Die Operationen am Fluss Matanikau waren Kampfhandlungen zwischen den Streitkräften der Vereinigten Staaten und denen des Japanischen Kaiserreichs während des Pazifikkriegs im Zweiten Weltkrieg auf der Salomonen-Insel Guadalcanal.

Die Kämpfe ereigneten sich während der Schlacht um Guadalcanal rund um den Fluss Matanikau nahe Lunga Point. Die ersten Gefechte fanden zwischen dem 23. und 27. September 1942 und die zweiten zwischen dem 6. und 9. Oktober desselben Jahres statt.

Vorgeschichte Die japanischen Streitkräfte unter dem Befehl von General Kawaguchi Kiyotake formierten sich im Gebiet am Matanikau nach Angriffen gegen US-Streitkräfte in der Schlacht am Bloody Ridge neu, um von dort aus weitere Angriffe auf die US-Verteidigungsanlagen, die das Flugfeld Henderson Field am Lunga Point auf Guadalcanal bewachten, zu starten.

Aufklärungen General Alexander A. Vandegrift ordnete aus diesem Grund energische Patrouillen an. Sie sollten zwei Zwecke erfüllen, den Umkreis zu sichern und die ursprüngliche japanische Garnison ausfindig zu machen, damit diese zerstört werden konnte.

Als Aufklärungseinheiten der 5. Marines am 9. und 10. August am Fluss Matanikau auf heftigen Widerstand stießen, beschloss der Leiter der Geheimdienstabteilung der Division, First Sergeant Steven Custer, eine Kampfpatrouille zu entsenden, um genauere Informationen über die japanische Konzentration zu sammeln. Nachdem ein japanischer Seemann gefangen worden war, der von einer möglichen Kapitulationsabsicht der Japaner erzählte und eventuell westlich vom Dorf Matanikau eine weiße Flagge gesichtet worden sei, startete eine 25 Mann starke Patrouille. Sie wurde von den Japanern kurz darauf ausgelöscht.

Am 17. August brachte der japanische Zerstörer Oite der 8. Flotte die 3. Kure-Spezial-Marinelandungseinheit im Rahmen der Operation Ka nach Guadalcanal. 130 Mann landeten am Tassafaronga Point im Norden der Insel an.

Bis Mitte September hatten die US-Marines neben der Eroberung des Flugfeldes zwei erfolgreiche Verteidigungsaktionen gegen die Japaner durchgeführt und kleinere Offensivaktionen in der Gegend vom Matanikau durchgeführt. So rückte eine Kompanie am 18. August zu einem Übergang am Matanikau etwa einen Kilometer landeinwärts vor und tötete dabei zehn Japaner. Am Morgen des nächsten Tages beschoss eine Artillerieabteilung der Marines die Japaner am Fluss bei Sonnenaufgang.

Bisher waren weder Kampfverstärkungen noch zusätzliche Munition nach Guadalcanal geschickt worden. General Vandegrift hatte Admiral Richmond K. Turner im August davon überzeugt die 7. Marines aus Samoa zu schicken, um sich der 1. Marinedivision auf Guadalcanal anzuschließen. Am 18. September 1942 landete das nun der 1. Marinedivision zugeteilte Regiment in den Salomonen auf Guadalcanal. 4.180 Mann der verstärkten 7. Marines kamen sicher an Land und 147 Fahrzeuge wurden angelandet.

Am selben Tag organisierte Vandegrift die höheren Ränge der Division neu. Generalmajor Merritt A. Edson übernahm das Kommando über die 5. Marines und Brigadegeneral Samuel B. Griffith folgte ihm als Chef der 1. Marinedivision nach.

Das 1. Bataillon der 7. Marines von Oberstleutnant Lewis B. „Chesty“ Puller verließ den Perimeter am 23. September mit der Mission, japanische Einheiten nahe des Matanikau zu räumen.

Planung der japanischen Gegenoffensive Im kaiserlichen Hauptquartier wurde eine zentrale Vereinbarung getroffen um weitere Verstärkungen nach Guadalcanal zu bringen. Die Umsetzung in detaillierte Pläne erforderte in Truk und Rabaul rund eine Woche. Damit ein Angriff bis etwa zum 20. Oktober möglich wäre, zeigten erste Berechnungen vom 23. September, dass die Bewegung der Verstärkungen bis zum 13. oder 14. Oktober abgeschlossen sein muss.

Japanische Marineoffiziere sahen den Einsatz von zwei Mitteln vor, um die Armeeeinheiten nach Guadalcanal zu transportieren:

den bewährten „Rattentransport“jap. Nezumi Yusō (鼠輸送, dt. „Mäusetransport“), in der Literatur häufig „Rattentransport“ genannt., mit siebenundzwanzig Zerstörern und zwei Wasserflugzeugträgern und einem zusätzlichen „Ameisentransport“, mit dem Einsatz von Lastkähnen, um Artilleriegeschütze zu transportieren, die für schmale Zerstörerdecks zu groß und unhandlich waren.

Zusätzlich war beabsichtigt, das Haupthindernis dieser Bemühungen, die amerikanische Cactus Air Force ab Anfang Oktober durch Artilleriefeuer auf Henderson Field zu neutralisieren oder sogar ganz zu beseitigen. Ein ergänzender Beschuss durch eine verstärkte Angriffsserie von Fliegern der kaiserlichen Marine, die am 26. September, dem geplanten Fertigstellungstermin des Flugplatzes Buin auf Bougainville, in den nördlichen Salomonen, beginnen soll, war zusätzlich vorgesehen.

Am 24. September stellte Konteradmiral Hashimoto Shintarō die Fahrten des Tokyo Express für den Rest des Monats ein. Dies weil sowohl die Fertigstellung des Flugplatzes Buin scheiterte, als auch das „Ameisentransport“-Programm. Damit hatten die Japaner ein ernstes Dilemma:

Verstärkungsfahrten, die sich ausschließlich auf das „Rattentransport“-System stützten, erforderten eine vollständige Phase mondloser Nächte, die eine einmonatige Verzögerung erzwingen würden, in der die Amerikaner auch ihre Position stärken konnten. Da die Führung der 17. Armee eine solche Verzögerung hartnäckig als untragbar bezeichnete, wurde am 26. September der Vorschlag vorgebracht, einen erheblichen Teil der Verstärkung über einen Konvoi großer Transportschiffe nach Guadalcanal zu verlegen. Am nächsten Tag entwarfen Stabsoffiziere der japanischen Armee und der Marine in Rabaul einen überarbeiteten Verstärkungsplan, der Folgendes vorsah:

Die „Rattentransporte“ starten wieder am 1. Oktober und laufen jede Nacht bis einschließlich dem 14. Oktober; Das „Ameisentransport“-Programm beginnt an diesem Tag von den Shortland-Inseln aus und liefert ab dem 1. Oktober jede Nacht sechs Lastkähne Material nach Guadalcanal; Sonderflüge des Seeflugzeugträgers Nisshin mit schwerer Artillerie am 3. und 6. Oktober; Eine verstärkte Luftoffensive einschließlich nächtlicher Bombenangriffe auf Guadalcanal; und Ein Konvoi, um Verstärkungen direkt zur 17. Armee auf Guadalcanal zu transportieren.

Um die Zustimmung durch Admiral Yamamoto Isoroku einzuholen, flogen am 28. September mehrere Offiziere, darunter Oberst Tsuji Masanobu von der 17. Armee, nach Truk. Offiziere der kaiserlichen Marine versuchten Oberst Tsuji einen sehr wichtigen Punkt klarzumachen: Sobald die Flotte Truk verlassen hatte, würde ihre Verfügbarkeit zur Unterstützung der Offensive aus logistischen Gründen auf etwa vierzehn Tage begrenzt sein.

Septemberkämpfe mini|Ankunft japanischer Entsatz-Truppen auf Guadalcanal, ca. Anfang September 1942. Im Hintergrund die Insel Savo. Nach der Schlacht am Bloody Ridge wusste das Divisionshauptquartier, dass eine beträchtliche japanische Streitmacht westlich des Flusses von Kokumbona aus operierte und gelegentlich Mount Austen patrouillierte. Diese Truppen stammten aus der 4. Infanterie der 2. Division unter dem Befehl von Generalleutnant Maruyama Masao, und der Kawaguchi-Streitmacht. Der Rest der 4. Infanterie war Mitte September westlich des Matanikau gelandet, um sich mit seinem 2. Bataillon zusammenzuschließen.

Am Nachmittag des 24. September alarmierte eine erhöhte amerikanische Luftaktivität Oberst Akinosuke Oka, den Kommandeur der japanischen Einheiten am Matanikau. Er beschloss, Einheiten auf der Ostseite des Flusses zurückzuziehen, um sich auf den Widerstand gegen eine mögliche Landung vorzubereiten. Am nächsten Tag erhielt Kawaguchi die Anweisung, Dörfer am Ostufer des Matanikau für Versammlungs- und Artilleriestellungen zu besetzen. Dieser Auftrag stand offensichtlich im Widerspruch zu den Vorbereitungen zur Abwehr einer Landung, doch bevor Kawaguchi eine Lösung für diesen Widerspruch finden konnte, sah er sich einer Bedrohung von anderer Seite gegenüber.miniDas 1. Bataillon der 7. Marines hatte am 23. September die Verteidigungslinie durchquert. Als es im Gebiet des Mount Austen ankam, überraschte es kurz nach Sonnenuntergang am 24. September eine japanische Streitmacht und zerstreute sie. Das Bataillon beklagte sieben Tote und 25 Verwundete. Oberstleutnant Puller erreichte den Matanikau mit seinem Bataillon am 26. September. Das US-Unternehmen war allerdings durch schlechtes Kartenmaterial und eine verwirrende Kommandostruktur beeinträchtigt. Nachdem sie dem Ostufer gefolgt waren, versuchten sie die Sandbank an der Flussmündung zu überqueren. Durch eine japanische Kompanie wurde ihnen aber der Weg versperrt und sie mussten sich unter schwerem Feuer zurückziehen. Zwischenzeitlich hatte eine andere japanische Kompanie Verteidigungspositionen am östlichen Ende der Brücke bezogen, die als einzige Überquerung flussaufwärts diente. Dem amerikanischen Bataillon blieb dies verborgen. An diesem Nachmittag befahl Vandegrift Edson, die Operation zu übernehmen und schickte die 5. Marines zu seiner Unterstützung. mini|Kämpfe am Matanikau, Ende September 1942 Die beiden Kommandanten Puller und Edson erarbeiteten an diesem Abend gemeinsam einen neuen Plan. Am Morgen sollten die Marines flussaufwärts vorrücken, die Brücke überqueren und dann am anderen Ufer flussabwärts zurückkehren, um dann die Japaner an der Flussmündung zu flankieren. Um sicherzustellen, dass sich die Japaner nicht aus der Falle zurückzogen, setzte das 2. Bataillon der 5. Marines sie mit einem eigenen Angriff über die Sandbank hinweg unter Druck. Schließlich würde der Großteil des 1. Bataillons der 7. Marines eine amphibische Landung hinter Point Cruz durchführen, um jeden möglichen Fluchtweg zu verschließen. Der ehrgeizige Plan wurde vom Führungsstab der Divisionen abgesegnet.

Beide Bataillone begannen am Morgen des 27. September mit dem Angriff, konnten jedoch nicht an Boden gewinnen. Dem 2. Bataillon gelang es nicht sich am Westufer festzusetzen. Die Marines waren zwar mittlerweile bis zur Anhöhe, bezeichnet als Hügel 67, am Ostufer etwa 1.500 Meter südlich des Strandes vorgerückt, wurden dort aber durch unerwartetes Feuer der Japaner aufgehalten. Die Japaner hatten Hügel 65, etwa 850 Meter südlich von Hügel 67, besetzt. Diese Anhöhe war in der Nacht zuvor unbemerkt von ihnen eingenommen worden. Da das Bataillon der Marines nicht in der Lage war, sich weiter von dort wegzubewegen, schickte es eine Nachricht an Generalmajor Edson, um die Situation zu erklären. In der Eile und Aufregung des Kampfes war sie aber schlecht formuliert worden. Edson schloss aus der erhaltenen Nachricht, dass die Marines den Matanikau überquert hatten und im Dorf Matanikau an der Mündung selbst auf Widerstand stießen. Daher entschied er sich für einen neuen Angriffsplan, der auf der falschen Annahme beruhte, dass die Marines im Dorf Matanikau festsaßen. Die Angreifer sollten den Vormarsch um 13:30 Uhr fortsetzen, während das 2. Bataillon gleichzeitig über die Flussmündung hinweg angriff. Das 1. Bataillon der 7. Marines sollte sich umgehend in Kukum in die Landungsboote begeben, dann westlich von Point Cruz landen und die Japaner in Matanikau von hinten angreifen. mini|Eine Patrouille der US-Marines überquert im September 1942 den Matanikau