Wälder und Wiesen bei Malsch ist ein Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet) bei Malsch und Ettlingen im baden-württembergischen Landkreis Karlsruhe. Es gehört zum länderübergreifenden Netz besonderer Schutzgebiete Natura 2000 der Europäischen Union (EU), das den Erhalt der biologischen Vielfalt zum Ziel hat und dem anhaltenden Rückgang von wildlebenden Arten und ihrer natürlichen Lebensräume entgegenwirken soll. Das 2005 bei der EU angemeldete und 2018 im Landesrecht festgeschriebene Gebiet beherbergt die in den Roten Listen Deutschlands als stark gefährdet ausgewiesene Tagfalterart Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling, die Libellenart Helm-Azurjungfer, den Hirschkäfer, die Orchideenart Kleines Knabenkraut und insbesondere die vom Aussterben bedrohte Bockkäferart Körnerbock. Das Wald-Läusekraut ist im Schwarzwald gefährdet. Das Schmalblättrige Wollgras findet sich auf seinen nördlichsten Vorkommen im Schwarzwald.

Beschreibung und Schutzzweck Die Vorhügellandschaft zwischen Malsch und Oberweier ist durch Tälchen und Rücken landschaftlich vielfältig. Streuobstwiesen mit Hohlwegen prägen die Mittel- und Unterhänge. Hecken, Feuchtbrachen und Röhrichte entlang naturnaher Bachläufe gliedern die Landschaft. In Richtung Osten schließen die Oberhänge der Vorbergzone und der Schwarzwald mit Hainsimsen-Buchenwäldern in einem geschlossenen Band von Sulzbach bis südöstlich von Malsch an. Die Buntsandsteinhochflächen bei Völkersbach sind mit mageren artenreichen Wiesen bestanden, die Pflanzenarten der montanen Stufe enthalten.

Langfristiges Ziel ist die Erhaltung der Lebensraumtypen mindestens in ihrem jetzigen Erhaltungszustand. Im Offenland geht es unter anderen um angepasste Bewirtschaftung und nährstoffarme Standortverhältnisse, in den Wäldern um unterschiedlich lichte Sukzessionsstadien und Totholz sowie in den Gewässerlebensräumen um störungsfreie Gewässerzonen und naturnahe Gewässermorphologie.

Für die Erhaltung des Scharlachkäfers wird empfohlen, hüfthohe Holzstümpfe, größere Stammabschnitte und starkes Kronenholz heimischer Pappel-, Eichen- und Ahornarten, Eschen und Ulmen bis zum natürlichen Zerfall am Wuchsort oder auf Holzlagerplätzen zu belassen. Für den Großen Feuerfalter wird eine Mahd von Ampferflächen alle zwei bis drei Jahre in räumlichem Wechsel, für die Wiesenknopf-Ameisen-Bläulinge Mähtermine vor Mitte Juni und ab Mitte September empfohlen.

Geographie Lage hochkant=1.45|mini|Topographische Karte rund um das FFH-Gebiet Das Gebiet befindet sich an der Westabdachung des Nordschwarzwalds zur Oberrheinischen Tiefebene. Es liegt östlich von Malsch in Höhenlagen von nördlich von Malsch bis nördlich von Völkersbach. Von Malsch führt die Landesstraße nordnordöstlich nach Ettlingen-Oberweier durch das Gebiet.

Naturräumliche Zuordnung Das 902 Hektar große FFH-Gebiet gehört zu den geographisch charakterisierten Einheiten (Naturräumen) 223-Hardtebenen, 212 Ortenau-Bühler Vorberge und 150-Schwarzwald-RandplattenFriedrich Huttenlocher, Hansjörg Dongus: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 170 Stuttgart. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1966. → Online-Karte (PDF; 4,1 MB) innerhalb der naturräumlichen Haupteinheiten 22-Nördliches Oberrheintiefland, 21-Mittleres Oberrhein-Tiefland und 15-Schwarzwald.

Klima Subkontinental geprägtes Klima (Cfb-Klima nach Köppen/Geiger, kontinentale Falllaub- und Mischwälder nach Troll/Paffen) mit warmen Sommermonaten und milden, schneearmen Wintermonaten prägen die Rheinebene und die Vorbergzone. Im Nordschwarzwald herrscht ein subozeanisches Klima mit kühl-feuchten Sommer- und mäßig kalten Wintermonaten. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 8–9 °C; der mittlere Jahresniederschlag bei 879 mm für Malsch und 1017 mm für Völkersbach.

Geologie Im Oberrheingraben finden sich Sande und Kiese, die in den Niederungsbereichen der Kinzig-Murg-Rinne großflächig überdeckt sind mit Hochflutlehm. In der Vorbergzone liegt Löss auf dem Mittleren und Oberen Buntsandstein und Hangschutt. Auf der Hochfläche liegt kleinflächig Löss über Oberem Buntsandstein. Geotope wie ein Hangeinschnitt in Sulzbach und aufgelassene Steinbrüche im Tannelgrund finden sich knapp außerhalb des Gebiets.

Böden Im FFH-Gebiet finden sich auf feuchten bis nassen Niederungsstandorten Gley und Pseudogley, in Mulden und Tälchen Kolluvium, in der Vorbergzone und auf der Hochfläche Parabraunerde sowie in Sattellagen und an Hangrücken Pararendzina.

Gewässer Sämtliche Fließgewässer orientieren sich am Rhein als Hauptvorfluter. An der Schichtgrenze von Mittlerem zu Oberem Buntsandstein finden sich ergiebige Quellaustritte wie beim Glasbach oder Tannelgraben. Schuttquellen, Verwerfungsquellen und in der Vorbergzone Schichtquellen sind weniger ergiebig.

Geschichte In einer „Liste von Gebieten von gemeinschaftlicher Bedeutung der kontinentalen biogeografischen Region“ der Kommission der Europäischen Gemeinschaften wurde der Bergwald Malsch (DE7116302) im Dezember 2004 vorgeschlagen. Dies ging einher mit dem Vorschlag an die EU im Januar 2005, Wälder und Wiesen bei Malsch (7116-342) mittels des im Dezember 2004 von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg erstellten Standard-Datenbogens als Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung vorzuschlagen. Die EU-Kommission bestätigte das Schutzgebiet im November 2007 im Rahmen der Verabschiedung einer ersten aktualisierten Liste von Gebieten von gemeinschaftlicher Bedeutung in der kontinentalen biogeografischen Region.

Im April 2009 beauftragte das Regierungspräsidium Karlsruhe das privatwirtschaftliche Karlsruher Institut für Botanik und Landschaftskunde zur Erstellung eines Natura-2000-Managementplans für das FFH-Gebiet, der im Juni 2011 veröffentlicht wurde. Die Managementpläne (MaP) (alte Bezeichnung: Pflege- und Entwicklungspläne, PEPL) werden unter Beteiligung der Land- und Forstwirtschaft sowie anderer Nutzergruppen erstellt und sollen als Grundlage für den Erhalt der schützenswerten Natura-2000-Gebiete dienen. Im Rahmen dieses Fachplanes wurden die Vorkommen von Lebensraumtypen und Arten der FFH-Richtlinie erfasst und bewertet. Darauf aufbauend wurde die Ziel- und Maßnahmenplanung erarbeitet.

Mit Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe zur Festlegung der Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung vom 12. Oktober 2018 (in Kraft getreten am 11. Januar 2019) wurden das Schutzgebiet und seine Erhaltungsziele gemeinsam mit zahlreichen weiteren FFH-Gebieten im Landesrecht festgeschrieben.

Flora und Fauna mini|links|Erstsichtung der Rote-Liste-Art Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) am Stamm eines Olivenbaumes in Sulzbach

mini|Die frische Fuchsfährte fand sich am 11. März 2024 unterhalb eines Baumstamms am Lochmühlengraben (Kreis Ettlingen) Ein Wildtierkorridor von internationaler Bedeutung führt östlich des Tankgrabens durch das Gebiet (Corr-ID 12: „Pfahlwald / Michelbach (Grindenschwarzwald und Enzhöhe) – Hardtwald / Bruchhausen (Nördl. Oberrh.-Tiefland)“). Der Rotfuchs (Vulpes vulpes) gehört nicht zu den zielorientierten Indikatorarten. Die Region zählt zum „Fördergebiet Wolfsprävention Schwarzwald“.

Arten von gemeinschaftlichem Interesse mini|Ameisenbläuling auf Wiesenknopfblüte im benachbarten Flächenhaften Naturdenkmal Krautgarten-Sanktquelle () bei Malsch-Sulzbach (Juli 2020); Entwicklung der sonnenseitig exponierten Teilfläche zur Glatthaferwiese Arten von gemeinschaftlichem Interesse gehören zu den im Anhang II der FFH-Richtlinie aufgelisteten Arten, für die nach den Gesetzen der Europäischen Union besondere Schutzgebiete eingerichtet werden müssen.

Ausgestorbene und Arten ohne langjährigen Nachweis Die Dicke Trespe (Bromus grossus) gilt im Gebiet als ausgestorben. In neueren Untersuchungen konnten 2022 das Grüne Besenmoos (Dicranum viride) und 2021 der Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) nicht mehr nachgewiesen werden. Die Spanische Flagge (Euplagia quadripunctaria, Syn. Callimorpha quadripunctaria) wurde 2009 letztmals beobachtet. Larven des Scharlachkäfers (Cucujus cinnaberinus) wurden bei einer Stichprobenkartierung am 11. Februar 2011 an einem abgebrochenen Wipfelast einer Hybridpappel in einem Wäldchen in den Riedwiesen südwestlich von Sulzbach gefunden.

Aktuell nachgewiesene Arten Die Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale), der Hirschkäfer (Lucanus cervus) sowie die Schmetterlingsarten Großer Feuerfalter (Lycaena dispar), Heller (Maculinea teleius) und Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous) werden im Gebiet aufgefunden.

Weitere Arten mini| Rotmilan (Milvus milvus) über dem Bergwald zwischen Malsch und Malsch-Völkersbach An einem Sommerflieder (Buddleja) im östlichen Wohngebiet von Malsch wurden neben weiteren Kaisermantel (Argynnis paphia), Schwalbenschwanz (Papilio machaon), Distelfalter (Cynthia cardui) und Taubenschwanz (Macroglossum stellatarum) beobachtet. In Höhlen und Totholz von Streuobstbäumen leben der sehr seltene Körnerbock (Megopis scabricornis), Bunter Kirschbaumprachtkäfer (Anthaxia candens) und Violettflügelige Holzbiene (Xylocopa violacea).

Im Jahr 2022 konnten Feuersalamander (Salamandra salamandra) und Grasfrosch-Laich (Rana temporaria) nachgewiesen werden. Im Gewann Brückeläcker (kurz hinter dem Ortsausgang von Malsch in Richtung Ettlingen an der Landesstraße ) fand sich die Zauneidechse (Lacerta agilis) sowie in Talauebereichen der Nachtfalter Nachtkerzenschwärmer (Proserpinus proserpina).

Vogelinteressierte beobachten im Offenland den Weißstorch (Ciconia ciconia), der seit 2021 am Hurstsee westlich der Flachland-Mähwiese Wiedenwiesen brütet. Silberreiher (Ardea alba) scheinen dort den Graureiher (Ardea cinerea) verdrängt zu haben. In den Gewannen Schafwiesen und Fuchzich konnten am 7. Mai 2022 unter anderen Fasan (Phasianus colchicus), Turmfalke (Falco tinnunculus), Nachtigall (Luscinia megarhynchos) und Klappergrasmücke (Curruca curruca; Syn. Sylvia curruca) gehört und beobachtet werden. Im Malscher Wald berichtet der Umweltverein vom Vorkommen unter anderen des Schwarz- (Dryocopus martius), Mittel- (Leiopicus medius) und Grünspechts (Picus viridis) sowie Kleiber (Sitta europaea) und Eichelhäher (Garrulus glandarius).

Die Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus) ist eine der nachgewiesenen Fledermausarten im Gebiet, findet sich in größerer Zahl im Dachstuhl der St.-Ignatius-Kirche in Malsch-Sulzbach und befliegt die Freiflächen rund um Sulzbach.

Lebensraumtypen (LRT) Wälder Hainsimsen-Buchenwald (LRT 9110) mini|Hainsimsen-Buchenwald im LRT 9110 (Biotop 271162150120) Das flächenmäßig größte Vorkommen mit etwa 25 % von Sulzbach bis südöstlich von Malsch entfällt auf den Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagenion) auf Mittlerem Buntsandstein mit prägenden Farnen und Gräsern und dem Vorkommen des Grünen Besenmooses. Eine natürliche Entwicklung der Wälder mit einem hohen Anteil von Alt- und Totholz sowie unterwuchsfreien oder -armen Buchenwäldern unterstützt den Erhalt und die Verbesserung der Habitatbedingungen für viele Arten. Stellenweise auftretender Wildverbiss an Esche und Berg-Ahorn wirkt sich nicht beeinträchtigend auf den Lebensraumtyp aus. Lediglich bei der Weißtanne wurde ein mittlerer Wildverbiss festgestellt.

Waldmeister-Buchenwald (LRT 9130) Der Waldmeister-Buchenwald (Galio odorati-Fagetum) nimmt rund 5 % der Waldfläche im FFH-Gebiet ein. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt südlich von Sulzbach. Charakterpflanzen sind die Rotbuche (Fagus sylvatica) und der Waldmeister (Galium odoratum). Die Baumschicht ist in weiten Teilen einschichtig und weist einen Hallenwaldcharakter auf.

Auenwälder mit Erle, Esche, Weide (LRT 91E0*) mini|Schwarzerlen-Eschen-Wald (LRT 91E0*) westlich der Lochmühle im März 2024