Das Dresdner Stadtfest, seit 2014 unter dem Namen Canaletto – Das Dresdner Stadtfest, ist nach Angaben des bzw. der Veranstalter das größte Stadtfest Deutschlands. Es findet üblicherweise am vorletzten Wochenende im August mit der feierlichen Eröffnung am Freitagabend im Zentrum der sächsischen Landeshauptstadt Dresden statt. Mit rund 650.000 Besuchern an drei Tagen wurde 2023 ein neuer Besucherrekord erzielt.
Geschichte Erste Planungen mini|Areal am Königsufer 2014 mini|Erste Open-Air-Aufführung der Sixtinischen Madonna durch electra beim Stadtfest 2014 mini|Der Kreuzchor bei der Stadtfesteröffnung 2016 auf dem Theaterplatz anlässlich 800 Jahre Kreuzchor mini|Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke („Canaletto-Blick“) von Bernado Bellotto, genannt Canaletto, seit 2014 Namensgeber des Dresdner Stadtfestes Bereits Mitte der 1990er-Jahre gab es erste Überlegungen, in der Sommerzeit in Dresden ein Stadtfest zu veranstalten. Zu der Zeit existierten verschiedene Stadtteilfeste, unter anderem seit 1990 die Bunte Republik Neustadt im Juni und seit 1991 zwischen Loschwitz und Pillnitz das Elbhangfest, das am letzten Juni-Wochenende durchgeführt wurde. „Trotz vieler Bemühungen einzelner Kulturinitiativen klaffe aber noch immer ein Sommerloch; besonders im Stadtzentrum fehlten die ganz großen Attraktionen“, urteilte die Dresden Werbung und Tourismus GmbH 1996.Birgit Hilbig: Stadtfest im Sommer soll ausländische Gäste anlocken. In: Sächsische Zeitung, 8. November 1996, S. 10. Ein Ziel war unter anderem, Dresden zur Sommerzeit für internationale Gäste attraktiver zu machen. Vom 15. bis 24. August 1997 fand in der Innenstadt ein erstes Stadtfest unter dem Motto Fest der Sinnesfreuden. Dresden im August mit August statt, das Gastronomie und Kleinkunst verband. Anlass des Festes war das dreihundertjährige Jubiläum der Krönung des sächsischen Kurfürsten Friedrich August I. (August der Starke) zum König von Polen.Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. Juli 1997, Nr. 151, S. R2. Bereits im Januar 1997 war beschlossen worden, zukünftig jährlich ein Dresdner Stadtfest durchzuführen. Organisator wurde der Verein Dresdner Stadtjubiläum 2006 unter der Leitung von Klaus-Dieter Lindeck, da das jährliche Stadtfest auch der Vorbereitung auf die 800-Jahr-Feier der Stadt Dresden im Jahr 2006 dienen sollte.Kurz notiert. In: Sächsische Zeitung, 17. Januar 1997, S. 12. Das von einer Agentur organisierte Fest der Sinnesfreuden wurde in dem Zusammenhang als „Generalprobe für das neue Stadtfest“ angesehen.Katrin Saft: Dresden leistet sich Millionen-Fest im Zentrum. In: Sächsische Zeitung, 22. Juli 1997, S. 10.
Das Stadtfest wurde zu Beginn jeweils hälftig von der Stadt Dresden und von Sponsoren (Hauptsponsoren Brauereien Feldschlößchen und Radeberger Exportbierbrauerei sowie die Ostsächsische Sparkasse Dresden) finanziert; bereits beim dritten Stadtfest kamen bei Gesamtkosten von 2,3 Millionen Mark nur noch 240.000 Mark aus dem städtischen Haushalt, während Sponsoren 1,3 Millionen Mark zum Fest beisteuerten.Grit Moch: Dresden lässt den Drachen steigen. In: Sächsische Zeitung, 26. Mai 2000, S. 9. Im Jahr 2001 hatte sich der Beitrag aus dem städtischen Haushalt auf 130.000 Mark reduziert, bei Gesamtkosten von 2,3 Millionen Mark (1,2 Millionen Mark wurden aus Sachspenden und 1,1 Millionen Mark aus Geldspenden bestritten).Ortrun Albert: 500000 Besucher an 17 Veranstaltungsorten erwartet. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 11. August 2001, S. 15. Der Eintritt zum Stadtfest ist seit Beginn kostenfrei.
Entwicklung ab 1998 Das erste Stadtfest wurde am 21. August 1998 auf dem Theaterplatz durch den Dresdner Oberbürgermeister Herbert Wagner eröffnet. Es folgte ein Konzert der erst 1997 gegründeten Dresdner Sinfoniker, die damit ihr zweites öffentliches Konzert gaben.Sinfoniker eröffnen Stadtfest mit Konzert. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 31. Juli 1998, S. 11. Das erste Stück des Konzerts war dabei Olympic Fanfare And Theme von John Williams. Das zweite Stadtfest wurde erstmals in größerem Maß auch auf die Dresdner Innere Neustadt (u. a. Hauptstraße) ausgedehnt, was bis auf wenige baubedingte Ausnahmen seither beibehalten wurde. Besonderheiten waren die erstmalige Veranstaltung Gläsernes Regierungsviertel, bei der am Sonnabend ein Blick hinter die Kulissen der Sächsischen Staatskanzlei und acht Ministerien geworfen werden konnte, sowie die erste Baby-Parade, wobei der angestrebte Weltrekord von 500 Teilnehmern verfehlt wurde. Beide Veranstaltungen fanden auch in den Folgejahren statt.
Nach der Entscheidung im Jahr 2001, dass das Stadtfest auch nach der 800-Jahr-Feier im Jahr 2006 weitergeführt werden solle und der daraus resultierenden Umstrukturierung des bis dahin bestehenden Trägervereins in einen Förderverein und die Übernahme der Trägerschaft durch die Stadt, sollten zum Stadtfest 2002 erstmals das Haus der Kathedrale und das Kanzleigäßchen sowie die Stadtverwaltung selbst mit Veranstaltungen einbezogen werden. Unter anderem war eine Rathausbesichtigung mit Turmbesteigung geplant,Claudia Schade: Stadtfest: Feiern mit Pop und Klassik. In: Sächsische Zeitung, 8. Juni 2002, S. 9. insgesamt sollten Veranstaltungen in 19 Arealen und auf neun Bühnen stattfinden. Aufgrund des Elbehochwassers wurde das Stadtfest, das vom 23. bis 25. August 2002 angesetzt war, schließlich abgesagt.Stadtfest fällt aus. In: Sächsische Zeitung, 17. August 2002, S. 6.
Ab 2003 wurde das Stadtfest moderner und auf jüngere Zielgruppen ausgerichtet. Zunehmend ergänzten Auftritte junger Künstler, darunter Castingshowgewinner (u. a. 2004 Overground, Preluders und Martin Kesici) und in den Charts vertretene Gruppen, das Programm. Im Jubiläumsjahr 2006 anlässlich 800 Jahre Dresden fand das Stadtfest erstmals im Juli statt und dauerte statt drei insgesamt zehn Tage. Es wurden über 500 Programmpunkte angeboten.Jörn Käsebier: Über 500 Veranstaltungen zur Stadtfestwoche vom 14. bis 23. Juli. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 8. Juli 2006, S. 15. Die einzige kostenpflichtige Veranstaltung des Festes war die Hochhaussinfonie auf der Prager Straße, bei der die Dresdner Sinfoniker und die Pet Shop Boys unter der Leitung von Jonathan Stockhammer von Anwohnerbalkonen der Prager Straße aus den Stummfilm Panzerkreuzer Potemkin musikalisch begleiteten.Genia Bleier: Im Jubiläumsjahr 2006 feiert Dresden vom 14. bis zum 23. Juli sein Stadtfest. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 3. Mai 2006, S. 15.Andy Dallmann: Fliegend dirigieren. In: Sächsische Zeitung, 16. Mai 2006, S. 15.
Die Organisation der Stadtfeste nach dem Jubiläumsjahr 2006 übernahm die Dresden-Werbung und Tourismus GmbHIvette Wagner: Ich+Ich und viel Käse auf dem Stadtfest. In: Sächsische Zeitung, 3. August 2007, S. 15. mit Unterstützung des seit 2003 umgebildeten früheren Trägervereins, nunmehr als Förderverein Dresdner Stadtfest e. V. Das Fest fand reduziert auf fünf Arealen (Elbufer, Theaterplatz, Goldener Reiter mit Hauptstraße, Schloßstraße, Schloßplatz) statt. Eine Neuheit des Fests, die seither beibehalten wurde, waren die sogenannten Goldenen Reitereien, bei denen verschiedene, vor allem unsubventionierte Theater und Kabaretts Ausschnitte aus aktuellen Bühnenprogrammen präsentierten. Sowohl 2007 als auch 2008 wurde der Dresdner Fürstenzug durch kostümierte Darsteller nachgestellt, die als Lebendiger Fürstenzug durch die Innenstadt zogen. Erstmals war der Lebendige Fürstenzug im Rahmen des Stadtjubiläums 2006 zu sehen gewesen.
Neuausrichtung 2011 Immer wieder wurde das Stadtfest als austauschbar, ohne Bezug zur Stadt und „Fressfest“ kritisiert. Im Jahr 2010 wurden daher unter dem Motto „Kunst und Genuss an der Elbe“ Kulturinstitutionen wie die Semperoper und die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mit am Fest beteiligt und der Fokus stärker auf künstlerische Darbietungen gelegt. Zuständig für die Organisation war die Dresden Marketing GmbH. Für die kommenden drei Jahre wurde das Stadtfest mit dem Ziel ausgeschrieben, dass die Organisation zukünftig aus der Privatwirtschaft kommt, wobei die Regie durch die DMG als Kontrollorgan der Stadt erfolgen sollte. Es wurde zudem festgelegt, dass das Stadtfest immer ein Oberthema haben sollte, das sich als roter Faden durch alle Veranstaltungsformate zieht.Christoph Springer: Der Plan: Regie öffentlich, Organisation privat. Dresden gibt Organisation des Stadtfestes ab. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 7. Juli 2010, S. 13. Die Ausschreibung für die Stadtfeste 2011 bis 2013 gewannen Konzertveranstalter Bernd Aust und Agenturchef Frank Schröder, die für die Durchführung die Dresdner Stadtfest GmbH gründeten.Heiko Weckbrodt: Privates Konsortium Aust/Schröder richtet vom 19. bis 21. August das Stadtfest 2011 aus. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 3. Dezember 2010, S. 15. Geschäftsführer der Gesellschaft wurde Klaus-Dieter Lindeck, der bereits die ersten Stadtfeste organisiert hatte.Dresden feiert sich. Neuer Glanz für altes Stadtfest. In: Sächsische Zeitung, 22. August 2011, S. 13. Das Budget für das Fest betrug jeweils 500.000 Euro, wobei weniger als 10 Prozent der Summe von der Stadt Dresden kam. Der städtische Zuschuss wurde schließlich im Konzessionsvertrag mit den Veranstaltern auf 50.000 Euro festgelegt.Christoph Stephan: Dresdens Stadtfest unterwirft sich der Romantik Stadtfest in Zahlen. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 25. Juni 2014, S. 18. Die Dresdner Stadtfest GmbH erhielt auch in den Folgeverhandlungen den Zuschlag für die Durchführung des Stadtfests.Thomas Baumann-Hartwig: Stadtrat vergibt Konzession für Organisation des Stadtfestes bis 2019. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 19. August 2016, S. 15.
Um das Dresdner Stadtfest aus einer „Reihe der Beliebigkeit“ anderer Stadtfeste herauszuheben, wurde 2013 durch die Veranstalter Bernd Aust und Frank Schröder festgelegt, dass es zukünftig den Namen Canaletto tragen sollte, wobei Das Dresdner Stadtfest als feststehende Unterzeile mitgeführt wurde. Gründe für die Namenswahl waren dabei die „Bekanntheit des Malers Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, und seines gleichnamigen Gemäldes, das den Blick auf die historische Stadtkulisse zeigt“ sowie der Namensklang gewesen.Denni Klein: Dresdner Stadtfest bekommt einen neuen Namen. In: Sächsische Zeitung, 19. August 2013, S. 1. Der Name Canaletto solle „unverwechselbar für Dresden stehen und dem Image als Kulturstadt gerecht werden“.Denni Klein: „Das Stadtfest wird kostenlos bleiben“. In: Sächsische Zeitung, 19. August 2013, S. 13.
Aufgrund der Covid-19-Pandemie wurde das Stadtfest 2020 zunächst auf Oktober (um den Tag der Deutschen Einheit) verschoben und schließlich Ende Juli 2020 ganz abgesagt. Es war damit nach der Absage 2002 aufgrund des Elbehochwassers das zweite Stadtfest, das nicht stattfand. Im Folgejahr fand das Stadtfest erstmals nicht im August, sondern im Oktober rund um den Tag der Deutschen Einheit statt. Das Fest wurde dabei auf Basis der geltenden Corona-Pandemie-Bedingungen mit Zulassungsbeschränkungen vor den Bühnen durchgeführt. Erst 2022 fand das Stadtfest wieder ohne Einschränkungen statt. Im Jahr 2023 wurde mit 650.000 Personen vor Ort ein neuer Besucherrekord aufgestellt.Jaaa, die Dresdner können richtig feiern!. In: Dresdner Morgenpost, 21. August 2023, S. 6.