Der Nationalpark Écrins () ist der fünfte französische Nationalpark, der besonders den Lebensraum im Hochgebirge schützen soll. Er liegt in den Dauphiné-Alpen zwischen den Städten Grenoble, Briançon und Gap. Sein Kernbereich liegt im Écrins-Massiv. Dort wurde bereits 1913 bei La Berarde ein Nationalpark gegründet, der aber nur kurz bestand. Erst 1973 wurde der Nationalpark Écrins auf Betreiben von Bergsteigern, Naturschutzverbänden und des Club Alpin Français offiziell gegründet. Der gesamte Park umfasst 1788 km² wobei die besonders geschützte Kernzone eine Fläche von 925 km² hat. Im Nationalpark Écrins wurden knapp 8000 verschiedene Pflanzen- und Tierarten beobachtet. Sie verteilen sich auf unterschiedliche Lebensräume, die von ca. 700 m Höhe bis 4102 m reichen.
Geographie
Der Nationalpark Écrins liegt in den Dauphiné-Alpen, einem Teilgebiet der Westalpen, genauer im Écrins-Massiv. Er liegt in Gemeindegebieten zweier Départements, Isère in der Region Auvergne-Rhône-Alpes und Hautes-Alpes in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Er ist auch Teil der sieben historischen, untergeordneten Provinzen Champsaur, Valgaudemar, Embrunais, Vallouise, Briançonnais, Oisans und Valbonnais.Karte der historischen untergeordneten Provinzen Durch den Park verläuft die Wasserscheide zwischen den Flüssen Isère und Durance. Die heutige Kernzone entspricht etwa dem Gebiet des 1973 gegründeten Nationalparks. Der Park liegt zwischen den Städten Gap (12 km Luftlinie), Briançon (13 km) und Grenoble (23 km). Er wird von den Tälern der Flüsse Romanche, Guisane, Durance und Drac begrenzt. Die besonders geschützte Kernzone des Park hat eine Fläche von 925 km². Sie ist umgeben von dem sogenannten Beitrittsgebiet von 863 m², in dem weniger strikte Schutzmaßnahmen gelten. Der gesamte Park umfasst also 1788 km².
links|mini|Nordwand des Barre des Écrins
Der Park liegt zwischen einer Höhe von ca. 700 m und 4102 m. In ihm liegen etwa 150 Berggipfel über 3000 m und er hat eine Gletscherfläche von etwa 100 km². Folgende Berge beherrschen das Relief des Nationalparks; in seinem nördlichen Teil Rateau, Soreiller, Meije und Grande Ruine, in seinen östlichen Teil Barre des Écrins, Ailefroide und Pelvoux sowie in seinen südlichen Teil Muzelle, Olan, Bans und Sirac, welche in die niedrigeren Massive von Champsaur und Embrunais übergehen.
Wichtige Gletscher im Écrins-Massiv sind der Glacier Blanc, der Glacier Noir und der Glacier d’Arsine. Der Glacier Blanc ist der längste Gletscher des Écrins-Massivs. Er beginnt an den Nordflanken des Barre des Écrins in einer Höhe von 4000 m und fließt über 5,5 km bis zum Ende seiner Zunge auf etwa 2450 m (Wert für 2015). Der Glacier Noir speist sich aus zwei Firnbecken. Diese liegen zum einen unterhalb des Col des Avalanches am Fuße des Pic Coolidge und zum anderen unterhalb des Col de Coste Rouge zwischen Ailefroide und Pic Coolidge. Der Glacier Noir ist mit Moränenschutt bedeckt, so dass kein Gletschereis sichtbar ist. Daher kommt auch sein Name „Schwarzer Gletscher“. Diese Schuttschicht aus Kies, Steinen und Felsblöcken ist im Durchschnitt 20 cm bis 30 cm dick und schützt das Eis vor der Sonneneinstrahlung. Der Glacier d’Arsine ist ein Kargletscher. Er liegt in einem weiten, nordseitigen Kessel, der von hohen Wänden umgeben ist, deren Gipfel zwischen 3200 m und 3600 m hoch sind und zu dem Montagne des Agneaux, dem Pic de Neige Cordier und dem Pic d'Arsine gehören. Als Besonderheit gilt, dass der Gletscher in seinem unteren Teil von Moränen bedeckt ist. Am Ende der Gletscherzunge, in einer Höhe von etwa 2470 m, liegen Seen hinter historischen Moränenaufhäufungen der Kleinen Eiszeit (ca. 1550–1850). Weitere große Gletscher im Parkgebiet sind der Glacier de Laurichard sowie die Gletscher der Meije (Glaciers de la meije).
links|mini|Ebene „Pré de Madame Carle“
Am Ende des 19. Jahrhunderts flossen der Glacier Blanc und der Glacier Noir auf etwa 1870 m in der Ebene zusammen, die Pré de Madame Carle genannt wird. Im Laufe des 20. Jahrhunderts gingen beide Gletscher stetig zurück. Dieser Gletscherrückgang wurde zwar von einzelnen Vorstößen unterbrochen, seit 1985 ist der Glacier Blanc aber um mehr als 750 m zurückgegangen.
Im Parkgebiet liegen teilweise oder ganz 54 Gemeinden, von denen nur fünf dem Nationalpark nicht beigetreten sind bzw. die Charta des Parks nicht unterzeichnet haben (Stand 2016). Gemeinden im Park A–FGemeinden im Park L–OGemeinden im Park P–SGemeinden im Park S–V Ancelle Aspres-lès-Corps Aubessagne Besse-en-Oisans Buissard Chabottes Champcella Champoléon* Chantepérier* Châteauroux-les-Alpes Clavans-en-Haut-Oisans Crots Embrun Entraigues Freissinières L’Argentière-la-Bessée La Chapelle-en-Valgaudémar La Grave La Motte-en-Champsaur Lavaldens* Le Bourg-d’Oisans Le Monêtier-les-Bains Les Deux Alpes Les Vigneaux Mizoën Orcières Oris-en-Rattier* Ornon Oulles Prunières Puy-Saint-Vincent Puy-Saint-Eusèbe Puy-Sanières Réallon Réotier Saint-Apollinaire Saint-Bonnet-en-Champsaur Saint-Clément-sur-Durance Saint-Christophe-en-Oisans Saint-Firmin Saint-Jacques-en-Valgodemard Saint-Jean-Saint-Nicolas Saint-Julien-en-Champsaur Saint-Léger-les-Mélèzes Saint-Maurice-en-Valgodemard Saint-Michel-de-Chaillol Savines-le-Lac Valbonnais* Valjouffrey Vallouise-Pelvoux Villar-d’Arêne Villar-Loubière Villard-Notre-Dame Villard-Reymond Der Stern (*) kennzeichnet die Gemeinden, die bis 2016 die Charta des Parks nicht unterzeichnet haben.
Hydrographie Der Nationalpark Écrins wird von mehreren Flüssen und größeren Bächen entwässert. Deren Wasser münden letztendlich in zwei Flüsse, den Drac im Westen und Norden und die Durance im Osten und Süden. Der Park verfügt außerdem über eine Vielzahl von Seen.mini|Vénéon bei La Berarde
Die größeren Nebenflüsse des Drac sind von Ost nach West aufgelistet. Ihre Mündungen sind nur dann angegeben, wenn sie nicht direkt in den Drac fließen. Romanche (78,3 km lang): Sie entspringt dem Glacier de la Plate-des-Agneaux in einer Höhe von 2143 m. Vénéon (33,5 km lang): Er entspringt dem Glacier de Pilatte in einer Höhe von 2577 m. Er mündet in die Romanche. Bonne (40,1 km lang): Er entspringt am Lac des Pissoux in einer Höhe von 2632 m. Malsanne (15,4 km lang): Sie entspringt am Lac du Vallon in einer Höhe von 2493 m. Sie mündet in den Bonne. Séveraisse (32,9 km lang): entspringt dem Glacier du Chabournéou in einer Höhe von 2336 m. Ihr Wasser dient der Bewässerung des Tals von Valgaudemar. Drac de Champoléon: Er entspringt im Vallon du Rougnoux in einer Höhe von 2419 m. Er vereinigt sich in der Gemeinde Champoléon mit dem Drac Noir. Drac Noir (130,2 km lang): Er gilt als der Haupt-Quellfluss des Drac. Er entspringt im Mourre-Froid Massiv auf 2423 m Höhe und mündet nach 130,2 km in die Isère. mini|Die Guisane vor dem Weiler „Casset“. Wichtige Nebenflüsse der Durance sind von Ost nach West:
Guisane (27,7 km lang): Sie entspringt am Col du Lautaret in 2552 m Höhe. Gyronde (23,6 km lang): Er wird durch die Quellflüsse Gyr und Onde gebildet. Fournel (19,2 km lang): Er entspringt am Pic de la Cavale in einer Höhe von 2908 m. Biaysse (17,4 km lang): Er entspringt am Col d'Orcières in einer Höhe von 2611 m. Rabioux (15,5 km lang): Er entspringt im Vallon du Tissap in 2251 m Höhe. Torrent de Réallon (19,8 km lang): Er entspringt am Montagne de Charges in einer Höhe von 2350 m. Er mündet nach 19,8 km in den Lac de Serre-Ponçon. mini|Der See von Lauvitel Einige ökologisch wichtige Seen des Parks sind:
Lauvitel: Er ist zwischen 25 und 35 ha groß und zwischen 40 und 65 m tief und damit der tiefste und größte See des Parks. Er liegt westlich von Vénosc am Fuße der Aiguille de Vénosc, . Lac du Plan Vianney: In diesem im Skigebiet von Les Deux Alpes liegenden See leben viele Lachse. Lac de la Muzelle: Er liegt oberhalb von Bourg d'Arud bei der Refuge de Muzelle und speißt den Wasserfall von Muzelle. Lac des Pisses: Er liegt in der Nähe des Wintersportortes Orcières. Lac de Lauzon: Er liegt unterhalb des Berges Les Rouies und oberhalb des Wildbachs Gioberney. Lacs de Crupillouse: Sie liegen in der Gemeinde Champoléon unterhalb des Pic Central de Parieres und sind nur schwer zu Fuß erreichbar. Lacs de Pétarel: Sie liegen südlich von La Chapelle-en-Valgaudémar und sind eine Touristenattraktion im Tal von Valgaudemar. Lac du Pavé: Der Hochgebirgssee liegt südöstlich der Meije auf einer Höhe von 2 820 m. Er ist der höchstgelegene und mit 4 °C der kälteste See des Parks.
Viele hochalpinen Seen bleiben den größten Teil des Jahres über vereist, wie z. B. der Lac de l'Eychauda, der Lac des Rouies oder der Lac du glacier d'Arsine.
Klima Das Klima im Nationalpark Écrins ist trotz seiner südlichen Lage eher rau. Die Gletscher beeinflussen das lokale Klima, so dass der Park zu einem der kältesten Gebiete der Alpen gehört. Im Winter kann die Temperatur in 4000 m Höhe örtlich auf −45 °C sinken. Die Tallagen haben im Sommer zwar milde Tagestemperaturen, die Nächte sind aber kalt. Oberhalb von 2500 m bis 3000 m bleibt es unabhängig von der Jahreszeit kalt. Das Wetter ist stark vom Relief des Parks geprägt (Höhe), aber auch von der geographischen Lage im Park (Ost-West-Ausrichtung).
An der eher westlich und 980 m hoch gelegenen Wetterstation von Météo-France in Valjouffrey La-Chapelle beträgt die Jahresmitteltemperatur 8,3 °C und die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge beläuft sich auf 1143,8 mm. Der wärmste Monat ist der Juli mit im Mittel 17,8 °C, der kälteste Monat ist der Januar mit durchschnittlich 2,9 °C. Der meiste Niederschlag fällt im Oktober mit 130,0 mm im Mittel, der wenigste Niederschlag fällt im Juli mit durchschnittlich 65,3 Millimetern.
An der eher östlich und 2075 m hoch gelegenen Wetterstation von Meteo France am Col du Lautaret beträgt die Jahresmitteltemperatur 3,3 °C und die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge beläuft sich auf 468,7 mm. Der wärmste Monat ist der August mit im Mittel 13,5 °C, der kälteste Monat ist der Februar mit durchschnittlich −8,9 °C. Der meiste Niederschlag fällt im Juli mit 77,0 mm im Mittel, der wenigste Niederschlag fällt im Januar mit durchschnittlich 5,8 Millimetern.
Geschichte des Nationalparks Die Geschichte des Parks begann 1913. Alphonse Mathey (1862–1927), Initiator des Nationalparkprojekts, verteidigte die Idee der Gründung eines Nationalparks im Landwirtschaftsministerium und erhielt Kredite für den Erwerb von Grundstücken. Daraufhin erwarb der französische Staat 40 km² Bergland auf den Höhen von Saint-Christophe-en-Oisans. Auf diesem Land wurde der „Parc de la Bérarde“ geschaffen. Durch zwei weitere Ankäufe in den Gemeinden Pelvoux (1923) und Guillaume-Peyrouse (1924) gelang es ihm, ein zusammenhängendes Gebiet von 130 km² zu erwerben. In diesem Gebiet sollte die alpine Landschaft vor überhandnehmender Weidewirtschaft geschützt werden, welche zu Erosion, Abholzung und Kanalisierung von Wildbächen führte. Doch schon bald traten die wissenschaftlichen und pädagogischen Aspekte des Projekts in den Vordergrund. Der Park verlor 1962 die Bezeichnung „Nationalpark“, bevor er am 27. März 1973 per Dekret des Premierministers als „Parc national des Écrins“ neu gegründet wurde.
mini|Glacier d'Arsine (Schuttbedeckt) mit dem Lac d'Arsine