mini|hochkant|St. Bonifatius in Oberstetten Die evangelische Pfarrkirche St. Bonifatius steht in Oberstetten, einem Stadtteil von Niederstetten im Main-Tauber-Kreis in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Verbundkirchengemeinde Wildentierbach, Rinderfeld, Wermutshausen und Oberstetten gehörte bis Ende 2024 zum bisherigen Kirchenbezirk Weikersheim und gehört seit 1. Januar 2025 zum Teilgebiet Weikersheim im neuen Kirchenbezirk Hohenlohe der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Geschichte und Baubeschreibung Ein Schenkungsbuch aus dem 12. Jahrhundert erwähnt die Schenkung von Besitztümern in Niederstetten, Vorbachzimmern, Laudenbach und einer Kirche in „Superiori Stetin“ (Oberstetten) eines Ehepaars Markwart und Perchthild an das Klosters Fulda, den Bestattungs- und Verehrungsort des bekanntesten christlichen Missionars und wichtigsten Kirchenreformers im Frankenreich. Die Schenkung ist nicht datiert, Indizien weisen aber in eine Zeit um 800. So alt ist die Bonifatiuskirche nicht, aber sie ist im Kern auf einen romanischen Bau zurückzuführen, wie vor allem aus vier Steinen an der Südostecke der Kirche, zwei außen und zwei innen, zu schließen ist – drei Steinfratzen und in der Fensternische beim Taufstein eine Heiligenfigur. Oberstetten gehörte im 13. Jahrhundert zu Hohenlohe-Brauneck; 1422 ging es an die Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber, in deren Besitz es 1605 endgültig bis 1803 kam und das um 1540 hier die Reformation einführte.

An den Chorturm wurde im 15. Jahrhundert nach Westen das ungewöhnlich hohe, für eine Doppelempore geeignete Langhaus mit starken Mauern angebaut, aus dessen Satteldach sich im Westen ein Giebelturm erhebt, wohl der Ausguck eines Türmers, der mit den Resten eines befestigten Kirchhofes die frühere Bestimmung als Wehrkirche nahelegt. Der Chorturm wurde später mit einem Geschoss aus Holzfachwerk aufgestockt, das die Turmuhr und den Glockenstuhl enthält, in dem eine Kirchenglocke von 1417 hängt. Darauf sitzt ein achtseitiger, schiefergedeckter Knickhelm.

Ausstattung Wandmalerei: Die Wandgemälde wurden 1908 entdeckte, aber erst 1964/66 bei der großen Kirchenrenovierung freigelegt und restauriert.Katalog der Wandmalereien in den Kirchen und Kapellen Baden-Württemberg’s von der ottonischen Zeit bis zur Renaissance, von Dipl.-Ing. Klaus Klünder und Christa Regina Klünder Ursprünglich besaßen anscheinend fast alle Wände von Chor und Schiff gotische Wandmalereien um 1300. Fragmente sind erhalten. Auf der Chorostwand wurde die Lebens- und Leidensgeschichte des Patrons der Kirche, des heiligen Bonifatius, erzählt. Erhalten ist die Spende der Taufe durch den Heiligen. Links und rechts vom Mittelfenster sind weitere Malereireste vorhanden. Auf der Chornordwand ist oben im Bogen ein sitzender Heiliger zu sehen; vor ihm kniet Bonifatius, rechts und links stehen zwei weitere Personen. Neben der Sakramentsnische ist Bonifatius mit der Mitra sitzend dargestellt; rechts und links assistiert von zwei stehenden Personen. Auch die Nordwand des Schiffes war von Wandgemälden bedeckt. Die Bilderfolge ist hier durch den Einbau von zwei Emporen zum großen Teil zerstört. Sichtbar sind noch neben der Christi Geburt Bilder der Leidensgeschichte: der Einzug in Jerusalem und Jesus vor Kaiphas. Auf der Chorbogenseite zum Schiff hin sind vom Jüngsten Gericht der Höllenrachen und ein Teufel übrig geblieben. Auf der Südwand des Schiffes ist hinter der Barockkanzel noch die Darstellung von Heiligen zu erkennen, aber nicht mehr zu deuten.

Kanzel und Altar: Unter dem Schalldeckel mit Bogenbekrönung steht die reich geschmückte Barockkanzel in der südöstlichen Langhausecke. Die Brüstungsfelder mit kleinen Skulpturen sind an den Korpusecken durch gewendelte Säulchen gegliedert. Ungewöhnlich ist der hohe Altaraufbau aus der Barockzeit, der mit seiner oberen Marienskulptur mit Jesuskind eher in einer katholischen Kirche heimisch sein könnte. Der Rahmenaufbau ist oben neben Maria mit Engelsfiguren. Das Hauptbild zeigt die Kreuzigung Jesu, flankiert von Moses mit den Gesetzestafeln und Johannes d. T. samt Lamm Gottes.

Taufstein: Am Taufstein von 1578 sind die Wappen von Rothenburg und Hohenlohe zu erkennen.

Orgel: Die Orgel mit 11 Registern im historischen Gehäuse des Vorgängerinstruments erbaute die Firma Konrad Koch aus Feuchtwangen.

Literatur

Ulrich Bernecker, Regine Burdinski: Unsere Kirchen – Ein Führer zu den Gotteshäusern des evangelischen Kirchenbezirks Weikersheim. (Hrsg.) Evangelisches Dekanat Weikersheim 2003, Seite 81–84

Weblinks

Die Kirche auf der Website der Verbundkirchengemeinde Wildentierbach Kirchbaudatenblatt

Einzelnachweise

Bonifatius St Bonifatius Kategorie:Bonifatiuskirche Kategorie:Kirche in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Kategorie:Saalkirche in Baden-Württemberg Kategorie:Chorturmkirche Kategorie:Romanische Kirche Kategorie:Bauwerk der Romanik im Main-Tauber-Kreis Kategorie:Gotische Kirche Kategorie:Gotisches Bauwerk im Main-Tauber-Kreis Kategorie:Kirchengebäude in Europa