Panzertransporter sind Militärfahrzeuge, die dazu bestimmt sind, Panzer und andere schwere Ausrüstung oder Material zu bergen und zu transportieren.Vanderveen, Fighting vehicles Directory WW II S. 99.Elefant schleppt Leopard
Zweck Panzertransporter dienen im Wesentlichen nachfolgenden Zwecken und Einsatzbereichen: Der Transport dient der Schonung des Panzermaterials: Panzer und Kettenfahrzeuge sind – was Größe und Mächtigkeit kaum vermuten lässt – reparaturanfällige Gerätschaften: Der Motor hält oft nur um die tausend Kilometer (heute vielleicht etwas länger), ähnliches gilt für das Getriebe. Insbesondere die Panzerkettenlaufwerke bedürfen der ständigen Wartung und Pflege: Schadpanzer, die sich nicht mehr aus eigener Kraft fortbewegen können, werden verladen, um in einer geeigneten Werkstatt repariert oder auch zur Ersatzteilgewinnung ausgeschlachtet zu werden. Die Briten verloren etwa 1/3 der in der Schlacht bei Cambrai im November 1917 eingesetzten Panzer aufgrund technischer Mängel. Nach dem Westfeldzug 1940 bedurften die deutschen Panzer zunächst einer umfassenden Instandsetzung und Wartung, die Panzerdivisionen waren etwa vier Wochen nicht einsatzbereit. Der Transport dient der Schonung von Straßen und sonstigen Verkehrswegen: Diese weisen nach Benutzung durch Panzer aufgrund der Kettenlaufwerke schwere Schäden auf, insbesondere, wenn die Ketten nicht mit Gummipolstern genutzt werden. Der Transport dient der Schonung von Panzerbesatzungen, insbesondere der Fahrer: Die Besatzung würde durch die Fahrt zum Einsatzort (im Marschtempo von 30 km/h) bereits stark erschöpft, bevor der eigentliche Einsatz bei Kampfaufträgen beginnt.
Transportmittel Der Transport von Panzern und anderem schweren Gerät kann erfolgen auf der Eisenbahn: Dies ist die ursprüngliche Transportart, die zumindest über längere Strecken vielfach heute noch angewendet wird. Nachteilig sind der Zeitbedarf für Be- und Entladung, ferner die Tatsache, dass dem Panzer bezüglich seiner Breite und Höhe Grenzen gesetzt sind, um die von der Bahn vorgegebenen Lademaße einzuhalten. Vorteil ist der energiesparende und die Besatzung nicht ermüdende schnelle Transport. auf der Ladefläche eines Lkw verlastet: Dies setzt ein möglichst geringes Gewicht des Panzers voraus, ferner darf eine Verladehöhe von insgesamt rund 4 Metern nicht überschritten werden, um unter Brücken hindurchfahren zu können. Diese Transportart wird daher heute allenfalls noch ausnahmsweise angewandt. auf einem Tieflader (Sonderanhänger) verlastet: Eine vor allem im Zweiten Weltkrieg und danach angewandte Methode auf einem Sattelauflieger verlastet: Die heute übliche Verfahrensweise: Problematisch ist vor allem die Höhe der Panzer, die in den 1950er Jahren 3,20 bis 3,50 Meter erreichen konnte, sodass der Auflieger entsprechend niedrig gebaut sein muss, damit das Gesamtfahrzeug unter Brücken mit einer Standardhöhe von 4 Metern noch hindurchfahren kann. mit dem Flugzeug: Bei den verwendeten Flugzeugen handelt es sich aber nicht um speziell für den Panzertransport, sondern um gewöhnliche, für das Militär entwickelte Transportmaschinen; es soll daher hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt und nicht gesondert darauf eingegangen werden.
Panzertransporter in einzelnen Staaten Deutschland Ab 1938 beschaffte die Wehrmacht etliche Büssing-NAG 900 und Faun L900: Beides 6×4-LKW, die einen Panzer I oder Panzer II auf der Ladefläche und einen weiteren Panzer I oder II auf einem angehängten Sonderanhänger 115 transportieren konnten. Diese LKW waren zum Transport der Panzerabteilung in den 4 Leichten Divisionen bestimmt. Als diese um die Jahreswende 1939/40 in Panzer-Divisionen umgewandelt wurden, wurden die Panzertransporter anderen Zwecken zugeführt, z. B. als Munitionstransporter, einige auch später zu Selbstfahrlafetten für die 8,8-cm-Flak umgebaut.Oswald, Kfz. der Reichswehr, Wehrmacht, Bundeswehr S. 218 f.
mini|Sonderanhänger 116
Um schwerere Panzer wie Panzer III und Panzer IV zu transportieren, entstand der Sonderanhänger 116, ein dreiachsiges Fahrzeug mit einer Nutzlast von bis zu 23 Tonnen. Üblicherweise wurden diese Anhänger, die in den Bergezügen der Panzerwerkstattkompanien zu finden waren, von einer 18-Tonner-Halbkettenzugmaschine Sd.Kfz. 9 gezogen. Für die noch schwereren Panzer Panzerkampfwagen V Panther und Panzerkampfwagen VI Tiger gab es den Sonder-Anhänger Nr. 121, der bis zu 60, in weiterer Ausführung bis zu 75 Tonnen (und damit auch den Panzerkampfwagen VI Tiger II) tragen konnte.Seifert, Kfz-Nummern S. 159 f. Um diese Lasten zu ziehen, benötigte man allerdings entweder zwei bis drei 18-Tonner-Zugmaschinen oder einen entsprechenden Panzer oder Bergepanzer. Im Krieg wurden die Panzertransportanhänger nur zum Transport von Schadgerät verwendet, ansonsten erfolgte der Panzertransport – wenn irgend möglich – schon aus Gründen der Treibstoffersparnis, aber auch zur Vermeidung von Materialverschleiß an Ketten, Getriebe und Motor grundsätzlich mit der Eisenbahn.
Zu den Panzertransportern der Bundeswehr siehe den Artikel Schwerlasttransporter der Bundeswehr.
In der DDR wurden nur leichte und mittlere, aber keine schweren Lkw hergestellt. Die Nationale Volksarmee benutzte für Panzertransport daher vor allem sowjetisches Gerät, daneben einige Fahrzeuge der Firma Tatra.
Österreich Ab 1935 beschaffte Österreich unter Umgehung des Vertrages von Saint-Germain etwa 60 leichte Panzer des Typs L3/33 und L3/35 aus Italien.Spielberger, Österreich S. 362 ff. Für diese leichten Tanketten von 3 Tonnen Gewicht wurden „Bergeanhänger“ beschafft, die von Dreitonner-LKW des Typs Austro-Fiat AFH gezogen wurden. Die mit einer Doppelachse versehenen Anhänger (davon nur eine Achse gebremst!) wogen leer 1100 kg und trugen bis zu 3,5 Tonnen, die Verladehöhe betrug 480 mm. Diese Anhänger sahen den britischen Transportanhängern für den Light Tank Mk VI, der etwa das gleiche Gewicht aufwies, sehr ähnlich. Sie kosteten 4750 Schilling pro Stück.Spielberger, Österreich S. 378.
Die erste Fahrzeugausstattung des Bundesheeres der Nachkriegszeit bestand im Wesentlichen aus US-amerikanischen Kraftfahrzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg, darunter befanden sich auch einige Panzertransporter M25 Tank Transporter.Vanderveen Military Vehicles from 1945, S. 14. Diese wurden bald durch österreichische Entwicklungen, z. B. die 6×6-Zugmaschinen Gräf & Stift ZA-210-3Vanderveen Military Vehicles from 1945, S. 24. und ZAFD 240/36 ersetzt, die einen vierachsigen Tiefladeanhänger für 50 Tonnen Nutzlast zogen.Spielberger, Österreich S. 274 ff. Mit diesen Tiefladeanhängern konnten auch die damaligen schwersten Panzer des Bundesheeres, der M-47 Patton und der M-60A1, transportiert werden.
Schweiz Die Schweiz beschaffte ab 1936 insgesamt 6 Tanketten der Fa. Vickers aus Großbritannien, ab 1937 aus der Tschechoslowakei 24 Panzer des Typa Praga LTL-H: Letztere Fahrzeuge waren dem Panzerkampfwagen 38 (t) sehr ähnlich und wurden in die Schweizer Armee als „Panzerwagen 39“ eingeführt.Hildebrandt Schweizer Armee S. 568, Francev-Kliment S. 351. Über spezielle Kraftfahrzeuge zum Transport dieser Panzer ist der Literatur nichts zu entnehmen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kaufte die Schweiz in Frankreich etliche leichte Panzer des Typs AMX-13, zu deren Transport 6x6-Zugmaschinen des Typs Magirus-Deutz Uranus mit 16-Tonnen-Tiefladeanhänger erworben wurden. Für schwerere Panzer wie den britischen Centurion und die Schweizer Eigenkonstruktionen Panzer 61 und Panzer 68 beschaffte man aus Großbritannien zehn 6×4-Zugmaschinen des Typs Rotinoff Super Atlantic mit Tiefladeanhängern der Firma Scheuerle und einer Tragfähigkeit von 50 Tonnen.Vanderveen, Army vehicles Directory from 1945, S. 316.
Frankreich mini|LKW Renault FU mit Panzer Renault FT
Zum Transport des knapp 7 Tonnen wiegenden leichten Panzers Renault FT beschaffte die französische Armee in den 1920er Jahren etliche LKW der Firma DewaldVanderveen, Army vehicles Directory to 1940, S. 81. sowie etwa 100 Renault Type FUVauvillier, Renault Vol.1, S. 28. mit 7 Tonnen Nutzlast, die einen solchen Panzer auf der Ladefläche transportieren konnten. 1929 folgten 18 Berliet GCMDG mit Holzgasmotor, 1931 zwei Berliet GCMDG2.Vauvillier, Berliet Vol.1, S. 33. Die fast 70 Tonnen wiegenden Panzer Char 2C konnten nur mit Spezialfahrzeugen der Bahn transportiert werden.
In den 1930er Jahren wurden die Renault FT durch modernere (und schwerere) Panzer ersetzt, die zum Transport des Renault FT gebauten Panzertransporter wurden damit ebenfalls obsolet. Mehrere Jahre experimentierte die französische Armee mit 6×4-Fahrzeugen des Typs Berliet GPE und GPF, die mittels eines Auslegers einen Panzer mit bis zu 13 Tonnen Gewicht auf die Ladefläche heben konnten, 29 Fahrzeuge dieses Typs wurden in Mai und Juni 1940 an die französische Armee geliefert.Vauvillier, Berliet Vol.1, S. 62. Daneben bestellte die französische Armee 420 Stück Bernard DI 6.53, eines 6×2-LKW zum Transport von Panzern mit bis zu 15 Tonnen auf der Ladefläche; bis zur Besetzung von Paris (und damit der Bernard-Werke) durch die deutsche Wehrmacht wurden jedoch nur etwa 73 Stück geliefert.Vauvillier-Touraine S. 110. Von 211 bestellten Tiefladeanhängern für 20 Tonnen Nutzlast erhielt die französische Armee ca. 60, von 92 bestellten mit 30 Tonnen Nutzlast ca. 40 Stück;Vauvillier/Touraine, S. 110. sie sollten bevorzugt von Zugmaschinen des Typs Laffly S 45 T gezogen werden. Zum Transport der gepanzerten Versorgungsfahrzeuge Renault UE Chenillette stellte Renault Anhänger mit Doppelachse unter der Firmenbezeichnung Renault VV her.
Die schweren Fahrzeuge der französischen Streitkräfte aus der Endphase des Zweiten Weltkrieges waren in der Regel US-amerikanischen Ursprungs, dies galt auch noch für die ersten Jahre der Nachkriegszeit. So war der Standard-Panzertransporter der M25 Tank Transporter.Vanderveen, Army vehicles Directory from 1945, S. 102. Zum Transport des leichten Panzers AMX-13 benutzte man die 6×6-Sattelzugmaschine Berliet TBU mit Satteltieflader.Vanderveen, Army vehicles Directory from 1945, S. 100, 102. In den 1960er Jahren erschien zum Transport des Kampfpanzers AMX-30 die 6×6- und 6×4-Sattelzugmaschine Berliet TBO15 mit 50-Tonnen-Sattelauflieger.Vanderveen, Army vehicles Directory from 1945, S. 102, 104. Dieser Typ wurde in den 1980er Jahren abgelöst durch die 6×4-Sattelzugmaschine Renault TRH 350 mit 55-Tonnen-Satteltieflader STA43.Wiener, NATO-Staaten, 5. Aufl. S. 615.
Großbritannien Die ersten britischen Panzertransporter baute die Firma Scammell: Dieser Hersteller hatte sich ab 1919 auf den Bau von Sattelzugmaschinen spezialisiert und brachte 1927 einen schweren 6×4- oder 6×6-LKW mit 85-PS-Motor heraus, der mit verkürztem Fahrgestell auch als Sattelzugmaschine Verwendung fand: den „Pioneer“.Vanderveen, Scammell, S. 25. Ein erster Panzertransporter-Prototyp mit Tieflader-Sattelauflieger wurde 1932 als Transportfahrzeug für den Panzer Vickers Medium Mark II getestet.Vanderveen, Scammell, S. 51.