Die Tierarzneischule Jena war eine ab 1816 existierende veterinärmedizinische Hochschule, welche bis 1843 Tierärzte ausbildete.
Geschichte An der Gründung der Ausbildungsstätte war der berühmte Dichter Johann Wolfgang von Goethe beteiligt, der sich auch für vergleichende Morphologie interessierte. Er sprach sich für die Berufung von Theobald Renner als Professor für vergleichende Anatomie und Tierarzneikunst an die Universität Jena aus. Dieser wurde gleichzeitig als Ausbilder für Tierärzte an der „Thierarzneyschule“ bestellt. Die Gründung erfolgte durch Anweisung des damaligen Staatsministers Voigt am 3. September 1816. Die Tierarzneischule gehörte zunächst zu den Anstalten für Wissenschaft und Kunst im Großherzogtum Sachsen-Weimar und Eisenach. Renners Wirken führte zu einer Anerkennung, sowohl von Seiten der medizinischen Fakultät als auch der Landwirtschaft. Tierärzte wurden an der „Thierarzneyschule“ bis 1843 ausgebildet.Levit von Georgy, Uwe Hoßfeld & Petra Reinhold: Ein Visionär, der das Veterinärwesen in Thüringen reformierte., S. 521. Von 1845 bis 1847 war Obertierarzt Gustav Richter als Nachfolger von Renner in Jena aktiv. Das lag sowohl am geringen Budget der Schule als auch an der geringen Besoldung der Tätigkeit. Auch die Universität hatte wenig Interesse, die Einrichtung aufrechtzuerhalten, da sie mit Carl Gegenbaur und Ernst Haeckel exzellente vergleichende Anatomen besaß. 1844 wurde die Einrichtung in Großherzoglich Sächsische Veterinäranstalt umbenannt und an das Landwirtschaftliche Institut der Jenaer Universität angegliedert. Auch das Landwirtschaftliche Institut verfolgte andere Zielsetzungen. Bis 1911 wechselten die Direktoren in kurzer Folge.
Erst 1911, mit der Berufung Karl Hobstetters an die Universität, wurde die Veterinäranstalt vom Landwirtschaftlichen Institut losgelöst und wieder ein selbstständiges Institut der Universität. Ein tiermedizinisches Studium wurde in Jena aber nie wieder angeboten. Hobstetter setzte wichtige Impulse für die Institutionalisierung der Veterinärmedizin in Thüringen und entsprechend seiner Planungen konnte eine Modernisierung der Großherzoglich Sächsischen Veterinäranstalt durch einen noch heute existierenden Neubau, der ab 1915 genutzt wurde, in Jena realisiert werden.Hobstetter, P. (1937). Der Neubau der Großherzoglich Sächsischen Veterinäranstalt in Jena: Zugleich ein Gedenkblatt zum hundertjährigen Bestehen der Anstalt.Levit von Georgy, Uwe Hoßfeld & Petra Reinhold: Ein Visionär, der das Veterinärwesen in Thüringen reformierte. , S. 526. Auf Hobstetter folgte 1938 Victor Goerttler, der diese Einrichtung bis zu seiner Emeritierung 1962 leitete.von Petra Reinhold, K. D., Hoffmann, L., Meyer, H., Schubert, H., Uthe, D., & Levit, G. S. 200 Jahre „Thierarzneykunst “in Jena.von Georgy, S. L., & Hoßfeld, U. Goerttlers Weg zur Veterinärmedizin. Als Nachfolger Goerttlers übernahm Karl Rothe die Leitung bis 1968. Im Rahmen der dritten Hochschulreform der DDR wurde 1969 mit dem Ende der Landwirtschaftlichen Fakultät an der Friedrich-Schiller-Universität Jena auch die Abwicklung der Veterinäranstalt vollzogen. Aus der Veterinäranstalt gingen u. a. eine Kleintierklinik und 1976 ein Tierexperimentelles Zentrum (TEZ) unter Leitung von Ernst Schimke, das 1990 als Institut für Versuchstierkunde (IVTK) unter Leitung von Manfred Zieger (ab 2008: Institut für Versuchstierkunde und Tierschutz (IVuT)) der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena neu gegründet wurde, hervor.
Direktoren (Auswahl) Theobald Renner: von der Einrichtung 1816 bis 1845 Gustav Richter: von 1845 bis 1847 Ludwig Falke: von 1847 bis 1857 Robert Klee: von 1897 bis 1911 Karl Hobstetter: von 1911 bis 1938 Victor Goerttler: von 1938 bis 1962
Literatur
Einzelnachweise
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