Venceslao ist eine Opera seria (Originalbezeichnung: „Dramma per musica“) in fünf Akten von Antonio Caldara (Musik) mit einem Libretto von Apostolo Zeno, dessen Urfassung dieser 1703 für eine Oper von Carlo Francesco Pollarolo geschrieben hatte. Die Uraufführung von Caldaras Oper fand am 4. November 1725 anlässlich des Namenstags von Kaiser Karl VI. im Hoftheater in Wien statt.

Handlung

Vorgeschichte

Die Handlung spielt in Krakau. Casimiro und Alessandro, die beiden Söhne des polnischen Königs Venceslao, lieben Prinzessin Erenice. Diese erwidert die Liebe des sanften Alessandro, verabscheut aber den rücksichtslosen Casimiro. Alessandros Freund, General Ernando, unterstützt dessen Beziehung zu Erenice, obwohl er sie insgeheim selbst liebt. Sie haben Casimiro glauben lassen, dass nicht Alessandro, sondern Ernando sein Rivale bei ihr sei. Einige Zeit zuvor hat Casimiro der litauischen Königin Lucinda die Ehe versprochen, sie dann aber verlassen. Lucinda reist als Mann verkleidet nach Krakau, um ihn zurückzugewinnen.

Kurzfassung

Erster Akt. Nach einem Sieg über die Kosaken darf sich General Ernando eine Belohnung wählen. Er will nicht für sich selbst, sondern für seinen Freund Alessandro um die Hand Erenices bitten. Der eifersüchtige Casimiro verhindert dies jedoch und wird dafür von seinem Vater ermahnt. Die als „Lucindo“ verkleidete Lucinda konfrontiert Casimiro mit seinem einstigen Liebesversprechen. Casimiro leugnet alles. Um seine Eifersucht ins Leere laufen zu lassen, rät Ernando Alessandro und Erenice zur sofortigen Heirat. Casimiro setzt seinen vermeintlichen Rivalen Ernando unter Druck. Erenice weist seinen Antrag entschieden zurück. Casimiros Vertrauter Gismondo will Lucinda helfen.

Zweiter Akt. „Lucindo“ präsentiert Venceslao das schriftliche Eheversprechen seines Sohnes. Casimiro kann nicht länger leugnen, zerreißt aber das Dokument. „Lucindo“ fordert ihn zum Duell. Casimiro erhält eine weitere Abfuhr von Erenice und erfährt kurz darauf, dass sie einen anderen heiraten wolle. Er dürstet nach Rache.

Dritter Akt. Vor dem Duell reden Venceslao und die „Lucindo“ Casimiro noch einmal vergeblich ins Gewissen. Als er angreift, gibt sich Lucinda zu erkennen. Der Kampf fällt aus. Casimiro wirft das Schwert nach Lucinda, erklärt sich zum Sieger und behauptet, Lucinda sei eine Lügnerin. In der folgenden Nacht suchen Gismondo und Venceslao besorgt nach Casimiro. Als dieser eintrifft, gesteht er, Ernando getötet zu haben. Wenig später stellt sich heraus, dass der Tote nicht Ernando ist, sondern Alessandro. Casimiro hat unwissentlich seinen eigenen Bruder ermordet. Venceslao lässt ihn in den Kerker werfen und gerät in einen Gewissenskonflikt: Er will nicht auch seinen letzten Sohn verlieren, fühlt sich aber dem Gesetz verpflichtet. Lucinda bietet an, Casimiro schnellstmöglich zu heiraten, damit er als König Litauens Immunität erhalte. Das verletzt Venceslaos Rechtsempfinden, doch nur so ist Lucindas Ehre zu retten.

Vierter Akt. Der reuige Casimiro ist jetzt bereit, Lucinda zu heiraten. Erenice und Ernando schließen sich zusammen, um Alessandro zu rächen. Venceslao vollzieht die Trauungszeremonie. Lucindas Ehre ist wiederhergestellt. Unmittelbar danach verkündet Venceslao seinem Sohn das Todesurteil. Er soll noch am selben Tag sterben.

Fünfter Akt. Als sie feststellen, dass Casimiro noch immer großen Rückhalt im Volk hat, geben Erenice und Ernando ihre Rache auf. Venceslao bestätigt noch einmal das Todesurteil, bittet aber Erenice um die endgültige Entscheidung. Sie und Ernando bitten um Gnade für Casimiro. Da berichtet Gismondo von einem Volksaufstand, dem sich auch das Militär und der Senat angeschlossen haben. Sie alle fordern die Schonung des Thronfolgers Casimiro. Daraufhin verkündet Venceslao seinen Rücktritt als König und ernennt Casimiro zu seinem Nachfolger. Als neuer Herrscher könne Casimiro sich selbst freisprechen. Nach der Krönung versichert Casimiro, dass er die Gesetze achten wolle. Er führt Erenice und Ernando zusammen und besteigt mit Lucinda den Thron.

Argomento

Erster Akt

Königlicher Platz in Krakau mit Triumphbögen und einem Nebenfluss der Weichsel; an der Seite eine Treppe zum Königspalast

Szene 1. Eine triumphale Bühnenmaschine nähert sich auf dem Fluss. General Ernando und die anderen Anführer entsteigen ihr unter dem Klang militärischer Instrumente, gefolgt von der polnischen Armee mit vielen gefesselten Sklaven und dem Schädel des Adrasto, des vormaligen Anführers der Kosaken (Arie Ernando: „Abbiam vinto. Amico regno“). König Venceslao und seine Söhne Casimiro und Alessandro kommen ihn vom Palast entgegen und beglückwünschen ihn für den großen Sieg. Die Freude Casimiros ist allerdings nur vorgetäuscht, da er in ihm insgeheim einen Rivalen sieht. Venceslao gewährt Ernando eine frei wählbare Belohnung. Aus Freundschaft zu Alessandro will Ernando darum bitten, dass dieser seine geliebte Erenice heiraten darf. Er wird jedoch von dem eifersüchtigen Casimiro mit rüden Worten unterbrochen. Ernando verspricht, über Liebesdinge zu schweigen (Arie Ernando: „Se ti offendo, tacerò“), und geht ab.

Szene 2. Venceslao bittet Alessandro, dem General zu folgen und ihm seine Gunst zu versichern. Casimiro ergänzt, dass er ihn auch seinen Unmut spüren lassen solle.

Szene 3. Venceslao warnt Casimiro, dass sein Hochmut zu einem ernsten Zerwürfnis zwischen ihnen beiden führen könnte. Auch Könige sollten sich an die Gesetze halten und ihren Untertanen ein gutes Beispiel vorleben (Arie Venceslao: „Se vuoi dar leggi al mondo“).

Szene 4. Der Hauptmann Gismondo, ein Vertrauter Casimiros, informiert diesen über die Ankunft der als Mann verkleideten litauischen Königin Lucinda. Ihr hatte Casimiro einst die Ehe versprochen, sie aber wegen seine Liebe zu Erenice verlassen.

Szene 5. Lucinda will Casimiro um jeden Preis zurückgewinnen. Der tut so, als würde er sie nicht erkennen. Sie wiederum gibt sich als Lucindas Diener Lucindo aus und erinnert ihn an sein Eheversprechen. Casimiro streitet alles ab (Arie Casimiro: „Ti consiglio a far ritorno“).

Szene 6. Jetzt wendet sich Lucinda an Gismondo. Der gibt zu, sie erkannt zu haben, und rät ihr, ihr Vorhaben aufzugeben.

Szene 7. Lucinda ist verzweifelt (Arie Lucinda: „Aveva l’idol mio“).

Atrium

Szene 8. Ernando versichert Erenice und Alessandro, das er alles tun wolle, um sie beide glücklich zu sehen. Da Casimiros Hass auf ihn jedoch inzwischen so groß wurde, rät er ihnen (trotz seiner eigenen Gefühle für Erenice), noch diese Nacht zu heiraten, um ihn vor vollendete Tatsachen zu stellen. Alessandro will diesem Rat gerne folgen (Arie Alessandro: „Col piacer che siate miei“).

Szene 9. Erenice dankt Ernando für seinen Einsatz. Auf ihre Frage, weshalb er so bekümmert schaue, verweigert Ernando die Antwort (Arie Ernando: „Bocca bella, del mio duolo“).

Szene 10. Casimiro verbietet Ernando den Umgang mit Erenice und droht ihm mit seinem Schwert, obwohl Ernando versichert, dass er nicht sein Rivale sei.

Szene 11. Erenice erklärt Casimiro, dass sie ihn nicht lieben könne (Arie Erenice: „Non amarmi, non pregarmi“).

Szene 12. Gismondo erinnert Casimiro an sein Verhalten Lucinda gegenüber. Davon will Casimiro nichts hören.

Szene 13. Gismondo zeigt Mitgefühl für Lucinda (Arie Gismondo: „Minor pena di un’alma fedele“).

Zweiter Akt

Vorhalle mit zwei Türen, von denen eine zu den königlichen Gemächern führt

Szene 1. In Gegenwart Casimiros präsentiert Lucinda Venceslao dessen schriftliches Eheversprechen. Da Venceslao die Handschrift erkennt, kann Casimiro es nicht leugnen. Er zerreißt das Dokument, woraufhin ihn Lucinda zum Duell herausfordert. An ihrer Stelle soll ein litauischer Krieger antreten (Arie Lucinda: „Sapesti lusinghiero“).

Szene 2. Venceslao warnt seinen Sohn vor dem Zorn des Himmels (Arie Venceslao: „Armi ha ’l ciel per gastigar“).

Szene 3. Als Erenice sich bei Ernesto für seine Hilfe bedanken will, verabschiedet er sich traurig von ihr und gesteht ihr zurückhaltend seine eigene Liebe (Arie Ernando: „Parto amante e parto amico“).

Szene 4. Casimiro weist Erenice auf seinen Anspruch als Erbe des polnischen Throns hin und verspricht ihr, sie zur Königin zu machen, wenn sie seinem Drängen nachgibt. Sie bleibt jedoch standhaft (Arie Erenice: „Non credo a quel core“).

Szene 5. Gismondo teilt Casimiro mit, dass Erenices Heirat unmittelbar bevorstehe, ohne jedoch den Namen des Bräutigams zu nennen. Casimiro rast vor Wut (Arie Casimiro: „D’ire armato il braccio forte“).

Szene 6. Gismondos Hoffnung, dass Casimiros Gefühle für Erenice durch diese Nachricht verfliegen würden, hat sich nicht erfüllt (Arie Gismondo: „Dovea di amor geloso“).

Dritter Akt

Umzäunter Platz mit Balustraden, Toren rundherum und Geländern, zwischen denen ein vornehmerer Platz für den König bereitet ist

Szene 1. Vor dem Duell fleht die noch immer verkleidete Lucinda die Götter um Beistand an.

Szene 2. Venceslao trifft mit seinem Gefolge ein. Er verspricht, unparteiisch zu bleiben. Seine Sorge gelte nicht dem Leben seines Sohnes, sondern dessen Unschuld.

Szene 3. Jetzt erscheinen auch Casimiro und seine Anhänger. Venceslao redet ihm noch einmal ins Gewissen (Arie Venceslao: „Se errasti, o figlio“).

Szene 4. Nach einem letzten vergeblichen Versuch Lucindas, Casimiro zur Umkehr zu bewegen (Arie Lucinda: „Cara parte di quest’alma“), greift dieser an. Da gibt sich Lucinda zu erkennen. Casimiro ist verwirrt. Er versucht, den Kampf aufzuschieben. Da Lucinda fest entschlossen ist, bis zum Ende zu kämpfen, wirft er das Schwert nach ihr und erklärt sich zum Sieger. Seinem Vater gegenüber behauptet Casimiro, es handle sich um eine Betrügerin. Königliche Damen würden sich nicht verkleiden oder kämpfen.

Szene 5. Venceslao ist zwar irritiert über Lucindas Verkleidung, verspricht ihr aber seine Unterstützung.

Szene 6. Lucinda gibt die Hoffnung nicht auf (Arie Lucinda: „Egra e languente“).

Casimiros Raum mit einem kleinen Tisch. Nacht

Szene 7. Gismondo und Venceslao suchen nach Casimiro. Sie fürchten, er könnte in seinem Zorn unüberlegt handeln.

Szene 8. Endlich trifft Casimiro ein, in der Hand sein blutiges Schwert. Er hat seine Rache ausgeführt, verspürt aber keine Erleichterung (Arie Casimiro: „Dolci brame di vendetta“). Als er seinen Vater bemerkt, gesteht er, seinen Rivalen Ernando getötet zu haben.

Szene 9. Da erscheint der vermeintlich Tote persönlich im Zimmer. Die Verwirrung ist komplett.

Szene 10. Erenice kommt völlig aufgelöst herein und fordert Rache. Unter Tränen berichtet sie, dass Alessandro ermordet wurde. Sie lässt sich von Venceslao versichern, dass er den Mörder strafen werde, und zeigt dann auf Casimiro. Im Glauben, es handle sich bei Erenices Geliebtem um Ernando, wurde er zum Brudermörder. Erenice erinnert Venceslao an sein Versprechen (Arie Erenice: „Ricordati che padre“).

Szene 11. Venceslao befiehlt Gismondo, Casimiro in den Kerker zu bringen und dort zu bewachen. Casimiro hat schwere Schuldgefühle (Arie Casimiro: „Da te parto e parto afflitto“).

Szene 12. Venceslao glaubt, er habe mit einem Schlag beide Söhne verloren. Ernando versichert ihm zwar, dass er als König das Recht habe, Casimiro zu begnadigen, doch Venceslao fühlt sich dem Gesetz verpflichtet.

Szene 13. Lucinda versucht, Casimiro zu retten. Wenn er sie heiraten würde, wäre er König von Litauen und somit unangreifbar. Venceslao entgegnet, dass Casimiro zum Zeitpunkt der Tat noch nicht König war, sondern sein Untertan und Sohn. Wenn er jedoch stürbe, bliebe Lucinda weiterhin entehrt. Daher müssen die beiden unverzüglich heiraten. Ernando soll Casimiro darüber informieren (Duett Venceslao/Lucinda: „Sì sì, godi che il dolce tuo sposo“).

Szene 14. Auch Ernando steckt in einem Gewissenskonflikt. Er will Erenice und seinen Freund Alessandro rächen, doch das würde vor allem Venceslao treffen (Arie Ernando: „Speranze più liete, lontane da me“).

Vierter Akt

Gefängnisturm neben dem Königspalast