Die Burschenschaft Dresdensia-Rugia zu Gießen ist eine mittlerweile suspendierte pflichtschlagende Studentenverbindung, die von 1951 bis 1969 in Frankfurt am Main und zuletzt von 1971 bis 2015 in Gießen aktiv war.

Der Altherrenverband vereint ehemalige Studenten der Universitäten Frankfurt/Main und Gießen sowie der Fachhochschule Gießen-Friedberg. Dresdensia-Rugia führte während der Zeit der Deutschen Teilung als Fusionsburschenschaft die Traditionen der aus Mitteldeutschland vertriebenen Leipziger Burschenschaft Dresdensia und Greifswalder Burschenschaft Rugia fort. Mittlerweile bestehen beide Burschenschaften wieder eigenständig an ihren angestammten Hochschulorten.

Der Altherrenverband der Dresdensia-Rugia ist Mitglied im Verband Deutsche Burschenschaft (DB). Kontakte der Burschenschaft zur NPD waren in mehreren Verfassungsschutzberichten erwähnt und sie galt innerhalb der DB als umstritten.Zu rechts für Burschenschafter, Frankfurter Rundschau vom 23. November 2012, hr-online vom 24. November 2012

Couleur und Wahlspruch Dresdensia-Rugia hat die Farben violett-weiß-rot silberner Perkussion der früheren Dresdensia und rot-weiß-grün mit silberner Perkussion der früheren Rugia. Die Füxe tragen ein Fuchsenband in rot-weiß mit silberner Perkussion. {| cellspacing="0" width="60" | bgcolor="silver" height="1" | |- | bgcolor="darkviolet" height="8" | |- | bgcolor="white" height="8" | |- | bgcolor="red" height="8" | |- | bgcolor="silver" height="1" | |} (ehem. Dresdensia)

{| cellspacing="0" width="60" | bgcolor="silver" height="1" | |- | bgcolor="red" height="8" | |- | bgcolor="white" height="8" | |- | bgcolor="green" height="8" | |- | bgcolor="silver" height="1" | |}(ehem. Rugia)

{| cellspacing="0" width="60" | bgcolor="silver" height="1" | |- | bgcolor="white" height="12" | |- | bgcolor="red" height="12" | |- | bgcolor="silver" height="1" | |} Fuxenband

Der Wahlspruch lautet Ehre, Freiheit, Vaterland. Die Burschenschaft Dresdensia-Rugia ist schlagend.

Innere Struktur Die Dresdensia-Rugia ist ein Männerbund und ein Lebensbund deutscher Akademiker, in dem Studenten nach ihrem Studienabschluss Mitglied der Altherrenschaft der Burschenschaft werden, die die jungen Studenten (Aktivitas) finanziell und ideell unterstützt (umgekehrter Generationenvertrag). Außerdem ist sie nach dem Conventsprinzip organisiert.

Geschichte Dresdensia-Rugia zu Gießen ist ein Fusionsbund aus den beiden Burschenschaften Dresdensia Leipzig und Rugia Greifswald.

Geschichte Dresdensia Leipzig mini|hochkant|links|Wappen Dresdensia Leipzig

Am 12. Mai 1853Meyers Konversationslexikon. 5. Auflage, Leipzig 1896, Beilage zum Artikel Studentenverbindungen. gründeten drei aus Dresden stammende Zöglinge der Klosterschule St. Afra und fünf ehemalige Kreuzschüler aus Dresden, welche in Leipzig beim Gastwirt Schneemann verkehrten, die Verbindung Dresdensia mit dem Wahlspruch: Freundschaft – Frohsinn – Einigkeit. Im WS 1853/54 wurden die Statuten der Dresdensia von der Universität genehmigt.

Im November 1856 wurde die Dresdensia zur Landsmannschaft umgewandelt mit den Farben violett–weiß-orange. Es wurde ein Zirkel eingeführt mit der Bedeutung: vivat circulus dresdensiae.

1857 trat Dresdensia in den CC der Verbindungen ein, nachdem diese versprochen hatten, sämtlichst Landsmannschaften zu werden, und nahm die Farben violett-weiß-rot an.

Kartellbeziehungen bestanden mit Gothia Königsberg, Teutonia Jena und Torgovia Halle. Im Schillerjahr fand in Leipzig die 450-Jahr-Feier der Universität mit Königsempfang und Kommers statt, und die anwesenden Gothen erhielten das Dresdenerband als Freundschaftsbeweis. Verhandlungen über den Eintritt der Burschenschaft Rugia Greifswald in das Kartell zerschlugen sich.

Ab 1861 gab es burschenschaftliche Bestrebungen, und das schwarz-rot-goldene Band wurde zusätzlich getragen. Der neue Wahlspruch war: „Ehre, Freiheit, Vaterland“.

Im Jahre 1862 wandelte sich die Landsmannschaft Dresdensia in eine Burschenschaft um.

Im SS 1864 beteiligte sich Dresdensia an der Gründung des Eisenacher Burschenbundes, im WS 1874 des Eisenacher Deputierten-Conventes (EDC) und im SS 1881Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 87. des Allgemeinen Deputierten Conventes (ADC) – der späteren Deutschen Burschenschaft (DB).

mini|Die Burschenschaften Dresdensia und Rugia als Mitglieder der Deutschen Burschenschaft (1915) Im Juli 1919 war Dresdensia an der Gründung des Weißen Kreises in der DB beteiligt, mit dem im Mai 1922 die Weiße Arbeitsgemeinschaft in der DB gegründet wurde. Am 27. Juni 1925 beteiligte sich Dresdensia maßgeblich an der Gründung des Altweißen Kartells. Während der Zeit des Nationalsozialismus wehrte sich die Dresdensia gegen die Gleichschaltung von Studentenverbindungen, trat im November 1934 aus der DB aus und beteiligte sich an der Gründung der Alten Burschenschaft, welche in Opposition zum damaligen Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) stand. 1936 wurde die Dresdensia verboten und aufgelöst.Chronik der Leipziger Burschenschaft Dresdensia von Werner Reusch

Geschichte Rugia Greifswald mini|hochkant|links|Wappen Rugia Greifswald

Im WS 1854 wurde in Greifswald ein Französisches Kränzchen gegründet, das sich im SS 1855 in den Wissenschaftlichen Verein umfirmierte. Neun Mitglieder des Wissenschaftlichen Vereins gründeten am 5. April 1856 die Studentenverbindung Rugia mit den Farben rot-weiß-grün. Am 5. Juni 1856Meyers Konversationslexikon. 5. Auflage, Leipzig 1896, Beilage zum Artikel Studentenverbindungen. wurde die Rugia in eine Burschenschaft umgewandelt.

Im WS 1858 wurden die Farben in schwarz-rot-gold geändert und ab WS 1871 wieder ausschließlich rot-weiß-grün getragen. Am 24. Januar 1862 spaltete sich die Burschenschaft Germania Greifswald von der Rugia ab. Im SS 1864 beteiligte sich Rugia an der Gründung des Eisenacher Burschenbundes, im WS 1874 des Eisenacher Deputierten-Conventes (EDC) und SS 1881 des Allgemeinen Deputierten Conventes (ADC) – der späteren Deutsche Burschenschaft (DB). Im November 1908 wurde ein Haus in der Salinenstraße 47 erworben. 1913/14 präsidierte Rugia als Vorsitzende der Deutschen Burschenschaft.

Die Geschichte in der Zwischenkriegszeit und der Zeit des Nationalsozialismus entspricht derjenigen der Dresdensia Leipzig.

In der 1949 gegründeten DDR waren Studentenverbindungen zunächst verboten, weshalb die Rugia in Greifswald erst seit der Wiedervereinigung 1989 wieder aktiv werden konnte.Stammrolle der Greifswalder Burschenschaft Rugia von Jens Carsten Claus 2000

Rekonstitution und Verschmelzung zur B! Dresdensia-Rugia

Die beiden „befreundeten“ Verbindungen Dresdensia Leipzig und Rugia Greifswald konnten nach dem Zweiten Weltkrieg in ihren Gründungsorten nicht mehr aktiv werden. Daher bildeten deren Mitglieder eine Interessengemeinschaft zur Neugründung einer Burschenschaft und es wurde am 5. Mai 1951 die Burschenschaft Dresdensia-Rugia (D-R) in Frankfurt am Main gestiftet, die kurz danach auch dem Weißen Kreis in der DB beitrat. Seit 1956 mietete Dresdensia-Rugia einen Teil des Hauses der Frankfurt-Leipziger Burschenschaft Arminia in der Paul-Ehrlich-Straße 1.Paul Macdonald: Eigenes Haus der Frankfurter Burschenschaft Dresdensia-Rugia. In: Burschenschaftliche Blätter, 80. Jg. (1965), H. 1/2, S. 24.

Im Juli 1963 war sie an der (Wieder-)Gründung des Alt-Weißen Kartells (AWK) in der DB beteiligt, dem sie bis heute angehört. Während dem wiedergegründeten AWK in den Anfangsjahren noch die Burschenschaften Frankonia Bonn, Alemannia Gießen, Germania Königsberg zu Hamburg und Germania Straßburg zu Tübingen angehörten, bestand es spätestens seit den 1990er Jahren nur noch aus Dresdensia-Rugia und Germania Straßburg. Letztere verließ das Alt-Weiße-Kartell schließlich in den frühen 2000ern und wurde durch die mittlerweile neuentstandene Greifswalder Burschenschaft Rugia ersetzt.

Am 19. Dezember 1964 konnte Dresdensia-Rugia nach erfolgtem Kauf ihr eigenes Korporationshaus in der Anzengruberstraße 3 einweihen.Paul Macdonald: Eigenes Haus der Frankfurter Burschenschaft Dresdensia-Rugia. In: Burschenschaftliche Blätter, 80. Jg. (1965), H. 1/2, S. 24.

Nachdem bereits 1968 eine Verlegung an die neu zu gründende Hochschule in Bielefeld diskutiert worden war, vertagte sich D-R im Wintersemester 1969/70 „wegen Mangel an Mitgliedern“. Im Dezember 1971 wurde die Burschenschaft in Gießen von fünf ehemaligen Mitgliedern der Burschenschaft Germania rekonstituiert. Der 1961 gegründeten Burschenschaftlichen Gemeinschaft gehörte D-R von 1973 bis 1985 sowie von 1989 bis 1996 an. In der Folge war D-R von 1994 bis 1996 sowie von 1999 bis 2003 erneut vertagt.

Im Jahr 2010 traten mehrere Aktive aus der Hannoverschen Burschenschaft Ghibellinia-Leipzig aus, nachdem es zu politischen Differenzen mit deren Altherrenbund gekommen war, und zur Dresdensia-Rugia über, die daraufhin zeitweilig und parallel zum Haus in Gießen eine Konstante in Hannover (Schaumburgstr. 20a) eröffnete.https://www.landtag-niedersachsen.de/drucksachen/drucksachen_17_5000/4501-5000/17-4602.pdf

Rekonstitution von Rugia (1990) und Dresdensia (2015) Bereits nach der Wende in der DDR wurde die Ursprungsburschenschaft Rugia 1990 in Greifswald rekonstituiert und steht seither im Kartell mit Dresdensia-Rugia in Gießen. Die Wiedergründung der Dresdensia Leipzig erfolgte im Jahr 2015. Die Burschenschaft Dresdensia-Rugia zu Gießen ist seither vor der Deutschen Burschenschaft vertagt. Der Altherrenverband unterstützt die Burschenschaft Dresdensia Leipzig und vergibt das Rugier-Band nicht mehr.

Kritik mini| Verbindungshaus der Burschenschaft während einer Antifa-Demonstration am 28. Mai 2005

Die Burschenschaft gehört innerhalb des Dachverbandes „Deutsche Burschenschaft“ (DB) zum konservativen rechten Flügel und steht seit längerer Zeit wegen ihrer Verbindungen in die revisionistische und rechtsextreme Szene in der Kritik.

1980–2000 1987 wurde unter maßgeblicher Beteiligung der Dresdensia-Rugia der „Christlich Konservative Arbeitskreis Gießen/Mittelhessen“ gegründet, dem eine wichtige Scharnierfunktion zwischen rechtskonservativen und rechtsextremen Kreisen zugeschrieben wird. Mit Unterstützung des Arbeitskreises veranstaltete die Burschenschaft bereits Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre Vorträge und Feierlichkeiten, bei denen bekannte Vertreter der rechtskonservativen, revisionistischen und rechtsextremen Szene wie beispielsweise Rolf Schlierer, der Bundesvorsitzende der Partei Die Republikaner und Alter Herr der Gießener Burschenschaft Germania, der rechtsextreme Publizist Hans-Dietrich Sander oder der CDU-Rechtsaußen Heinrich Lummer als Redner auftraten.Gießener Anzeiger vom 22. Mai 1990, Criticon September/Oktober 1992 Aber auch der bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im hessischen Landtag, Hans-Jürgen Irmer, referierte 1996 bei der Verbindung. Nach Protesten der Antifa setzten die um das Image der Burschenschaft besorgten Alten Herren 1992 unter Androhung der Beendigung der finanziellen Förderung ein Ende der Veranstaltungsreihe der damaligen Aktivitas durch.Gießener Anzeiger vom 17. Dezember 1992, Criticon März/April 1993

1995 wurde eine von Jürgen Gansel im Namen der Burschenschaft verfasste Erklärung veröffentlicht, in der die „Liquidation“ der „Deutschen Werte“ durch die „Besatzer“ anlässlich des 50. Jahrestages des Ende des Zweiten Weltkrieges beklagt wurde.WNZ, 19. Februar 2005

Seit 1998, u. a. mit Klaus Weinschenk (Autor des Buches „Der Vertreibungsholocaust“), werden erneut Veranstaltungen im Verbindungshaus durchgeführt und die Tradition der 1980er Jahre wiederaufgenommen. So fand im Jahr 2000 eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit dem rechtsextremen Publizisten Claus Nordbruch statt.

Seit 2000