mini|Pferdetor, 2013 mini|hochkant|1927 Das Pferdetor ist eine denkmalgeschützte Toranlage in Magdeburg in Sachsen-Anhalt.
Lage Das Tor befindet sich nordöstlich der Stadthalle Magdeburg im Magdeburger Stadtteil Werder, nahe des Heinrich-Heine-Platzes.
Architektur und Geschichte mini|links|Das Pferdetor im Hintergrund im Zusammenhang mit der ursprünglichen Umgebungsbebauung, 1927 Errichtet wurde das Tor 1926/1927 nach einem Entwurf von Albinmüller anlässlich der Deutschen Theaterausstellung 1927. Ursprünglich war es mit in diesem Bereich bestehenden Ausstellungshallen verbunden und markierte den Übergang vom südlich gelegenen Ehrenhof zum Fest- und Vergnügungspark.
Albinmüller setzte sich, vor dem Hintergrund fehlender Finanzmittel, für die Verwirklichung des Baus persönlich ein und bemühte sich um Spender. So waren die Klinker ein Geschenk einer Ziegelei. Die Plastiken wurden als Reklamestücke der Kieler Keramischen Fabrik ebenfalls kostenfrei, gearbeitet nach einem von Albinmüller angefertigten Modell, geliefert. Albinmüller selbst war zweimal in Kiel, um an den Pferdeplastiken zu arbeiten.
Im Zweiten Weltkrieg blieb das Tor, trotz erheblicher Zerstörungen im unmittelbaren Umfeld, erhalten. Auch in der Zeit der DDR blieb das Tor bestehen. Der in Magdeburg ausgetragene Triathlon-Wettbewerb startete im Umfeld des Tores.
Im Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt ist die Toranlage unter der Erfassungsnummer 094 06422 als Baudenkmal verzeichnet.Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Kultusministerium 19. 03. 2015 Drucksache 6/3905 (KA 6/8670) Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Seite 2614
Geplanter Abriss mini|hochkant|Schadhafte gesicherte Stelle am Pferdetor, 2024 mini|Umzäuntes Tor während der Umbauarbeiten an der Stadthalle, 2024 Im Jahr 2024 wurde bekannt, dass der Eigenbetrieb Kommunales Gebäudemanagement der Stadt Magdeburg, dem das Tor gehört, einen Abriss der Toranlage beabsichtigte. Als Begründung wurden umfangreiche Details zur Bauwerksgründung, zu Hochwasserschäden und vieles weitere genannt. Es bestehe daher ein hoher Sanierungsbedarf, der mit den ursprünglich vorgesehenen 120.000 Euro nicht erledigt werden könne. Nach dem Abriss sei ein Neuaufbau beabsichtigt. Die originalen Klinker sollten jedoch aus Kostengründen nicht mehr verwendet werden. Auch eine Nachbeschaffung von Klinkern mit dem beim Bau genutzten Oldenburger Format solle unter Kostengesichtspunkten vermieden werden. Die geplanten Gelder sollten nun für den Erhalt der Pferdeskulpturen verwendet werden. Im Übrigen könne man mit modernen Methoden die Optik wieder hinbekommen und zeigen, was Albinmüller wollte.Martin Rieß: Das Pferdetor muss fallen in Magdeburger Volksstimme 12. März 2024, Seite 13.
In der Kommunalpolitik war der Abriss jedoch umstritten, vor allem Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen, SPD, Linke und future! lehnten ihn ab. Lediglich die Gartenpartei sprach sich für eine bloße Rettung der Pferdeskulpturen und erst spätere Lösung für das Tor aus. Doch der öffentliche Protest auch der Denkmalschützer verhinderte den Abriss. So konnten bereits 2024 die Perdeskulpturen von den Sockeln gehoben und in eine Restaurierungswerkstatt gebracht werden. Diese Arbeiten waren im Juli 2026 abgeschlossen, parallel dazu erfolgte die denkmalgerechte Sanierung der gesamten Toranlage, wofür rund 1,5 Millionen Euro eingesetzt werden konnten. Sie stammten aus der Städtebauförderung, aus Denkmalfördermitteln des Landes Sachsen-Anhalt, der deutschen Stiftung Denkmalschutz und aus der Stadtkasse.Susanne Lenz: Wiehern im Rotehornpark, Berliner Zeitung, 17. Juli 2026., Seite 11.
Kurzbeschreibung und Bedeutung Das Tor als dekorative Fest- und Ausstellungsarchitektur gilt als eines der Hauptwerke Albinmüllers als Baukünstler und bedeutendes Zeugnis der expressiv-modernen Backsteinarchitektur der 1920er Jahre. Es zeigt die Bedeutung des späten Jugendstils für die Entwicklung der Architektur nach Ende des Ersten Weltkriegs. Gemeinsam mit der Stadthalle und dem Albinmüller-Turm gilt das Tor als bauliche Dominante des Areals und ist ein wichtiges Wahrzeichen der Stadt Magdeburg.
Die Gestaltung des Tores stellt eine Fortentwicklung des ebenfalls von Albinmüller entworfenen und bereits 1926 in Darmstadt aufgestellten Löwentores dar. Es bestehen sechs etwa zehn Meter hohe Pylone, die jeweils von einer Keramikplastik bekrönt sind, die ein springendes Pferd darstellt, woraus sich der Name des Tors ableitet. Die Plastiken wurden von Fritz Maenicke und Max Rossdeutscher geschaffen.Ute Kraft, Magdeburg – Architektur und Städtebau, Stadtplanungsamt Magdeburg, 2001, ISBN 3-929330-33-4, Seite 107 Sie symbolisieren das Sachsenross des Stammesherzogtum Sachsen.Martin Rieß, Streit um das Pferdetor in der Magdeburger Volksstimme vom 15. März 2024, Seite 15 Zwischen den Pylonen besteht jeweils ein leicht wirkendes, schmales, mit seiner Stärke von nur einem Klinker an eine Membran erinnerndes, als Rundbogen ausgeführtes Tonnengewölbe. Geprägt wird das Tor von einer eindrucksvollen Klinkerarchitektur, die sowohl maurermäßig als auch skulptural anspruchsvoll ist.
Literatur Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Landeshauptstadt Magdeburg. (= Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Band 14.) Michael Imhof Verlag, Petersberg 2009, ISBN 978-3-86568-531-5, Seite 289.
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Einzelnachweise
Kategorie:Kulturdenkmal in Magdeburg Kategorie:Erbaut in den 1920er Jahren Kategorie:Tor in Sachsen-Anhalt Kategorie:Skulptur (1927)