mini|Justus Thiersch, Stabsarzt, Chefarzt, Medizinalrat, hinten, 5. von links Justus Friedrich Heinrich Thiersch (* 28. September 1859 in Erlangen; † 16. Dezember 1937 in Dresden) war ein deutscher Chirurg und Autor.
Familie Justus Thiersch war Sohn des Chirurgen und Mitbegründers der Transplantationslehre Carl Thiersch (1822–1895)https://www.google.de/books/edition/Fortpflanzung_Entwicklung_und_Wachstum_2/Q8WnDwAAQBAJ?hl=de&gbpv=1&dq=Transplantationslehre+Thiersch&pg=PA1173&printsec=frontcover und dessen Ehefrau Johanna von Liebig (1836–1926). Seinen Vornamen verdankt er seinem Großvater, dem Chemiker Justus von Liebig. Großvater väterlicherseits war der Altphilologe Friedrich Thiersch. Justus Thierschs Vater, der in München Medizin studiert hatte, wurde 1853 dort zum außerordentlichen Professor berufen, wo auch dessen zukünftiger Schwiegervater Justus von Liebig tätig war. Justus Thiersch und vier seiner fünf Geschwister kamen in Erlangen zur Welt, wo Vater Carl Thiersch 1854 zum ordentlichen Professor der Universität berufen worden war. Die Erlanger Zeit ging für die Familie 1867, mit dem Wechsel des Familienoberhauptes an die Universität Leipzig, zu Ende.https://www.google.de/books/edition/Carl_Thiersch/xhPf7UMCi4kC?hl=de&gbpv=1&dq=%22Carl+Thiersch%22&printsec=frontcover Die Familie wohnte ab diesem Zeitpunkt in Leipzig Rosentalgasse 13 Parterre.https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/87384/494
Am 23. Oktober 1888 heiratete Justus Thiersch Johannette Marie(a) Auguste von Hofmann (1865–1940), Tochter des Politikers Karl von Hofmann. Das Paar wohnte die ersten Jahre in Leipzig, Körnerstraße 27https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/87944/497 und hatte folgende Kinder:
Cora (1889–1941) ⚭ Adolf Eduard Wollrad Muencke (1875–1954) Hans (1894–1914) Heinrich (* 1898), Dr. phil Helene (Lenchen) (* 1898) Justus Th. Adolf (1903–1981)https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/ZASSYWYA5ZSXP3FBNWMO4YVZOCD4A2O5Adolf Thiersch, in: Georg Wiesing-Brandes: Walter Benjamin. Das Pariser Adressbuch. Eine Biographie des Exils im Spiegel. Wädenswil: Nimus, 2025, S. 507f.
Ab 1911 war Justus Thiersch mit Familie in Dresden wohnhaft, zunächst in der Gellertstraße 4https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/72501/1080 und später in der Deutschen Kaiserallee 10, heute Mendelssohnallee 24. An der zuletzt genannten Adresse lebte nach Thierschs Tod am 16. Dezember 1937 seine Frau bis zu ihrem Ableben im Frühjahr 1940.https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/74077/996
Neben dem Vater, dem Schwiegervater und den Großvätern sind weitere Persönlichkeiten im familiären Umfeld Thierschs zu finden, so der Zoologe Justus Carrière, Ehemann seiner Schwägerin, sowie seine Schwager, der Kirchenhistoriker Adolf von Harnack und der Historiker Hans Delbrück.
Leben Justus Thiersch besuchte als Kind in Leipzig die Thomasschule bis 1878 und nahm im selben Jahr an der Universität Freiburg das Studium der Medizin auf.https://books.google.de/books?id=6VLBH-HGJcIC&newbks=0&printsec=frontcover&pg=PA50&dq=%22Thiersch,+Justus%22&hl=de&redir_esc=y#v=onepage&q=%22Thiersch%2C%20Justus%22&f=false Am 21. Februar 1883 erwarb er die Promotion zum Doktor der Medizin.https://www.google.de/books/edition/Neue_medizinische_Welt/lSVgx17soJ4C?hl=de&gbpv=1&bsq=dr+%22justus+thiersch%22&dq=dr+%22justus+thiersch%22&printsec=frontcover
Aufzeichnungen zufolge arbeitete Justus Thiersch mindestens ab 1885 unter der Leitung von Ernst L. Wagner in der Medizinischen Klinik Leipzig, deren Chirurgische Abteilung sein Vater als Oberarzt leitete.https://www.google.de/books/edition/Verwaltungsbericht/HUVIAQAAMAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=dr+%22justus+thiersch%22&pg=PA517&printsec=frontcover
Im September 1887 nahm Thiersch an der 60. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte teil, die unter dem Zeichen der Anwesenheit von Carl Remigius Fresenius und Rudolph Virchow stand.https://www.google.de/books/edition/Tageblatt_der_Versammlung_Deutscher_Natu/1i5MAAAAYAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=%22Thiersch,+Justus%22&pg=PA72&printsec=frontcover Auch als Teilnehmer des 10. Internationalen Medizinischen Kongresses 1890 in Berlin wurde Justus Thiersch registriert.https://www.google.de/books/edition/Verhandlungen/90QuAAAAIAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=dr+%22justus+thiersch%22&pg=PA13&printsec=frontcover Ab 1895 wurde Justus Thiersch in Leipziger Veröffentlichungen als Schularzt benannt.https://www.google.de/books/edition/Dr_Paul_B%C3%B6rner_s_Reichs_Medicinal_Kalen/HlkocYKZQU4C?hl=de&gbpv=1&dq=%22Thiersch,+Justus%22&pg=RA1-PA334&printsec=frontcover In dieser Funktion beschäftigte er sich in seinen Fachartikeln mit den Themen Sportkleidung, der Schädigung des Körpers durch das Tragen eines Korsetts und der Tätigkeit der Schulärzte. Seine fachliche Sicht vertrat er als Vorsitzender des Deutschen Verbandes für Verbesserung der Frauenkleidung mit Sitz Leipzig.https://www.google.de/books/edition/Medizinische_Klinik/kScv-DZ4PwcC?hl=de&gbpv=1&dq=dr+%22justus+thiersch%22&pg=PA469&printsec=frontcover Er setzte sich für die Einführung von Turnkleidung für Mädchen in Leipziger Schulen ein.https://www.google.de/books/edition/Handbuch_der_krankenversorgung_und_krank/kGbNxmaihRcC?hl=de&gbpv=1&bsq=%22Thiersch,+Justus%22&dq=%22Thiersch,+Justus%22&printsec=frontcoverhttps://www.leipzig.de/jugend-familie-und-soziales/frauen/1000-jahre-leipzig-100-frauenportraets/detailseite-frauenportraets/projekt/goetz-fanny
Etwa 1910 endete Thierschs Zeit in Leipzig, denn ab mindestens 1911 wurde er als Bezirksarzt im Amtsbezirk Dresden-Altstadt beauftragt. Ab diesem Zeitpunkt trug er den Titel Medizinalrat.https://www.google.de/books/edition/Staatshandbuch_f%C3%BCr_das_Konigreich_Sachs/jptIAQAAMAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=%22Thiersch,+Justus%22&pg=PA356&printsec=frontcover Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges kamen auf Thiersch neue Aufgaben zu. In der Zeit vor dem Krieg war er als inaktiver Offizier registriert und damit bereit, als Chefarzt das Reservelazarett II in Königsbrück zu leiten. Mit diesem Dienst erlangte er die Titel Stabsarzt und Obermedizinalrat. Seine veröffentlichten Berichte über Infektionen im Kriegsgefangenenlager Königsbrück, hinterließen Eindrücke über die medizinische und logistische Herausforderung, die in dieser Zeit absolviert werden musste. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges war Justus Thiersch 59 Jahre alt.https://www.google.de/books/edition/M%C3%BCnchener_medizinische_Wochenschrift/FQSceSTtFnEC?hl=de&gbpv=1&dq=thiersch+k%C3%B6nigsbr%C3%BCck&pg=PA751&printsec=frontcover
Bei der Aufarbeitung der Kriegsgeschehnisse wurde auch Thiersch befragt. Dabei ging es um Fragen des Völkerrechts. Ehemalige französische Kriegsgefangene hatten berichtet, dass ungerechtfertigterweise behauptet wurde, Gefangene ihrer Nationalität seien häufiger als andere von „Schwindsucht“ betroffen. Für den Untersuchungsausschuss zur Weltkriegsverantwortlichkeit wurde Thiersch dazu befragt. Er hatte für die Entstehung dieser Situation keine Erklärung.https://www.google.de/books/edition/V%C3%B6lkerrecht_im_Weltkrieg/j-MkAQAAIAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=Thiersch+K%C3%B6nigsbr%C3%BCck&pg=PA307&printsec=frontcover 1914 waren innerhalb weniger Wochen mehr als 14.000 Kriegsgefangene in die kleine sächsische Stadt Königsbrück gebracht worden. 4000 davon waren französischer Herkunft. Der Untersuchungsausschuss stellte eine Rate von 20,8 % Tuberkulose-Fälle unter allen französischen Gefangenen insgesamt fest. In den ersten Monaten nach Eröffnung des Kriegsgefangenenlagers meldete Stabsarzt Thiersch 1400 Schwerverletzte, von denen 68 verstarben. Als gefährlichste Verletzung nannte er in diesem Zusammenhang die Schussverletzung am Oberschenkel. Er zählte 30 bis 40 Amputationen zu dieser Art der Verletzung.https://books.google.de/books?id=ZEJEAQAAMAAJ&newbks=0&printsec=frontcover&dq=Thiersch+K%C3%B6nigsbr%C3%BCck&q=Thiersch+K%C3%B6nigsbr%C3%BCck&hl=de&redir_esc=y
Aus den letzten Jahren Justus Thierschs Lebens ist bekannt, dass er ein Buch über das Leben seines Vaters veröffentlichte, mit dem Titel „Carl Thiersch: sein Leben“. Thiersch war Träger des Roten Adler Ordens 4. Klasse.https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/72501/1080 Im Alter von 78 Jahren verstarb Justus Thiersch 1937 in Dresden.
Veröffentlichungen Über die Anwesenheit von Salzsäure im Magensaft bei beginnendem Magenkrebs. Münchner Medizinische Wochenschrift. 1. Seite. 30. März 1886.https://www.google.de/books/edition/M%C3%BCnchener_medizinische_Wochenschrift/4Xez5vwElL8C?hl=de&gbpv=1&dq=dr+%22justus+thiersch%22&pg=PA221&printsec=frontcover Zur Casuistik der Hirn-Syphillis. Münchner Medizinische Wochenschrift. 1887.https://www.google.de/books/edition/Die_litteratur_%C3%BCber_die_venerischen_kra/1gQfAQAAIAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=Zur+Casuistik+der+Hirn-Syphillis+Thiersch&pg=PA273&printsec=frontcover Der Kassenarzt; Eine Darstellung der Gesetze für Versicherung der Arbeiter und ihrer Bedeutung für den praktischen Arzt. Verlag Johann Ambrosius Barth. 1895.https://digitalisate.sub.uni-hamburg.de/recherche/detail?tx_dlf%5Bid%5D=5988&tx_dlf%5Bpage%5D=5&tx_dlf_navigation%5Bcontroller%5D=Navigation&cHash=8c7ebd086717e45d6033d1f850c4abc1 Kurze Anleitung zur Sachverständigen-Thätigkeit des Arztes in der Kranken-, Unfall-, Invaliditäts- und Altersgesetzgebung; Dr. Paul Börner's Reichs-Medicinal-Kalender für Deutschland. 1895.https://www.google.de/books/edition/Dr_Paul_B%C3%B6rner_s_Reichs_Medicinal_Kalen/UZk-R1u6Ll4C?hl=de&gbpv=1&dq=Kurze+Anleitung+zur+Sachverst%C3%A4ndigen+-+Th%C3%A4tigkeit+des+Arztes+in+der+Kranken&pg=PA158&printsec=frontcover Ein Fall von symmetrischer Gangrän der Extremitäten (Raynaud’sche Krankheit). Tod in Folge von Apoplexie. Münchener Medizinische Wochenschrift. 1895.https://www.google.de/books/edition/Zentralblatt_f%C3%BCr_allgemeine_Pathologie/cnlJAAAAYAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=%22Thiersch,+Justus%22&pg=PA374&printsec=frontcover Ein Fall von Lähmung der Extremitäten nach acuter Arsenikvergiftung. Wiener Medizinische Blätter, Band 9. 1896.https://www.google.de/books/edition/Wiener_medizinische_Bl%C3%A4tter/UvQcIkShn6gC?hl=de&gbpv=1&dq=dr+%22justus+thiersch%22&pg=PA135&printsec=frontcover Die Schularztfrage. Ärztliches Vereinsblatt, Leipzig. 1897.https://www.google.de/books/edition/%C3%84rztliches_Vereinsblatt_f%C3%BCr_Deutschlan/pvWtrQxpcMoC?hl=de&gbpv=1&dq=%22Die+Schularztfrage%22+Thiersch&pg=PP2&printsec=frontcover Die Untersuchung der neueintretenden Schulkinder durch den Schularzt. Deutsche Vierteljahresschrift für öffentliche Gesundheitspflege. 1897.https://www.google.de/books/edition/Deutsche_Vierteljahrsschrift_fuer_oeffen/8GYBAAAAYAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=Die+Schularztfrage+Thiersch&pg=PA855&printsec=frontcover Schulgesundheitspflege. Realencyklopädie der gesammelten Heilkunde, 3. Auflage, Band XXII. 1899. Seite 47–60.https://www.google.de/books/edition/Handbuch_der_krankenversorgung_und_krank/kGbNxmaihRcC?hl=de&gbpv=1&bsq=%22Thiersch,+Justus%22&dq=%22Thiersch,+Justus%22&printsec=frontcover Die Schädigung des weiblichen Körpers durch fehlerhafte Kleidung nebst Bemerkungen über die Verbesserung der Frauenkleidung. Herm. Walter, Berlin. 1901.https://books.google.de/books?id=6TEiAQAAIAAJ&pg=PA62&lpg=PA62&dq=dr+%22justus+thiersch%22&source=bl&ots=zYuIBBUwhL&sig=ACfU3U36TE8Cc7YwBvFdxRELG4BD4KF_oA&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwjp06WBy92EAxWG97sIHabsAo84HhDoAXoECAMQAw#v=onepage&q=dr%20%22justus%20thiersch%22&f=false Demonstration eines Turnkleides für Schulmädchen. In Paul Schubert, Bericht über den 1. Internationalen Kongress über Schulhygiene, Nürnberg. 1904. S. 126 ff.https://www.google.de/books/edition/Bericht_%C3%BCber_den_I_Internationalen_kong/Cs-gAAAAMAAJ?hl=de&gbpv=1&bsq=Demonstration+eines+Turnkleides+f%C3%BCr+Schulm%C3%A4dchen&dq=Demonstration+eines+Turnkleides+f%C3%BCr+Schulm%C3%A4dchen&printsec=frontcover