mini|Selbstporträt Johann (Kaspar) Benedikt Beckenkamp (* 7. März 1747 in Ehrenbreitstein; † 1. April 1828 in Köln) war ein deutscher Maler aus dem Rheinischen.
Biografie
Die frühen Jahre Johann Benedikt stammte aus einer Familie von Branntweinbrennern, die sich nach dem Dreißigjährigen Krieg in Ehrenbreitstein niedergelassen hatte.Soweit nicht ausdrücklich andere Quellen genannt werden, folgt die Darstellung im Folgenden der Monografie von Bettina Mosler Er war das dritte Kind des Weinbrenners und Malers Lorenz Beckenkamp und seiner zweiten Frau Katharina Scholastika, geborene Hofmann. Der Vater trat nach seiner zweiten Heirat zunächst das Malergeschäft seines Schwiegervaters ein und avancierte zum Kunstmaler sowie 1747, im Geburtsjahr von Benedikt, zum Hofmaler. Der Vorname Caspar steht nicht in der Geburtsurkunde, auch zeichnete Beckenkamp niemals damit. Erst in der Sterbeurkunde und dem von seinem Schüler Matthias Joseph de Noël verfassten Nachruf steht dieser Vorname. In der Schreibweise Kaspar setzte er sich in der späteren Literatur durch; es ist unklar, ob er für Beckenkamp selbst irgendeine Bedeutung hatte. Auch der Nachname erfuhr Veränderungen: Beckenkamp signierte mit Bekenkam sowie Beckenkam und erst ab den 1820er Jahren mit Beckenkamp.
Vermutlich lernte Benedikt Beckenkamp in der Werkstatt seines Vaters die Grundlagen des Malerhandwerks und der Malkunst. 1762 verstarb der Vater. Nach dessen Tod führte die Mutter das Malergeschäft weiter. Bis zu seinem 34. Lebensjahr arbeitete Beckenkamp dort mit.
mini|hochkant|Porträt Christian Georg Schütz Bei einem zeitlich nicht bestimmbaren Aufenthalt in Würzburg lernte er vermutlich die Fresken Tiepolos, die Fürstenporträts von Adam Friedrich von Seinsheim und die Fresken von Johann und Januarius Zick kennen. Es folgte laut de Noël eine zeitlich nicht bestimmbare Lehrzeit bei Januarius Zick in Ehrenbreitstein. Danach lernte er bei Christian Georg Schütz d. Ä. in Frankfurt. Schütz ist in einer Handzeichnung Beckenkamps abgebildet, die sich in der Nationalgalerie Berlin befindet.Otto Beckenkamp: Die Beckenkamps, Stammtafel einer rheinischen Familie, Würzburg 1951
1776 ist das erste signierte und datierte Werk von Benedikt Beckenkamp als Kunstmaler bekannt; ein religiöses Gemälde für die Pfarrkirche Heilig Kreuz in Ehrenbreitstein. Um 1778 entstand ein Zyklus für die Pfarrkirche von Urmitz. Möglicherweise entstand aber bereits Anfang der 1770er Jahre eine Reihe von Porträts der Pferde und Reiter des kurfürstlichen Hofmarschalls, durch die Beckenkamp beim Trierer Kurfürsten Clemens Wenzeslaus bekannt wurde. Es folgten weitere Aufträge des Hofes, darunter ein großes und zwei kleine Reiterporträts des Kurfürsten. Im Gegensatz zu seinem Konkurrenten Heinrich Foelix (1732–1803) hatte Beckenkamp jedoch keine feste Anstellung am Hof. Schon während dieser Zeit scheint er auch Aufträge als bürgerlicher Porträtist gehabt zu haben. Auf dem 1779 gemalten Familienbild mit Niederlahnstein und der Ruine Lahneck im Hintergrund sind die Dargestellten zwar nicht identifizierbar, deren Zugehörigkeit zum Bürgertum jedoch wahrscheinlich. Einem biografischen Roman von Renate Feyl zufolge hat er auch die Dichterin Sophie von La Roche porträtiert.
Wechsel nach Köln und Jahre des Umbruchs 1781 heiratete er Katharina Josepha Breitbach. Diese verstarb 1784.
In den 1780er Jahren entwickelte Beckenkamp ein Geflecht von Beziehungen nach Bonn und Köln. Er lernte den Gelehrten und späteren Kölner Universitätsrektor Ferdinand Franz Wallraf kennen. Auch der 1784 zum Kölner Kurfürsten gewählte Maximilian Franz von Österreich wurde, vermutlich durch Vermittlung des Trierer Kurfürsten Clemens Wenzeslaus, auf Beckenkamp aufmerksam. Der Tod seiner ersten Frau sowie die unsichere Auftragslage am Trierer Hof waren wahrscheinlich die Gründe, warum Beckenkamp Mitte der 1780er Jahre sich nach Bonn orientierte. Sein Bruder Johann Peter lebte dort; dessen Frau Veronika arbeitete dort als Hofsängerin. Durch sie lernte er einen wichtigen Auftraggeber und Förderer kennen, den Grafen Sigismund zu Salm-Reifferscheidt, Intendant für Hofmusik und Obristhofmeister des Kölner Kurfürsten. Ob Benedikt Beckenkamp allerdings in jenen Jahren in Bonn wohnte, ist ungeklärt. Die Verbindung zur Familie Beethoven, in die Benedikt Beckenkamp gebracht wurde, beruht auf einer Verwechslung seiner Biografie mit der seines Bruders Peter.
Im Kölner Haus der Familie zu Salm-Reifferscheidt soll Beckenkamp seine zweite Ehefrau, Anna Maria Zipperling aus Bruchsal, kennengelernt haben. Die Trauung fand am 26. März 1786 in der Kölner Pfarrkirche St. Jakob statt. Die Familie zu Salm-Reifferscheidt übernahm Patenschaften für zwei der in Köln geborenen Kinder aus dieser Ehe. Neben Mitgliedern der Familie zu Salm-Reifferscheidt porträtierte Beckenkamp Mitglieder der Adelsfamilie Sternberg in Blankenheim, bei einem Aufenthalt auf Schloss Wahn 1786–1787 Mitglieder der Familie Heereman von Zuydtwyck und 1792–1793 auf Schloss Gracht Mitglieder der Familie Wolff-Metternich. Im Dezember 1786 begehrte er die Aufnahme in die Kölner Malerzunft. Die Qualifikationsgebühr betrug 40 Reichstaler. Eine beträchtliche Gebühr musste er auch für die Aufnahme in die Kölner Bürgerschaft zahlen. Mit ihr erwarb er das Recht zur Niederlassung in der Stadt sowie das aktive und passive Wahlrecht.
Mit großem Geschick schuf er sich in Köln ein Netz von Beziehungen, die seinen gesellschaftlichen Aufstieg förderten. Unter seinen Auftraggebern fanden sich Adolf von Hüpsch und der Reichsgraf Fugger. Auch zu seiner alten Koblenzer Heimat hielt er Verbindungen aufrecht. 1791 porträtierte er dort den Reiseschriftsteller und Kunstsammler Joseph Gregor Lang. 1792 malte er im Auftrag des Kurfürsten Clemens Wenzeslaus, der seine Residenz nach Koblenz verlegt hatte, eine Reihe von französischen Revolutionsflüchtlingen, die seit 1791 in Koblenz wohnten. Ob er auch 1788 die feine illusionistische Bühnendekoration am damals neu erbauten Koblenzer Theater schuf, ist ungeklärt. Wahrscheinlicher ist, dass sie von seinem Bruder Peter stammte. 1795, einige Monate nach dem Einmarsch französischer Truppen, wurde Beckenkamp der jüngere Amtsmeister der Kölner Malerzunft. 1798 kandidierte er erfolglos für die Stellung des älteren Amtsmeisters. Selbst wenn er gewählt worden wäre, wäre dies bedeutungslos gewesen, da die Zünfte in Köln Ende März 1798 durch Beschluss der Munizipalverwaltung aufgelöst wurden.
Von 1799 bis 1803 finden sich keine datierten Gemälde Beckenkamps, und auch in seinem Lebenslauf findet sich eine Lücke. Möglicherweise litt die Familie, wie im Nachruf de Noëls angedeutet, unter wirtschaftlicher Not, die von seiner Frau durch ihre Kunststickerei gelindert wurde. De Noël berichtet auch von einigen Reisen nach Holland und in die Aachener Region sowie einer mehrjährigen Beschäftigung in Groningen.
Die Jahre nach 1800 Kölner Kirchen wurden durch die französische Besatzungsmacht säkularisiert; Gemälde aus deren Besitz wurden zwangsweise verkauft. Für Beckenkamp ergaben sich daraus Aufträge zur Schätzung und zur Restaurierung solcher Gemälde. Beispielsweise schätzte er gemeinsam mit dem Maler Nikolaus Zimmermann den Wert des Triptychons Beweinung Christi von Gerhard ter Steegen de Monte aus der Kirche St. Andreas, das in die Sammlung von Ferdinand Franz Wallraf einging. Für den preußischen Regierungsrat Werner von Haxthausen restaurierte er das spätgotische Gemälde Achatiusmartyrium.
Ab 1812 beschäftigte Beckenkamp sich mit Kopien des Kölner Dombildes von Stefan Lochner sowie mit anderen Kopien alter Gemälde. Die Auftragslage schien sehr gut zu sein, denn Beckenkamp übertrug sowohl seinem Sohn Sigismund August als auch Schülern kleinere Aufträge. 1818 bestellte König Friedrich Wilhelm III. bei ihm eine große Kopie des Dombildes, die Beckenkamp bis 1821 fertigstellte.
Bis kurz vor seinem Tod im Alter von 81 Jahren war Beckenkamp tätig. Zu seinen letzten Bildern gehören ein großes Familienbild mit den sechs Söhnen des Kupferstechers Johann Heinrigs (1781–1861) und das Triptychon der Familie Heereman von Zuydtwyck.
Kinder Aus den beiden Ehen mit Katharina Josepha und Anna Maria gingen fünf Kinder hervor, von denen jedoch nur zwei, der Kunstmaler Sigismund August Beckenkamp (1788–1823) und die Tochter Elisabeth, das Erwachsenenalter erreichten.Mosler, S. 85
Werk mini|hochkant|Porträt des Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Sachsen, um 1790–1794 Überblick Die 2003 erschienene große Monografie von Bettina Mosler zu Benedikt Beckenkamp führt mehr als 150 bekannte Werke auf, deren Verbleib jedoch zum Teil nicht geklärt werden konnte.Auch die Darstellung des Werkes folgt, soweit nicht ausdrücklich anders angegeben, stark zusammenfassend Bettina Moslers Ausführungen.
Der durch die Französische Revolution ausgelöste soziale Umbruch beeinflusste Beckenkamps Lebensweg und die Wahl seiner Sujets. Sein Werk lässt sich folgenden Themen zuordnen:
Religiöse Historienmalerei Landschafts- und Stadtbilder Porträts Nachbildungen des Kölner Dombildes
Religiöse Historienmalerei Stilistische Anklänge an Januarius Zick Die Aussage de Noëls, dass Beckenkamp bei Januarius Zick gelernt habe, ist zwar durch keinerlei Zeitdokumente oder Zeugnisse gestützt, jedoch aufgrund inhaltlicher und stilistischer Bezüge plausibel. Beckenkamps Gemälde Maria mit ihren Eltern Anna und Joachim von 1776 nimmt das Thema auf, das Zick 1766 zweimal, in der Pfarrkirche St. Peter in Koblenz sowie in der Klosterkirche in Ottobeuren behandelt hat. Besonders die Ähnlichkeit des Typs der Heiligen Anna zeigt die stilistische Abhängigkeit Beckenkamps von Zick auf. Ungelenke Verrenkungen und Verkürzungen in Beckenkamps Darstellung zeigen dessen damals noch geringere Erfahrung in der Figurenmalerei.
Die auf ein Kupfertäfelchen gemalte Ölskizze St. Martin und der Bettler weist stilistische Anklänge an eine frühere Lebensphase Zicks aus der Zusammenarbeit mit seinem Vater Johannes Zick hin, der so genannten Rembrandtphase.
Ein als Selbstbildnis geltendes Porträt Januarius Zicks aus der Zeit zwischen 1770 und 1775 im Mainfränkischen Museum in Würzburg ist möglicherweise ein Werk Beckenkamps. Es stimmt in Bildausschnitt, Körperhaltung und Augenstellung mit zwei von Beckenkamp gemalten Porträts aus den 1890er Jahren überein. Der pastose Farbauftrag ist charakteristisch für Beckenkamp, während Zick eine lockere, mit Lichtern durchsetzte Pinselführung bevorzugte. Die Datierung 1770–1775, die aufgrund des Alters des Dargestellten außer Frage steht, wäre ein Zeugnis für eine frühe Stilsicherheit des jungen Beckenkamp.
Kirchengemälde im Landkreis Koblenz mini|hochkant|Benedikt Beckenkamp: St. Georg mit dem Drachen, Hochaltar der Pfarrkirche Urmitz Von den um 1776–1778 entstandene Gemäldezyklus in der Urmitzer Kirche stammen mit großer Wahrscheinlichkeit mindestens sechs Bilder von Beckenkamp. Zum Heiligen Georg am Hochaltar existiert eine Vorstudie in Form eines ölbemalten Kupfertäfelchen, ähnlich dem bereits erwähnten Heiligen Martin. Auch dieses Gemälde weist starke Anklänge an Januarius Zick auf.
Dies gilt auch für die beiden auf 1784 datierten Gemälde an den Seitenaltären der Pfarrkirche St. Laurentius in Beulich. Sie zeigen ebenso den Einfluss Zicks wie ein Gemälde aus dem Mittelrheinischen Museum in Koblenz, Christus und die Samariterin am Brunnen. Zick seinerseits orientierte sich an der italienischen Barockmalerei. Das zuletzt genannte Bild ist eine Nachempfindung eines 1757 gemalten Budapester Bildes von Annibale Carracci. Andererseits lässt das Beulicher Bild Verkündigung eine merkliche Weiterentwicklung Beckenkamps vom Zick’schen Barockstil hin zum Klassizismus erkennen.
Religiöse Malerei in Köln