Die Veterinärmedizinische Fakultät (VMF) ist eine der 14 Fakultäten der Universität Leipzig. Sie ist die Nachfolgeeinrichtung der Tierärztlichen Hochschule Dresden und wurde 1923 gegründet. Die VMF liegt im Leipziger Ortsteil Zentrum-Südost und ist die kleinste der fünf tierärztlichen Ausbildungseinrichtungen in Deutschland. Von 1968 bis 1990 war die Fakultät Teil der Sektion Tierproduktion und Veterinärmedizin, seit dem 1. Juli 1990 ist sie wieder eigenständig.
Die Veterinärmedizinische Fakultät besteht heute aus vier Zentren und dem Universitätsklinikum mit vier Kliniken. Derzeitiger Dekan ist der Virologe Thomas W. Vahlenkamp. Neben dem Studiengang Veterinärmedizin bietet die Fakultät auch tiermedizinische und diagnostische Dienstleistungen, Berufsausbildungen und Weiterbildungen für Tierärzte an. Seit 1998 organisiert die Fakultät den Leipziger Tierärztekongress, der alle zwei Jahre stattfindet und sich mittlerweile zum größten seiner Art in Mitteleuropa entwickelt hat. mini|hochkant=1.4|Haupteingang der Veterinärmedizinischen Fakultät an der Westseite des Campus, Straße An den Tierkliniken (2024)
Geschichte Gründungsphase mini|Das Gebäude des Instituts für Tierzucht und Geburtskunde bildet einen Teil der Grenze zur ehemaligen Kärntner Straße (heute Zwickauer Straße) und beherbergt heute die Abteilung Schwein der Klinik für Klauentiere (2024) Vorläufer der Fakultät war die Tierärztliche Hochschule Dresden. Hier wurde 1902 das Abitur als Zugangsvoraussetzung festgelegt, so dass sie nunmehr eine akademische Einrichtung wurde, die allerdings kein Promotionsrecht besaß. Deshalb erarbeitete das damalige Professorenkollegium eine Promotionsordnung, die 1907 vom Innenministerium akzeptiert wurde.Günther Michel, Hans Schleiter, Herbert Gürtler und Manfred Fürll: Die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig, hervorgegangen aus der Churfürstlichen Thier-Arzney-Schule zu Dresden. In: Manfred Fürll (Hrsg.): 100 Jahre Veterinärmedizinische Fakultät in Leipzig. Universität Leipzig, 2023, ISBN 978-3-00-076608-4, S. 15. Trotz mehrerer Umzüge und Erweiterungen seit 1774 platzte die Tierärztliche Hochschule Dresden aus allen Nähten, so dass sich erneut die Standortfrage stellte. Einige Hochschullehrer hielten bereits zuvor an der Universität Leipzig Vorlesungen und auch für die Studenten der Landwirtschaft waren veterinärmedizinische Lehrleistungen erforderlich. Zudem war unter Professor Anton Zürn vor dem Hospitaltor eine Tierklinik errichtet worden, die 1878 fertiggestellt wurde. 1899 übernahm August Eber die Leitung der nun in Veterinärinstitut umbenannten Einrichtung. Unter ihm wurde 1903 ein Neubau in der Linnéstraße errichtet. 1911 fällte das Kollegium der Tierärztlichen Hochschule Dresden den Beschluss, die notwendige Erweiterung durch Neubauten in Leipzig vorzunehmen und die Einrichtung an die Landesuniversität anzuschließen. Dieser Verlegung wurde vom Sächsischen Landtag am 20. Mai 1912 zugestimmt.Günther Michel, Hans Schleiter, Herbert Gürtler und Manfred Fürll: Die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig, hervorgegangen aus der Churfürstlichen Thier-Arzney-Schule zu Dresden. In: Manfred Fürll (Hrsg.): 100 Jahre Veterinärmedizinische Fakultät in Leipzig. Universität Leipzig, 2023, ISBN 978-3-00-076608-4, S. 17. Es gab zahlreiche Petitionen von BürgervereinenGünther Michel, Hans Schleiter, Herbert Gürtler und Manfred Fürll: Die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig, hervorgegangen aus der Churfürstlichen Thier-Arzney-Schule zu Dresden. In: Manfred Fürll (Hrsg.): 100 Jahre Veterinärmedizinische Fakultät in Leipzig. Universität Leipzig, 2023, ISBN 978-3-00-076608-4, S. 18., dem Landeskulturrat und dem Oberbürgermeister Dresdens gegen diese Verlegung. Mit dem Beschluss der II. Kammer des Landtags vom 31. März 1914 wurde der Umzug jedoch endgültig bestätigt.Günther Michel, Hans Schleiter, Herbert Gürtler und Manfred Fürll: Die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig, hervorgegangen aus der Churfürstlichen Thier-Arzney-Schule zu Dresden. In: Manfred Fürll (Hrsg.): 100 Jahre Veterinärmedizinische Fakultät in Leipzig. Universität Leipzig, 2023, ISBN 978-3-00-076608-4, S. 19. Der Beschluss wurde in der Thronrede des sächsischen Königs Friedrich August III. am 20. Mai 1914 vor dem Landtag verkündet.Günther Michel, Hans Schleiter, Herbert Gürtler und Manfred Fürll: Die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig, hervorgegangen aus der Churfürstlichen Thier-Arzney-Schule zu Dresden. In: Manfred Fürll (Hrsg.): 100 Jahre Veterinärmedizinische Fakultät in Leipzig. Universität Leipzig, 2023, ISBN 978-3-00-076608-4, S. 20. Zwischen 1912 und 1914 wurden die Planungen für den Umzug durchgeführt. Zudem musste mit dem Senat sowie der philosophischen und medizinischen Fakultät verhandelt werden, um die Vorstellung einer selbstständigen Fakultät durchzusetzen.
Für den Bau hatte die Stadt Leipzig der Universität ein 72.500 m2 großes Grundstück zwischen der damaligen Kärntner, Tiroler, Österreicher und Steirer Straße kostenlos überlassen.Hansjörg Müller: Die Veterinärmedizinische Fakultät Leipzig – Stationen ihrer baulichen Vergangenheit und Zukunft. In: Umschau der VMF, Nummer 2, 1992, S. 9.Die neue Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig. In: Berliner Tierärztliche Wochenschrift, Nummer 20, 1925, S. 1. 1915 waren die ersten Baupläne fertiggestellt, der Bau begann im Sommer 1916, wurde aber bereits wieder im November durch das wegen des Ersten Weltkriegs verhängte generelle Bauverbot unterbrochen. 1918 wurde der Baubetrieb wieder aufgenommen, die zunehmende Inflation und die schwierige Baustoffbeschaffung führten jedoch dazu, dass er auf Beschluss des Gesamtministeriums 1921 wiederum eingestellt werden sollte. Diese Entscheidung konnte durch Intervention der Leipziger und Dresdner Hochschullehrer abgewendet werden. Eingespart wurden jedoch vorerst die Gebäude des Veterinärphysiologischen Instituts, des Veterinär-Hygiene-Instituts und der Verwaltung. Im Herbst 1923 wurden die Institute und Kliniken der Nutzung übergeben.Günther Michel, Hans Schleiter, Herbert Gürtler und Manfred Fürll: Die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig, hervorgegangen aus der Churfürstlichen Thier-Arzney-Schule zu Dresden. In: Manfred Fürll (Hrsg.): 100 Jahre Veterinärmedizinische Fakultät in Leipzig. Universität Leipzig, 2023, ISBN 978-3-00-076608-4, S. 21. Zunächst stand noch zur Debatte, die Tiermedizin wie an der Ludwigs-Universität Gießen in die Medizinische Fakultät zu integrieren. Intensive Bemühungen durch den langjährigen Rektor der Tierärztlichen Hochschule Dresden, Wilhelm Ellenberger, führten dazu, dass die Medizinische Fakultät am 28. Februar der Gründung einer eigenständigen Fakultät zustimmte.Günther Michel, Hans Schleiter, Herbert Gürtler und Manfred Fürll: Die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig, hervorgegangen aus der Churfürstlichen Thier-Arzney-Schule zu Dresden. In: Manfred Fürll (Hrsg.): 100 Jahre Veterinärmedizinische Fakultät in Leipzig. Universität Leipzig, 2023, ISBN 978-3-00-076608-4, S. 22. Am 14. September 1923 wurde die Eröffnung der Veterinärmedizinischen Fakultät zum 1. Oktober 1923 vom Sächsischen Ministerium für Volksbildung beschlossen. 1923 bis 1924 wurde das Inventar der Tierärztlichen Hochschule nach Leipzig verbracht, die Bibliotheksbestände wurden in die Leipziger Universitätsbibliothek überführt.Günther Michel, Hans Schleiter, Herbert Gürtler und Manfred Fürll: Die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig, hervorgegangen aus der Churfürstlichen Thier-Arzney-Schule zu Dresden. In: Manfred Fürll (Hrsg.): 100 Jahre Veterinärmedizinische Fakultät in Leipzig. Universität Leipzig, 2023, ISBN 978-3-00-076608-4, S. 23. 1924 legte Ruth Eber ihr Staatsexamen in Leipzig ab und wurde Deutschlands erste Tierärztin.Michael Schimanski: 110 Jahre Zulassung von Frauen zum Veterinämedizinstudium. In: Dt. Tierärztebl. Band 71, Nummer 12, 2023, S. 1544–1548.
1923–1945 Das erste Professorenkollegium setzte sich aus namhaften Wissenschaftlern zusammen, neben August Eber waren der Anatom Hermann Baum, der Physiologe Arthur Scheunert, der Pathologe Ernst Joest, der Chirurg Oskar Röder, der Tierzüchter und Geburtskundler Johannes Richter und der Buiatriker Ewald Weber in ihm vertreten. Insgesamt gehörten dem Lehrkörper zehn ordentliche und zwei planmäßige außerordentliche Professoren, ein nichtplanmäßiger außerordentlicher Professor sowie sechs Privatdozenten an.Günther Michel, Hans Schleiter, Herbert Gürtler: Die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig hervorgegangen aus der Churfürstlichen Thier-Arzney-Schule zu Dresden. In: Günther Michel (Hrsg.): 75 Jahre Veterinärmedizinische Fakultät in Leipzig. Veterinärmedizinische Fakultät, 1998, ISBN 3-00-003420-X, S. 14. Hermann Baum wurde zum ersten Dekan gewählt. Er wurde 1930/31, als bislang einziger Tierarzt, auch Rektor der Universität Leipzig.Günther Michel, Hans Schleiter, Herbert Gürtler und Manfred Fürll: Die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig, hervorgegangen aus der Churfürstlichen Thier-Arzney-Schule zu Dresden. In: Manfred Fürll (Hrsg.): 100 Jahre Veterinärmedizinische Fakultät in Leipzig. Universität Leipzig, 2023, ISBN 978-3-00-076608-4, S. 28. In den 1930er Jahren erreichten einige Hochschullehrer das Emeritierungsalter, Hermann Baum verstarb 1932.Günther Michel, Hans Schleiter, Herbert Gürtler und Manfred Fürll: Die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig, hervorgegangen aus der Churfürstlichen Thier-Arzney-Schule zu Dresden. In: Manfred Fürll (Hrsg.): 100 Jahre Veterinärmedizinische Fakultät in Leipzig. Universität Leipzig, 2023, ISBN 978-3-00-076608-4, S. 27–29. Zeichen intensiver wissenschaftlicher Arbeit waren 15 Habilitationen zwischen 1925 und 1944, unter ihnen die von Georg Pallaske, Paul Cohrs, Hugo Grau, Adolf Meyn und Hans-Jürgen Voß. Zahlreiche Standardwerke stammten aus der Feder Leipziger Professoren.Günther Michel, Hans Schleiter, Herbert Gürtler und Manfred Fürll: Die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig, hervorgegangen aus der Churfürstlichen Thier-Arzney-Schule zu Dresden. In: Manfred Fürll (Hrsg.): 100 Jahre Veterinärmedizinische Fakultät in Leipzig. Universität Leipzig, 2023, ISBN 978-3-00-076608-4, S. 28.
mini|Zentraler Platz der VMF mit Reitplatz und Kleinfußballfeld. Das flachere Gebäude im Hintergrund ist die Rinderklinik, dieser Flügel der vormals Medizinischen Tierklinik wurde im 2. Weltkrieg komplett zerstört und erst ab 1997 neugebaut (2024)