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ʿAd Halom () ist eine Ortslage am östlichen Rande der Stadt Aschdod, Israel. Sie erstreckt sich von drei Brücken über den Nachal Lachisch im Norden, deren älteste im Verlauf der hier passierenden historischen Heerstraße namens Via Maris entstand. Im Süden reicht ʿAd Halom bis an den Siedlungshügel Tel Aschdod. Flächen und Bauten für Verkehr prägen ʿAd Halom, gemischt mit Grünanlagen, wobei Wohnbebauung fehlt.
Beginnend mit den Brücken im Norden gehören dazu das Busdepot Aschdod der Egged, die wichtige innerörtliche Nord-Süd-Verkehrsachse Sderot Moscheh Sneh, die Autobahnanschlussstelle Mechlaf ʿAd Halom vom Kvisch in die Stadt Aschdod und der Bahnhof Aschdod – ʿAd Halom. Gleich südlich schließt sich das Industriegebiet ʿAd Halom an, das aber zur benachbarten Regionalverwaltung Beʾer Tuvjah gehört und Aschdod seit 2019 zur Eingemeindung beansprucht.
Lage ʿAd Halom erstreckt sich über etwa 2,6 Kilometer entlang der östlichen Stadtgrenze und misst in der Breite zwischen 250 Metern im Norden, 500 Metern im mittleren Bereich (Bahnhofsviertel) und 150 Metern im Süden. Westlich bilden die Sderot Moscheh Sneh die Begrenzung der Ortslage, an deren westlicher Straßenseite sich das Wohnviertel Rova Ṭeit () erstreckt.
Die Hauptstraße Sderot Moscheh Sneh und zwei weitere Verkehrsachsen, nämlich die Sinai-Bahn und die Autobahn Kvisch , verlaufen der Länge nach durch die in Nord-Süd-Richtung gestreckte Ortslage und sind für sie prägend. Beide Straßen ersetzen die zwischen ihnen parallel verlaufende alte Via Maris im Bereich ʿAd Haloms,Mirit Friedman (), Ashdod Travelers Guide, Tel Aviv: , 2018, ISBN 978-965-7326-66-4, S. 31. deren Trasse im Norden der Ortslage als Rad- und Wanderweg verkehrsberuhigt ist, während der südliche Teil als Verlängerung des westlichen Bahnhofsvorplatzes als Bushalt und Parkplatz für Bahnreisende dient.
mini|links|In Rot das Gebiet der einstigen philistäischen Pentapolis, das heute das israelische Tiefland Philistäas umreißt Geographisch ist ʿAd Halom Teil der israelischen Landschaft Tiefland Philistäas (), kurz Philistäa () an der südlichen Mittelmeerküste Israels, wo einst die Philister lebten. Das Tiefland Philistäas reicht vom Nachal Schiqma () im Süden bis zum Nachal Soreq im Norden. Im Westen begrenzt das Mittelmeer und im Osten die hügelige Schphelah den Mischor Pleschet, dessen maximale Breite im Süden etwa 27 Kilometer, im Norden etwa 20 Kilometer misst.
Hervorstechendstes Merkmal des Mischor Pleschet sind die linear angeordneten dammförmigen Erhebungen, Kämme aus Kurkar (, DMG Kurkār; eine in Israels Küstenstreifen verbreitete Art kalkhaltigen Tuffs), deren Entstehung auf unterschiedliche geomorphologische Prozesse zurückzuführen ist. Fließgewässer wie der Nachal Lachisch durchbrechen die Kämme, schufen mit Sedimenten aber im Stau östlich vor den Kämmen eine flache Landschaft. Viele kleine Bäche, wie etwa östlich Aschdods verwandelten dort viele Kurkar-Kämme in lauter einzelne Hügel.Sasson Avi (), , auf: אפרתה, המכללה האקדמית לחינוך; abgerufen am 18. Februar 2024.
Da viele kleinere Fließgewässer vor dem Karkurkamm in ʿAd Halom in den Nachal Lachisch münden, der so in einem Durchbruch die Wasser vereint durch die Geländebarriere führt, bot sich an, am Lauf unterhalb der Einmündungen nur einen einzelnen Flussübergang anzulegen, weswegen die Via Maris sich am vereinten Unterlauf des Nachal Lachisch bis auf kurze Distanz der See annähert. Im israelischen Abschnitt der Via Maris nimmt über weite Strecken der Kvisch 4 () ihren Verlauf ein. Weiteres Charakteristikum Philistäas ist der Dünenstreifen an der Küste, darunter Wanderdünen wie HaDjunah haGdolah ().
Im Norden der Ortslage verbindet der Park ʿAd Halom die historische Brücke Gescher ʿAd Halom und einige Erinnerungsstätten und Denkmale miteinander. Südwestlich vom Park befindet sich das Busdepot Aschdod der Egged. Die in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Sderot Moscheh Sneh, die wichtige Durchgangsstraße am östlichen Stadtrand, erschließen Busdepot und Park, 400 Meter weiter südlich kreuzen sie die Sderot Menachem Begin, die in Ost-West-Richtung verlaufende Hauptverkehrsachse der Stadt. An deren östlichem Ende münden die Sderot Begin in der Anschlussstelle Mechlaf ʿAd Halom zum Kvisch . Gleich südlich vom Mechlaf ʿAd Halom erstreckt sich das in Entwicklung befindliche Bahnhofsviertel mit dem Bahnhof Aschdod – ʿAd Halom. Südlich, aber schon außerhalb der Stadt, schließt sich das Industriegebiet ʿAd Halom an.
Name Der Name ʿAd Halom () benennt das weiteste Vordringen der ägyptischen Armee ins israelische Herzland im Zuge ihrer Invasion ab 15. Mai 1948, womit sie international den Krieg um Israels Unabhängigkeit eröffnet hatte. Am 29. Mai des Jahres stieß die ägyptische Armee bis hierher (ʿAd Halom) vor, und nicht weiter, da sie den heftigen israelischen Widerstand entlang des Nachal Lachisch mit der gesprengten Brücke Dschisr Isdud (heute Gescher ʿAd Halom) in mehreren Gefechten nicht bezwingen konnte. Im Oktober des Jahres gelangen Israels Streitkräften Zahal Vorstöße anderwärts (Operation Joʾav, ; 15.–22. Oktober 1948), was die ägyptische Streitmacht schließlich zum Rückzug zwang. Seit 1948 wird der hebräische Begriff ʿAd Halom verwendet, um diese oder im übertragenen Sinne eine andere letzte Verteidigungslinie zu beschreiben, die nicht fallen darf. Diesem Sprachgebrauch folgend wählte auch das 2012 in Kalifornien von Israelis gegründete Unternehmen Adallom den Begriff als Firma.
Später plante Israel im Zuge der Landesentwicklung bei der Brücke am Nachal Lachisch eine Ortschaft anzulegen, für die der Regierungsausschuss für Ortsnamen () Vorschläge für ein Toponym erbeten hatte, das an den Krieg um Israels Unabhängigkeit erinnern möge. (Regierungsausschuss für Ortsnamen): (Korrespondenz), S. 120, (Archijjōn Mədīnat Jisraʾel; Archiv des Staates Israel). (Regierungsausschuss für Ortsnamen): (ausgehende Post), S. 219, (Archijjōn Mədīnat Jisraʾel). Den Vorschlag ʿAd Halom () lieferte der damalige Zahal-Generalstabschef Jiggaʾel Jadin, wozu er erklärte, „weil die Ägypter bis hierher bei ihrer Invasion vorstießen und hier unsere Schläge abbekamen“. (Regierungsausschuss für Ortsnamen): (ausgehende Post), S. 220, (Archijjōn Mədīnat Jisraʾel). Es gab auch andere Namensvorschläge. (Regierungsausschuss für Ortsnamen): (Kritik zu Sitzungen des Regierungsausschusses für Ortsnamen), S. 579, (Archijjōn Mədīnat Jisraʾel). Den Namen beschloss der Regierungsausschuss am 31. August 1952 nach einiger Debatte, denn anfangs erhielt ʿAd Halom nur zwei gegen drei Stimmen für das kürzere Halom. (Regierungsausschuss für Ortsnamen): (Sitzungen des Plenums), S. 155, (Archijjōn Mədīnat Jisraʾel). Der Name wurde vergeben, doch zum Bau von Wohnhäusern kam es schließlich nie. Mit Gründung Aschdods 1957 kam ʿAd Halom als Ortslage an jenes.
Geschichte Die ʿAd Halom passierende historischen Handels- und Heerstraße namens Via Maris verläuft zwischen Dor unterhalb des Karmels im Norden bis Pelusium in Unterägypten parallel zur Küste des Mittelmeers. In ihrem israelischen Abschnitt nimmt über weite Strecken der Kvisch 4 () ihren Verlauf ein. Abschnittsweise weicht der Kvisch 4 jedoch vom historischen Verlauf der Via Maris ab, deren Trasse daher teils niedriger klassifiziert anderen Landesstraßen zugerechnet wird, wie zwischen Gan haDarom nördlich Aschdods bis Rischon leZion als Kvisch 42 ().
Pharao Thutmosis III. zog mit seinen Truppen 1457 v. d. Z. die historische Via Maris entlang in die Schlacht bei Megiddo, Pharao Schischak passierte hier 924 v. d. Z. auf seinem Feldzug nach Geser, Sultan Saladin, erster der ägyptischen Ayyubidenherrscher, führte nach seiner Machtübernahme 1171 auf diesem Wege seine Militärschläge gegen das Königreich Jerusalem.Efrat Naqasch (), “” Linkliste mit Link der Tour ‹› (28. April 2015), auf: אפרת נקש טיול בארץ; abgerufen am 12. Februar 2024. Um Reisen und Transport auf der Strecke zu erleichtern, errichteten Bauverantwortliche zu Zeiten jeweils besser organisierter Staatskunst auch Brücken im Verlauf der Via Maris. Im Zuge der militärischen Durchdringung und Sicherung des Heiligen Landes ließen im heutigen ʿAd Halom Mamluken eine Steinbogenbrücke, den Dschisr Isdud (Gescher ʿAd Halom) über den Fluss Nachal Lachisch errichten.
Napoléon I. nahm hier die Via Maris auf seinem letztlich bei der Belagerung von Akkon (1799) gescheiterten Feldzug von Ägypten nach Syrien und zurück. Ihm folgte 1831 der ägyptische Wālī Muhammad Ali Pascha, in einem Versuch seinen Lehnsherrn, den osmanischen Sultan abzuschütteln und ihm dabei im Ersten Ägyptisch-Osmanischen Krieg noch gleich dessen Eyâlets in der Levante abzunehmen. Von den Großmächten wieder in seine vorigen Herrschaftspositionen gehievt, setzten die Behörden des osmanischen Sultans und Chalifen die Brücke Ende des 19. Jahrhunderts in Stand.
Nach der Dritten Schlacht um Gaza (1.–7. November 1917) im Ersten Weltkrieg zog sich die dort unterlegene osmanische Armee im Bündnis der Mittelmächte zurück, meist ab Beit Chanun per osmanischer Militärbahn von der Küste nach atTina, einige osmanische Einheiten nahmen die Via Maris und passierten den Dschisr Isdud über den Nachal Lachisch (, , im Bereich der Brücke auch genannt). An dessen Nordufer errichtete die osmanische 8. Armee unter Friedrich Kreß von Kressenstein eine neue Verteidigungslinie der Palästinafront. Nach ihrem Rückzug über den Dschisr Isdud versuchten die Osmanen ihn zu sprengen, um ihn für die Verfolger unpassierbar zu machen, beschädigten die Brücke aber nur.
mini|links|Arbeiter des Egyptian Labour Corps reparieren im November 1917 den Dschisr Isdud, den Osmanen auf ihrem Rückzug beschädigt hatten Für die Triple Entente verfolgte die Egyptian Expeditionary Force (EEF) unter Edmund Allenby die sich zurückziehenden Streitkräfte der Mittelmächte durchs Tiefland Philistäas, wobei berittene Australian and New Zealand Army Corps (ANZAC) unter Edward Chaytor am 10. November 1917 den Dschisr Isdud erreichten. Kreß von Kressenstein ließ die anrückenden Entente-Kräfte durch die Artillerie der 8. Armee beschießen. ANZAC-Kräfte nahmen die beschädigte Steinbrücke schließlich ein und das osmanische Militär zog sich weiter zurück,Archibald Wavell, [‹The Palestine campaigns›, London: Constable, 1928; hebr.] Jerusalem: , 31979, S. 32. worauf zwangsrekrutierte ägyptische Zivilisten des Egyptian Labour Corps (ELC) sie wieder in Stand setzten. Während die Mittelmächte eine neue Verteidigungslinie am Jarqon aufbauten, setzten die Entente-Kräfte ihnen nach.
mini|Nachal Lachisch überspannt von Sinai-Bahnbrücke (li.) und Gescher ʿAd Halom (re.), 2020 Um die vorrückenden Entente-Truppen logistisch zu unterstützen, errichteten Arbeiter des ELC für die Britischen Militärbahnen vom Sultanat Ägypten aus parallel zur Via Maris die Sinai-Bahn, während die Entente-Kräfte gegen die neue Verteidigungslinie der Mittelmächte am Jarqon vorstießen. Die Sinai-Bahn überspannt seit 1917 direkt nordwestlich der mamlukischen Brücke den Fluss, die aktuelle Bahnbrücke stammt aus der Zeit des zweigleisigen Ausbaus 2004/2005.
In den Jahren 1918 bis 1920 zogen die im Weltkrieg siegreichen Briten und Franzosen in den militärisch eingenommenen osmanischen Territorien neue Grenzen und teilten sie untereinander in ihre Occupied Enemy Territory Administrations (OETA) South, OETA North bzw. OETA East auf. In ihrer OETA South fassten die Briten verschiedene osmanische Gebiete zur neuen Region Palästina zusammen.