Gottfried Adolph Joseph Lesimple (getauft 3. Mai 1828 in Köln; gestorben 21. April 1910 ebenda) war ein deutscher Druckerei-Besitzer, Buch- und Zeitungsverleger sowie Verlagsbuchhändler.

Leben und Wirken

Köln (1828–1866) Adolph Lesimple war ein Sohn des Appellationssekretärs Peter Joseph Lesimple (1796–1837). Seine Mutter Maria Clara Jacobina geb. Langen (1796–1841)Siehe die Sterbeurkunde, Sterberegister (LAV) Köln für 1841, Band 5, Signatur: 48 S/1841r, Band 5, Urkunde Nr. 2293 besaß die Langen’sche Buchdruckerei in der Kölner Comödienstraße 38, gleichzeitig Wohnsitz der Familie. Nach dem frühen Tod der Eltern wurde der Kölner Kaufmann Peter Schweinem Vormund von Adolph und seinen drei Geschwistern.

Ende 1850 heiratete Adolph Lesimple Anna Maria Emma Louise Francisca „Fanny“ Erlenbach aus Koblenz.Hochzeitsanzeige. In: Kölnische Zeitung, 18. Dezember 1850. Hochzeitsankündigung, kurze Civilstand-Meldung der Stadt. In: Allgemeiner Anzeiger für Rheinland-Westphalen, 3. Dezember 1850. Aus der kurzen Ehe gingen zwei Töchter hervor. 1853 übernahm Lesimple als Buchdrucker und Gutsbesitzer, nun wohnhaft in Brühl bei Köln, zusammen mit seinem Bruder Carl und Arnold Bechtold, beide gelernte Buchdrucker, die Langen’sche Druckerei unter dem Namen Langen’sche Buchdruckerei von Lesimple und Comp.Gesellschaftervertrag vom 8. September 1853, laut Meldung im Allgemeinen Anzeiger für Rheinland-Westphalen, 18. September 1853. Der erstgeborene Bruder August hatte bereits 1852 die Buchhandlung „Schmitz, J. G., Sorth. in Cöln“, auch bekannt als J. G. Schmitz’sche Buchhandlung übernommen.Allgemeines Adreßbuch für den deutschen Buchhandel, 1853, Nr. 15, S. 73, IV. Abtheilung.

1854 wurde Adolph Lesimple Präsident der großen Carneval-Gesellschaft in Köln.Zeitschrift Didaskalia, 1. März 1854, No. 52, letzte Heftseite. Im selben Jahr starb seine Ehefrau Fanny.Todesanzeige. In: Kölnische Zeitung, 17. Dezember 1854. Franziska Lesimple und Elise Lesimple sind die Namen der Töchter, diese stehen aber nicht in der Todesanzeige.

Die Langen’sche Buchdruckerei hatte oft Theaterzettel, -texte oder Opernlibretti gedruckt. Ab September 1855 erschien schließlich die wöchentliche Zeitschrift Der Zwischen-Act, Blätter für Kunst, Literatur und Theater.Er war als Person allein der Verleger, nicht die Langen’sche Buchdruckerei. Siehe die textausführliche und kühn ausholende (z. B. „Berichte über die Haupt-Theater des In- und Auslandes“) Ankündigungs-Anzeige. In: Kölnische Zeitung, 26. August 1855.

Die erste angekündigte Zeitung von der Langen’schen Buchdruckerei war der Kölner Local-Anzeiger. Die Probenummer des Gratisblattes erschien am 28. März 1858 mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren.Siehe die Ankündigungs-Anzeige für den Local-Anzeiger in der Kölnischen Zeitung vom 22. März 1858. Achtung: Nicht zu verwechseln mit dem Kölner Local-Anzeiger aus dem Haus J. P. Bachem ab 1887. Im Deutschen Zeitungs-Katalog von 1862 ist der Titel als Local-Anzeiger verzeichnet, als Wochenzeitung aus dem „Verl. A. Lesimple“.Siehe dort auf Seite 86. Hübner's Deutscher Zeitungs-Katalog. 1862. Verzeichnis von 2700 in Deutschland und den angrenzenden Ländern in deutscher Sprache erscheinenden periodischen Schriften mit Einschluss der politischen Zeitungen, der Tage-, Wochen- und Intelligenzblätter. Herausgegeben von Heinrich Hüberner. Leipzig, Verlag von Heinrich Hübner.

Im Januar 1864 warb die Langen’sche Druckerei (Ad. Lesimple) für ein von der Druckerei selbst erstelltes Post-Handbuch, dabei galt eine Ausgabe für das In- und Ausland und eine weitere Ausgabe, nur Ausland, diese nur für die Rheinprovinz. Ebenfalls 1864 kündigte die Langen’sche Buchdruckerei per Anzeige die kostenlose Zeitung Kölner Tages-Telegraph an.Die Werbe-Anzeige erschien am 29. März 1864 in der Kölnischen Zeitung. Es ging in der Zeitung demnach um die „täglichen Vergnügen“, darunter alle Theaterzettel für Thalia-Theater, Victoriatheater, Stadttheater, aber auch Börsen- und Marktberichte. Zudem eine Rundschau über Handel und Verkehr.

mini|Werbeanzeige von der Langen’schen Buchdruckerei (Ad. Lesimple) für den Kölner Tages-Telegraph in 1864.

Im Mai 1864 wurde bereits eine weitere, jetzt monatliche, Zeitung angekündigt, Illustrirter Courier für die Rheinlande und Westphalen, der auf Eisenbahnhöfen und in den Buchhandlungen zu haben sein sollte.Werbeanzeige. In: Kölnische Zeitung, 2. Mai 1864. Hier arbeitete Adolph Lesimple mit Aurel Frühbuss zusammen, von „Bollig's Buchhandlung“. Man fand laut Werbetext im Courier Eisenbahnfahrten, Dampfer- und Schiffstermine samt Tarifen, aber der Courier sollte auch Feuilleton sowie Reiseführer sein und Unterhaltungslektüre bieten. Zudem war extra ein Allgemeiner Geschäfts-Anzeiger beigegeben.

Ende 1864 verkündete Ad. Lesimple, dass er den Allgemeinen Deutschen Telegraphen (vorher Stuttgart) übernommen hatte und die Wochenzeitung als Deutscher Telegraph weitergeführt werden sollte.Hinweis: Der Kölner Tages-Telegraph und die neu angekündigte Wochenzeitung Deutscher Telegraph sind zwei unterschiedliche Lesimple-Projekte. – Siehe die Anzeige. In: Kölnische Zeitung, 28. Dezember 1864. N. Hocker ist Nikolaus Hocker. L. Gall ist Ludwig Gall, der am 31. Januar 1863 verstorben war.

Im Jahr 1864 entstand auch die Ahn's Verlags-Handlung (Alb. Ahn & Adolf Lesimple), Sitz in Brüssel. Namensgeber Albert Ahn, Franz Conrad Albert Ahn,Er ist Albert Ahn senior. war ein ursprünglich Aachener. Adolph Lesimple lebte als Betreiber der „Langen’schen Buchdruckerei“ in Köln. Diese Kombination von Ahn und Lesimple hielt nur ein paar Jahre. Es wechselte der Verlagssitz (und auch Albert Ahn selber) nach Köln: „Ahn's Verlagshandl. (Albert Ahn & Adolf Lesimple ) in Cöln (& Deutz), Comödienstr. 38. Seit 20. März 1866. Gegründet 15. August 1864 Brüssel“.So las man im „Allgemeinen Adreßbuch für den deutschen Buchhandel …“, hier als Beispiel das aus dem Jahr 1872. Allgemeines Adreßbuch für den deutschen Buchhandel, den Antiquar-, Colportage-, Kunst- Landkarten- und Musikalien-Handel sowie verwandte Geschäftszweige, Nr. 34, 1872, Seite 3. – Siehe das erste Rundschreiben vom 15. August 1864 als Scan vom Original, mit den Unterschriften beider Männer. Erste Buchprojekte waren zwei Bücher zum Erwerb der holländischen Sprache, Verfasser: Albert Ahn.

Bonn, Mainz, Köln (1867–1910)

Ab 1867 wurde Adolph Lesimple unternehmerisch außerhalb von Köln aktiv. In Königswinter besaß er eine Druckerei und sollte dort mit dem „Echo des Siebengebirges“ beginnen, einer Zeitung. Es kam in den folgenden Jahren zu Übernahmen von Verlagsbuchhandlungen, bisweilen samt der Druckerei, wobei er immer auch Titelrechte von Publikationen erwarb. In Bonn kaufte er nach dem Tod von Tobias Habicht die Habicht’sche (Verlags)Buchhandlung im Jahr 1871Ein von Habicht noch verlegtes Buch, als Beispiel: Gottfried Kinkel, Die Ahr. Landschaft, Geschichte und Volksleben. Zugleich ein Führer für Ahrreisende. (Buchdeckeltitel „Das Ahrthal“). Verlag T. Habicht, Bonn, 1858, XXII und 394 Seiten.. Es entstand aber auch eine Adolph-Lesimple's-Filiale in Weilburg, denn da hatte er der Witwe des Verlagsbuchhändlers Lanz das Buchhandlungserbe abgekauft.Die Filiale bestand aber nur von 9. September 1871 bis 14. Oktober 1872. Durch die Weilburger Erwerbung wurde er auch der Verleger des Amtsblattes für den Oberlahnkreis und der „Rhein- und Lahnzeitung“, in 100 Ortschaften verteilt.

Bonn hingegen blieb über Jahre sein Wohnsitz, nur im Sommer wohnte er in Godesberg.Siehe: Adressbuch nebst Geschichte und Fremdenführer für die Bürgermeistereien Godesberg, Villip und das Siebengebirge incl. des Luftkurortes Honnef, 1886, Adolf Lesimple's Verlag, Leipzig. Demnach wohnt er im Sommer im Haus Ecke Schultheissgasse/Hauptstraße, Bad Godesberg, siehe Seite 9. Im offiziellen Verzeichnis der Gemeinde-Wähler Bonn in der Bonner Zeitung (3. Oktober 1887) tauchte er auch auf, mit Adresse in der Riesstraße 21.

Bereits 1873 kam es zum Verkauf des „Sortiments“, d. i. ist die Bonner Habicht’sche Buchhandlung, durch Ad. Lesimple an Emil Tschiersky. Zugleich entschloss Lesimple sich zur Fortführung des Verlages, diesen bezeichnete er als „Habicht's Verlag Adolf Lesimple“. Lesimple annoncierte, hier lag demnach der Grund für den Verkauf der Buchhandlung, dass er wegen Krankheit (wörtlich: „veranlasst durch fortwährende Gesundheitsstörung“) genau diese Bonner Buchhandlung aufgeben müsse, also: die Habicht’sche.Siehe die Anzeige vom 15. Mai 1873, in: Börsenblatt für den deutschen Buchhandel. 1873, Nr. 129, 7. Juni, auf der für den Jahrgang fortlaufenden Seite 2046. Ebenso wird er auch andere Verlagsbuchhandlungen wieder abgegeben.

Den in Köln ansässigen „Ahn’schen Verlag“ betrieb er (Ad. Lesimple, ohne Albert Ahn) weiterhin, mittlerweile allein, während Albert Ahn senior, Franz Conrad Albert Ahn, die Langen’sche (und auch Lesimple'sche) Familien-Druckerei 1868 in Köln übernommen hatte und u. a. 1870–1892 aus diesem Druckhaus heraus die Kölner Nachrichten verlegte und verantwortete.

Der Kölner Verlag, den Adolph Lesimple einst mit Ahn gegründet hatte, firmierte ab November 1874, mit neuem Sitz in Leipzig als „Ahn's Verlag (Adolf Lesimple)“.„Ahn's Verlh. (Albert Ahn & Adolf Lesimple) in Cöln siedelt 15. Nov. 1874 nach Leipzig über und firmirt fortan Ahn's Verlag (Adolf Lesimple) in L.“, so steht es im „Allgemeinen Adreßbuch für den deutschen Buchhandel, den Antiquar-, Colportage-, Kunst- Landkarten- und Musikalien-Handel sowie verwandte Geschäftszweige“. 1875, Seite 105. – „[48274.] Hiermit die ergebene Mittheilung, daß der Ahn’sche Verlag in meinen Besitz übergegangen ist.*) Herr L. A. Kittler in Leipzig wird auch fernerhin die Commission gütigst übernehmen. – Auslieferung erfolgt nur in Leipzig. Ganz ergebenst Bonn, im December 1874. Adolf Lesimple. *) Bestätigt hiermit Albert Ahn.“ Siehe Börsenblatt für den deutschen Buchhandel …, 11. Dezember 1874, Seite 4690.

Es gab so eine auffällige Verschiebung über Kreuz bei den Männern Lesimple und Ahn. Der gelernte Drucker und dann Druckereibesitzer Adolph war nur noch Verleger, verkaufte aber das mehr als ein Jahrhunderte alte Familienunternehmen an Albert Ahn senior, während dieser ehemalige Buchverleger Ahn seinerseits das Kölner Lesimple'sche Traditionsdruckhaus übernahm und so zusätzlich zum Zeitungsverleger wurde, anfangs sogar auch als Chefredakteur. – Ad. Lesimple wiederum führte den Namen „Ahn“ per Verlag jetzt weiter.Zudem ist bedeutsam: Die Tochter von Albert Ahn sen., Therese Ahn, aus Neuß, heiratete 1864 den jüngeren Bruder von Adolph, und zwar den Chemiker Carl Lesimple. Siehe z. B. die ganz kleine Anzeige des Paares, Kölnische Zeitung (10. April 1864), sowie die öffentliche Notarsverkündung zum Ehevertrag in der Kölnischen Zeitung (28. April 1864). Das Namensdoppel Ahn (Verlag, betrieben von Lesimple) versus Ahn (Inhaber der Langen’schen Druckerei) führte zu Missverständnissen. Davon zeugen Hinweise wie „Nicht zu verwechseln mit dem Verlag von Albert Ahn in Köln“ in dem Allgemeinen Adreßbuch für den deutschen Buchhandel.Hier z. B. in der Ausgabe von 1877, Seite 5, also drei Jahre nach der alleinigen Verlagsübernahme durch Adolph Lesimple. Zudem hatte Albert Ahn extra eine (Verlags-)Buchhandlung auf seinen Namen gegründet, im November 1886, siehe Handelsregisterbekanntmachung z. B. in der Kölnischen Zeitung vom 23. November 1866. Albert Ahn sen. wird u. a. mit gedruckten Eisenbahnfahrplänen erfolgreich. Allein sein „Ahn's Eisenbahn-Kursbuch“, als Beispiel, hatte 1882 bereits eine Auflage von ca. 100.000 Exemplaren. Diese Zahl gilt laut dem Allgemeinen Adreßbuch für den deutschen Buchhandel 1882, Seite 3.

mini|Buch-Innen-Titel für „Erzählungen aus der rheinischen Geschichte“, verlegt von „Adolf Lesimple's Verlagsbuchhandlung“, Leipzig 1883.