtgases wurde durch Kohlevergasung bewältigt. Auch das Gas-Verbundnetz wurde durch das Kombinat betrieben. Bis zum Ende der DDR wurde nur ein Bruchteil aller Haushalte durch Erdgas versorgt, da die einheimische Erdgasförderung und der teure Import von sowjetischem Gas nur für die Versorgung von Ost-Berlin und industriellen Abnehmern ausreichte. Die Mehrheit aller Haushalte war daher von Stadtgas abhängig. Die Vergasungsanlagen in Schwarze Pumpe waren für 80 % bis 90 % der republikweiten Stadtgasproduktion verantwortlich. Weiterhin wurden durch das Gaskombinat Koks und Briketts hergestellt.
Krise von 1973/74
Während der Ölkrise von 1973/74, als Öl knapp und teuer wurde und die Preise um 70 % stiegen und später sogar noch mehr, wurden in den westlichen Industrieländern Bedenken hinsichtlich zukünftiger Energieversorgung laut. Die DDR hingegen beruhigte ihre Bevölkerung und betonte, dass sie über ausreichende Energiemengen für die kommenden Jahrzehnte verfüge. Propagandaorgane wie das Neue Deutschland unterstrichen die Stabilität des sozialistischen Energiesektors im Vergleich zu den Turbulenzen in kapitalistischen Ländern.
Hohe Öl- und Gaspreise veranlassten jedoch die Sowjetunion im selben Zeitraum, die große Erdgaslagerstätte bei Orenburg zu erschließen und eine Erdgasleitung nach Uschgorod an der sowjetischen Westgrenze zu errichten. Dazu wurden zwischen der Sowjetunion und anderen Staaten des Ostblocks im Juni 1974 in Sofia auf der 28. Tagung des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) die Lieferung von Gas und Erdöl gegen Bauleistung an der Erdgasleitung vereinbart.
Während der Konstruktion von 1974 bis 1978 erhielten die beteiligten RGW-Länder in der Reihenfolge Bulgarien, Tschechoslowakei, Polen, DDR und Ungarn je einen etwa 550 Kilometer langen Bauabschnitt. Der Bauabschnitt der DDR, die Druschba-Trasse, verlief durch die Ukraine von Krementschug am Dnepr bis nach Bar in der Westukraine. Es war die größte Investitionsbeteiligung der DDR. Die Standorte der Baustellen waren Krementschug, Alexandrowka, Talnoje, Gaisin, Bar und Tscherkassy (am Dnepr), wo die Baustellendirektion ihren Sitz hatte. Die Trasse, benannt nach dem russischen Wort Дружба für „Freundschaft“, wurde von der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) als Zentrales Jugendobjekt der Freien Deutschen Jugend (FDJ) organisiert. Die Erdgastrasse wurde in mehreren Ausbaustufen über Jahrzehnte weiter ausgebaut.
Erdwärme und Windenergie In den 1980er Jahren erforschte die DDR die Erdwärme, hauptsächlich durch Bohrungen nach warmen Wasserquellen, insbesondere in den nördlichen Regionen. Gegen Ende des Bestehens der DDR tauchte die Windenergie auf, wobei bemerkenswerte Anlagen städtische Gebiete mit Energie versorgten.
Entwicklung der Kernenergie und das Tschernobyl-Unglück Ursprüngliche Pläne zum Bau von zwanzig Atomkraftwerken in den 1970er Jahren wurden durch verschiedene Faktoren, einschließlich bürokratischer Ineffizienzen, auf nur zwei abgeschlossene Anlagen bis 1990 reduziert: Kernkraftwerk Greifswald und Rheinsberg. Die Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 veranlasste vorsichtige Maßnahmen in der DDR, wie etwa den Verzicht auf den Verzehr von Produkten aus betroffenen Regionen.
Energiepartnerschaften mit der Sowjetunion Die Sowjetunion spielte eine entscheidende Rolle bei der Bereitstellung wesentlicher Energieressourcen für die DDR, darunter Erdgas, Öl und Mineralöl, im Austausch gegen Braunkohle. Diese Partnerschaft sicherte beiden Seiten während des Bestehens der DDR eine stabile Energieversorgung.
Weblinks https://core.ac.uk/reader/12163120 https://library.fes.de/fulltext/fo-wirtschaft/00269001.htm https://www.zeitklicks.de/ddr/das-system/wirtschaft/braunkohle-liefert-energie-doch-zu-welchem-preis https://www.mdr.de/geschichte/ddr/politik-gesellschaft/umwelt/tschernobyl-unglueck-reaktorkatastrophe-radioaktiv-ddr-krieg-ukraine-100~amp.html https://www.ndr.de/geschichte/schauplaetze/Windkraft-und-Erdwaerme-Erneuerbare-Energien-in-der-DDR,alternativenergie100.html mdr.de
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