Claire L’Heureux-Dubé CC (* 7. September 1927 in Quebec, Ontario, Kanada) ist eine kanadische Rechtswissenschaftlerin, Richterin und Hochschullehrerin. Sie war die erste Richterin am Quebec Superior Court und am Quebec Court of Appeal und 1987 war sie die zweite Richterin am Obersten Gerichtshof von Kanada.

Leben und Werk L’Heureux-Dubé war das älteste Kind von vier Kindern eines Zoll- und Einwanderungsinspektor und einer Mutter, die an Multipler Sklerose litt. Nach dem Schulbesuch im Monastère des Ursulines, Rimouski nahm sie eine Stelle im Büro einer Lebertranverarbeitungsanlage in Rimouski an. Sie begann 1948 ihr Studium am Collège Notre-Dame de Bellevue in Quebec. Nachdem sie dort einen Bachelor of Arts erworben hatte, schloss sie 1951, im ersten Jahrzehnt, in dem Frauen in Quebec als Anwältin praktizieren durften, die juristische Fakultät der Laval-Universität mit Auszeichnung ab. Um ihr Jurastudium zu finanzieren, arbeitete sie die gesamten drei Jahre als Sekretärin bei Sun Trust.

1952 wurde sie als Anwältin in Quebec zugelassen. Von 1952 bis 1973 arbeitete sie in den Anwaltskanzleien bei Sam S. Bard, L’Heureux & Philippon, Garneau, Tourigny, St-Arnaud & Associates. Die ersten fünfzehn Jahre verbrachte sie in einer nichtspezialisierten Allgemeinpraxis mit Vertragsgestaltung, Immobilienübertragung, Firmengründung und Inkasso von Schulden. Als das Scheidungsgesetz von 1968 den Einwohnern von Quebec erstmals eine Ehescheidung ermöglichte, gehörte zu den ersten Anwältinnen in Quebec, die Scheidungsfälle bearbeiteten.

Von 1968 bis 1970 war sie Beraterin der Anwaltskammer von Quebec und von 1970 bis 1973 Dozentin für Familienrecht in Quebec. 1973 wurde sie als eine der ersten Frauen als Richterin an den Obersten Gerichtshof von Quebec berufen. Während ihrer Amtszeit war sie Mitglied der Königlichen Untersuchungskommission des Ministeriums für Arbeitskräfte und Einwanderung und leitete den Ausschuss für Familienrecht und den Ausschuss für Familiengerichte des Quebec Civil Code Revision Office.

Im Oktober 1979 wurde sie als einzige Frau als Richterin am Quebec Court of Appeal ernannt und schrieb in acht Jahren 1200 Urteile. 1981 war sie Mitherausgeber eines Buches über Familienrecht mit dem Titel Family Law: Dimensions of Justice. Im April 1987 bot ihr Premierminister Brian Mulroney eine Stelle am Obersten Gerichtshof Kanadas an. Dort war sie bis zu ihrem Ruhestand 2002 als Richterin tätig und übernahm dann eine Position als Judge in Residence an der Universität Laval in Quebec.

Sie war von 1958 bis zu seinem Tod 1978 mit Arthur Dubé verheiratet, mit dem sie einen Sohn und eine Tochter bekam.

Mitgliedschaften, Vorsitz und Präsidentschaften (Auswahl) Mitglied der Canadian Bar Association Mitglied des Canadian Institute for the Administration of Justice 1967–1973: Mitglied des Conseil Consultatif de l’Administration de la Justice der Provinz Québec 1968–1970: Delegierte im Generalrat der Anwaltskammer von Quebec 1970–1973: Vizepräsidentin des Canadian Consumers Council 1972–1973: Vizepräsidentin des Vanier Institute of the Family 1972–1976: Präsidentin des Familienrechtsausschusses und des Familiengerichtsausschusses des Quebec Civil Code Revision Office 1977: Mitglied des Vorstands der International Society on Family Law; Vizepräsidentin (1982–1988) 1981–1983: Präsidentin der International Commission of Jurists (kanadische Sektion) 1980–1984: Mitglied des Nationalrats der Canadian Human Rights Foundation Mitglied des Quebec Association of Comparative Law; Präsidentin (1984–1990) 1985: Vorsitzende der Redaktion The Canadian Bar Review Assoziiertes Mitglied der International Academia of Comparative Law 1995: Mitglied des American Law Institute 1998: Präsidentin der International Commission of Jurists, Genf

Auszeichnungen (Auswahl) 1969: Ernennung zur Kronanwältin der Provinz Quebec 1986: Gloire de l’Escolle-Medaille der Laval-Universität 1996: Canadian Award des kanadischen Hadassah-WIZO 1997: Prix de la Justice 1998–2002: Margaret Brent Women Lawyers of Achievement Award, American Bar Association Commission on Women in the Profession 2002: Yves Pélicier Award der International Academy of Law and Mental Health 2003: Companion des Order of Canada 2003: Les Assises-Preis der Canadian Bar Association 2004: Großoffizier des Ordre national du Québec (GOQ)

Ehrendoktorwürde 1981: Ehrendoktorwürde der Dalhousie University 1983: Universität Montreal 1984: Université Laval 1988: Universität Ottawa 1989: Université du Québec à Rimouski 1994: Universität Toronto 1995: Queen’s University 1996: Gonzaga University 2000: University of Windsor 2001: York University 2001: Concordia University

Literatur

Weblinks Biografie (englisch) Retired Supreme Court Justice Claire L’Heureux-Dubé's biography uncovers secret history of court (englisch) "We don't hire a woman here": Claire L'Heureux-Dube and the career prospects for early female law graduates from Laval University (englisch) ‘A friendship of minds’: Claire L’Heureux-Dubé on the legacy of Ruth Bader Ginsburg (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Privatrechtler (20. Jahrhundert) Kategorie:Richter (Oberster Gerichtshof von Kanada) Kategorie:Richter (Quebec Court of Appeal) Kategorie:Companion of the Order of Canada Kategorie:Großoffizier des Ordre national du Québec Kategorie:Ehrendoktor einer Hochschule Kategorie:Kanadier Kategorie:Geboren 1927 Kategorie:Frau