Die Horak’schen Musikschulen, später mit vollständigem Namen „Eduard Horak’sche Clavier-, Orgel- und Gesangsschulen“Wiener Montags-Journal, 5. September 1904, S. 8. Österreichische Nationalbibliothek online wurden von Eduard Horak ab 1867 als private Musikschulen in Wien gegründet. Aus ihnen ging 1979 das Wiener Franz Schubert Konservatorium hervor.

Standorte Eduard Horak eröffnete seine erste Musikschule am 1. September 1867 mit seinem Bruder Adolf in seiner Privatwohnung in der Margaretenstraße. Wegen des großen Erfolgs wurde die Schule bald auf vier Standorte in Wien erweitert: Wieden: 1867 Margaretenstraße 24Eröffnungsanzeige in: Fremden-Blatt., 19. September 1867, S. 8. Österreichische Nationalbibliothek online, ab 1868 Heumühlgasse 4Neues Wiener Tagblatt, 9. September 1868, S. 6.Österreichische Nationalbibliothek online, ab 1877 Schickanedergasse 6Neues Wiener Tagblatt, 5. September 1877, S. 9. Österreichische Nationalbibliothek online, ab 1879 Preßgasse 19Neue Freie Presse, 31. August 1879, S. 13. Österreichische Nationalbibliothek online, ab 1885 Margaretenstraße 19 Mariahilf: 1872 Mariahilferstraße 97, um 1877 Hauptstraße 85, ab 1881 Zollergasse 6, um 1904 Kollergerngasse 4 Leopoldstadt: 1873 Asperngasse 1 Innere Stadt: 1880 Tiefer Graben 3, um 1904 Schulhof 4

Nach 1945 kamen Zweiginstitute in Baden (ca. 1946 bis September 1952: Antonsgasse 16, im Anschluss daran: Conrad-von-Hötzendorf-Platz 12a, 1. Stock)Die nur zwei Liegenschaften entfernt gelegene Musikschule (der Stadtgemeinde) Baden (Conrad-von-Hötzendorf-Platz 11) wurde 1960 auf Betreiben von Viktor Wallner (1922–2012) gegründet (ab 1964 Öffentlichkeitsrecht) und entstand ohne direkten Bezug zu Horak. und Bad Vöslau hinzu.

Pädagogisches Konzept Die Unterrichtsmethodik richtete sich nach den pädagogischen Grundsätzen von Johann Heinrich Pestalozzi und Adolph Diesterweg, nach denen der Schwerpunkt der musikalischen Ausbildung nicht auf einer „Dressur“ der technischen Fähigkeiten zu liegen habe, sondern auf der persönlichen Entwicklung, der „inneren Menschwerdung“, des Schülers als ein Gemeinschaftsprojekt aller Beteiligten.in: Franz Brixel, Festschrift zum Jubiläum des zwanzigjährigen Bestandes der Horak’schen Clavierschule, 1886/87, S. 4

Lehrbetrieb Der Lehrgang war dreistufig gegliedert. Er begann mit einer Vorbereitungsstufe, es folgten eine Mittelstufe und eine Ausbildungsstufe.

Neben dem Fach Klavier wurden die Fächer Orgel und ab 1883 Sologesang unterrichtet. Der Lehrplan umfasste neben der praktischen Ausbildung auch die Themenfächer Allgemeine Musiklehre (u. a. Musikdiktat), Harmonielehre, Kammermusik, Chorgesang und Musikgeschichte. Es fanden monatliche und jährliche Prüfungen sowie öffentliche Aufführungswettbewerbe statt. Außerdem wurden Vorbereitungskurse für die Staatsprüfung im Lehramt Musik angeboten.

Am 17. März 1877 besuchte Franz Liszt die Wiedener Schule und überzeugte sich von der hohen Qualität der Ausbildung.Neues Wiener Tagblatt, 20.März 1877, Nr. 77, 11. Jg., S. 5. Österreichische Nationalbibliothek online

Ab 1881 mussten alle Lehrende der Schule eine staatliche Prüfung für das Lehramt abgelegt haben.

Die Schülerzahlen entwickelten sich von anfangs 45 im Schuljahr 1867/68 auf 688 im Schuljahr 1878/79. Im Sterbejahr Horaks 1892 wurden 1029 Lernende unterrichtet und es arbeiteten ca. 70 Lehrkräfte an seinen Schulen.Jahresbericht der Horak’schen Musikschule, 1891/92, S. 7

Ab 1881 gab Horak die Leitung der einzelnen Standorte an seine Mitarbeiter ab, die vom k. k. Landesschulrat approbiert wurden. Die Wiedener Schule leitete Adolph Schmidt und Franz Urban, die Mariahilferschule Adolf Horak, die Leopoldstädter Schule Franz Brixel (1852–1914) und die Innere Stadt Chovan Coloman.Deutsche Kunst- und Musikzeitung 1887, Heft 30, S. 7. Österreichische Nationalbibliothek online Der Gründer Eduard Horak hatte Franz Brixel als seinen Nachfolger bestimmt.Die Lyra, Wien, 1.8.1893, S. 3 Brixel war einer seiner ersten Abgänger, er unterrichtete seit 1870 an der Schule, war auch dessen Sekretär. Von 1892 bis zu seinem eigenen Tod leitete Brixel die Schule als Konzessionär.Das Vaterland, Wien, Nr. 245, vom 5. September 1893, S. 8 Seine Nachfolge der Gesamtleitung übernahm 1914 Friedrich Spigl (* 1860), 1935 folgten Carl Ballon, 1937 Gisela Gurtner, 1959 Adolf Sedlak (1901–1979)Das Handbuch der Stadt Wien nennt in seiner Ausgabe 1983 nach wie vor Adolf Sedlak als Leiter der Institution. — Siehe. und 1980 Leopold Wech (1919–2008).

1941 wurden die Horak’schen Schulen in Wien in den Rang von Konservatorien erhoben und 1979 mit dem Tod des Ehepaares Adolf und Johanna SedlakSie erteilte an der Zweigstelle Weimarer Straße 33 Klavier- und Gesangsunterricht. in Franz Schubert KonservatoriumEigentlich: Konservatorium Franz Schubert für Musik und darstellende Kunst und Musikschulen ehem. Horak. — Siehe. umbenannt. Zur Entwicklung ab dieser Zeit siehe dort.

Bekannte Lehrende Rudolf Bibl (1929–2017), Orgel, Komponist Walter Bricht (1904–1970), Gesang, Klavier und Komposition 1934–38Homepage von Walter Bricht Abgerufen am 21. März 2024 Franz Brixel (1852–1914), Klavier, Sekretär, übernahm 1892 die Leitung der Schulen Ignaz Brüll (1846–1907), Klavierpädagogik ab 1872 Wilhelm Dörr, um 1876Annkatrin Babbe: Das Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, S. 149 Jakob Fischer (1849–1933), Musiktheorie und Chorgesang Hermann Graedener (1844–1929), Harmonielehre, deutsch-österreichischer Komponist Alfred Grünfeld (1852–1924), Komponist und Klavierpädagoge 1873–75 Theodor Helm (1843–1920), Ästhetik der Musik Herrmann Marx Franz Pyllemann (1841–1873), MusiktheorieAllgemeine Musikalische Zeitung, 4. September 1872, S. 580–582. Internet Archive Josef Reiter (1862–1939), Musikpädagoge und Komponist. 1986–93 Klavier, Gesang, Orgel Hermann Riedel (1813–1892), Komponist 1873–75 Franz Salmhofer (1900–1975), österreichischer Komponist, Dirigent und DichterVon 1923 bis 1926 Theorielehrer am Institut. — Siehe. Adolf Schmidt (1845–1905), Chor- und Sologesang, spätere Leitung Louis Thern (1848–1920), Klavierpädagoge ab 1884 Willy Thern (1847–1911), Klavierpädagoge Rudolf Weinwurm (1835–1911), Chorleitung Max von Weinzierl (1841–1898), Chorgesang Rudolf Willmers (1821–1878), Klaviervirtuose 1871

Bekannte ehemalige Studenten Gisela Gurtner, übernahm ab 1937 die Schulleitung Gisela Lorinser (1856–1899), Komponistin und Schriftstellerin Ferdinand Löwe (1865–1925), österreichischer Dirigent Raoul Walter (1863–1917), Opernsänger Franziska Weinwurm (1882–1953), Pianistin und Sängerin

Literatur Eduard Horak: Jahres-Bericht der Horak’schen Klavierschule (…) Schuljahr 1872–73. Institut (Selbstverlag), Wallishausser (Druck), Wien 1873, OBV. — Volltext online. Eduard Horak: Kinder-Klavierschule. Breitkopf & Härtel, Leipzig/Brüssel 1881, OBV. (Ausgabe um 1930: OBV.) Eduard Horak: Heilmittel gegen die Clavier-Epidemie. Für den Musik-Congreß zu Antwerpen (1885) verfaßt. Horak, Wien 1885, OBV. Eduard Horak: Musikalische Regeln für Eltern und Erzieher. Horak’sche Clavier-, Orgel- und Gesangschulen in Wien (Verlag), Brzezowsky (Druck), Wien 1890, OBV. — Volltext online. Horak’sche Clavier-, Orgel- u(nd) Gesangschule in Wien. Grundverfassungs-Statut. Vollzugsvorschrift zum Grundverfassungs-Statut. Brzezowsky, Wien 1892, OBV. Barbara Doblhamer: Eduard Horak 1838–1892, Leben und Werk. Diplomarbeit. Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Wien 1990, OBV. Barbara Boisits (Artikelverf., Hrsg.): Helm, Theodor Otto. In: Oesterreichisches Musiklexikon online. Austrian Centre for Digital Humanities and Cultural Heritage, Abteilung Musikwissenschaft, Wien 2002–, OBV. Letzte inhaltliche Änderung: 25. April 2003, abgerufen am 12. Jänner 2026.

Einzelnachweise

Anmerkungen

Kategorie:Musikschule in Österreich