mini|Reggia di Capodimonte in Neapel Das Capodimonte-Schloss (ital. Reggia di Capodimonte) ist ein königlicher Palast aus dem 18. Jahrhundert mit angeschlossenem Park im Viertel San Carlo all’Arena von Neapel in der italienischen Region Kampanien. Er liegt in der Via Miano, 2 und war bereits die Residenz der Familie Bourbon-Sizilien, aber auch der Familien Bonaparte und Murat, sowie des Hauses Savoyen.
Das im Auftrag von König Karl III. Bourbon ab 1738 als Aufbewahrungsort für die Farnesische Sammlungen erbaute Haus wurde später in einen Königspalast umgewandelt, bis es 1957 das Museo di Capodimonte aufnahm.
Der Palast erstreckt sich über zwei Stockwerke und im Obergeschoss finden sich die königlichen Wohnräume: Dabei handelt es sich teilweise um Rekonstruktionen, teilweise um Originale der Einrichtung, die den dynastischen Familien gehört hatten, die dort gelebt hatten. Unter den Ausstellungsstücken stechen besonders heraus: Porzellan, Objekte des täglichen Lebens, sowie Skulpturen und Gemälde von italienischen und anderen europäischen Künstlern des 18. und 19. Jahrhunderts.
2015 wurden im Museum 144.694 Besucher gezählt, im Park 974.531.
Geschichte 18. Jahrhundert mini|links|Karl III. Bourbon, Schöpfer des Palastes Nach zwei Jahrhunderten spanischen Vizekönigtums und dreißig Jahren österreichischer Herrschaft wurde Neapel mit der Thronbesteigung von Karl III. Bourbon wieder ein unabhängiges Königreich. Der neue König entschied, eine städtebauliche Neuordnung von Neapel vorzubereiten, und unter seinen verschiedenen Ideen war die eines Palastes, in dem eine Kunstsammlung, die sogenannten Farnesischen Sammlungen, untergebracht werden konnte. Mit ihr hatte Papst Paul III. im 16. Jahrhundert mit dem Erbe seiner Mutter, Elisabetta Farnese, begonnen und seine Nachfahren setzten dies fort. Sie war damals zwischen Rom und Parma aufgeteilt, auch, weil der Palazzo Reale noch keine Gemäldegalerie hatte. Der Ort, der für den Bau des Palastes gewählt wurde, war der Hügel von Capodimonte, ein bewaldetes Gebiet Neapels, reich an Wild, mit dem Hintergrund, neben dem musealen Zweck auch einen Aufenthaltsort während der Jagden zu schaffen. Der Hügel bietet ein Panorama des Vesuv, von San Martino und von Posillipo.
Der Grundstein für den Palast wurde am 10. September 1738 gelegt und mit den Konstruktionsarbeiten wurde der Militäringenieur Giovanni Antonio Medrano betraut, dem Antonio Canevari zur Seite stand, auch wenn ihre Zusammenarbeit dann ziemlich schwierig wurde. Eine Expertenkommission, die mit ihrer Arbeit 1739 begann, beschäftigte sich dagegen mit der Definition der Innenräume, sodass sie am besten den musealen Bedürfnissen entsprachen. Das Projekt sah somit ein rechteckiges Gebäude mit drei Innenhöfen vor, dessen Säle im Süden, mit Blick zum Meer, der Ausstellung der Gemälde dienen sollten, während die weiter innen liegenden mit Blick zum Garten, eine Bibliothek aufnehmen sollten. Die Arbeiten schritten ziemlich langsam voran: Zu einer Abschwächung der anfänglichen Begeisterung kamen Probleme logistischer Natur, wie das Fehlen von Wasser auf dem Hügel von Capodimonte und Schwierigkeiten, die Baustelle zu erreichen, wegen des Fehlens einer direkten Zufahrtsstraße und dem Tal von Sanità, das mehrfache Anstiege erforderte, sodass Johann Joachim Winckelmann bei einem Besuch des Palastes behauptete:
“Si arriva ad esso dopo aver superato la salita erta e scoscesa, con un palmo di lingua da fuori e per questo motivo i paesani non se ne pigliano tanto fastidio“(dt.: Man gelangt mit heraushängender Zunge dorthin, nachdem man den steilen und harten Anstieg überwunden hat, und aus diesem Grunde macht dies den örtlichen Bewohnern nichts aus.) 1742 begann der Architekt Ferdinando Sanfelice mit der Anlage des 124 ha Parks: Von einer elliptischen Esplanade vor dem Palast aus ließ Sanfelice fünf Alleen ausgehen, von denen kleinere Wege abzweigen, die den Wald durchqueren. Damit einher ging auch die Restaurierung aller Gebäude im Garten, die entweder als Wohnstatt, als Kultstätte oder als Arbeitsraum dienten, wie z. B. eine Fertigungsstätte für Wandteppiche, die 1737 eröffnet worden war, oder eine Porzellanfabrik, die 1743 eingeweiht wurde, aber 1759 mit allen Einrichtungen und Öfen abgerissen wurde, als der König nach Spanien umzog und alle Handwerkermeister mit sich nahm; diese Fabrik war eine der bedeutendsten Fertigungsstätten, deren Produkte den Namen ihrer Fertigungsstätte trugen. Zu den Fertigungsstätten gehörten auch eine königliche Druckerei ab 1750 und eine Waffenfabrik ab 1753, sowie verschiedene Bauernhöfe. 1755, als der Palast noch im Bau war, wurde die Königliche Akademie der Nacktheit unter der Leitung von Giuseppe Bonito eröffnet, wogegen 1758 die ersten Gemälde umzogen, die zwölf der vierundzwanzig Säle belegen sollten, die sich noch in Fertigstellung befanden.
Mit der Thronbesteigung von Ferdinand I. 1759 begannen die Arbeiten an dem Palast sich zu verlangsamen, zum einen, weil man die Idee scheute, in Neapel eine einzigartige, museale Einrichtung zu schaffen, in der sowohl eine Gemäldesammlung als auch eine Bibliothek und die Akademie zusammengeführt werden sollten, wobei die Wahl auf den Palazzo delle Studi, das künftige Archäologische Nationalmuseum, fiel, zum anderen aus wirtschaftlichen Erwägungen, da das Interesse des neuen Königs sich der im Bau befindliche Reggia di Caserta zuwandte: Dennoch wurde unter der Leitung von Ferdinando Fuga 1765 der Mitteltrakt des Palastes fertiggestellt, sowie in den letzten 30 Jahren des 18. Jahrhunderts die Porzellanfabrik wiederhergestellt. Darüber hinaus wurden die Räume zum zweiten Innenhof komplettiert, die mit den bereits fertiggestellten durch zwei lange Säle verbunden wurden, die mit dem Beginn des neuen Jahrhunderts zu Repräsentationsräumen werden sollten, und es wurde schließlich ein Restaurierungslabor eingeweiht. Mit dem Aufkommen der kurzlebigen Parthenopäischen Republik 1799 wurde der Palast teilweise seiner Kunstwerke beraubt und, als König Ferdinand zurückkam, wurde die gesamte Sammlung in den Palazzo Francavilla im Stadtzentrum umgezogen, sodass die Reggia di Capodimonte teilweise ihre Funktion als Museum verlor und zur privaten Wohnstätte wurde.
19. Jahrhundert mini|links|Joachim Murat, einer der Souveräne, die den Palast in eine private Residenz umwandelten. Mit der Ankunft der Franzosen in Neapel 1806 und ihrer neuen Souveräne Joseph Bonaparte und Joachim Murat, von denen letzterer von 1808 bis 1815 regierte, brach eine neue Lebensphase des Palastes an, der zur königlichen Residenz werden sollte. Die neuen Souveräne setzten zunächst eine Urbanisierungspolitik für den Hügel von Capodimonte um, sodass Villen und Häuser für die Höflinge gebaut wurden, und strebten eine direkte Verbindung zwischen der Stadt und dem Palast an, also eine gerade Straße namens Corso Napoleone, die später „Via Santa Teresa degli Scalzi“ und „Corso Amadeo di Savoia“ genannt wurde. Die Arbeiten an der neuen Straße begannen 1807 unter der Leitung von Bartolomeo Grasso; mit der Ausführung waren Nicola Leandro und Gioacchino Avellino betraut: Die Straße überspannt das Tal von Sanità mit einer Brücke, an der die Arbeiten 1809 begannen, und endet in einem elliptischen Platz namens Tondo di Capodimonte, von dem aus eine Reihe von Kurven bis zum Palast führen. Etwa 30 Jahre später wurde dagegen eine Monumentaltreppe aus Piperno nach Plänen von Antonio Niccolini errichtet, die vom Tondo di Capodimonte an den Kurven vorbei einen schnellen Aufstieg zur Residenz ermöglicht, wenn auch nur zu Fuß. Bei der Ankunft der Franzosen war die Residenz erst zu zwei Dritteln fertiggestellt: Die Innenräume wurden mit Möbeln und Objekten, die direkt aus Frankreich angeliefert oder von örtlichen Handwerkern nach dem Geschmack des Souveräns gefertigt wurden, versehen. Mit der Restauration der Dynastie der Bourbonen in Neapel 1816 war König Ferdinand weiterhin begeistert von der neuen Prägung des Gebäudes und setzte die Ansiedlungspolitik seiner Vorgänger fort: Auch das zweite Obergeschoss wurde von den Resten der verbleibenden Kunstwerke befreit, die in den Palazzo degli Studi umzogen; das Stockwerk wurde von der Dienerschaft genutzt. In der Reggia di Capodimonte fanden also künftig Veranstaltungen und Feste statt: 1819 weilte dort Fürst von Metternich, begleitet von seiner Gattin und dem Premierminister; während des Aufenthaltes wurden Bankette für über 1.000 Gäste ausgerichtet und erhabene Gerichte serviert, darunter Sfogliatelle, sowie dramatische Spiele geschaffen, wie das eines Vierbeiners, der von einem Ballon absprang. In dieser Zeit wurde der Garten zweimal im Jahr für die Bevölkerung geöffnet, wenn religiöse Feiertage anstanden, um die Pilgerfahrt zu einer Einsiedelei des Kapuzinerordens zu ermöglichen, die auf dem Gebiet des Parks lag. Weder König Ferdinand, noch sein Nachfolger, sein Sohn Franz, nutzten den Palast für Wohnzwecke neben der Reggia di Portici und der Reggia di Caserta: Insbesondere König Franz zog es vor, in einem kleinen Palast namens „Palazzo dei Principi“, einer alten Adelsresidenz, die restauriert worden war und innerhalb der Grenzen des Parks unweit des Hauptgebäudes liegt, zu weilen.
mini|Der Palast Ende des 19. Jahrhunderts Als Ferdinand II. 1830 auf den Thron gelangte, fand er einen immer noch unfertigen Palast vor: 1833 wurde der dritte Innenhof fertiggestellt und 1834 die Architekten Antonio Niccolino und Tommaso Giordano mit den Arbeiten betraut; sie gingen an die Realisierung des nördlichen Hofes. 1836 und 1837 wurden auch die Räumlichkeiten auf der Südseite, die als Wohnräume genutzt werden sollten, im klassizistischen Stil ausgeschmückt, insbesondere die beiden Repräsentationssalons, der eine mit Gemälden, auf denen Persönlichkeiten der Bourbonen abgebildet waren, der andere sollte Empfängen des Hofes dienen: Die Säle wurden darüber hinaus mit Werken verschönert, die von vom Souverän erworben oder von jungen Künstlern aus Neapel geliefert worden waren, die mit königlicher Unterstützung in Rom studiert hatten und so ihre erreichten Fortschritte zeigten. Der Palast wurde schließlich 1838 endgültig fertiggestellt, auch wenn noch Anfang der 1840er-Jahre eine Monumentaltreppe im Inneren hinzugefügt wurde. Es begann auch die Neuanlage des Parks unter der Leitung von Friedrich Dehnhardt, der ihn in einen englischen Landschaftsgarten mit Blumenbeeten und verschiedenen Baumarten, sowie exotischen und seltenen Pflanzen, umwandelte.
Keine Rolle spielte die Thronfolge von Franz II., aber die Einigung Italiens und die Ernennung von Annibale Sacco als Direktor des Königshauses, als die Reggia di Capodimonte ihre Funktion als Residenz behielt, und zwar für das Haus Savoyen; bedeutend waren einige Ergänzungen der Dekorationen der Innenräume. Sacco zog in die Räume eine große Zahl von Porzellan- und Biskuitporzellanstücken um, sowie 1864 die Waffenkammer, 1866 einen kleinen Porzellansalon, der Mitte des 18. Jahrhunderts auf Betreiben der Königin Maria Amalia von Sachsen geschaffen wurde und sich ursprünglich in der Reggia di Portici befand, und 1877 einen Marmorbodenbelag, der etwa einhundert Jahre vorher, bei archäologischen Ausgrabungen in einer kaiserlichen Villa in Capri gefunden und temporär in der Villa Favorita verlegt worden war. Dank des neuen Direktors wurde auch um die Wohnräume im ersten Obergeschoss eine Art Pinakothek geschaffen, in der Bildwerke neapolitanischer Künstler gesammelt wurden. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden in der Reggia di Capodimonte weiterhin Feste und Zeremonien abgehalten, sowohl im Palast als auch im Park. Es wurden Bankette zu Ehren von Alexandre Dumas dem Jüngeren oder von Mitgliedern der britischen Königsfamilie, Jagden und 1877 ein Empfang angelegentlich der Nationalen Ausstellung der Schönen Künste abgehalten.
20. Jahrhundert