mini|400px|Animierte Darstellung des Verlaufs der russischen Invasion in der Ukraine ab dem 24. Februar 2022

Diese Chronik stellt eine Übersicht zur Chronologie des russischen Überfalls auf die Ukraine von Anfang Oktober 2023 bis Ende Februar 2024 dar.

Verlauf (Oktober bis Dezember)

3. Oktober Charkiws Bürgermeister Ihor Terechow teilte mit, dass die ostukrainische Metropole die erste unterirdische Schule des Landes baut, um ihre Schüler vor russischen Angriffen zu schützen.

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministers Sergei Schoigu liegt die Zahl der für den Militäreinsatz in der Ukraine verpflichteten russischen Soldaten bei 335.000. Allein im September haben laut Schoigu mehr als 50.000 Soldaten einen entsprechenden Vertrag unterschrieben. Bei einem mehr als dreistündigen russischen Angriff in der Nacht auf den 3. Oktober haben die ukrainischen Streitkräfte eigenen Angaben zufolge 29 von 31 russischen Drohnen und Marschflugkörpern abgeschossen, die meisten davon in den Oblasten Mykolajiw und Dnipropetrowsk.

4. Oktober Die deutsche Regierung entschied, der Ukraine vorerst keine Taurus-Marschflugkörper zu liefern, um die die Ukraine Deutschland lange gebeten hatte.

5. Oktober Laut ukrainischen Meldungen sind durch einen russischen Luftangriff auf ein Café und ein Lebensmittelgeschäft im Dorf Hrosa, das in der Oblast Charkiw unweit der Front liegt, mindestens 59 Zivilisten getötet worden.https://www.dekoder.org/de/article/hrosa-raketenangriff-zivilistenRaketenbeschuss von Dorf Hrosa: Zahl der Toten steigt auf 51, Russen setzten wahrscheinlich Iskander-Rakete ein. In: ukrinform.de. 5. Oktober 2023, abgerufen am 5. Oktober 2023. Ukraines Innenminister Ihor Klymenko sagte, dass sich dort so viele Menschen aufgehalten hätten, weil im Café eine Totenwache für einen Verstorbenen abgehalten worden sei. In dem kleinen Ort sei von der Katastrophe wohl jede Familie betroffen. Laut Aussage des ukrainischen Innenministers nach Abschluss der Identifizierung der Toten waren die Opfer ausnahmslos ortsansässige Zivilisten.

Eine Ipsos-Umfrage zeigte, dass die Befürwortung von US-amerikanischen Waffenlieferungen, die den größten Teil der militärischen Auslandshilfe an die Ukraine ausmachen, unter den US-Amerikanern auf 41 % abnahm, während die Zahl der Gegner von Lieferungen auf 35 % stieg; 24 % waren unsicher. Die Vereinigten Staaten lieferten 1,1 Millionen Schuss iranische Munition an die Ukraine, die aus einer Schiffsladung stammte, die von der Islamischen Republik Iran – gegen einen Beschluss des UN-Sicherheitsrats – für den Jemen bestimmt gewesen war und von der US-Marine im Dezember 2022 im Golf von Oman beschlagnahmt worden war. Einen Tag nachdem bekannt geworden war, dass sich Bundeskanzler Olaf Scholz vorerst gegen die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine entschied, sagte dieser ein zweites Patriot-Flugabwehrsystem zu. Die Regierung hat der Ukraine für dieses Jahr Rüstungslieferungen für 5,4 Milliarden Euro und für die Folgejahre Militärtechnik im Wert von rund 10,5 Milliarden zugesagt.

Nach russischen Angaben wurden bei dem Versuch, in der besetzten Stadt Horliwka von der Ukraine abgefeuerte Streumunition zu entschärfen, ein Zivilist getötet und drei verletzt. Nachdem am 13. und 22. September 2023 der Flottenstützpunkt Sewastopol Ziel von ukrainischen Angriffen geworden war, wurden im Hafen von Sewastopol liegende Schiffe der russischen Schwarzmeerflotte nach Feodossija und Noworossijsk verlegt.

6. Oktober In der Stadt Charkiw starben nach ukrainischen Angaben zwei Menschen bei russischem Beschuss eines Wohnhauses. Unbestätigten Berichten zufolge soll die russische Luftverteidigung im Süden der Ukraine erneut ein eigenes Kampfflugzeug abgeschossen haben.

7. Oktober In der Oblast Saporischschja starben eine 46 Jahre alte Frau und ein 71-jähriger Mann durch russischen Beschuss, wie die örtlichen Behörden mitteilten.

10. Oktober Russische Kräfte traten ab 10. Oktober vor Awdijiwka, einem Vorort von Donezk, von Süden und von Norden mit massierten mechanisierten Truppen zum Angriff mit dem Versuch der Einkesselung an. In den folgenden Wochen lebte hier die seit 2014 laufende Schlacht um Awdijiwka erneut auf; der Ort wurde dabei fast vollständig zerstört und es kam zu hohen Verlusten bei den russischen Streitkräften.Frankfurter Rundschau: Russische Offensive in der Ukraine: Im „Fleischwolf“ von Awdijiwka, 2. November 2023

11. Oktober In der Stadt Nikopol in der Oblast Dnipropetrowsk wurden nach Angaben des Gouverneurs vier Menschen getötet, als eine Schule von einer russischen Rakete getroffen wurde.

12. Oktober Der russische Staatspräsident Wladimir Putin hat erstmals seit dem Erlass des Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) gegen ihn einen Auslandsbesuch – nämlich in Kirgisistan – absolviert.

13. Oktober Sowohl die Ukraine als auch Russland berichteten von Gefechten um die in der Oblast Donezk liegende Stadt Awdijiwka, die unter Kontrolle ukrainischer Streitkräfte ist. Nach Angaben des Institute for the Study of War erzielten russische Einheiten nördlich und südlich von Awdijiwka Geländegewinne, hätten dabei aber mindestens 36 Fahrzeuge verloren. Der ukrainische Befehlshaber Oleksandr Syrskyj vermeldete massive Angriffe russischer Streitkräfte mit dem Ziel, die Stadt Kupjansk einzukesseln.

Durch russischen Beschuss wurden in der ostukrainischen Stadt Pokrowsk laut ukrainischen Behörden mindestens ein Mensch getötet und 13 weitere verletzt. In der südukrainischen Stadt Beryslaw sei eine 34-jährige Frau durch den Angriff einer russischen Drohne getötet worden. Ukrainische Medien meldeten unter Berufung auf den Sicherheitsdienst der Ukraine, dass mit Seedrohnen erfolgreiche Angriffe auf russische Boote bei Sewastopol durchgeführt worden seien.

14. Oktober Bei russischen Angriffen wurden nach Angaben lokaler ukrainischer Behördenvertreter mindestens sechs Menschen getötet.

15. Oktober Nach Angaben des britischen Militärgeheimdienstes baut Russland eine alternative Eisenbahnverbindung nach Mariupol, um Transportzeiten für die Versorgung des Frontabschnitts in der Oblast Saporischschja zu verkürzen. Das Schienennetz in dem besetzten Teil der Ukraine sei weitgehend funktionsfähig, jedoch anfällig für sporadische Unterbrechungen durch ukrainische Artillerie, Raketen und Sabotage. Für eine Zerstörung des Schienenverkehrs seien andauernde Angriffe von Luft- oder Bodentruppen nötig.

17. Oktober Nachdem die Ukraine befreundete Staaten seit Kriegsbeginn lange um Raketen mit größerer Reichweite bat, erhielten die ukrainischen Streitkräfte – nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und des Wall Street Journal – ATACMS-Raketen von den Vereinigten Staaten in der Version M39.David Axe: Ukraine’s New M39 Missiles Each Scatters A Thousand Submunitions. Now Every Russian Base in Ukraine Is A Target (englisch, abgerufen am 22. Oktober 2023) Sie setzten diese nach Angaben der ukrainischen Armee bei Schlägen gegen Flugplätze in der Nähe der von Russland besetzten Städte Luhansk und Berdjansk ein. Dabei seien allein in Berdjansk neun Helikopter zerstört worden. Der Stützpunkt habe den Russen als wichtige Basis für ihre Einsätze entlang der südlichen Front gedient, teilte das britische Verteidigungsministerium einige Tage später mit. Falls bestätigt, würden sich diese Verluste höchstwahrscheinlich auf die Fähigkeit Russlands auswirken, diese Achse zu verteidigen und weitere Offensivaktivitäten durchzuführen. Satellitenbilder deuteten später darauf hin, dass Russland bei den Schlägen sogar 21 Militärhelikopter verloren hat.

18. Oktober Bei russischen Raketenangriffen auf die Stadt Saporischschja sind ukrainischen Behördenangaben zufolge in der Nacht fünf Menschen getötet worden.

19. Oktober Die ukrainische Armee hat erneut einen Vorstoß am russisch besetzten Ufer des Dnipro in der Südukraine unternommen; laut russischen Quellen sei er von Marineinfanterie in Kompaniestärke in der Nähe von Cherson durchgeführt worden. Das amerikanische Institute for the Study of War schrieb in einem Lagebericht, dass die ukrainischen Verteidiger am linken, östlichen Flussufer ein Dorf unter ihre Kontrolle gebracht hätten.

20. Oktober Das ukrainische Militär äußerte, dass entlang der gesamten Front im Schnitt 60 Gefechte pro Tag geführt würden, die Gefechtsanzahl jedoch am 19. oder 20. Oktober auf 90 Kampfhandlungen angestiegen sei. Bei einem erneuten gescheiterten Versuch, Awdijiwka zu stürmen, haben russische Streitkräfte nach Angaben des ukrainischen Generalstabs innerhalb eines Tages 150 gepanzerte Fahrzeuge und 900 Soldaten verloren.

21. Oktober Nach ukrainischen Angaben sind durch russischen Beschuss auf eine Postlagerhalle in der Oblast Charkiw mindestens sechs Zivilisten getötet worden.

23. Oktober Der ukrainische Generalstab vermeldete eine weitere Intensivierung der russischen Angriffsbemühungen auf die Stadt Awdijiwka. Laut ukrainischem Militär stehen das Zentrum und die Versorgungsroute unter Dauerbeschuss. Dies erschwere Nachschub und Versorgung der ukrainischen Truppen in der Stadt. Bei der Schlacht um Awdijiwka handelt es sich um die größte russische Heeresoffensive seit Anfang 2023.

Die Bedingungen entlang der gesamten 1000 Kilometer langen Front bezeichnete General Oleksandr Syrskyj als schwierig und hob in dem Zusammenhang die andauernden Schlachten bei Bachmut und Kupjansk hervor. Zwar erleide Russland hohe Verluste, ziehe aber permanent Reserven nach. Die ukrainische Luftwaffe vermeldete die erfolgreiche Abwehr von Drohnenangriffen in der Oblast Odessa und im Osten der Ukraine.

Der britische Militärnachrichtendienst wies darauf hin, dass der russische Staatshaushaltsplan für das Jahr 2024 eine Erhöhung des Etats für Verteidigung bzw. Militär um 68 Prozent vorsieht. Der Dienst erklärt sich die Erhöhung vor allem mit gestiegenen Ausgaben für die Verwundetenversorgung und für die Hinterbliebenen von Gefallenen.

Nach Angaben des Recherchenetzwerks IStories begann das russische Verteidigungsministerium mit der Rekrutierung von Frauen für Kampfeinsätze in der Ukraine für die dem Ministerium unterstehenden Söldnerorganisation Redut.

26. Oktober In der südukrainischen Oblast Cherson ist offiziellen Angaben zufolge ein 13 Jahre alter Teenager durch russischen Beschuss getötet worden.

Die US-Regierung warf Russland vor, im Krieg gegen die Ukraine eigene Soldaten im Fall der Befehlsverweigerung zu exekutieren. John Kirby: „Wir haben Informationen, dass das russische Militär tatsächlich Soldaten exekutiert, die sich weigern, Befehle zu befolgen“. Außerdem gehe man davon aus, dass russische Kommandeure damit drohten, ganze Einheiten zu exekutieren, sollten diese versuchen, sich vor ukrainischem Beschuss zurückzuziehen.

Der neue slowakische Ministerpräsident Robert Fico kündigte kurz nach seinem Amtsantritt an, keine Waffen mehr an die Ukraine zu liefern. Man habe mit dem Krieg nichts zu tun, sagte Fico, der mit einer ultrarechten Partei und einer Linkspartei koaliert. Ein Stopp der Waffenlieferungen sei „die beste Lösung, die wir für die Ukraine haben“. Zugleich sprach sich Fico gegen Sanktionen gegen Russland aus, solange man „keine Untersuchungen über ihre Auswirkungen auf die Slowakei“ habe.

Der britische Militärnachrichtendienst meldete, dass die Fernfliegerkräfte des russischen Militärs (LRA) seit über einem Monat keine Einsätze mehr gegen die Ukraine geflogen seien – was eine der längsten Pausen für die LRA in diesem Krieg sei –, weil die Lager der für die Luftangriffe der LRA benötigten Ch-101-Marschflugkörper leer gewesen seien.

27. Oktober