Die Albertus-Universität Königsberg wurde 1544 von Herzog Albrecht von Brandenburg-Ansbach in Königsberg gegründet. Sie war nach der Universität Wittenberg und der Philipps-Universität Marburg die dritte protestantische Universität und nach Marburg die zweite Neugründung einer protestantischen Universität. Offiziell hieß sie von 1701 bis 1918 Königliche Albertus-Universität zu Königsberg i. Pr. Nach der Brandenburgischen Universität Frankfurt war sie die zweitälteste Hochschule des späteren Brandenburg-Preußens und für drei Jahrhunderte der geistige Mittelpunkt des protestantischen Preußens. Die sowjetische Besetzung Ostpreußens am Ende des Zweiten Weltkriegs bedeutete auch das Ende der Albertus-Universität.
Geschichte Von der Gründung bis zum 18. Jahrhundert mini|hochkant|Herzog Albrecht (Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren) mini|hochkant|Georg Sabinus mini|hochkant|Andreas Osiander (Gemälde von Georg Pencz) Von Osiander für die Reformation gewonnen, folgte der 37. und letzte Hochmeister des Deutschen Ordens, Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach, 1525 Luthers Rat, den preußischen Teil des Deutschen Ordensstaats in ein weltliches Herzogtum unter polnischer Lehnshoheit umzuwandeln. Als erster deutscher Fürst führte er die Reformation ein.
Im Gefolge der Reformation und der Renaissance wurden vielerorten in Nord- und Ost-Mitteleuropa Gelehrtenschulen gegründet.Thomas Ellwein: Die deutsche Universität – vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Kapitel „Die Gründung der Universität Königsberg“. Fourier-Verlag Wiesbaden, 1997, ISBN 3-925037-90-X.Fritz Gause: Die Geschichte der Stadt Königsberg in Preußen. Band 1: Von der Gründung der Stadt bis zum letzten Kurfürsten. Böhlau, Köln 1965, S. 292. Herzog Albrecht trug sich ebenfalls mit dem Gedanken, eine solche zu errichten, und gründete auf Empfehlung der Gelehrten Johann Briesmann, Johann Gramann und Joachim Camerarius dem Älteren in Königsberg ein Partikular, d. h. eine höhere Schule, die der Vorbereitung auf ein Universitätsstudium z. B. an der Universität Wittenberg dienen sollte; dem stimmten die preußischen Stände im Herbst 1540 zu.
Viele Lehrer wurden auf Empfehlung Philipp Melanchthons, der an der Entwicklung der Schule lebhaften Anteil nahm, berufen, unter ihnen auch einige protestantische Gelehrte aus Polen und Litauen.Walther Hubatsch: Herzog Albrecht von Preußen. In: Wilhelm Matull (Hrsg.): Große Deutsche aus Ostpreußen. Gräfe und Unzer, München 1970, ISBN 3-7742-2205-3, S. 20–27, hier S. 26. Zum Leiter des Partikulars wurde der Humanist und Schwiegersohn Philipp Melanchthons, Georg Sabinus berufen, der bis dahin Professor für Poesie an der Brandenburgischen Universität Frankfurt gewesen war. Er gewann Herzog Albrecht dafür, das Partikular in eine Volluniversität umzuwandeln.
Zur Gründung erließ Herzog Albrecht am 20. Juli 1544 (nach dem damals geltenden Julianischen Kalender, dem 30. Juli 1544 im Gregorianischen Kalender entsprechend) das Stiftungsdiplom Scimus primam omnium in gubernatione curam Principum esse debere, ut vera Dei notitia late propagetur für eine „echte lutherische“ Universität, die am 17. August 1544 eingeweiht wurde. Außerhalb des Heiligen Römischen Reichs gelegen, war die neue Hochschule die erste ohne ein kaiserliches oder päpstliches Privileg, weil sowohl Kaiser Karl V. als auch Papst Paul III. ihre Zustimmung verweigerten. Dafür erhielt sie am 28. März 1560 ein Privileg vom polnischen König Sigismund II. August. Die Professoren mussten den Eid auf die Confessio Augustana ablegen.
Die Würde des Rector magnificentissimus bekleideten die regierenden Hohenzollern, als erster Herzog Albrecht von 1544 bis 1568, als letzter von 1908 bis 1918 Kronprinz Wilhelm. Die Amtsgeschäfte führte der Prorektor, der als Rector magnificus für ein Semester, später für ein Jahr gewählt wurde.
Gründungsrektor wurde Georg Sabinus mit dem für die damalige Zeit hohen Gehalt von 350 Gulden jährlich. Mit ihm wirkten 10 weitere Professoren, einer für Theologie, einer für Medizin und acht für alte Sprachen, Rhetorik, Mathematik und Philosophie. Schon kurz nach der Gründung entspannen sich Streitigkeiten um Privilegien und die Vorrechte des Rektors, so dass Sabinus sich nach drei Jahren vom Rektoratsamt zurückzog. Insbesondere die Berufung des Theologen Andreas Osiander erhitzte die Gemüter, zum einen weil Osiander auf Betreiben Herzog Albrechts trotz fehlender akademischer Leistungen den Posten erhielt und zum anderen, weil er theologische Auffassungen vertrat, die auf heftigen Widerspruch der lutherischen Orthodoxie stießen.Paul Stettiner: Aus der Geschichte der Albertina (1544 1894). Hartungsche Verlagsdruckerei, Königsberg 1894 Die Duldung des Calvinismus und des Pietismus setzte sich im 18. Jahrhundert durch.
Nach anfänglichen Streitereien blieb Königsberg ein Hort der protestantischen Orthodoxie und eine bevorzugte Bildungsstätte der Deutsch-Balten. Auf Grund seiner abseitigen Lage weitgehend von den Kriegswirren verschont, blühte Königsberg während des Dreißigjährigen Krieges auf. 1641 schrieben sich 391 Studenten ein (zum Vergleich: 290 im selben Jahr in Leipzig, 143 in Jena und 54 in Tübingen).Barbara Beuys: Der große Kurfürst. Der Mann, der Preußen schuf. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1979, ISBN 3-498-00456-5, S. 79. 1644 zählte Königsberg mehr als tausend Studenten. Der Große Kurfürst stattete Promotionen mit Viktualien großzügig aus.„… als nemlich ein Ochs, ein Ome Wein, zwei faß Bier, ein halb schock karven, ein halb schock hecht, ein stück wiltpret, drey scheffel korn, drey scheffel meel, und etwas an Geld.“ Für acht Groschen wöchentlich gab es sonntags zu Mittag (pro Mann): „Fleischsuppe, Braten, Kohl, sowren Comps oder ein anderes Gemüs nach Gelegenheit der Zeit. Dann Suppenfleisch, einem jeden vom Braten und Suppenfleisch zusammen soll er anderthalb pfundt einhawn lassen.“ Dafür gab es am selben Abend nur „Fleischsuppe, Suppenfleisch und dann Beckelfleisch, einem jeden wieder von beiden anderthalb pfundt“. N.N. in Königsbergiensis III, Zeitung der Altmärker-Masuren 37/38, Kiel 1966, S. 665 f. Die Studenten mussten wie an anderen Universitäten Hörergelder und Studiengebühren entrichten, wurden aber durch zahlreiche private Stiftungen und Stipendien wohlhabender Bürger im 16. bis 18. Jahrhundert unterstützt.Johann F. W. Koch (1839) zählt für Königsberg allein 60 verschiedene Stiftungen auf.
Anfangs hieß die Hochschule Kollegium Albertinum, war aber mit den vier Fakultäten Theologie, Rechtswissenschaft, Heilkunde und Philosophie eine Volluniversität. Die ordentlichen Professoren der ersten drei Fakultäten unterlagen ihrerseits einer Rangordnung: so konnte man zum Beispiel von einer dritten auf eine zweite Professur aufsteigen. Der akademische Senat wurde von je zwei Ordinarien der ersten drei Fakultäten und vier Ordinarien der Philosophischen Fakultät gebildet.Walter Asmus: Johann Friedrich Herbart – Eine pädagogische Biographie. Band II. Heidelberg 1970, S. 79. Die Qualifikationen wurden in Form öffentlicher Disputationen erbracht, wofür in der Regel vorherige schriftliche Dissertationen eingereicht wurden, beides in lateinischer Sprache. Man unterschied die Disputatio pro gradu (zum Erwerb eines Abschlussgrades), pro receptione (zur Erlangung der akademischen Lehrbefähigung) und pro loco (bei der Berufung auf einen Lehrstuhl).Walter Asmus: Johann Friedrich Herbart – Eine pädagogische Biographie. Band II. Heidelberg 1970, S. 44.
Die philosophische und medizinische Fakultät standen lange Zeit ganz unter dem Einfluss der überragenden Autorität des Aristoteles, dessen Schriften nach der Bibel als „gedruckte Wahrheit“ hingenommen wurden. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde trotz einiger berühmter Lehrer Kritik an den Zuständen in der Albertina laut, im Vergleich zu anderen europäischen Universitäten war ein Niedergang klar erkennbar. Den Professoren wurde die Verschleppung von Vorlesungen ins nächste Semester und die Übernahme von Nebengeschäften vorgeworfen, die wohl ihren Grund in der niedrigen Besoldung hatten. Weiterhin wurde der Vorwurf des Nepotismus laut, zahlreiche Professoren hatten ihre eigene Ausbildung an der Albertina erhalten und Auswärtsberufungen wurden selten; es entstand eine „landschaftsgebundene Gelehrtenschicht“. Gegen das Verbot für Landeskinder, an außerpreußischen Universitäten zu studieren, wurde oft verstoßen, während osteuropäische Studenten, vor allem aus dem Baltikum, sich auffallend oft an anderen deutschsprachigen Universitäten immatrikulierten.Götz von Selle: Geschichte der Albertus-Universität zu Königsberg in Preußen. 2. Auflage, Holzner, Würzburg 1956; S. 113, 115, 134, 169–171, 195.
Vier Jahrhunderte stand das Universitätsgebäude, das Collegium Albertinum, in Kneiphof hinter dem Dom, der Universitätskirche. Wegen des Platzmangels auf der Dominsel musste schon Kant seine Vorlesungen in seinem altstädtischen Hause halten. Das Albertinum wurde um einen Nordflügel erweitert, der später die Stadtbibliothek Königsberg und das Stadtarchiv Königsberg beherbergte.
Entwicklung im 19. Jahrhundert Um die Wende zum 19. Jahrhundert hatte die Attraktivität der Königsberger Universität stark abgenommen, und die Konkurrenz anderer Universitäten war gewachsen.Götz von Selle: Geschichte der Albertus-Universität zu Königsberg in Preußen. 2. Auflage, Würzburg 1956, S. 195. Deshalb machte man sich in Königsberg über eine Verbesserung der Verhältnisse Gedanken; besonders der Kurator Hans Jakob von Auerswald wirkte auf eine Erneuerung hin. Aber erst mit dem Beginn der Reformära nach 1807 wurde die Reform und die Ausweitung der Universität durch Wilhelm von Humboldt ernsthaft in Angriff genommen;Bericht der Sektion des Kultus und des Unterrichts an den König, Dezember 1809. In: Andreas Flitner und Klaus Giel (Hrsg.): Wilhelm von Humboldt – Werke in fünf Bänden. Band IV: Schriften zur Politik und zum Bildungswesen. 3. Auflage. Darmstadt 1982. Humboldt kannte die Königsberger Verhältnisse aus eigener Anschauung, da die preußische Regierung von 1807 bis 1809 nach Königsberg ausgewichen war. Neue Professoren wurden von auswärts berufen wie der Astronom Bessel, der Philologe Erfurdt, der Geograph Gaspari, der Philosoph und Pädagoge Herbart, der Historiker Hüllmann, der Mediziner Remer, der Botaniker Schweigger und der Theologe Vater. Zwischen den alten und den neuen Professoren kam es anfangs zu Spannungen, die wohl in der erheblich größeren Besoldung der neuen Professoren, aber auch in den größeren Rechten der alten begründet waren. Als Folge der Streitigkeiten wurde 1811 durch königlichen Erlass bestimmt, dass künftig alle ordentlichen Professoren den akademischen Senat bilden.Fritz Gause: Die Geschichte der Stadt Königsberg in Preussen. Band 2: Von der Königskrönung bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges, 1968, S. 351.
Neue Institutionen wie eine Anatomie, ein botanischer Garten und eine Sternwarte wurden geschaffen. Zur Umsetzung der Bildungsreform rief Humboldt in Berlin, Breslau und Königsberg Wissenschaftliche Deputationen ins Leben, die mit örtlichen Universitätsprofessoren und Gymnasialdirektoren besetzt waren.
Die Philosophische Fakultät war bislang die einzige, die nicht auf einen bestimmten Beruf vorbereitete. Durch die Einführung einer Staatsprüfung für das Lehramt an höheren Schulen wurde sie im Jahre 1810 auch in dieser Hinsicht den anderen drei Fakultäten angeglichen und aufgewertet.Fritz Gause: Die Geschichte der Stadt Königsberg in Preussen. Band 2, 1968, S. 344.
mini|Neue Universität, noch mit den ersten Anlagen